Jaguar XF Sportbrake (2017) — Im neuen Nobel-Kombi durch UK

Was haben Käse, Bier, Pilze, englisches Sommerwetter und ein sportlicher Kombi von Jaguar gemeinsam? Finden wir es doch heraus – in einem XF Sportbrake 25d R-Sport mit Allradantrieb.

Der erste Regentropfen klatscht um 6.59 Uhr auf die Windschutzscheibe. Überpünktlich – laut Wettervorhersage sollte der englische Sommer erst um sieben Uhr beendet sein. James scheint dieser Umstand nicht zu stören: „Wir hatten kürzlich drei Sonnentage am Stück. Einen besseren Sommer kann man sich in England nicht wünschen“, erklärt er bester Laune, reicht uns den Schlüssel zum neuen Jaguar XF Sportbrake und wünscht eine vergnügliche Fahrt. „Das Fahrzeug verfügt selbstverständlich über einen Regensensor“, ruft er uns nach. Für alle, die England noch nie in den warmen Monaten des Jahres bereist haben: So launisch wie im Königreich benimmt sich der Sommer nicht mal in Island. Die Engländer haben sich auf ihre Weise damit arrangiert. Sie würzen die Tatsache mit Humor, haben immer einen Regenschirm griffbereit und können dir stets sagen, wo sich das nächste Pub befindet.

Sportbrake? Gab’s doch schon!

Letzteres verrät einem auch der neue Jaguar XF Sportbrake. Zur Erinnerung: Bis 2015 gab es bereits einen XF mit Kombi-Heck – in der Baureihe X250. Der zweiten Generation der geräumigen Mittelklasse (X260) fehlte bislang der Sportbrake, was unterschiedliche Gründe hat. Einer davon: unterschiedliche Vorlieben. Während hierzulande große Kombis hoch im Kurs stehen, verkaufen sich im Vereinigten Königreich traditionell mehr Limousinen. „Die sehen ja oft auch besser aus“, bestätigt Matthew diesen Fakt. Der junge Engländer steht auf einer kleinen Lichtung, keine halbe Stunde außerhalb der Stadt Gloucester und scannt aufmerksam die Linie des XF Sportbrake. Dass er Autofan ist, verrät sich nicht auf den ersten Blick. Dafür hat sich Matthew einfach zu gut mit übergroßen Pilzen aus Holz und einem alten DAF Lieferwagen getarnt.

Bei den Pilzen handelt es sich um Skulpturen, die er für 50 Pfund aufwärts verkauft, den DAF bewohnt er mit seiner Freundin. „Seitdem wir einen Ofen eingebaut haben, ist’s echt gemütlich“, bekräftigt Matthew und zeigt auf die hintere Seitenverplankung des DAF, durch die sich ein qualmendes Ofenrohr bohrt. Über das Angebot mit den Pilzen denken wir noch mal nach, Platz im Jag haben wir ja. „No problem“, ruft er zum Abschied, „ihr wisst ja, wo ihr uns findet.“

Nach der passenden Rezeptur für den XF Sportbrake musste Jaguar nicht lange suchen. Der Kombi nutzt wie die Limousine die moderne Alu-Plattform iQ. Beim Radstand gibt es im Vergleich zum Vorgänger 51 Millimeter mehr Spielraum, der den Passagieren im Fond zugutekommt. Unter die gestengesteuerte Heckklappe passen 565 Liter Gepäck. Wird die geteilte Rückbank umgelegt, sind es bis zu 1.700 Liter Stauraum. Und noch eine Zahl gefällt: 2.000 Kilogramm Anhängelast meistert der Sportbrake. Dafür arbeitet an seiner Hinterachse eine Niveauregulierung – und zwar serienmäßig.Obwohl sich Jaguar mit diesen Werten im Club der großen Kombis nicht zu verstecken braucht, hatten die Väter des Sportbrake nicht nur das Thema Nutzwert im Sinn. Sie wollten vor allem einen schönen, sportlichen Kombi erschaffen. Deswegen verbrachten sie viele Tage im Windkanal (Strömungswiderstandskoeffizient: 0,29), modulierten ewig an den Sicken und Kanten unter der Fensterlinie, bis sie bei allen Lichteinfallwinkeln perfekt aussahen. Kombis in der 50.000-Euro-plus-Region verlangen einen perfekten Look, sonst werden sie keine willkommene Alternative zu Audi A6 und BMW 5er.

V8? Nicht zum Start im Herbst

Mit starker Konkurrenz kennt sich auch unser nächstes Ziel aus. Bis dahin braucht es rund eine Stunde, die wir nutzen, um den neuen Jaguar etwas zu fordern. Von den bequemen Ledersitzen aus erhöhen wir das Tempo, was den rund 1.800 Kilogramm schweren Kombi nicht weiter stört. Dank perfekter Gewichtsverteilung und direkter Lenkung folgt er unaufgeregt dem Lauf der kleinen Landstraße und lässt sich auch bei sportlichem Kurventempo nicht aus der Ruhe bringen. Sein Allradantrieb verleiht ihm zusätzliche Souveränität. Irgendwann entspannen sich die Scheibenwischer, lockert sich der Wolkenvorhang auf – das können wir durch das 1,6 Quadratmeter große Glasdach des Sportbrake erkennen. Das dazugehörige Rollo lässt sich mittels Gestensteuerung bedienen. Ziemlich cool!

Wohltuend bleiben einem die Schaltvorgänge des Achtgang-Automatikgetriebes aus dem Hause ZF in Erinnerung – es kommt serienmäßig mit dem 25d. Der Selbstzünder leistet 240 wache PS und 500 überzeugende Newtonmeter Drehmoment und ist einer von vier Turbodieselmotoren, die auf vier Zylinder mit zwei Litern Hubraum setzen. Darüber rangiert ein V6-Turbodiesel (700 Newtonmeter, Heckantrieb, Automatik), daneben ein Zweiliter-Turbobenziner mit 250 PS, Heckantrieb und Automatikgetriebe. „Welcome“, ruft Rod aus dem kleinen Nebengebäude mit der Aufschrift „Smart’s – The Cheese House“. Es handelt sich um eine traditionelle Käserei, die den bekannten Gloucester Cheese herstellt.

Rods Mutter hat den Laden im Alter von 60 Jahren übernommen – der Familienbetrieb verarbeitet die eigens produzierte Kuhmilch auf kurzen Wegen. „Wie wir uns gegen die starke Konkurrenz wehren?“, fragt Rod mit jenem Schmunzeln im Gesicht, das viel verspricht. „Mit unserem Käse wird das Käserennen der Region ausgetragen, deswegen kennt uns jeder.“ Ein Käserennen? Really?„Kennt ihr nicht?“, fragt er und bellt vor Lachen. „Also, das Rennen folgt einer sehr alten Tradition. Dabei versammeln sich stets alle aus der Region an einem steilen Naturhang. Die mutigsten Typen stehen ganz oben und versuchen, einen runden Käselaib einzufangen, der kurz vor dem Startschuss den Hang hinabgerollt wird. Wer ihn als Erster zu fassen bekommt, gewinnt. “Als wir später bei einer kleinen Brauerei anhalten und den restlichen Platz im Kofferraum mit wilden Bierkreationen füllen, gesellt sich die Sonne dazu. Dabei wird uns klar: In England gibt es noch so viel wunderbar Skurriles zu entdecken. Dazu braucht es nicht zwingend einen Sportbrake – wobei der Kombi einem behilflich ist. Schließlich will jeder Engländer kurz hinters Steuer eines neuen Jag – um im Tausch eine Geschichte über die Marke zu erzählen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/jaguar-xf-sportbrake-25d-reise-fahrbericht-england-12609906.html

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