Land Rover Defender: Vom Stolz, noch Ecken und Kanten haben zu dürfen

Land Rover Defender: Vom Stolz, noch Ecken und Kanten haben zu dürfen

Land Rover Defender

Moderne Autos müssen sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, beim Design kaum noch unterscheidbar zu sein und auch wenn unbestritten ist, dass früher keineswegs „alles besser“ war, so lässt sich eine Tatsache ganz gewiss nicht leugnen: Die Anzahl echter Typen, Autos mit Ecken und Kanten, die nicht jedem gefallen wollen, ist deutlich kleiner geworden.

Obwohl moderne Beispiele rar geworden sind, finden sich auch im Jahr 2013 noch Vertreter dieser keineswegs perfekten, aber dafür um so charakterstärkeren Gattung: Für alle, denen selbst eine Mercedes G-Klasse im Lauf ihrer zahlreichen Facelifts zu weich geworden ist, gibt es noch bis 2015 die britische Alternative namens Land Rover Defender. Der Prototyp des Geländewagens von der Insel wird seit 1947 gebaut und obwohl er von Zeit zu Zeit mit neuerer Technik aufgefrischt wurde, fühlt er sich heute keineswegs wie ein Neuwagen an: Von einem SUV erwarten heutige Kunden eine hohe Sitzposition und viel Platz, auf ein komfortables und dynamisches Fahrverhalten wie bei einem Pkw wollen sie aber dennoch nicht verzichten.

Während sich viele Hersteller bei dieser Quadratur des Kreises bis zur Unkenntlichkeit verbogen und ihren optisch als Geländewagen auftretenden SUVs auch den letzten Rest Offroad-Flair abtrainiert haben, glänzt der Defender heute wie schon 1947 mit der souveränen Lässigkeit eines Veteranen, der seine Stärken genau kennt und niemandem etwas vorspielen muss.

Land Rover Defender: Durch und durch Premium – auf seine Art

Land Rover Defender

Hat man sich in den dank exorbitanter Bodenfreiheit ungewohnt hohen Innenraum geschwungen, wird man folglich auch nicht von Leder und Alcantara, sondern von ziemlich rustikalen Hartplastik-Oberflächen empfangen. Was in anderen Autos die Frage nach der Hochwertigkeit aufwirft, unterstreicht im Land Rover Defender die eigenständige Premium-Definition: Hochwertig ist, was keine Starallüren hat und auch unter härtester Beanspruchung nicht kaputt geht. Gerät beim Ein- oder Aussteigen etwas Schlamm in den Defender, ist keineswegs der feine Teppich ruiniert – vielmehr unterstreicht derartige Patina, dass dieses Exemplar artgerecht gehalten wird.

Sollte doch etwas zu Bruch gehen, glänzt der Defender mit Reparaturfreundlichkeit: Wo bei manchem modernen SUV mindestens ein Notebook in den gut sortierten Werkzeugkoffer gehört, punktet der urige Brite mit Einfachheit. Wenn hier etwas nicht geht, kann fast jeder erfahrene Auto-Mechaniker weiterhelfen – und wenn die Frontscheibe beim Tripp durchs Gelände etwas abbekommen hat, kann jeder Glaser einen Ersatz anfertigen, weil sie völlig plan ist.

Für die weltweit rund 20.000 Kunden, die sich pro Jahr für einen neuen Defender entscheiden, stehen dann wenig überraschend etwas andere technische Daten als beim Durchschnitt im Vordergrund. Bis der Tacho die 100er-Marke erklommen hat, vergehen laut Land Rover mindestens 15,8 Sekunden – viel wichtiger sind Defender-Fahrern aber ganz andere Aspekte: Bis zu 500 Millimeter Wattiefe, 250 Millimeter Bodenfreiheit unter den Achsen, 45 Grad maximale Steigfähigkeit und 49 Grad maximaler Böschungswinkel vorn helfen zwar nicht beim Ampelsprint, machen aber praktisch jede noch so schlechte Straße passierbar – egal ob im Ruhrgebiet oder im Dschungel Boliviens.

Wenn der Dschungel Bolivens doch etwas zu weit entfernt ist, kann man sich auch im Land Rover Experience Center in Wülfrath einen Eindruck von den Offroad-Fähigkeiten des britischen Dinosauriers machen. Dabei zeigt sich schnell, dass sich der rüstige Rentner abseits asphaltierter Straßen nicht hinter seinen jüngeren Familienmitgliedern verstecken muss, letztere punkten allerdings mit deutlich mehr Lifestyle-Glamour. Das erklärt einerseits, warum sie auf den Straßen Londons häufiger anzutreffen sind als ein Defender – es erklärt aber auch den leicht abfälligen Blick, mit dem der altersweise Defender von Zeit zu Zeit kopfschüttelnd auf „die Jugend“ blickt.

 

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