Mann gegen Frau – Die Entscheidung auf der Rennstrecke

Mann gegen Frau – Die Entscheidung auf der Rennstrecke

Wer kennt das nicht in einer Partnerschaft: „Alles was du kannst, das kann ich viel besser!“ – „Kannst du nicht!“ – „Kann ich doch!“ doch was so humorig im Musical Annie get your gun besungen wird, kann hinter dem Lenkrad eines Autos durchaus mal zu Diskussionen führen. Denn hier geht es schließlich um die Ehre des Mannes, der diese Zeilen schreibt. Autofahren, das ist ganz klar meine Domäne. Dazu kommt: hunderte von Runden habe ich auf der Nordschleife abgerissen, da kommt doch jetzt nicht mal eben meine Freundin, setzt sich ins Auto ohne jegliche Rundstreckenerfahrung und ist dann schneller? Also brauchen wir einen Schiedsrichter. Neutral und kompetent, wenn es um schnelles Autofahren geht. Wir wenden uns an Gedlich Racing, denn die wissen, wie man mit Heißspornen umgeht und einen Plan hat das Team rund um Chefinstruktor und Rennfahrer Markus Gedlich auch gleich zur Hand: ein separates Coaching für mich und meine „Wilde Hilde“.

Wer bügelt hier? Und wen?

Mann vs. Frau – Die Entscheidung am Berg

Kreis Höxter im Spätherbst. Es ist kalt, die Wolken hängen tief. Genau nicht das richtige Wetter für den Showdown der erhitzen Gemüter im Geschlechterkampf. Noch ist es ruhig auf der hier Anfang 2013 eröffneten Rennstrecke Bilster Berg. Wikipedia bezeichnet diesen 4,2 Kilometer langen Rundkurs emotionslos als Test- und Präsentationsstrecke für Fahrzeuge auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der Britischen Streitkräfte. Was eine technokratische Untertreibung, denn als uns Instruktor Daniel Schwerfeld bei der Hand nimmt und uns um diese beeindruckende Berg- und Talbahn führt, staunen wir beide nicht schlecht. „Noch Fragen?“ Daniel steht grinsend vor uns, nachdem wir in die steil abstürzende Mausfalle geblickt haben, den Kopf weit in den Nacken legen mussten, um den Ausgang aus der Steilwand zu finden und das Geschlängel zwischen Munitionsfeld und Telegrafenbogen uns fast schwindelig gemacht hat. Ja, wir haben eine Frage: warum haben wir uns ausgerechnet hier verabredet, um zu klären, wer schneller ist? Die Antwort ist bestechend: „Ihr kennt beide die Rennstrecke nicht und ihr habt die Möglichkeit, auf ein und dem selben Auto von uns gezeigt zu bekommen, wie man hier am besten rumkommt.“

Aha, rumkommen. Und mit was? Vor uns steht ein in hellblau und rot gehaltener Opel Corsa OPC, vorbereitet für den Einsatz auf der Rennstrecke: leergeräumt, mit Käfig, Schalensitze, Vierpunktgurte, Semislick, Differenzialsperre, 200PS stark und ausgestattet mit dem Race Navigator One, einem unbestechlichen Datarecordingsystem, das Rundenzeiten, Geschwindigkeit, sowie Längs- und Querbeschleunigung misst und zusätzlich auch noch die Insassen und die Strecke filmt. Es ist also angerichtet und ich fasse zusammen: Unbekannte Strecke, unbekanntes Auto und… ach ja, der Rundkurs ist nass und rutschig. Das kann ja heiter werden. Der Meinung ist auch unser Instruktor, der als erstes meine Freundin Daniela auf dem heißen Sitz des Co-Piloten verzurrt und dann mit dem Corsa kernig röhrend die Boxengasse verlässt.

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Photocredits: Thomas Wysocki

 

Kernig röhrend auf die erste Runde 

Drei Runden später kommen Daniel und Daniela grinsend wieder zum Pitstop: Fahrerwechsel und es scheint, die beiden haben richtig Spaß auf dem feuchten Geläuf. Als der Trainer und seine Schülerin nach ein paar weiteren Runden  wieder in die Boxengasse rollen, sich den per Saugnapf an der Frontscheibe befestigten Race Navigator schnappen und in ein stilles Kämmerlein zurückziehen, wird mir klar, wie ernst es die beiden meinen. Übertragen auf einem Tablet wertet der Coach die Daten aus und diskutiert sie mit meiner Partnerin. Ich bin zum Zuschauen verurteilt und bin zutiefst beeindruckt, wie man mit dieser Applikation Kurvengeschwindigkeiten, Bremspunkte und Beschleunigung übereinanderlegen und vergleichen kann. So akribisch, wie die beiden ins Detail gehen, haben sie ihr Lernziel klar im Visier und es wird deutlich: egal, ob Rennstreckennovizin oder alter Trackday Fuchs, beim 1:1 Coaching werden alle gleich behandelt und das Ergebnis ist verblüffend. Oder in Zahlen ausgedrückt: 17 Sekunden finden die beiden zwischen Danielas erster und letzter Runde. Doch es kommt den Instruktoren gar nicht so sehr auf den reinen Zeitgewinn an, sondern um das Gespür für Auto und Strecke. „Viele Teilnehmer nutzen die Breite einer Rennstrecke für ihre Ideallinie nicht optimal aus und passen ihren Fahrstil auch nicht auf die Charakteristik des Autos an.“ bringt es Daniel auf den Punkt. Und damit wendet er sich mir zu: „Los, Helm auf, festschnallen und Abfahrt. Du solltest ja eigentlich wissen, wie man sich auf einem Rundkurs bewegt.“ Das schon, doch auch mich bewahrt das nicht vor einer klaren Manöverkritik: ich bremse manche Kurven zu hart an, anstatt mich sanft in die Radien hineinzubremsen. „Du musst flüssiger fahren und mehr Speed mit in die Kurven nehmen.“ Auf geht es zum zweite Stint und nach etwas verunsichertem Start spüre ich deutlich das Ergebnis meiner Bemühungen: Daniel muss nicht mehr so stark nicken, als ob er in einem Smart sitzen würde und der Navigator spuckt eine acht Sekunden schnellere Rundenzeit aus. Daniel grinst zufrieden: „Weißt Du, genau darum mache ich diesen Job so gerne, denn jeder kann bei uns noch etwas lernen.“

Geschlechterkampf: Race-Mode: ON!

Und der geschwindigkeitsgetriebne Geschlechterkampf? Die männliche Ehre wurde gerettet. Mit etwas über 11 Sekunden konnte ich die beste Frau an meiner Seite distanzieren. Doch die reinen Rundenzeiten gilt es zu relativieren, denn sich innerhalb eines 45 minütigen Trainings um 17 Sekunden zu steigern, ist beeindruckend und zeigt ihre steile Lernkurve oder wie unser Coach sagt: „Daniela hat echt Potenzial“. Ich komme mir dagegen mit meiner achtsekündigen Verbesserung eher schwach vor.

Nichtsdestotrotz beweisen beide Ergebnisse, wie intensiv sich das Gedlich Racing Instruktorenteam beim 1:1 Coaching mit seinen Kunden auseinandersetzt und diese motiviert, ohne sie zu überfordern. So erfahren sich nicht nur Neulinge den Spaß an der Haftungsgrenze, auch den erfahrenen Hasen können etliche neue Aspekte bei der Suche nach dem Limit auf der Rennstrecke mitgegeben werden. Der moralische Sieger ist also ganz klar Daniela, denn sich ohne Vorkenntnisse in einen Trackday samt Coaching zu stürzen, verdient höchsten Respekt.

Die Frage, wer im automobilen Geschlechterkampf schneller ist, kann somit also nicht final beantwortet werden. Es riecht nach Revanche und auch dafür hat Gedlich Racing eine Lösung parat: Ein Wintertraining unter der wärmenden Sonne Südspaniens auf dem herrlichen Kurs von Ascari.

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Axel Griesinger
Eigentlich wollte ich Auto Designer werden. Eigentlich würde ich gerne eine private Autosammlung eröffnen. Eigentlich war ich während meiner Schulzeit verdammt schlecht in Deutsch. Eigentlich verstehe ich bis heute nicht, warum ich so gerne über meine Erlebnisse in allem, was vier Räder und einen Motor hat, berichte. Eigentlich könnte ich den ganzen Tag Auto fahren, weil es einfach Spaß macht.