Meine Kritik am Comand-System der neuen S-Klasse

Meine Kritik am Comand-System der neuen S-Klasse

Mitte März hatte ich bereits die Chance das Multimedia-System der neuen S-Klasse zu testen und meine Meinung damals war klar und ich konnte mit meiner Kritik auch nicht hinter dem Berg halten.

Kritik am Comand-System der neuen S-Klasse

Mittlerweile konnte ich die neue S-Klasse über zwei Tage fahren und Erfahrungen in der ersten Reihe, auf den Plätzen für Fahrer und Beifahrer, als auch auf dem super bequemen Komfortsitz hinten rechts in der Chauffeursversion Platz nehmen. Dabei konnte ich meine ersten Erfahrungen mit dem neuen Comand-System und den Multimediafähigkeiten der neuen S-Klasse machen. Und meine Kritik überdenken …

Thema 1 – Touchscreen

Besonders eklatant ist jedoch die Verweigerung, der zweiten Sitzreihe eine Touchscreen-Nutzung zu ermöglichen. Die (optional)  hinter den Kopfstützen der ersten Reihe montierten 8 Zoll Displays laden, auch aufgrund der Optik des Comand-Systeme, geradezu dazu ein mit der Hand per Wisch und Touch bedient zu werden.

Statt dessen setzt man auf eine nachgeschoben wirkende App-Lösung für Smartphones und eine umprogrammierte TV-Fernbedienung mit Batterien.  Nein. Ich will weder mein Smartphone zücken, noch nach einer Fernbedienung suchen müssen.

Mercedes-Benz 67 S-Klasse 2014

Zuerst einmal für die erste Reihe.

Dort hat sich der neue Comand-Dreh-Drück-Steller als intuitive Bedienschnittstelle herausgestellt. Zudem hat Mercedes-Benz für die wichtigsten Funktionen des Systems eigene „Kurzwahl-Tasten“ vor den Controller und damit genau in Reichweite für die rechte Hand gelegt. Neben der haptischen Glanzleistung ist damit auch das Knöpfchen-Suchen schnell erledigt. Jeder der die neue S-Klasse für zwei Tage gefahren ist, wird mit diesem System blind umgehen können. Zudem hat Mercedes-Benz unter der Handballen-Auflage ein Tastatur–Zehnerfeld versteckt. Neben der Möglichkeit hier schnell Telefonnummern einzutippen, kann man die Zahlentasten auch mit „Shortcuts“ bzw. Favoriten belegen um somit schneller in tiefer versteckte Menüfunktionen zu springen. Die ganze Bedienung wirkt durchdacht und ist schnell zu erlernen.

Kein Touchscreen notwendig?

Die beiden großen Displays im Armaturenbrett laden natürlich geradezu ein, per Finger und Gesten bedient zu werden – aber aufgrund der Platzierung im Armaturenträger, recht weit oben und tief ist die Bedienung per externen Controllern leichter erledigt. Zudem bleibt die Platzierung der Displays so weit oben und fernab einer intuitiven Finger-Steuerung ein Sicherheitsmerkmal. Die Augen wandern nur kurz weg vom Blick durch die Windschutzscheibe und müssen kaum neu fokussieren. Bei einem tiefer platzierten Display im Bereich der Mittelkonsole wäre die Ablenkung für den Fahrer (vermutlich und gefühlt) größer.

Mercedes-Benz 69 S-Klasse 2014

Was ist mit der zweiten Reihe?

In der zweiten Reihe und bei vorhanden sein der dort Aufpreis pflichtigen 10″ Displays ist die Beurteilung jedoch eine andere. Dennoch muss man unterscheiden zwischen der langen S-Klasse mit Chauffeurspaket und einer „kurzen“ Variante mit normaler Sitzreihe im Fond. Sobald man die Chauffeurs-Variante nutzt und hinten rechts mit Extra-Fußraum sowie  in bequemer Position auf das Entertainment-System zugreifen will, scheidet der Touchscreen als „standalone“ Lösung aus. Die Ferndbedienung bleibt eine Lösung, aber hier fehlt mir weiterhin die „clevere“ Halterung die eine Ladefunktion anbietet.  Die iPhone-App zum bedienen des Systems per WiFi-Connect ist eine Möglichkeit.  Aber fast ein wenig zu spacig.

Jedoch wird auch die S-Klasse mit langem Radstand vermutlich nicht immer mit nur zwei Personen besetzt fahren und sobald man in der zweiten Reihe aufrecht sitzt, fordert das große Display und die grafische Darstellung des Menüs geradezu auf, die Bedienung per Finger und iPad üblichen „Wischgesten“ zu übernehmen. Hier bleibt die Kritik bestehen – der Anspruch das Beste oder nichts anzubieten, hätte erfordert dem Kunden die Wahl der Bedienung zu überlassen. Zudem sollte die Fernbedienung eine Dockingstation in der Mittelarmlehne bekommen und dort auch aufgeladen werden.

Meine Kritik muss ich zum Teil revidieren.

Mercedes-Benz 70 S-Klasse 2014

Thema 2- GSM – Hotspot

Umständlich auch die Nutzung des im Comand-System enthaltenen WiFi-Hotspots. So benötigt man für die Nutzung des W-Lan in der Mercedes S-Klasse ein per Bluetooth gekoppeltes Smartphone. Was sich erst einmal praktisch anhört, bleibt nur die zweitbeste Lösung. Zudem ist die Liste der aktuell von Mercedes-Benz unterstützen Smartphones noch überschaubar und nicht jeder Handy-Provider unterstützt das in diesem Falle benötigte „tethering“. Die Beste Lösung wäre ein Hotspot der sowohl, als auch, über eine Tethering-Verbindung mit dem eigenen Smartphone genutzt werden kann, als auch über eine separat einzulegende SIM-Karte mit einem Datentarif. So überlässt man diese Lösung einem anderen Hersteller.

Und auch diese Frage bleibt damit ungeklärt:

Wie der Kunde die modernen Datendienste nutzt wenn er sein Smartphone im Büro hat liegen lassen?

Meine Kritik bleibt also bestehen.

Thema 3 – Multimedia-Connection

Hier hat sich während der Testfahrten nichts neues ergeben. Während andere Hersteller bereits HDMI-Eingänge bereitstellen, bietet Mercedes-Benz seinen Kunden eine analogen Video-Eingang per Cinch ein. Klassisch, aber leider völlig daneben.

Meine Kritik bleibt also bestehen.

Fazit:

Einen Teil meiner Kritik muss ich relativieren. 

Das Bedienkonzept für Fahrer und Beifahrer ist durchdacht und lässt sich kinderleicht bedienen, einen Zwang zum Touchscreen sehe ich bei dieser Lösung in der ersten Reihe nicht mehr.

Aber was Multimedia und WiFi angeht, so bleibt meine Kritik aus den Vortests bestehen – hier sollte sich Mercedes-Benz auf den eigenen Slogan berufen und simple Lösungen, schneller direkt in Serie bringen. Wobei ein LTE-Hotspot nicht nur für die „Neue S-Klasse“ interessant ist, sondern für alle Modellreihen!

Und auf die schnellere Vernetzung von Auto und Internet würde ich mich auch freuen, die bereits angebotenen Apps sind nur ein kleiner erster Schritt, los Daimler – erfreue uns mit „noch mehr Innovationen“.

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger