Mercedes-Benz ML 250 BlueTEC 4MATIC

Born in the USA. Fast möchte man anerkennend nicken und sagen: Wow, einen besseren Geburtsort für einen SUV kann es ja gar nicht geben, als „drüben“ im Land of the free – der freien Welt, dem einzigen Land in dem man Coca Cola auch im 3,78 Liter Becher bekommt. In dem Land im dem Automobile wie in keiner zweiten Kultur auf dieser Welt zum täglichen Lifestyle gehören und Menschen oftmals mehr Zeit im Auto verbringen, als zu Hause.

Das Beste oder nichts. Es kann keinen Mercedes-Benz Fahrzeugtest mehr geben, in dem nicht dieser neue Marken-Claim wieder und immer wieder, wiederholt wird. Und wenn ich an die erste M-Klassen Generation denke, damals bereits aus dem Mercedes-Benz Werk in Alabama kommend und ganz sicher nicht würdig für den aktuellen Claim, dann muss sich die mittlerweile dritte Generation der amerikanischsten aller Mercedes-Benz Modellreihen (den erfolglosen R missachtend)  an genau diesem Slogan messen lassen:

Das Beste oder nichts?  

Mit der ersten ML-Generation mag man in Hollywood Dinosaurier gejagt haben, für vom schwäbischen Tüftlergeist beseelte Automobilkäufer war dieser, in den USA geborene, Teilzeit Offroader jedoch eine Begegnung der dritten Art – für viele auch der erste Kontakt mit hartem Plastik und enttäuschender Verarbeitung in einem Daimler.

Und nun kommt die dritte Generation auch noch mit einem kleinen Vierzylinder-Diesel zum Test:

Großes Auto, kleiner Motor – im Fahrbericht

Mercedes-Benz 001 M-Klasse ML250

Downsize me: Anstelle von „supersize und extralarge“ kam der Testwagen mit einer Motorvariante zum Fahrbericht, die ich üblicherweise der Kompaktwagenklasse zuordnen würde. Mit dem ML 250 BlueTec spielt ein Vierzylinder-Diesel mit zwei Liter Hubraum die Erkennungsmelodie des Taxeifahrergewerbes unter der großen Motorhaube.

Automatik und Allrad:  Wie es sich für einen „großen Brocken“ gehört wird das, unter steten Begleitung einer nagelnden Melodie, erzeugte Antriebsmoment über ein Automatikgetriebe zu allen vier Rädern durchgestellt. Im Falle des ML verrichtet eine Siebengangautomatik einen besonders versteckten Dienst und die großen Räder lassen sich vom Kraftangebot des Motors nicht einschüchtern.

So viel und doch nur Basis: Der ML 250 BlueTec 4Matic ist die Einsteigervariante in die Erlebniswelt ML und brachte mir über den Zeitraum des Fahrzeugstests gleich mehrere Erkenntnisse.  Eine besondere Überraschung gleich zu Beginn: Für 55.394,50 € Basis-Preis kann man viel Blech erwarten, aber kein Xenonlicht. Das finde ich schon sehr mutig.

Wer Xenon-Licht haben möchte, der setzt im Online-Konfigurator den Haken bei „Licht-Paket“ und bezahlt 1.856,40 € für die Xenon-Beleuchtung extra. Bedenkt man, dass Mercedes-Benz (nicht umsonst) zu den Vorreitern der Sicherheitstechnik im Automobilbau gehört, so kann man diese Option der Aufrüst-Nötigung nur als klares Indiz dafür verstehen, dass der geneigte ML-Käufer gerne ein wenig tiefer in die Tasche langt.

Mercedes-Benz 027 M-Klasse ML250

Eine Mercedes-Benz M-Klasse braucht kein Mensch – aber wirklich hergeben wollte ich diese geschmackvolle und dennoch leicht dekadente Art der automobilen Schwerlastbewegung auch nicht mehr. Warum und weshalb? Das klärt der Fahrbericht:

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  • Modellbezeichnung: [wpseo]Mercedes-Benz M-Klasse[/wpseo]
  • Ausstattung:  – 
  • Testwagenpreis: 87.328,15 €
  • Grundpreis Baureihe: 55.394,50 €

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  • Hubraum: 2.143 ccm³
  • Leistung: 204 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
  • Beschleunigung: 0-100: 9,0  Sekunden

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Mercedes-Benz 006 M-Klasse ML250
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Design Außen:

Mit der dritten Generation hat die M-Klasse im Design außen gepunktet. Vorbei die Zeiten von leicht schwülstigen Formen und einer gewissen Unsicherheit in der Gestaltung von stolzen Automobilen. Die aktuelle M-Klasse wirkt jedoch nicht einfach nur groß und massiv, nein –  sie ist es auch. Auf jeden Fall groß! Der Neid-Faktor ist daher leider auch massiv und die Parkplatzwahl wird bei der Grundfläche eines Walfisch-Aquariums auch nicht wirklich einfach. Da es beim Design aber vor allem um die subjektive Bewertung geht – bekommt der ML eine verdächtig hohe 9. So viel Auto und dennoch fand ich es einfach geil! Zumal ich die erste Generation peinlich fand.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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Design & Haptik Innen: 

Nachdem der Testwagen, mit Ausnahme des fehlenden Xenon-Lichts, einmal kräftig mit allerlei aufpreispflichtigen Extras ausgerüstet wurde, entspricht der erste – der zweite und auch der dritte Eindruck vom Innenraum genau der Erwartungshaltung. Platz. Qualität. Gut verarbeitet und mit einer anständigen Portion „bling bling“ ausgerüstet.

Wobei ich bis heute nicht verstehe, weshalb man den Wischerhebel in den Blinkerhebel integrieren muss und warum der Tempomat-Hebel so dämlich nah darunter  (er war mal dämlich nah darüber) montiert werden muss.

Punktabzug gibt es im Innenraum für einen Distronic-Hebel der knarzte.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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Mercedes-Benz 025 M-Klasse ML250

Fahrleistungen & Fahrgefühl:

Im Testwagen war die aufpreispflichtige Luftfederung mit dem Namen „Airmatic“ verbaut. Hierbei werden die klassischen Federelemente durch Luftpolster ersetzt und was sich liest, als würde man über den Asphalt schweben – fährt sich auch fast so genial.

Die Airmatic bietet zwei Einstellungen, soweit man nicht das ebenso optionale Offroad-Paket hinzuwählt: comfort und sport. Während man in der Komfortvariante auch üble Ruhrpott-Feldwege mit der Gelassenheit eines Maul-Esels meistert, lässt sich der immerhin 2.2 Tonnen schwere SUV im „Sport-Modus“ mit einer sagenhaft beeindruckenden Leichtigkeit über Landstraßen bewegen.  Natürlich wird aus dem dicken SUV auch mit der Luftfederung kein Sportwagen, aber ich war tief beeindruckt, wie handlich man einen so großen Wagen wirken lassen kann.

Der 204 PS starke Diesel bemüht sich während der Überlandfahrt nach besten Kräften, kann aber nicht verleugnen das er mit nur vier Zylindern zur Arbeit erschienen ist.

Das der ML nicht so sparsam ist, wie von Mercedes vorgegeben (NEFZ kombiniert: 6.3l) liegt jedoch einzig an der Natur des Fahrers und der weltfremden Meßmethode des NEFZ. Bleibt man Realist – dann attestiert man dem ML mit seinem Durchschnittsverbrauch von 9.2 Litern während des Testzeitraums ein echtes Talent zum knausern.

9.2 Liter Diesel auf 100 km sollen sparsam sein?

Ja – sogar sehr – immerhin waren 90% der Kilometer Autobahnfahrten mit erhöhter Durchschnittsgeschwindigkeit! Daher: Volle Punktzahl.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

Mercedes-Benz 021 M-Klasse ML250

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Alltagsfaktor

Fast 12 Meter Wendekreis und Platzangst in jedem Parkhaus. Weshalb die Geburtststätte des ML in den Vereinigten Staaten liegt, wird schnell klar. Auf der anderen Seite vermitteln SUV dieses wunderbare Gefühl von „Belanglosigkeit“. Also – Belanglosigkeit für die Sorgen der anderen,  auf der anderen Seite der Windschutzscheibe. Benzinpreise, Parkplatznot und Stau. Egal. Man sitzt hoch und blickt gelassen in die Welt herum.

Bewegt man sich vor allem außerhalb von Städten spielt der ML seine ganze Stärke aus. Es ist ein unschlagbares Gefühl von Sicherheit und entspannender Souveränität, mit der man den automobilen Alltag meistert. Aber Vorsicht, es gibt perfide Fallstricke:

Mercedes-Benz bietet den ML mit einem Keyless-Go Zugangssystem an. Dieses Schlüsselsystem ermöglicht den Zugang zum Fahrzeug und das starten der M-Klasse, ohne den Schlüssel in die Hand genommen zu haben. Beim abstellen und entfernen vom Fahrzeug verschließt sich die M-Klasse leider nicht von selbst – und wer die akustische Bestätigung für das Schliessignal abgestellt hat, dem geht es eventuell so wie mir. Er kommt zu seinem Fahrzeug zurück und stellt fest, das dieses nicht abgeschlossen ist. Und das aus dem Kofferraum die Tasche mit dem Notebook entwendet wurde.

Wenig angenehm. Aber vermutlich schlicht ein vermeidbarer Fehler meinerseits.  Auf der anderen Seite: Das Beste oder nichts? – Dann müsste das Keyless-Go System „Idiotensicher“ sein und sich automatisch verschließen, wenn der Schlüssel außer Reichweite ist.

Bewertung: 5  von 10 Punkten

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Offroad-Talent: 

Ohne das optionale Offroad-Paket ist der ML 250 BlueTec 4matic nur bedingt Offroad geeignet. Das Allradsystem 4matic muss ohne mechanische Sperren auskommen und dem Automatikgetriebe fehlt zudem eine Untersetzung. Einen Vorteil für leichte Touren durch den Wald liefert die Airmatic, die per Tastendruck 2,5 Zentimeter zusätzlichen Platz unter dem Fahrzeug durch ein „anheben“ desselben erreicht.

Ein Geländewagen sieht anders aus – aber das ist auch nicht das Anliegen des ML gewesen.

Mercedes-Benz 002 M-Klasse ML250

Bewertung: 4 von 10 Punkten

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Mercedes-Benz 004 M-Klasse ML250

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Motor: Knurrig

Der 2,1 Liter große Vierzylinder-Diesel gehört zu den dynamischsten Aggregaten auf dem Markt und ist aufgrund seiner Drehfreude, seiner Leistung und des Drehmoment zum Allzweck-Motor im Konzern geworden. Von der C-Klasse bis in den großen ML – der doppelt aufgeladene Diesel macht im Fahrbetrieb viel Spaß. Auf der anderen Seite war ich überrascht, wie knurrig der kleine Vierzylinder selbst im großen ML geblieben ist. Dieses knurrige Motorgeräusch bleibt jedoch der einzige Vorwurf dem man diesem ansonsten excellentem Triebwerk machen kann.

Bewertung: 9 von 10 Punkten

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Getriebe: 7-Gang Automatik

In Zeiten in denen 8-Gang Getriebeautomaten die anspruchsvolle Kundschaft verwöhnen, fällt es fast negativ auf, dass im ML nur eine Siebengang-Automatik ihren Dienst tut.

Das wiederum tut der Wandler-Automat gänzlich überzeugend. Kaum merkliche Schaltvorgänge und eine im Alltag ideale Getriebeabstufung überzeugen den Fahrer und machen die Möglichkeiten per Schaltpaddel einzugreifen überflüssig.

Bewertung: 8 von 10 Punkten

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Mercedes-Benz 028 M-Klasse ML250

Multimedia & Audio:

Sanfte Bässe, brilliante Höhen und bei Bedarf scheppern die Scheiben – dank der Harman-Kardon Logic7 Soundanlage war die musikalische Untermalung zu jederzeit grandios.

Ebenso logisch und schnell zu erlernen: Die Menüführung. Der Test für die Bluetooth-Audio-Übertragung funktionierte sowohl mit iOS als auch mit Android. Noch immer schwach: Eine Internetverbindung ist nicht möglich.

Bewertung: 9  von 10 Punkten

Mercedes-Benz 029 M-Klasse ML250

Lifestyle: 

Die Kinder zur Schule, den Einkauf nach Hause und den Labrador zum Tierarzt. So sieht die Umwelt den SUV mit Stern. Wenn ein ML einen Pferde-Anhänger ziehen darf, dann wäre das ja schon ein legitimer Grund – doch leider, leider – nur allzu oft haben die Besitzer des ML keine Verwendung für die vielen Möglichkeiten des großen SUV. Statt dessen ist der Stern ein Prestige-Objekt und die hohe Sitzposition nur eine Entschuldigung für das mit schwimmen auf der SUV-Lifestyle-Welle.

Wer den ML – gerade als 250 Diesel – wählt, weil er im Alltag die Sicherheit und den Komfort schätzt, der sollte genug Argumente für den Stammtisch mitbringen, andernfalls reden ihm andere den Spaß an der M-Klasse gerne schlecht.

Wer es im Leben geschafft hat und wem die 80.000 € nicht weh tun, der kann sich mit dem ML250 den Traum vom SUV im rahmen eines wirtschaftlichen Motors durchaus erfüllen, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Der ML250CDI hat im neuen Öko-Label eine A-Beurteilung erhalten!

Bewertung: 4 von 10 Punkten

Mercedes-Benz 024 M-Klasse ML250

Der Kostenfaktor:

Autsch. Als ich nach dem ersten Abend und 350 Kilometer Strecke aus dem ML ausstieg, da wollte ich bereits einen Kaufvertrag für den SUV ausdrucken. So wohl hatte ich mich im großen ML gefühlt. Und betrachtet man den Grundpreis von 55.000 €, dann kann man noch von einem attraktiven Angebot sprechen. Da die Aufpreisliste aber derart voll mit Verlockungen steckt, wird es schwer unterhalb der 80.000 € Marke mit der Konfiguration auf zu hören. Und 80.000 € sind dann – überlegt man sich was man an zusätzlichen Funktionen gewonnen, doch ein wirklich stolzer Preis.

Zumal das Gefühl eines SUV und ein potenter so wie sparsamer Dieselmotor, bereits für weniger als 40.000 € zu bekommen ist.

Bewertung: 3 von 10 Punkten

 

Fazit:

Es lohnt sich nicht über den Sinn oder Unsinn eines SUV zu streiten – wer sich einen SUV leisten kann und nicht vorhat damit zum Abenteurer zu werden, der wird in einer M-Klasse auch ohne Offroad-Paket glücklich. Den Vorteil der hohen Anhängerlasten hat man ja dennoch.

Im Falle des „kleinen“ Diesel muss man vor allem im Kopf und am Stammtisch harte Gefechte auskämpfen, aber dank des Bullen-Drehmoment und der absoluten Leistungsbereitschaft, passt sogar der kleine Vierzylinder als sinnvolle Antriebsquelle unter die mächtige Motorhaube des ML.

Ganz unter uns, dieser US-Way of drive, der hat schon was! 

Ranking: 67 von 100 Punkten

Da gibt es keinen Spielraum  für Diskussionen:  Die Punkte ergeben ein Gesamt-Ranking und sind über alle Fahrzeugklassen vergleichbar – da direkt objektiv auf Modellklasse und Zielgruppe eingerichtet. Je mehr Punkte, desto besser ist das Fahrzeug. Ein Sportwagen kann keine 100 Punkte erreichen, weil der Alltagsnutzen gering ausfällt. Ein Familien-Van fällt eventuell in der „Straight-Performance“ durch. Das Ranking ist natürlich ein völlig subjektives – es ist das mein-auto-blog Ranking. Bjoern Habegger

Mercedes-Benz 026 M-Klasse ML250

[toggle title=“Disclosure:“] Mein Testurteil ist  unverkäuflich und wurde daher ohne Einfluss und Kontrolle des Herstellers erstellt!
Dennoch: Danke an Mercedes-Benz Deutschland  für das Testfahrzeug.[/toggle]
Anmerkung: Zum ersten Mal erscheint ein Fahbericht mit den Original-Fotos des Herstellers. Der Grund liegt darin, dass ich in der Tat die Fotos vom Testwagen gelöscht habe, bevor ich die SD-Karte kopiert hatte. Ein selten dämlicher Fehler und jetzt zum ersten Mal passiert. Auf der anderen Seite, es passt hervorragend in den ganzen Ablauf mit dem Testwagen. Notebook geklaut, Tablet geklaut und Bilder gelöscht .. da ging schief, was schief gehen konnte.

Text/Fotos: Bjoern Habegger | mein-auto-blog.de | 2012 |  by-nc-nd

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger