Mitsubishi i-MiEV im Kurzbericht

Mitsubishi i-MiEV im Kurzbericht

Die Türen öffnen, einsteigen, den Schlüssel in das Zündschloss stecken. Das Anfangsritual ist wie bei allen Großserien-Fahrzeugen. Doch dann ändert sich etwas. Mit dem drehen des Zündschlüssels startet kein Benzin- oder Dieselmotor.

Aus einem Lautsprecher erklingt jediglich  ein simples  “Dinggg”.  Es klingt wie eine Mikrowelle, ist jedoch ein Schritt in eine neue Epoche der Automobilität. Der Mitsubishi i-MiEV überrascht bereits vor dem losfahren den Elektrofahrzeug-Neuling mit einer ungewohnten Ruhe. Fast hat man kurz ein schlechtes Gefühl. Ähnlich dem Gefühl wie es einen überkommt, wenn der eigene Wagen in der Garage nicht anspringen will.

Mit dem lösen des Bremspedals ändert sich das jedoch sofort – wie eine Automatik-Limousine rollt er los, nur die vollkommene Abwesenheit von jeglichem Motorgeräusch irritiert.  Bereits mit den ersten Metern erwächst ob der ungewohnt lautlosen Bewegung  ein Grinsen im Gesicht des vom Umweltlärm geplagten i-MiEV Piloten. Wenn man denn von einem  Motorgeräuschen beim Elektroauto reden will, so sind es allenfalls leise Summgeräusche die man –  jedoch auch nur dann –  hört,  wenn man angestrengt versucht die Dynamik der Bewegung wie gewohnt mit Fahrgeräuschen zu verbinden.

An der ersten Kreuzung, nach wenigen Metern Fahrstrecke, erschrickt man sich ob der völligen Ruhe bei Stillstand noch einmal kurz. In der ersten Sekunde denkt man mit einem mulmigen Gefühl daran zurück, als man zum ersten mal ein Auto beim anfahren abgewürgt hat.

Das dieser Gedanke fehl am Platz und die Situation des „abwürgens“ in einem E-Mobil nicht möglich ist,  merkt man in der zweiten Sekunde. Sobald man das Bremspedal wieder loslässt und mit sanftem Druck das Gaspedal berührt, verschwindet jedes mulmige Gefühl und weicht einer bleibenden Begeisterung, die analog zur Gummiband ähnlichen Beschleunigung wächst.Der Mitsubishi i-MiEV ist zusammen mit seinen Geschwistern dem Peugeot iOn und dem Citroen Z-Cero das erste in Großserie hergestellte Elektroauto, das jedermann kaufen kann.

Von aussen definiert sich der i-MiEV durch sein One-Box Design. 
Die 4 Räder – denn das hat sich bei allem Fortschritt nicht verändert – sitzen möglichst weit außen, so entsteht zum einen kein nennenswerter Karosserie-Überhang, zum anderen ist der Radstand für ein Auto dieser Größe mit 2,55m relativ lang. Dank diesem in der Relation langen Radstand kann der  knapp 3,5m lange Elektro-Zwerg nicht nur mit einer grandiosen Ausnutzung des Innenraums für die 4 Mitfahrer punkten, sondern auch durch hohe Fahrstabilität überzeugen. So ist z.Bsp. ein VW Fox fast 40cm länger, hat jedoch einen um etwa 10cm kürzeren Radstand.
Der lange Radstand zum einen und die Auslegung als Heckantriebs-Fahrzeug lassen den i-MiEV behände über Landstraßen schwingen. Zu keinem Zeitpunkt hat man das Gefühl einen immerhin fast 1.200kg schweren Kleinwagen zu fahren. (Bsp.: Ein VW Fox wiegt im Vergleich 200kg weniger.)

Heckmotor und Heckantrieb, das klingt nach Sportwagenbau. Oder aber nach einem SMART.
Im Gegensatz zum SMART Zweisitzer bietet der Mitsubishi i-MiEV jedoch 4 ausgewachsenen Personen Platz und nimmt dabei sogar noch 2 Kästen Wasser im Kofferraum mit auf die Reise.

Das Platzangebot auf den Sitzen in der ersten Reihe ist ausreichend und auf der Rücksitzbank der Fahrzeugklasse entsprechend – denn – schauen wir den Tatsachen ins Auge und für das Ladekabel nach einem freien Steckplatz, die Platzverhältnisse müssen für 4 Personen gar keine gesteigerte Langstreckenqualität haben.

Kritiker von Elektrofahrzeugen nennen deren eingeschränkte Reichweite und die aktuell mangelhafte Infrastruktur für Ladestationen gerne als Hauptargument – gegen die Elektrifizierung des Automobils. Völlig zu recht – mag man angesichts einer Reichweite von 150km (Herstellerangabe) im Falle des i-MiEV meinen. Völlig zu Unrecht wenn man über 230V Steckdosen spricht – aber leider wieder richtig wenn man die wesentlich  sinnvolleren 3-Phasen Starkstrom Anschlüsse meint.

Bei unseren Testfahrten haben wir im Schnitt 100 km zurückgelegt bis wir etwa 16kW/h Strom nachgeladen haben. Für den Nachladevorgang an der Haussteckdose bedeutet das eine Pause von 6 Stunden. Hätte man Gleichstrom-Steckdosen mit 50kW Ladeleistung zur Verfügung sinkt die Ladedauer auf 30min für 80% Akkuleistung.

Bei extrem defensiver Fahrweise und kluger Routenwahl haben wir mit unserem Test-Elektro Mitsubishi  fast 150km zurück legen können, bis der 16kW/h Batteriespeicher aus Lithium-Ionen Batterien unter dem Fahrgastraum nach “frischem Saft” verlangte.

Nun sind 150km defensive – oder 50km Autobahn mit dem Maximal-Tempo von 130km/h  natürlich in der Tat eine Einschränkung, bedenkt man die enorm lange Ladedauer an üblichen Steckdosen und vergleicht das mit der aktuell gewachsenen Infrastruktur die auf das simple nachtanken von fossilen Brennstoffen ausgelegt ist.

Doch das Nutzungsszenario für eine Großzahl an Autos sieht völlig anders aus.
Denn der Durchschnitts-Autofahrer bewegt sein Auto per Tag nur 27 bis 43km (1).Die mögliche Reichweite ist also gar kein Argument gegen den i-MiEV, sondern gerade zu eine Bestätigung diese Wegstrecken möglichst  CO² neutral zurück zu legen. Denn es ist gerade dieses Art an täglichen Fahrten, die in der Summe eine beträchtliches Einsparpotential bieten.Lehnen Sie sich zurück und denken Sie einen Augenblick darüber nach, wieviel CO² Sie jedes Jahr sparen könnten – wenn Sie Ihre tägliche Wegstrecke mit einem Elektroauto,  sauber, leise und CO²-Neutral fahren würden?
Und natürlich auch an die Kraftstoffkosten denken.
In unserem Fahrtest haben wir etwa 16kW/h für 100km benötigt. Im Fall von unserem Ökostrom-Lieferanten (100% Öko-Strom 26ct. je kW/h) sind das 4,16€ Kraftstoffkosten für 100km.

Verbunden ist die Fahrt im Elektroauto jedoch mit Verzicht.
Da wäre der Verzicht auf einen Auspuff. Der Verzicht auf Abgase aus dem Auspuff. Aber auch der Verzicht nach umfänglichen Wartungsarbeiten wie Ölwechsel und Zündkerzen ersetzen. Sowie der Verzicht auf CO² bei der Nutzung. Verzicht auf Motorlärm. Der Verzicht auf ein schlechtes Gewissen.
Nicht verzichten muss man dagegen auf Komfortmerkmale wie 4 elektrische Fensterheber, Sitzheizung oder eine Klimaanlage. Das alles bietet der i-MiEV in Serie.  Auch auf den Federungskomfort muss man nicht verzichten.
Weil der i-MiEV über die Hinterachse angetrieben wird, ist das Fahrgefühl ähnlich einer großen Limousine mit sensibel einlenkender Vorderachse und anders als in vielen Kleinwagen frei von Antriebseinflüssen im Lenkrad.Der Federungskomfort ist für Freunde der sportlichen Fahrweise bereits eine Nummer zu weich- erleichtert aber den Umstieg für Autofahrer die zwar Rücksicht auf die Umwelt nehmen wollen, aber nicht auf eine komfortable Fortbewegung verzichten möchten.
So kann man nach ein paar Tagen und Kilometer zusammen mit dem Mitsubishi i-MiEV von einem kleinen Auto für Mitsubishi sprechen, aber von einem großen für die Menschheit.

P.S.: i-MiEV bedeutet: i-Mitsubishi innovativ Electric Vehicle – und weckt, als Abkürzung ausgesprochen völlig falsche Assoziationen die garantiert nicht erfüllt werden. Liebe Mitsubishianer morst nach Japan und fragt nach einem sympathischen Namen. Bitte.

 

>>Bjoern Habegger 2011 | Foto & Text<<

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger