News: Magna Flex4-Allradsystem – Traktion für Sparfüchse

„Amerikanische Autofahrer werden im Winter verwöhnt“, lacht John D. Zalewski. Der Ingenieur, der bei Magna für die wichtige Abteilung Antriebsstrang (Powertrain) des globalen Zulieferers zuständig ist, erklärt, dass seine Landsleute in der kalten Jahreszeit kaum Winterreifen aufziehen. „Die Mehrzahl ist mit Allwetter-Bereifung unterwegs, weil sie erwarten, dass die Straßen stets perfekt geräumt und gesalzt werden. Was haben wir nur früher bei Eis und Schneeglätte angestellt, bevor Allradantrieb salonfähig wurde?“ Inzwischen sind SUVs und Crossover als Traktions-Meister auf beiden Seiten des Atlantiks sehr beliebt. Nur haben sie Nachteile. Sie verbrauchen im Durchschnitt bis zu 14 Prozent mehr Kraftstoff, als die rein über Front- oder Hinterachse (2WD) angetriebenen Fahrzeuge. Außerdem werden die so erzeugten höheren Abgaswerte angesichts künftiger strengerer CO2-Obergrenzen ebenfalls zum Problem im Erfolgssegment. Brisante Aufgaben also, denen sich die Powertrain-Experten der spezialisierten Zulieferer im Wettbewerb mit der Konkurrenz stellen müssen.

„Wir wissen“, sagt Zalewski, „dass in gut 90 Prozent der Fälle der Allradantrieb (AWD) in einem SUV überhaupt nicht abgerufen wird. Die gesamte Technik dafür fährt aber quasi an Bord funktionslos mit, verursacht mehr Verbrauch und Reibungsverluste.“ Magnas Antwort auf dieses Phänomen heißt Flex4 und bietet erstmals einen komplett entkoppelbaren AWD an. Abschaltbare Allradantriebe liefern auch die Hauptkonkurrenten BorgWarner und GKN (zum Beispiel im Land Rover Evoque). Aber im Unterschied zu herkömmlichen als Disconnect bekannten Systemen wie beispielsweise im neuen Jeep Renegade schaltet die von dem österreichisch-kanadischen Dienstleister entwickelte intelligente Einheit vorausschauend bei Bedarf von Allrad- auf echten Zweiradantrieb um.

Zwei zusätzlich montierte Kupplungseinheiten sorgen dafür, dass während der Fahrt der Allradantriebsstrang von der nicht angetriebenen Achse komplett getrennt wird. Gegenüber reinen 2WD-Modellen, so Magna, entstünde damit nur ein Mehrverbrauch von zwei Prozent. Erkennt die intelligente Elektronik beispielsweise veränderte Fahrbahnverhältnisse oder schnelle Lenkmanöver des Fahrers, findet die Rückkopplung zum Vortrieb auf allen Vieren in einem Wimpernschlag statt – in zwei bis drei Zehntelsekunden. Das neue System soll weniger als 50 Kilogramm wiegen.

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Die Flex4-Technologie wird Ende 2015 in Serie gehen und 2016 in einem neuen Fahrzeug debütieren. Der Zulieferer, der für Marken wie BMW, Mercedes, Maserati, Jaguar und Töchter des VW-Konzerns forscht und entwickelt, muss naturgemäß absolute Verschwiegenheit wahren. Aber in Brimley, am nördlichsten Zipfel des US-Bundesstaates Michigan, ließ sich die künftig hinter einem Markennamen verborgene Technologie vor Serienstart unter geradezu skandinavischen Winterbedingungen testen. Als Versuchsträger diente ein Land Rover LR2 für den nordamerikanischen Markt, der die typischen Eis- und Schneeschikanen zu bewältigen hatte.

Möglicherweise wäre es einem extremen Winterrallye-Piloten gelungen, das clevere System – bildlich gesprochen – aufs Glatteis zu führen. Aber sowohl beim Slalom durch eng gesetzte Pylonen wie auch beim schnellen Kreisfahren arbeitete Flex4 im kaum merklichen Wimpernschlag-Takt. In dem SUV, der in Europa einst als Freelander firmierte, agierte die Momentverteilung zwischen einer und zwei Achsen tatsächlich so nahtlos, als würde das Fahrzeug von einem Stahlseil gezogen. Selbst auf dem präparierten Schachbrett aus trockenen und vereisten Flächen rutschte der Freelander beim Anfahren nicht seitlich weg, sondern verteilte blitzschnell und unbemerkt vom Fahrer seine Kräfte, um sich nach vorne zu schieben.

Zum Powertrain-Portfolio von Magna gehören auch noch 4WD-Entwicklungen wie Ultimax, das besonders in den großen US-Pick-ups zum Einsatz kommt oder das ProActive-Modul, das beispielsweise im Mercedes-Benz GLA eingesetzt wird. Oberklasse-Kunden des Dienstleisters wie BMW oder Mercedes verfügen über den zuschaltbaren Allradantrieb. Aber Flex4 könnte durchaus auch interessant sein für Hersteller von kleineren SUV- oder Crossover-Modellen, denn viele Kunden schrecken bei der Bestellung noch vor den Mehrkosten eines Allradantriebs zurück.

Autor: Alexandra Felts/SP-X

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