Sparen beim Winterreifenkauf?

Sparen beim Winterreifenkauf?

Von O bis O. Also von Oktober bis Ostern, so die Faustformel für den Einsatz von Winterreifen. Jetzt im November sollte also auch der letzte Autobesitzer seine Sommereifen am Auto gegen vernünftige Wintersocken getauscht haben. Doch was ist eigentlich vernünftig? Ist teuer auch gleichzeitig besser? Oder kommt es nur auf den Namen an? Oder kann man nicht auch einen billigen Winterreifen aufziehen? Der muss doch auch für etwas gut sein. Und das Gesetz schreibt ja nur die Nutzung von Winterreifen vor, nicht was diese gekostet haben oder können sollen.

Premium gegen Linglong

Dunlop Winter Response 2_Tire_ShotDer Reifenhersteller Dunlop hatte auf sein Testcenter in Wittlich geladen um zu demonstrieren wo die Unterschiede liegen, zwischen einem Premium-Reifen wie dem Dunlop Winter Response 2 und einem billigen Reifen aus China.  Linglong – so sein lustiger Name. Aber es könnte auch Dingdong, Blingbling oder Schwinddeiding sein. Der auf einem identischen Testwagen und in der gleichen Größe montierte „Linglong“ stand als Beispiel für NoName-Reifen zur Verfügung.

Hinter dem Steuer eines VW Polo ging es zuerst mit dem neuen Dunlop Winter Response 2 auf die bewässerte Bremsstrecke. Vollbremsung aus 80 km/h – ein durchschnittlicher Wert von 30.7 Metern wurde gemessen. Dabei arbeitete das ABS im Regelbereich und der Wagen blieb vorbildlich in der Spur. Eben eine typische Situation in einem deutschen Winter. (Ein guter Winterreifen muss auf Nässe gut sein.)

Danach umsteigen in den VW Polo mit Linglong-Reifen. Gleiches Tempo. Vollbremsung aus 80 km/h auf Nässe. Das Ergebnis ist erschreckend und zugleich macht es den Unterschied zwischen einem „noch mal Glück gehabt“ und einem Totalschaden aus. 38.2 Meter der durchschnittliche Bremsweg mit den Billigreifen aus China.

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7.5 Meter also im Falle des Polo fast zwei Wagenlängen. Oder umgerechnet knapp 40 km/h mit denen man in das Hindernis einschlägt, während der Polo mit den guten Winterreifen bereits steht.

Ich habe auf Amazon nach den Reifenpreisen gesucht und für die Polo-Bereifung in 185/60-15 einen Preis von 65 € per Stück gefunden. Der Linglong ist bereits für 45 € zu bekommen. Bei vier Rädern macht das eine Preis-Differenz von 80 € gesamt aus.

80 € – Die einen Unterschied machen!

Quer-Aquaplaning

Ein abgefahrener Winterreifen, auch wenn dieser von einem Premium-Hersteller kommt, hat bei Aquaplaning keine Chancen mehr. Zwei Milimeter-Profiltiefe sind einfach zu wenig.  Doch auch mit genug Profil oder gar mit „frischem Profil“ kann ein Billig-Reifen nicht mit einem Premium-Reifen mithalten. Nach Tests auf dem Prüfgelände in Wittlich war klar, selbst ein neuer Billigreifen ist im Quer-Aquaplaning nur 10 % besser als der abgefahrene Premium-Reifen. Totalschaden beim bremsen auf Nässe und fetter Abflug aus der Kurve, bei Aquaplaning. Aber zuvor 80 € gespart!

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Über die Fähigkeiten im Schnee will ich gar nicht erst sprechen.

Fazit:

Wer wegen 80 € Preisunterschied zu einem Billig-Reifen greift, der sollte sich überlegen, ob er nicht besser ganz auf das eigene Auto verzichtet. Denn im Falle eines Falles wird er sich vermutlich auch die Reparatur seines Unfallwagens nicht leisten können. Denn wer auffährt ist Schuld und bei einem 7.5 Meter längeren Bremsweg ist die Gefahr groß, der Unfall-Verursacher zu sein!

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger