VLN 6 – Und die Frage: Daumen hoch?

Es ist diese Tage nicht leicht, etwas über die VLN zu schreiben. Obwohl es mehr als genug Themen gibt. Aber man überspringt nur allzu schnell die Schwelle vom Sport und fällt in den Sumpf der parteiischen Meinungen. Es ist einfach ein tragisches Jahr am Ring. Dennoch – jetzt zum Lauf 6 – will ich einen kurzen Rückblick zu den letzten Wochen am Ring versuchen.

VLN ’14 – Kernschrott am grünen Band

Die ersten Saisonhälfte hat für viel Kleinholz gesorgt. Schäden die für kleine Teams eine echte finanzielle Hürde darstellen. Auf der anderen Seite stehen die Top-Teams, die GT3-Brenner, nicht selten von den Automobil-Werken unterstützt und bei diesen sind Totalausfälle im Budget eingeplant. Mit Fahrern im Cockpit die nur eine Gangart kennen: Vollgas. Und dann die GT3-Piloten die Talent mit Geld aufwiegen können. Doch ein GT3 – der im übrigen in unter 8 Minuten über die VLN-Strecke sprinten kann – der hat eben andere fahrdynamische Grenzen. Reich und ambitioniert zu sein, reicht da eben nicht aus.

Privatiers, kleine Motorsport-Helden, echte Talente, Werksfahrer und Herrenfahrer. Bunt gemischt und durchgewürfelt auf der anspruchsvollsten Strecke der Welt. Das sorgt für Probleme. Leider.

Es gibt ein paar echte Größen am Ring, die sich mit einer klaren Meinung in der kleinen Medienwelt der VLN wiederfinden. Ein Christian Menzel zum Beispiel. Es gab genug Aussagen von ihm, dass es „so keinen Spaß mehr macht“ [Quelle]. Und er hat Recht wenn er einige Rennen als „fast schon eine Schlacht“ [Quelle] betitelt. Was die erste Saison-Hälfte und auch das 24h-Rennen an Materialschaden verursacht hat, dürfte eigentlich für zwei VLN-Saisons ausreichen.

Fast schon verständlich wenn der Veranstalter dann – nach dem 24h-Rennen – ordentlich durchgreifen will und mit aller Härte die Regularien in die Rennfahrer-Schädel zu klopfen versucht. Nicht zu verstehen jedoch, wenn deswegen ein Rennen so weit eingedampft wird, dass Teams zum Teil nur einen der drei eingeplanten Fahrer zum Einsatz bringen können. VLN 5 war eine, nicht einmal 3 Stunden dauernde Veranstaltung, mit vielen Verlierern. Verloren hatten vor allem die Organisatoren, die es nicht fertig brachten die Regeln durchzusetzen, ohne das gesamte Rennen aufs Spiel zu setzen. Die gesamte Kommunikation zur Start-Verschiebung war zudem mehr als mangelhaft.

Was war passiert? 

Im Training zu Lauf 5 gab es fast 100 Teams die eine Doppel-Gelb-Phase im Bereich Flugplatz nicht beachteten. Bei 8 Teams war man zur Überzeugung gekommen, die Übertretung der Tempo 60 Beschränkung wäre so massiv gewesen, dass man deren Trainigszeiten komplett strich. Das führte dann unter anderem dazu, dass die Frikadelli-Truppe an das Ende der eigenen Startgruppe verbannt wurde und das Team von Uwe Alzen sich gleich ganz vom Rennen zurück zog. Sportsgeist sieht anders aus. Nicht nur bei der Frage nach „Ursache und Wirkung“. Sicherlich war die Rennleitung an diesem Tag unter besonderem Druck. Man wollte den wilden Hühnerstall VLN endlich wieder einnorden und musste die Teams auf Linie bringen. Ein massiver Rundumschlag erschien den Verantwortlichen am sinnvollsten. Darüber lässt sich diskutieren – aber, beleidigt die sieben Sachen einzupacken und das Rennen ganz abzuschreiben, dass ist einfach nur schlechter Sportsgeist.

Das ein letzter Startplatz bei einem Langstrecken-Rennen, okay – VLN 5 war eher ein Sprint-Rennen, aber das ein letzter Startplatz nicht entscheidend ist, zeigte Sabine Schmitz bereits in der ersten Runde des fünften Laufs auf beeindruckende Weise:

OnBoard – Frikadelli-Porsche VLN Lauf 5

Am Ende gewann die Frikadelli-Truppe den fünften Lauf. Der Rückzug des Alzen BMW bleibt da nur als Trotz-Reaktion in Erinnerung.

Hinter den Kulissen und die 8 Minuten

Der erfolgreiche Lauf der Frikadelli-Truppe konnte nicht über die Wellen hinwegtäuschen, die im Hintergrund am toben waren. Die VLN leidet unter den unsicheren Bedingungen am Ring, der Druck wird auf alle Beteiligten weiter getragen.

Zugleich hat die VLN ihre eigenen Baustellen zu klären. Wie geht es weiter mit Doppel-Gelb und Tempo 60? Wie wird man durchgreifen? Wann sind Strecken-Posten gefährdet und wann haben Strecken-Posten selbst einen Fehler gemacht? Öffentlich diskutiert niemand gerne über die Fehlerquelle Mensch und natürlich wäre die VLN ohne die vielen Helfer nicht auf die Beine zu stellen. Was man aber teilweise in Foren und Facebook-Gruppen liest, lässt mich persönlich erschaudern. Eine Diskussion über die möglichen Fehler von Streckenposten wird dort im Keim erstickt. Ob das wirklich hilfreich ist? Denn klar muss sein: Bei mehreren hundert Streckenposten bleiben auch die Fehlerquellen des menschlichen Versagens an dieser Stelle nicht ohne Bedeutung.

Wichtiger und noch schwieriger wird die Diskussion bei den Fragen der GT3 und den Amateur-Rennfahrern. An diesem Wochenende  zum VLN 6, ist zum ersten Mal die 8 Minuten-Schallmauer durchstoßen worden. Ausgerechnet ein BMW Z4 vom Team Schubert war so schnell wie nie zuvor. Während man noch bei Lauf 4 im Training nicht unter eine 8:07.467 kam, knackte Klingmann den Rundenrekord nun – nach dem 24h-Rennen – mit einer 7:59,045 und zwar im Rennen! Der Laie freut sich, der Fachmann wundert sich. Würden andere Teams ihre eigene Leistung ebenso evolutionär entwickeln, ein Audi R8 oder ein Falken-Porsche müssten schon lange unter die 8 Minuten Marke gefallen sein. Es scheint als hätte nur BMW soviel Potential übrig gehabt. Glück für die Münchner-Jungs, dass man diese Leistung erst gegen Anfang der zweiten VLN-Saison und nach dem 24h-Rennen findet. Die Balance-of-Performance hätte unter anderen Vorzeichen sicher noch einmal über den Speed der GT3 Z4 nachgedacht.

Nun sind wir also bei „unter 8 Minuten“ angekommen. Der Betzdorfer-Bub Alzen dürfte sich in den Hintern beißen, dass nicht er die magische Grenze unterschritten hat. Dabei hätte er es vermutlich schon in Lauf 5 geschafft, hätte er seinen Frust nicht in eine Trotz-Reaktion gewandelt, sondern in das Lenkrad gebissen und heftigst Attacke geritten.

Das ist die Fahrer- und Team-Seite der letzten Läufe. Doch auch hinter den Kulissen der Verantwortlichen brodelt es. Es gibt viele offene Fragen. Zum Beispiel die, wann ein Vertrag für die Saison 2015 (mit der Rennstrecke) unterzeichnet wird – und mit wem.

Während man die Frage, mit wem man einen Vertrag unterzeichnen wird, kaum selbst steuern kann, bleiben andere Baustellen die man als Organisator lösen muss.

Was tut man um die Gefahren der Doppel-Gelb-Situationen besser in den Griff zu bekommen und wie bekommt man die Rennfahrer zurück in das Reich der Vernunft? Aber auch: Wie man Rennfahrer vor sich selbst schützt und was man tut um die unterschiedlichen Klassen auch weiterhin zusammen in das Rennen schicken zu können. Und sind 8:30 nun die Grenze, oder nicht? Viele Dinge kann man diskutieren – manche leider nicht.

Der Rücktritt von Karl Mauer

Er war im Vorstand der VLN, verantwortlicher Geschäftsführer für Marketing, Sponsoring und Medien und Ur-Gestein der VLN, und er ist am 29.7.2014 zurückgetreten. Die Presse-Meldung zu seinem Rücktritt ist so aalglatt, dass man die Untiefen und Probleme die zu diesem Schritt geführt haben, förmlich riechen kann. Soweit mir aktuell bekannt, wird Karl Mauer der VLN dennoch weiter zu Diensten sein – nur die Verantwortung will er nicht mehr übernehmen. Ein deutlicher Schritt, eine klare Aussage. Und vermutlich nicht der Endpunkt im aktuellen Prozess der Selbstfindung.

Die N-Lizenz

Ein erster Schritt und ein richtiger Schritt ist die Einführung des DMSB, für die Nordschleife eine eigene Lizenz zu etablieren. So müssen Neulinge ab 2015 erst einmal Erfahrungen auf „langsamen“ Fahrzeugen sammeln, bevor sie mit den „dicken Dingern“ los ballern dürfen. Mehr dazu auf motorsport-total.com.

Das ist durchaus ein sinnvoller Schritt. Schützt er doch auch den ambitionierten Geldbörsen-Rennfahrer vor seinem eigenen Talent-Defizit.

VLN – Geht es dir gut? Die Daumen hoch?

Lauf 6 war wieder einmal ein „Frikadellen-Lauf“ – das zweite Rennen in Folge konnte die Truppe rund um Klaus Abbellen und Sabine Schmitz für sich entscheiden – es war aber auch wieder ein Lauf, der nicht frei von Pannen war. Die Kurioseste? Der Rennleiter winkt das Rennen zu früh ab und die „Sieger“ ballern noch einmal im Renn-Tempo über die Nordschleife.  Es war ein Rennen mit gutem Motorsport und umsichtigen Fahrern – so mein Eindruck. Bei einer Doppel-Gelbphase im Bereich Schwalbenschwanz war zumindest niemand schneller als Tempo 60 unterwegs – soweit der eigenen Eindruck.

Den gesamten Rennbericht zum VLN Lauf 6 gibt es auch hier – mehr Bilder hier in der Galerie

Bei der ganzen Politik-Scheiße die derzeit am Ring und in seinem Umfeld abläuft, kann man manchmal die Nerven und den Glauben verlieren. Aber: Am Ende wird immer alles gut und ist es nicht gut, ist es noch nicht das Ende!

In diesem Sinne: Daumen hoch! 

 

 

 

 

 

VLN-Livestream – klick 

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger