What happens in Vegas, stays in Vegas

What happens in Vegas, stays in Vegas

[notification type=“notification_info“ ]Aus dem Auto-Blogger-Alltag[/notification]

Es gibt solche Geschichten, die gibt es eigentlich gar nicht. Zum Beispiel, wie man zu einer Glas-Reparatur in Las Vegas kommt. 

Man nehme folgende Zutaten: Einen Mercedes G63, einen putzigen kleinen Stein, Las Vegas, einen Roadtrip und Safelite. Das ganze mixt man dann ordentlich durch und heraus kommt? Eine Windschutzscheiben-Reparatur in Las Vegas.

Mit dem Kollegen Jens von rad-ab.com wollte ich nach der CES in Las Vegas mit einer G-Klasse von Mercedes-Benz nach Los Angeles zurückfahren. Wenn man in den USA ist, dann muss man wenigstens einen Tag mit dem Auto auf Achse sein. Sind die USA doch das Land, im dem man drei Dinge richtig gut kann: Shoppen, futtern und Auto fahren. Einfach hinaus in das weite Land. Den Tempomaten auf 55 Meilen stellen und dann stundenlang fahren. Gerade die Strecke von Las Vegas nach Los Angeles kann so richtig für genau diese Form des Autofahrens verstanden werden.

In den letzten Jahren hat Mercedes-Benz vor der NAIAS in Detroit jeweils einen Roadtrip veranstaltet. Unter dem #Tag „MBRTJahreszahl“ fand man dann die passenden Bilder und Storys. 2016 war die Zeit zwischen der CES und der NAIAS ein wenig kurz, um dazwischen einen Roadtrip zu veranstalten. Doch nachdem Jens und ich uns auf der CES die wichtigsten Auto-Themen angeschaut hatten, (neues E-Klasse Cockpit und den Soulmate von EDAG), wollten wir nicht zurück in die Heimat fliegen, nur damit wir kurz darauf wieder in die USA fliegen. Für uns war klar: Wenn schon, dann richtig. Und wenn Mercedes-Benz keinen Roadtrip veranstaltet, gut, dann machen wir eben unseren eigenen „MBRT16“.

Auf Instagram die Fotos zu #mbrt16 anschauen

Von Vegas nach L.A.

vegas los angeles

Die Route von Las Vegas nach Los Angeles ist a) nicht besonders lang (5.5 Std. sind ja nix, jedenfalls im Roadtrip-Sinne) und b) eigentlich eher eintönig. Es sei denn, man steht auf dieses „die Augen durch die Landschaft gleiten lassen“ und das Gefühl, sich darin zu verlieren. Unsere G-Klasse als G63 gehört nun nicht zu den langweiligsten Autos dieser Welt. Der schiere Unmut, der sich unter der grob gezeichneten Motorhaube zusammenbraut, kann einen regelmäßig erschrecken. Das V8-Bollern des kantigen Nutzwagens lässt auch US-Ohren entzückt lauschen. Überhaupt. Es gibt keinen besseren Platz, um ein schönes Auto auch mit Genuss zu fahren. Hier in den USA ist der Neid kein Thema. Du fährst einen 139,900 $ teuren SUV? 563 PS stark? Na, du wirst ihn dir verdient haben. Und dann bekommst du den Daumen nach oben. An der Tankstelle lächeln die Milfs mit einem subversiven Zucken in den Augenwinkeln aus ihren Acuras in Richtung „big black G-Wagon“ und dein „Bro'“ an der Zapfsäule haut dir auf die Schultern. „What a great car, man!“

Das sind die USA. Wo Auto fahren noch Spaß macht. Auch weil die Gallone Sprit eben wieder im Sonderangebot ist. Und ein 5.5 Liter V8-Turbo nimmt sich genüsslich und großzügig aus dem Tank.  Und selbst der edle Tropfen kostet eben deutlich weniger als bei uns. (V-Power zapfen die Amis für 1.05 $ den Liter.)  

mit dem g63 von vegas nach 084 Los Angeles mbrt16

Hoover-Damm und Zeitzone +1

Anstatt einfach nur die I-15 aus Vegas raus zu nehmen, sollte man sich den Hoover-Damm als Umweg gönnen. Die Hoover-Talsperre ist nur eine knappe Stunde von Vegas entfernt, und doch, wer die Talsperre überfährt, verliert eine weitere Stunde. Nein – nicht weil der Damm so breit wäre, sondern weil genau in der Mitte die Grenze zwischen Nevada und Arizona verläuft und damit eine der sechs Zeitzonen der USA.

mit dem g63 von vegas nach 075 Los Angeles mbrt16

Steinschlag gleich zum Start

Bevor wir mit unserem G-Wagon auf die Tour gingen, beglückte uns ein Steinschlag in der Windschutzscheibe. Der Ami nennt es einen Chip. Aber egal, wie man es nennt. Man will es nicht haben.

mit dem g63 von vegas nach 065 Los Angeles mbrt16

Carglass repariert, Carglass tauscht aus

Der Gedanke war: Was passiert, wenn wir die G-Klasse später durch die Berge rund um den San Bernardino National Forest fahren? Da geht es ein paar Meter hoch. Und überhaupt. Einen Riss in der Windschutzscheibe will man auch nicht riskieren. Ach und mal ganz generell, CARGLASS ist einer der Partner auf mein-auto-blog. Lass uns doch einfach mal den Ernstfall proben. Also eine kurze eMail nach Deutschland geschickt. Und binnen Stunden hat man sich zwischen CARGLASS Deutschland und SAFELITE USA (ein Konzern: Belron) geeinigt. Eine G-Klasse mit Steinschlag in der Windschutzscheibe? Das geht gar nicht.

Safelite – Las Vegas: „Wo dir geholfen wird“

Ich hatte selbst nicht daran geglaubt. Zeitverschiebung zwischen DE und USA. Von einer Tochter-Firma zur nächsten (Carglass / Safelite) und dann auch noch von „sofort auf gleich“ eine Reparatur? Das dürfte selbst mit diesem Kontakt zu CARGLASS Deutschland erst einmal schwierig werden. Aber getäuscht.

Service in den USA ist eben schon immer etwas anderes. Oder es ist einfach eine BELRON-Sache, diese schnelle Hilfe bei einem Glas-Schaden.

Steve Parker von SAFELITE USA hatte binnen weniger Stunden (man bedenke die Zeitverschiebung) einen Termin freigemacht und uns eingeladen, mit der G-Klasse vorbeizukommen.

Kurz nach dem zweiten Kaffee des Tages (9:30 am) trafen wir in der  4601 E Cheyenne Ave ein und dort auf Steve und sein Team.

BELRON – Service weltweit | Höchster Standard

Das witzige an der Geschichte ist, der Mutterkonzern von CARGLASS, das Unternehmen Belron, sorgt wirklich für einen Prozess der Reparatur, der auf der gleichen Welt die gleichen Standards erfüllt. Und da sprechen wir von einem 1a-Service. Es dauerte keine 30 Minuten und man hatte uns von unserem Steinschlag per Glas-Kosmetik befreit.

Für mich persönlich was das die erste „Glas-Reparatur“, bislang hatte ich noch nie einen Steinschlag repariert. Und schon gar nicht an einem Presse-Testfahrzeug. Aber nachdem mein-auto-blog und CARGLASS bereits seit mehr als 3 Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, wollte ich es einfach wissen. Und dann auch noch diese „fiese“ Nummer mit dem G63. Das ist ja nun kein Allerweltsauto. Und dann mal eben so „hoppla-di-hopp“. Aber, und das kann man am Ende sagen: SAFELITE und CARGLASS haben nicht nur umfassend gut zusammengearbeitet, sicher, ein Konzern – aber wie oft erlebt man gerade in den großen Konzernen der Welt, wie alles nur drunter und drüber geht – nein, auch am anderen Ende der Welt wird mit dem gleichen Ehrgeiz der Service-Gedanke ausgelebt, den ich bislang immer wieder als Show empfunden habe.

Ich habe bereits drei Mal die „Best of Belron“ Events besucht. Veranstaltungen, bei denen die Belron-Monteure aus der ganzen Welt gegeneinander antreten – und jedes Mal dachte ich mir danach: Das musst du mal testen. Du musst die Jungs mal auf die Probe stellen.

What happens in Vegas, stays in Vegas. Wie der Steinschlag. Weiter ging es ohne.
What happens in Vegas, stays in Vegas. Wie der Steinschlag. Weiter ging es ohne.

What happens in Vegas stays in Vegas

Der alte Spruch zur sündigen Metropole in der Wüste. Und auch bei Glas-Schäden ist es so 🙂 – denn als wir in Richtung Hoover-Damm dann endlich aufbrachen, war der Steinschlag bereits Geschichte.

mit dem g63 von vegas nach 115 Los Angeles mbrt16

Ohne Steinschlag in Richtung Los Angeles

Wer die Hoover-Talsperre hinter sich gelassen hat, der dreht am besten wieder um. Denn weiter nach Nevada wäre in Richtung Ostküste. Und so viel Zeit hatten wir 2016 nicht. Also, über Boulder zur I-95 in Richtung Süden. Bei Searchlight dann auf die 164 in Richtung Westen. Bis es zur I-15 zurück geht. Wenn man Glück hat, steht man auf der 164 eine Zeit lang an einem Bahnübergang und bekommt einen der kilometerlangen Güterzüge zu Gesicht. Wir standen, ungelogen, fünf Minuten und es reihte sich ein Waggon an den nächsten. Die USA. Hier ist eben alles ein wenig größer. Dank „Super-Gulp“ und einer Gallone Zuckerwasser im Auto muss man jedoch nie mit dem Verdursten rechnen.

Wer ein wenig Zeit hat, der nimmt ab Barstow die 247 in Richtung Süden und ab Lucerne Vallye die 18 in Richtung San Bernardino National Forest und Big Bear Lake.

mit dem g63 von vegas nach 041 Los Angeles mbrt16

It never rains in California – Von Schnee hat niemand etwas gesagt

Anfang Januar wird es auch in der Wüste Nevadas kalt. Selbst Kalifornien kann sich ungemütlich zeigen und wer zum „Big Bear Lake“ auf über 2.000 Meter Höhe fährt, der trifft, wenige hundert Kilometer vom Pazifik entfernt, auf Schnee. Wir trafen auf viel Schnee. Und auch wenn die G-Klasse als das Urgestein der Geländewagen gilt und auch wenn drei Differentialsperren an Bord sind – mit Sommerreifen machst du auf Schnee niemanden glücklich. Und wenn man zudem die 760 Nm des V8 in Richtung All-Terrain-Reifen presst, dann gräbt sich auch eine G-Klasse durch den Schnee – ohne Vortrieb. Viel Gefühl am Gashahn und schnell wieder in Richtung „schneefreie“ Straße – ohne Besuch am Big Bear Lake, aber nicht ohne eine gute Tat getan zu haben.

mit dem g63 von vegas nach 061 Los Angeles mbrt16

Los Angeles, die Stadt der Engel und der schwarzen G-Klassen

Anstatt die San Bernardino Mountains zu überqueren, haben wir die Sommerreifen der G-Klasse zurück ins „Apple Valley“ gelenkt. Ja – wir haben vor dem Schnee kapituliert. Sagen wir es ruhig so, wie es war.  Doch dass man auf Schnee eben nicht nur vorwärts kommen muss, sondern auch zum Stehen – haben wir ja vor kurzem auch behandelt.

Zurück zur I-15. Weiter nach Los Angeles. Diese Stadt ist immer wieder umwerfend. Achtspurige Autobahnen, auf jedem Streifen zäh fließender Verkehr. Man mag es sich als Europäer nicht vorstellen, wenn man nicht selbst vor Ort war. Und während man in vielen Teilen Kaliforniens auf Tesla und Co setzt, fährt man in der Traumfabrik dann doch lieber echte Autos. Schwarze G-Klassen zum Beispiel.

Gut 10 Stunden, nachdem wir die SAFELITE-Werkstatt in Las Vegas verlassen hatten, waren wir in der Stadt der Engel angekommen. Nein, einen echten Roadtrip konnte diese kurze Fahrt nicht ersetzen. Aber dafür haben wir viel über Autoscheiben, den tollen Service von Safelite und über Sommerreifen auf Schnee gelernt.

In Los Angeles haben wir die schwarze G-Klasse dann sicherheitshalber gegen einen Aston Martin getauscht. Und ganz ehrlich: Es wäre ja peinlich, an der Ampel in West Hollywood das gleiche Auto zu fahren, wie irgend so ein Soap-Star, oder?

mit dem g63 von vegas nach 141 Los Angeles mbrt16

 

 

P.S.: Nein. Wäre es nicht 😉 Aber der Aston Martin passt noch besser nach Hollywood  … 

 

 

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Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Gewinnspiel — Tolle Preise mit „Fit in den Winter“ gewinnen

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Die kalte Jahreszeit rückt immer näher. Im Rahmen unseres Specials „Fit in den Winter“ verlosen wir zusammen mit Michelin tolle Preise.

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Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/gewinnspiel-fit-in-den-winter-10-2017-12772518.html

Eine neue Welt – Mercedes-Benz X-Klasse

Entdecker leben mit der Überraschung

Mit dem ersten Pick-Up, der einen Stern am Kühlergrill trägt, betreten die Stuttgarter endgültig ein völlig neues Segment. Nachdem man dem Coupé vier Türen gab, den SUVs die Coupé-Form und das auch alles durch alle Fahrzeugklassen durchmischte, ist nun das Pick-Up Segment an der Reihe. Willkommen bei der X-Klasse.

Mercedes-Benz ist stolz auf den ersten Pick-Up mit Stern. Sehr stolz. Und weil der deutsche Autojournalist mit dem Segment an sich nicht ganz soviel anfangen kann, hat man mit uns eine Reise unternommen. Dorthin, wo die Pick-Ups zu Hause sind. Weltpremiere in Süd-Afrika, die ersten Testfahrten nun in Süd-Amerika. Das klingt nach einem Abenteuer, nicht nur für Mercedes, auch für uns.

Dabei ist der erste Aufschlag, ja, es ist der erste Pick-Up der Stuttgarter, auch wenn man bei jedem passenden X-Klasse Termin gerne einen Mercedes Strich-Acht der Siebziger zeigt. Der wiederum nur in kleiner Dosis und nur in Argentinien produziert wurde. Es ist also „de facto“ der erste Pick-Up mit Stern und dennoch wirkt er so vertraut. Das ist ein Verdienst der Designer bei Mercedes-Benz, die eben auch einem Pick-Up ein Blechkleid überstülpen, das keine Zweifel an der Familienzugehörigkeit zulässt.

Hat hier jemand Nissan gesagt?
Als die Strategen von Mercedes-Benz erkannten, die Welt lebt nicht nur von Shooting-Brakes und SUVs, suchte man auch beim Kooperationspartner Nissan/Renault nach einer möglichen Plattform. Will man das Segment des Pick-Ups ernsthaft mit einem frischen Angebot beglücken und dabei ebenso ernst genommen werden, muss ein Leiterrahmen her. Ein simpler Schnitt durch das Karosseriekleid eines GLE oder GLS schied demnach aus. Sollten doch auch 1.1 Tonnen Nutzlast ermöglicht werden. Und noch bevor man bei Nissan den Navara fertig gestellt hatte, klinkten sich die Stuttgarter in das Projekt ein. Von einem puren Badge-Engineering musste man sich distanzieren, wie sonst sollte man dem Kunden gegenüber die Positionierung und das schwäbische Selbstverständnis in Euro darstellen? War der CITAN noch ein Schnellschuss, so sollte die X-Klasse mehr Daimler als Nissan werden. Schwierig, wenn man bedenkt, was man für den Start der X-Klasse nun alles vom Kooperationspartner übernimmt.

Mercedes-Benz hat und das darf man anerkennen, der X-Klasse ein eindeutiges Mercedes-Familiengesicht verpasst und auch bei den Seitenblechen nur wenig übernommen. Natürlich bleibt, gerade in der Seitenlinie, ein Navara sichtbar – was vor allem daran liegt, dass dieser deutlich früher am Markt war. So ist die Nummer zwei immer dem Eindruck unterlegen, eine Kopie zu sein. Während man zum Start nun zwei Diesel-Varianten, ein manuelles (6-Gänge) und ein automatisches Getriebe (7-Gänge) anbietet, die vollständig vom Kooperationspartner kommen – so wird die Ende 2018 kommende Top-Variante einen V6-Diesel aus Stuttgart unter der Haube tragen und den Antriebsstrang mit einem 7-Gang Automaten von Daimler vervollständigen. Dabei bleiben Lenkung und Achsgetriebe Teile vom Kooperationspartner, ebenso wie die Hinterachse und das  optional erhältliche, sperrbare Differential. Einzig das Verteiler-Differential mit einer 40 zu 60-Verteilung wird der 350d aus eigenem Hause erhalten.

Während der Auto-Journalist, geprägt vom täglichen Umgang mit unterschiedlichen Automobil-Marken, beim Einstieg in die X-Klasse sofort Schalter, Taster und andere Baugruppen als „Nicht-Daimler’isch“ identifiziert, stellt sich wieder einmal die Frage; „Welche Rolle spielt dies für den Autokäufer?“ Ist ein Renault-Diesel aus einem Nissan-Pick-Up Truck, kombiniert mit der japanischen Aisin-Automatik, gleich so übel, dass man dies kritisieren muss? Ist es gar ein eindeutiges „No-Go“? Oder ist das eh nur ein Detail, das nur dem ewig meckernden und selbst ernannten Automobil-Experten auffällt? Es pochen für diese Antwort zwei Herzen in der Brust des Autors. Und es gibt vermutlich mehr als nur eine Antwort auf diese Frage.

Zeit für ein wenig Klarheit – das sollte sich doch alles klären, wenn man dafür einmal um die halbe Welt jettet, oder?

Der Mercedes unter den Pick-Up Trucks?

Es ist ein vollmundiges Versprechen und allen Eindrücken voraus geeilt sei der folgende Hinweis: Den Nissan Navara hat der Autor zuletzt vor mehr als 12 Monaten bewegt und der war damals schon eine echt positive Überraschung. Satt, solide, mit genug Druck für die Autobahn. (Immer mit Bezug zum 190 PS Diesel.) Was macht nun den Mercedes unter den Pick-Ups aus?
Zuerst einmal die mächtige Präsenz auf der Straße. Mercedes-Benz hat zwar bewusst das Light Truck Segment gewählt und einen US-Markteintritt erst einmal nicht geplant – und dennoch steht die X-Klasse mit eindrucksvoller Gestalt auf der Straße. Allerdings sind zufällig im Stadtverkehr von Santiago de Chile vorbeifahrende Ford F-150 dann doch einfach noch einmal eine Nummer größer. Um den Mercedes-Look zu bekommen, also die Wahrnehmung so zu gestalten, dass man nicht im Allerlei der 1-Tonnen Trucks untergeht, hat das Design-Team vom Mercedes-Benz die Nissan-Grenzen sprengen dürfen. Eine bis zu 6 Zentimeter breitere Spur ist nicht nur auf der Straße und im Fahrverhalten nützlich, sie lässt auch im Erscheinungsbild einfach ein Plus an Wahrnehmung zu. Und auch wenn man es schlicht nicht erkennen kann, so sind doch viele Baugruppen im Bereich der Achsen neu konstruiert. Die breitere Hinterachse sieht in der Kinematik aus wie die von Nissan und ist dennoch anders. Einmal neu berechnet, verbreitert, neu abgestimmt und damit für mehr Dynamik ausgelegt worden. (Spurbreite ist wie Hubraum, irgendwann macht es zwar keinen Sinn mehr, aber es hilft ;))

Mit dem (ich spare mir an dieser Stelle den erneuten Hinweis auf die Herkunft) 2.3 Liter Dieselmotor hält sich die Fahrdynamik noch in Grenzen. Mehr als ausreichend. Druckvoll. Überzeugend. Alltagsgerecht. Doch die erste „Mitfahrt“ im 258 PS starken V6-Diesel demonstriert dann verständlicher, worauf es den Mercedes-Mannen ankam. Die beiden 2.3 Liter Dieselmotoren sind vom Kooperationspartner (Mist, jetzt habe ich es doch wieder geschrieben) und leisten als X220d 163 PS oder als X250d mit Bi-Turbo-Aufladung 190 PS. Nein, beide Triebwerke sind nicht übel – aber eben keine Mercedes-Triebwerke! Das muss festgehalten sein. Immer und immer wieder.

Power, die Mercedes-Sprache
Es sollte die Power-Ausstattung sein. Denn nicht nur beim kommenden Top-Diesel steht dann am ehesten Mercedes in deutlichen Lettern auf der X-Klasse, auch bei den Ausstattungslinien wählt der erwartungshungrige Sternkunde am sinnvollsten direkt die höchste Ausstattungslinie. Während die ebenso angebotenen Pure und Progressive-Varianten den geneigten PKW-Automobil-Journalisten aufgrund ihrer simplen Materialanmutung ein wenig ratlos wirken lassen, darf die Power-Version mit beledertem Armaturenträger die Kastanien der hohen Erwartung aus dem Feuer der kritischen Journalisten-Sicht holen. Die PURE-Variante spielt die Rolle des Arbeitspferdes. Dann allerdings ist der Preisunterschied zum Marktbegleiter und Kooperationspartner – so als Arbeitswerkzeug – eben nicht mehr unerheblich im Kaufprozess. Aber, wer schon CITAN und Sprinter beim örtlichen Mercedes-Händler wählt, der kann nun eben auch einen Pick-Up ordern und diesen als klassischen Arbeiter begreifen und dem Finanzamt gegenüber argumentieren.

Es ist ein sehr anstrengender Spagat, den man mit der X-Klasse leisten will. Denn natürlich wirft das Marketing sofort auch den Begriff des „Lifestyle-Pick Up’s“ in das große Rennen um die Käufergunst. Also – Pure für den ernsthaften Arbeitseinsatz, Progressive, wenn man sich nicht entscheiden kann und Power für den, der den Mercedes-Benz unter den Midsize-Pick-Ups sucht und am Ende doch mehr den privaten Spaß bei den Pick-Ups sucht.

LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera oder auch gleich eine 360°-Kamera – alles ist möglich und damit auf dem Niveau von modernen PKWs.

Wichtig ist eine deutliche Einordnung des Fahrverhaltens: Mercedes hat eine mehr als überzeugende Abstimmung auf die Straße gestellt. Alles, was man verändert hat, darunter auch die Schall-Isolierung zwischen Fahrgastzelle und Motorraum, gezielte Verstärkungen in der Blech-Struktur, ein neu gedämmter Kardantunnel, spezielle Dichtungselemente und auch die Wahl des richtigen Reifens führen zu einem überzeugenden Fahrkomfort auf einem beeindruckenden geringen Geräuschniveau. Bei der hydraulischen Lenkung des Kooperationspartners bleiben kaum Parameter zur Optimierung, aber wenn eine breitere Spur, eine neue Kinematik und angepasste Feder-Dämpferelemente für eine Veränderung sorgen sollten, so ist es primär der spürbare Fahrkomfort. Den spürt der Beifahrer sogar noch einmal deutlich. Bei geschlossenen Augen ist die X-Klasse in allen Komfortbelangen den großen SUVs aus eigenem Hause fast ebenbürtig. Vor allem beim Abrollkomfort. Dass die X-Klasse zudem bei der Geräuschdämmung und der Verarbeitung keine Fehler macht, führt im Ergebnis zu einem extrem komfortablen Reisebegleiter. Und das ganz ohne 1.1 Tonnen Nutzlast auf die Pritsche zu packen. Da sind andere Pick-Ups tatsächlich deutlich hemdsärmeliger zu fahren. Allerdings sind die für den deutschen Markt ausgerichteten Pick-Ups auch mit einer anderen Feder-Dämpferabstimmung ausgerüstet und besitzen 20.2 Zentimeter Bodenfreiheit, wohingegen in Märkten, in denen die X-Klasse viel mehr in Richtung Arbeitstier tendieren wird (nicht Europa), 2 Zentimeter mehr Bodenfreiheit und eine geänderte Abstimmung verbaut werden.

Vernetzt dich
Dass man einen Pick-Up durchaus auch in modern bekommt, demonstriert Mercedes-Benz dann bei den erhältlichen Features. Das gesamte Cockpit-Layout lehnt sich stark an der V-Klasse an und die hatte sich ja bereits deutlich an den Limousinen orientiert. Die Brücke zum PKW haben die Stuttgarter damit erfolgreich geschlagen. Zumindest im Innenraum fühlt sich nichts mehr nach „Workhorse“ an. Vom 8-Zoll Multimedia Display bis zum Touch-Controller und den PKW-typischen Instrumenten, die X-Klasse macht einen auf „alten Bekannten“. Dass sich die Form der Kopfstützen dabei am Kooperationspartner orientiert und auch die Sitzheizung an einem für Stuttgarter Verhältnisse ungewöhnlichen Ort sitzt? Wieder so ein Ding, das vor allem den geneigten Automobil-Journalisten auffällt. Die X-Klasse ist zugleich der erste „Light-Truck“, der die digitale Karte voll ausspielen will. Mit einer wie immer optional erhältlichen SIM-Karte steht die X-Klasse dann auch via Internet immer in Kontakt mit ihrem Fahrer. Dank Mercedes.me App lässt sich auch von der Couch aus der Kontakt zum Pick-Up halten und auch der nächste Service-Intervall ablesen.

Und Chile?
Wenig gesehen hat der Autor viel. Aus irgendeinem Grund hat man die geneigten Journalisten in die Kernmärkte der X-Klasse bringen wollen, doch eine Tour in das raue Leben in den Anden wollte man entweder uns oder der frischen X-Klasse nicht zumuten. So bleiben die Fahreindrücke von kurzen Schotter-Strecken, ein wenig Offroad-Parcours und vielen Landstraßen-Kilometern. Chile, das Land der Kondore, des Weins und der Gauchos. Hat man gelesen, im Reise-Führer. Aber es ging ja auch um die X-Klasse und am Ende nur um die Frage: Ist es ein Mercedes? Es ist vermutlich der Pick-Up, der dem Gedanken eines Mercedes, der Marken-Idee, dem Kern der Stuttgarter am nächsten kommt. Und er wird sich verkaufen. Einfach, weil es einen Markt dafür gibt. Eventuell nicht zwischen Stuttgart-Hauptbahnhof und Breuniger-Land, aber eben in all den Märkten, die wir als schlicht und simpel fokussierte Auto-Journalisten aus Deutschland gerne verdrängen.

Ja aber, wie fährt er sich denn nun?

Es mag frustrierend klingen, aber der 190 PS Diesel von Renault, die Nissan Siebenstufenautomatik und das von Mercedes-Benz überarbeitete Fahrwerks-Setup der X-Klasse arbeiten gnadenlos gut zusammen. Es fühlt sich so richtig an. Die Aisin-Automatik hält üblicherweise unaufgeregt die Gänge, schaltet ansonsten weich und zum richtigen Zeitpunkt und profitiert vom satten Drehmoment des 190 PS Turbodiesels. Dazu passend die Dämpfer-Abstimmung der X-Klasse. Nein, das X schaukelt nicht, und dennoch rumpelt auch nichts. Es ist ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Reifenflanken und der Starrachse mit der Multilenker-Aufhängung. Für die Gauchos, unterwegs in Chile, Architekten auf dem Weg zur nächsten Baustelle in der Stadtmitte von Sydney, Weinbauern in Südafrika und einfach für alle, die ein Zugfahrzeug (bis 3.5t) für ihre schweren Freizeit-Spielsachen brauchen – überall dort erfüllt die X-Klasse das Versprechen eines neuen Fahrzeug-Segments.

Und genau dort wird die X-Klasse punkten. Sie wird funktionieren.

Einfach, weil der Stern im Doppel-Lamellenkühlergrill genau diese Art von Prestige bringt, die man in diesem Segment bislang nicht fand. Zwischen Süd-Amerika, Süd-Afrika und Australien wird man mit dem schnellen Markteintritt, den eben diese Form der Kooperation ermöglicht, mehr punkten, als der Öl-Büffel beim Kriechen zwischen den Lieferanten-Baugruppen als Minuspunkte definiert. Dass man sich auf der Technik-Seite für den Start des Pick-Ups auf den Partner Renault-Nissan verlässt, spart nicht nur reichlich Pesetos, sondern, nach internen Aussagen der Mercedes-Experten, locker Entwicklungszeiten von gut 2 Jahren. Und damit will man genau das Momentum mitnehmen, das Markt-Experten für diese Fahrzeug-Gruppe identifiziert haben. Frei übersetzt: Wenn du das Segment schon nicht erfindest, dann verliere wenigstens keine Zeit, bis du am Markt bist. Für die Produktion der neuen X-Klasse nutzt man die Kapazitäten der Werke des Kooperationspartners. Die X-Klasse wird im Nissan-Werk in Barcelona gefertigt und ab 2019 auch in Argentinien.

Die X-Klasse startet in Deutschland ab 37.294 Euro (inkl. MwSt.). Die Markteinführung beginnt im November 2017 in Europa. Folgt neben dem Mercedes-V6 noch ein originärer Mercedes-Vierzylindermotor? Man sollte nie nie sagen und auch eine AMG-Line wird man vorbereiten. Und spätestens dann wird man sich fragen: Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis der erste Pick-Up mit Stern auf dem Markt kam?