Fahrbericht: Nissan Qashqai 150PS Diesel

Fahrbericht: Nissan Qashqai 150PS Diesel

nissan qashqai titelbild

Nomade aus Japan. Automobil-Hersteller geben ihren Autos bevorzugt Namen, die eine gewisse Assoziation hervorrufen. Bei Volkswagen bekam der erste Offroader den Namen „Touareg“ – damit war dann gleich einmal klar gestellt: Hier kommt ein echter Offroader.  Denn das Volk der Tuareg lebt in einer für uns Mittel-Europäer unwirklichen Landschaft aus Wüsten und Geröllwegen und daher passt der Name (theoretisch) perfekt auf einen Offroader.  Beim Nissan Qashqai liegt die Erklärung ähnlich, wenn auch nicht ganz so leicht zu erkennen.

Das Volk der „Kaschgai“ ist ein Nomadenvolk mit der Heimat zwischen dem Iran und der Türkei.  1982 wurden zuletzt 200.000 Angehörige des Volkes der Kaschgai gezählt – mit den bisherigen Verkaufszahlen des Qashqai von Nissan könnte man allerdings jedem „Nomaden“ mehrere Qashqai vor das Zelt stellen.

Der Erfolg des Kompakt-SUV. Kein Fahrzeug-Segment ist derzeit erfolgreicher, als das der kompakten SUV-Modelle. Übersichtliche Alleskönner. Gerne auch mal mit Allrad, Platz wie in einem Kombi, mehr Bodenfreiheit um auch abseits der befestigten Wege die eigene kleine Freiheit im Alltag zu finden.

Kompakte SUVs sind zu einer Art Seelenbalsam für die geschundene Autofahrer-Seele geworden. Man sitzt aufrecht und mit einem weiten Blick überschaut man den Stau vor sich und in Gedanken hat man bereits mit viel Schwung die Leitplanke des Alltags durchbrochen und den Stau dank Allradantrieb über den Acker der Glückseligkeit umfahren. Im Herzen sind wir doch alle Nomaden auf der Wanderschaft, oder Cowboys die auf dem Rücken ihres Blech-Pferdes voller Melancholie in die Abendsonne blicken…

Mit dem Qashqai im Dschungel zwischen Aschaffenburg und Würzburg unterwegs:

Auf der Suche nach neuen Wegen!

Nissan Qashqai über Maintal

Kompakter SUV: Im Gegensatz zu Herstellern die diesen Trend verschlafen haben, gehört Nissan mit dem Qashqai bereits seit 2007 zum Establishment der „Kompkat-SUV-Klasse“. Klasse gemacht mag man da laut denken und sich über den Erfolgswagen der Japaner freuen.

Diesel und Allrad:  Kein Diesel? Kein Erfolg in Deutschland. Der Qashqai jedoch bietet neben den weniger sinnvollen Benziner-Modellen auch Diesel-Varianten an. Die von mir gefahrene 2 Liter Variante mit 150 PS steht als Top-Motor zur Verfügung. Darunter rangieren der bereits ältere 1.5 Diesel mit 110 PS und der erst in diesem Jahr auf den Markt gekommene 1.6 Liter Diesel mit 130 PS. Den 150 PS starken Diesel gibt es immer mit Allrad und einer Sechsgang-Automatik. Den 1.5 Diesel hingegen nur mit Frontantrieb und nur mit einem manuellen Schaltgetriebe. Beim 1.6 Diesel kann man zwischen Allradantrieb und Frontantrieb wählen, eine Automatik steht jedoch auch bei ihm nicht zur Verfügung.

Wer die Wahl hat: Typisch japanisch, die Ausstattungslinien und die jeweils sehr kurze Sonderausstattungsliste. Mein Testwagen kam als „Acenta“ zum Dienst. Darunter rangiert die „Visia“ getaufte Einstiegsvariante und darüber die „Tekna“ genannte Top-Ausstattungslinie. In diesem Jahr noch hinzugekommen, die Ausstattungslinie „I-WAY“.

Eine klare Kaufempfehlung für den richtigen Motor und die vernünftigste Ausstattungslinie gebe ich am Ende des Fahrberichtes.

Wer sich an meinen ersten SUV-Fahrbericht erinnert, der weiß: „Einen SUV, wollt ich nie!“  Das hat sich mittlerweile geändert, vom SUV-Hasser zum SUV-Freund. Ob ich mich auch mit dem Qashqai von Nissan anfreunden konnte?

Nissan Qashqai Frontansicht

Wer braucht so einen SUV? Wer will so etwas? Ist so ein Pseudo-Geländewagen eigentlich für „irgendwas“ gut? Das und meine persönliche Punkte-Bewertung – nun hier im Fahrbericht über den Nissan Qashqai Acenta 2.0dCi 4WD Automatik

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  • Modellbezeichnung: Nissan Qashqai
  • Ausstattung:  Acenta
  • Testwagenpreis: 31.540€
  • Grundpreis Baureihe: 19.790€  (117 PS Benziner)

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  • Hubraum: 1.995 ccm³
  • Leistung: 150 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 188 km/h
  • Beschleunigung: 0-100: 11,0  Sekunden

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Nissan Qashqai Front

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Das will er sein:

Ein unkonventioneller Crossover mit Rundum-Durchblick

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Das kann er:

Den Nomaden in uns auf die große Städtetour mitnehmen.
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Das kann er nicht:

Mangels Bodenfreiheit und echten Sperren, wirklich jede Wüste durchqueren.
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Nissan Qashqai Schnauze

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Design Außen: unaufgeregt

Abgesehen von der Motorhaube die eine Hommage an den 300 SL von Mercedes bereit hält, alternativ auch an die Haube des sportlichen Bruders in Coupéform, dem 370Z erinnert – bietet der Qashqai äußerlich nur wenige Highlights.

Nissan Qashqai Rücken Namensschild

LED-Rücklichter mit LED-Bremslichtern, Rückfahrleuchte und Blinker in Standard-Halogenversion.

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Design & Haptik Innen: back in black

Wieder einmal zu viel schwarz, nur unterbrochen von silber lackiertem Plastik, das zum Glück gar nicht erst aussehen will, wie Aluminium. Es bleibt bei meinem Standard-Vorwurf bei japanischen Automobil-Herstellern: Mehr Detail-Liebe im Innenraum. Ausgenommen in diesem Fall: Das Panel für die Klimaanlage. Logisch gruppiert, gut zusammengefasst und mit einem taktilen Feedback das lobenswert ist.

nissan Qashqai Fahrertür innen

 

 

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Nissan Qashqai rücksitzbank

Fahrleistungen & Fahrgefühl: solide & leise

Trotz der SUV-Straßenlage und den Winterreifen mit hohem Querschnitt, vermittelt die Lenkung des Qashqai einen verbindlichen Eindruck von der Straße, fast bin ich geneigt zu sagen: Der Qashqai fährt sich sportlich für einen SUV. Das Setup des Fahrwerks fühlt sich vor allem auf der Autobahn extrem gelungen an.

Nissan Qashqai Heckansicht

 

Alltagsfaktor: überblick behalten

Den umfangreichen Alltag eines Familienwagens zu meistern, das gelingt den kompakten SUV besonders gut. Der im Normalfall 410 Liter fassende Kofferraum lässt sich durch die große Heckklappe toll beladen, die Ladekante  ist angenehm in der Höhe und alle Passagiere genießen den leicht erhöhten Rundumblick. Im Falle des Qashqai kommt noch ein feines Feature hinzu: AVM. Was sich anhört wie ein Modemhersteller aus Berlin, ist die Abkürzung für „around view monitor“ und beschreibt die Tatsache, dass man mit 4 Kameras ein sauberes Bild von der Umgebung des Qashqai erhält.  Dargestellt auf dem Navi-Monitor lässt sich der SUV damit erstaunlich zielsicher einparken.

Nissan Qashqai Kofferraumvolumen

Klappt man die Rücksitze um, erhält man eine fast ebene Ladefläche und mit 1.513 Liter Ladevolumen genug Platz für den nächsten Umzug!

 

Serien-Ausstattung: abgedunkelt

Natürlich hat es seine Vorteile, wenn man Ausstattungen in Pakete zusammen fasst. Vor allem natürlich im Fertigungsprozess für den Hersteller. Aber es hat eben auch massive Nachteile, nämlich dann, wenn man dezidierte Ausstattungswünsche hat, diese aber nur dann erfüllen kann, wenn man gleich ein gesamtes „Paket“ kauft.  So ist das Xenon-Licht nur in der Tecna-Variante erhältlich und wer sich den Luxus  eines Regensensors gönnen will, muss ebenso mindestens die Variante Acenta wählen.

Im Falle des gefahrenen 2 Liter Diesel mit Allrad und Sechsgang-Automatik ist es nur ärgerlich, dass man fast 5.000 € Aufpreis zahlen muss, damit man zu den gewünschten Xenonscheinwerfern kommt.

Für alle anderen Details der Ausstattungspakete spreche ich Nissan jedoch ein deutliches Lob aus. Besonders fein: Eine Bluetooth Freisprecheinrichtung ist bereits in der Basis-Ausstattung Visia in Serie vorhanden!

 

Nissan Qashqai motor

 

Motor: 2.0l Diesel

150 PS und 320 Nm werden vom zwei Liter Vierzylinder-Dieselmotor vorgehalten.  2006 vorgestellt, gehört der Dieselmotor des Qashqai zu den effizienteren Dieselmotoren am Markt. Er findet ebenso Verwendung im Renault Laguna wie im Nissan X-Trail und wird dort mit einer Leistung von bis zu 180 PS angeboten.

Besonders bemerkenswert ist die Laufruhe und die, für einen Diesel, angenehme Akustik.  Während meiner Testfahrt zeigte sich der 16-Ventiler Diesel besonders sparsam. Mit niedrigen 5 Litern lässt sich der Alltag meistern. Flotte Autobahn-Etappen verlangen, trotz des großen SUV-Aufbaus auch nicht deutlich über 8 Liter auf 100 km. Ergo: Ein sehr guter Vierzylinder-Dieselmotor!

 

Getriebe: 6-Gang Automatik

Während sich der Schalthebel „günstig“ anfühlt, macht das Automatikgetriebe einen extrem guten Job. Auf ruhige Schaltwechsel getrimmt, vermeidet es hektische Schaltmanöver und lässt den Qashqai lieber von seinen 320 Nm Drehmoment leben. Kickdown-Befehle setzt es jedoch zügig um, im Zweifelsfall auch einmal in dem es zwei Gänge überspringt. Wer ruhig im Verkehr mit schwimmt, wird von den geschliffenen Gangwechsel des komfortablen Automaten nichts mitbekommen.

 

Nissan Qashqai Navi AVM

Multimedia & Audio: Volltreffer

Der Sound aus den putzigen Lautsprechern wird Audiophile Genussmenschen enttäuschen, für diese steht jedoch in der Tekna-Ausstattungslinie ein Bose-Paket mit 7 Lautsprechern zur Verfügung.  Eine Empfehlung ist das im Testfahrzeuge verbaute „Nissan Connect“ System. Für 750 € bekommt man ein 5 Zoll Touchscreen-System mit Navigation, USB-Schnittstelle, Bluetooth-Audio Streaming und Rückfahrkamera. Für 1.150 € anstellte der 750 € enthält das System, wie im Testwagen, das Nissan Around View Paket. Wie im Bild (unten) zu sehen, bekommt man durch die 4 Kameras ein sauberes „Umfeldbild“ geliefert. Praktisch wenn man wissen will, wie weit der Zaun vor einem wirklich weg ist, wie viel Platz auf dem Feldweg nach links und rechts noch bleibt – oder um zu prüfen, wie weit der Bordstein weg ist.

Das Verhältnis aus Preis- und Leistung stimmt im Falle des „Nissan AVM Connect“ System auf jeden Fall!

 

Nissan Qashqai AVM

Around View Monitor: Was ist das genau?

Vier Kameras liefern ein Rundum-Bild – dargestellt wird das immer auf dem 5 Zoll großen Monitor des Nissan Infotainment-Systemes. Eine Kamera sitzt vorne direkt im Nissan-Logo. Die beiden Kameras für die Bilder der Wagenseiten sitzen in den unteren Spiegelkappen. Und die vierte Kamera, wie gewohnt für eine Rückfahrkamera, hat ihren Platz in der Heckklappe.

Das Around View Monitor System ist in der Fahrzeugklasse etwas besonderes.  Mehr Punkte für dieses feine Feature würde es geben, wäre der Monitor größer und die Auflösung der Kamerabilder noch besser!

 

Nissan Qashqai AVM Kameras

Der Kostenfaktor:

Wer sich bei der Auswahl seines Qashqai ordentlich zusammenreißt, der bekommt bereits für 19.790 € einen kompakten 110 PS starken SUV mit viel Platz, einer vernünftigen Übersichtlichkeit und gutem Fahrkomfort, wenn auch nur mit Frontantrieb.

So richtig froh wird man in meinen Augen allerdings nur mit dem 150 PS starken Diesel, dem 4×4-Allradantrieb und der Sechstufen-Automatik –  und hier ruft Nissan, wie im Falle des Testwagens – 29.490 € auf.  Im Vergleich mit dem Primus (Tiguan) von Volkswagen sind das immer noch lockere 5.000 € weniger. Wenn auch die Aufpreispolitik aufgrund von „Paketzwang“ nicht besonders attraktiv ist, macht der Nissan hier doch ein gute Figur!

 

Nissan Qashqai Serienbild

Kurz erwähnt:

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Halogenlicht:

Der Qashqai kommt mit modernen DE-Scheinwerfern, aber weniger erfreulicher Halogen-Lichttechnik zum Test. Für Fahrzeuge der „knapp 30.000 €“ Klasse sehe ich eine einfache Option für „Xenonlicht“ als notwendig und zeitgemäß an!
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Allradantrieb:

Nasse Straßen, Laub, Feldwege, der Winter und ähnliche Situationen lassen sich mit dem zuschaltbaren Allrad des Qashqai problemlos meistern. Untersetzung oder gar eine Differential-Sperre gibt es hingegen nicht.
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Haptik:

Die Verarbeitung ist tadellos. Nur – wie immer und immer wieder: Es fehlt einfach an der Liebe zum Detail. Wobei der Qashqai besonders mit dem Klima-Bedienpanel punkten kann. Dieses ist logisch aufgebaut und angenehm in der Bedienung.
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Garantie:

Nissan bietet 3 Jahre Garantie. In Anbetracht des Drucks aus Korea könnte das schon bald nicht mehr genug sein. Im Vergleich zu deutschen Premium-Herstellern ist es jedoch noch deutlich attraktiver, als die dort nur 2-Jährige Garantie!

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Nissan Qashqai Weinberge

Fazit:

Es war einmal…“ So fangen nicht nur alle Märchen an, so muss ich in der Zukunft auch über meine Abneigung  und meine Vorurteile gegenüber kompakten SUVs sprechen.  (Ja, ich hab diese Formulierung – so oder sehr ähnlich –  bereits beim DS4 und beim Kia Sportage benutzt 🙂 – aber es trifft nun einmal auch hier zu!)

Eigentlich wollte ich doch nie SUV fahren, aber diese Fahrzeuge bieten eine extreme Bandbreite aus Komfort, praktischem Nutzen und – das ist neu – es gibt sie sogar richtig sparsam. Im Falle des „Wandersmann“, des Nomaden von Nissan – war der Verbrauch gerade zu erschreckend gering. Das ich trotzdem im 150 PS starken Diesel unterwegs war, konnte ich jedoch oft genug auf der Autobahn erfahren.

Ein echter, universeller Vielzweck-Kraftwagen – nicht nur für Nomaden!

Das Fazit:

Da gibt es keinen Spielraum  für Diskussionen:  Die Punkte ergeben ein Gesamt-Ranking und sind über alle Fahrzeugklassen vergleichbar – da direkt objektiv auf Modellklasse und Zielgruppe eingerichtet. Je mehr Punkte, desto besser ist das Fahrzeug. Ein Sportwagen kann keine 100 Punkte erreichen, weil der Alltagsnutzen gering ausfällt. Ein Familien-Van fällt eventuell in der „Straight-Performance“ durch. Das Ranking ist natürlich ein völlig subjektives – es ist das mein-auto-blog Ranking. Bjoern Habegger

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Mein Testurteil ist  unverkäuflich und wurde daher ohne Einfluss und Kontrolle des Herstellers erstellt!
Dennoch: Danke an Nissan Deutschland  für das Testfahrzeug.

Text/Fotos: Bjoern Habegger | mein-auto-blog.de | 2012 |

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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Test: Nissan X-Trail

Seit 2014 fährt der Nissan X-Trail in der 3. Generation für den japanischen Autohersteller und dies als meistverkauftes Fahrzeug der Marke überhaupt. Zur Modellpflege 2017 bietet Nissan einen neuen Powerdiesel mit 2 Liter Hubraum zur Ergänzung des 1.6 Liter Diesel. Als zusätzliches Kaufargument soll darüber hinaus die Ausstattungslinie „N-Connecta“ dienen, um den SUV weiter auf Dauerbrennerkurs zu halten. Der X-Trail passt sich damit den Wünschen seiner Kunden an. Diese wollen außer einem geländefähigen SUV ein umfangreiches Sicherheitspaket und Komfortausstattung. Bestehen bleibt der seit 2014 auf den Markt gebrachte Mainstream Look, der die Ecken und Kanten der 2. Generation abgelöst hatte. Mit seinem Lifestyle-Charme und drei Motorisierungen startet er ins Modelljahr 2018 durch. Den Einstieg findet der X-Trail bei einem Preis von 24.990 Euro.

Testbericht: Nissan X-Trail 2.0 dCi N-Connecta Xtronic

On- und Off-Road-Mix aus Japan
Nissan X-Trail 2.0-Liter Diesel.

Die Front des sportlichen Kompakt SUVs prägen Stilelemente der aktuellen Murano und Qashqai Modelle. Damit findet Nissan eine Konzernsprache, die zumindest die Crossover Familie einheitlich auftreten lässt. Breit zu den Seiten hochgezogene Schürzen fassen den chrombesetzten Kühlergrill ein, der wiederum das Markenlogo prominent zur Schau trägt. Die seitlichen Enden der Frontscheinwerfer setzten sich in einer geschwungenen Sicke über die gesamte Fahrzeuglänge fort, bevor sie bogenförmig bei den Heckleuchten wieder aufsteigen. Am Heck sorgen die Scheinwerfer für einen dynamischen Auftritt. Die Dachreling ist fest mit dem Dach verbunden. Das verbessert die Aerodynamik. Der Wagen ist zudem mit knapp 1,82 Meter Breite und 1,73 Meter Höhe größer dimensioniert im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Die optimierte Windschlüpfrigkeit macht sich beim Kraftstoffverbrauch (5,8 Liter im Normtest mit 19’’ Rädern) und Abgasemission (152 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) trotz seines Xtronic-CVT-Automatikgetriebes positiv bemerkbar. Wir erreichen die angegebenen Werte nicht ganz, dafür haben wir gerade durch das Automatikgetriebe viel Spaß an der Performance des X-Trail. Selbst im Gelände macht das frontangetriebene Fahrzeug eine erstaunlich gute Figur und meistert den einen oder anderen unbefestigten Weg. Der ausschließlich als Fünf- und Siebensitzer erhältliche X-Trail ist in der Stadt gleichermaßen bequem unterwegs, obwohl sein Wendekreis sich manchmal als hinderlich erweist. Auf längeren Autobahnstrecken bietet der Japaner zwar einen guten Sitzkomfort, jedoch fallen uns die Innenraumgeräusche unangenehm auf.

Kann auch zur Jagd ausgeführt werden.

Cockpit einfach strukturiert

Das sich selbst erklärende Cockpit gefällt bereits beim ersten Einsteigen. Alle Instrumente, die das Fahrzeug betreffen, sowie das in der Mitte des Armaturenbretts sitzende Navigationssystem mit Smartphone-Anbindung bieten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Information. Zudem leistet das Nissan Connect System Zugriff auf die Applikationen des jeweiligen benutzten Smartphones. Die sehr gut zugeschnittenen Vordersitze wirken nicht nur ergonomisch durchgestylt, sondern geben Halt in jeder Fahrsituation. In Sachen Flexibilität liegt der X-Trail deutlich über dem Trend seiner Mitbewerber. Durch den Klappmechanismus für die Rücksitzbank wächst das Laderaumvolumen von 565 Liter auf angemessene 1.996 Liter.

Schlicht, einfach und doch voller Informationen.

Kleiner Diesel mit viel Drehmoment

Eine gehörige Portion Fahrspaß vermittelt der von uns getestete neue 177-PS-Diesel. Denn mit einem maximalen Drehmoment von 380 Newtonmetern bei 2.000 Umdrehungen agiert das Aggregat durchzugsstark. Bei einer Beschleunigung ab 100 km/h indessen wirkt der X-Trail ein wenig schwerfällig. Kombiniert mit dem komfortabel abgestuften Xtronic-CVT-Automatikgetriebe lässt sich der SUV aus Japan effizient durch den Stadt- und urbanen Verkehr steuern. Seine Lenkung ist spursicher ausgelegt, so dass in der Stadt ein sehr entspanntes Einparken in Verbindung mit seiner Rückfahr- und 360-Grad-Kamera möglich ist.

2.0 Liter Diesel mal ganz überzeugend.

N-Connecta steht für Konnektivität

Die Fahrerassistenzsysteme, die wir bereits aus dem neuen Qashqai kennen, finden wir auch im X-Trail wieder. Die japanischen Ingenieure konfigurierten bereits ab dem Basismodell  „VISIA“ ein stark verbessertes ESP-System mit Berganfahrhilfe, das Fahrerassistenz-Paket bestehend aus autonomen Notbrems-Assistent, Spurhalte-Assistent und Verkehrszeichenerkennung, LED-Tagfahrlicht, einer elektronischen Parkbremse und Einparkhilfe vorn und hinten. Zum Einsatz kommen in der von Grund auf neu aufgelegten Version „N-CONNECTA“ unter anderem das NissanConnect System inkl. Round View Monitor für 360 Grad Rundumsicht. Lieferumfang ist hier das Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Touch-Farbdisplay inkl. 3 Jahre kostenloser Kartenaktualisierung, USB-Schnittstelle, Rückfahrkamera und Smartphone Integration. Zusätzlich schnürt Nissan für die neue Ausstattungsline das Style-Paket, tertiär aus 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und Bereifung, einer elektrisch öffnend und schliessenden Heckklappe und dem Intelligent Key mit Start-/Stopp-Knopf.

Dick bereift mit 19 Zoll Rädern.

SUV zu kleinen Preisen

Der X-Trail, den es sowohl als Fronttriebler als auch mit 4 x 4 Allradantrieb gibt, ist ab einem Preis von 24.990 Euro zu haben. Dafür bietet Nissan einen 1.6-Liter Benziner mit 163 PS. Die Dieselmotorisierung hingegen wartet mit dem 1.6 dCi sowohl als frontgetriebenes als auch 4 x 4 angetriebenes Aggregat mit der Leistungsstufe 96 kW (130 PS) und einem Sechsgang-Schaltgetriebe auf. Der Basispreis beträgt hier 32.630 Euro. Die Preisunterschiede zwischen den fünf Ausstattungslinien VISIA, ACENTA, N-CONNECTA, N-VISION und TEKNA sind moderat gehalten, dabei verführen sie in erster Linie immer zur nächst höheren Ausstattungslinie.

SUV mit viel Potential.

Fazit: Alles in allem trifft den X-Trail eher die Bezeichnung „geländegängiger SUV“, als „Kompakt-SUV“. Zusätzlich sind die Synergien zwischen Raumangebot, Fahrdynamik und nettem Lifestyle Look sehr gut gelungen.

Motor und Getriebe

Nissan

X-Trail 2.0 dCi N-Connecta

Motor Diesel
Hubraum 1.995 ccm³
Leistung 177 PS @ 3.750 U/min
Kraft 380 Nm @ 2.000 U/min
Getriebe Xtronic-CVT-Automatikgetriebe
Antriebsachse Frontantrieb

Abmessungen und Fahrleistungen

Länge, Breite, Höhe 4.690, 1.830, 1.730   mm
Radstand 2.705 mm
Leergewicht 1.823 kg
Wendekreis 11,2 m
Höchstgeschwindigkeit 199 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 9,6 sec
Normverbrauch 5.8 l/100 km

Verbrauch im Test

Alltagsfahrer 6.2 l / 100 km
Öko-Experte 5.9 l / 100 km
Außendienst-Modus 6.8 l / 100km

Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann und Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH) – Beitragsbild: Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH)

Renault Kadjar – SUV à la francaise

SUV und Crossover sind zurzeit total angesagt: Kein Hersteller, der es schafft, ohne diese Fahrzeuge am Markt zu überleben. Selbst reine Sportwagen- und Luxus-Marken haben sie im Programm oder planen sie. Konkrete Beispiele? Gern! Bentley warf zuletzt mit dem Bentayga ein Luxus-SUV auf den Markt, Rolls Royce plant eines und selbst Lamborghini und Ferrari wollen ein solches in Planung haben. Von diesen Fahrzeugkategorien ist der Renault Kadjar zwar weit entfernt, macht aber vieles besser, als sein wenig beliebter Vorgänger, der Renault Koleos. Was der Franzose auf dem Kerbholz hat, haben wir uns genauer angesehen.

Design – Smokey Eyes für den nachhaltigen Eindruck

Aggressiv dreinschauende Voll-LED-Scheinwerfer mit selbstbewusst großem Markenlogo.

Bereits auf den ersten Blick bemerkt man den Renault Kadjar. Grund dafür ist sein ausdrucksstarker Blick aus den beiden optionalen Voll-LED Scheinwerfern. Serienmäßig kommt der Franzose allerdings bereits mit einem LED-Tagfahrlicht vorgefahren und sorgt auch im Basis-Trimm dafür, dass man ihm hinterherschaut. Und so erzeugt das SUV einen grimmig dynamischen Auftritt, der vom prominent gesetzten Markenzeichen (Rhombe) eine angenehme Spur Selbstbewusstsein eingeimpft bekommt. Gut so, wirkte der Vorgänger – der Renault Koleos – doch etwas buckelig und fand vermutlich aus diesem Grund wenig Abnehmer.

Den Kadjar hingegen lässt man sich gern gefallen: Mit seinen 4,45 m Außenlänge wirkt er stattlich, liegt aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz vom Schlage eines Kia Sportage oder Volkswagen Tiguan. Diese Stattlichkeit rührt von den wohlgeformten Rundungen her, wie sie etwa an den vorderen Kotflügeln oder am hinteren Hüftschwung zu finden sind. Die geschwungene, untere Fensterlinie, das sanft nach hinten abfallende Dach und die hübschen 19-Zoll-Räder sorgen für einen Spritzer Dynamik im SUV-Design-Cocktail. Das Heck wirkt hingegen unaufgeregt. Kein Wunder, war gerade diese Partie jene, die beim Koleos die Geister schied. Hier haben sich die Designer wohl bewusst zurückgenommen. Der Name „Renault Koleos“ besteht übrigens weiter, wurde aber an ein größeres SUV vergeben. Auch dieser ist sehr ansehnlich und lässt die Vergangenheit schnell vergessen.

Interieur – Der Renault Kadjar wirkt aufgeräumt

Übersichtliches Cockpit im Renault Kadjar. Einzig über die digitalen Instrumente lässt sich diskutieren.

Im Innenraum macht der Renault Kadjar fast schon einen nüchternen Eindruck. Eine Tastenflut sucht man ebenso vergeblich wie effektheischende Elemente. OK, die digitale Tachoeinheit ist nicht jedermanns Sache und lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal ablesen. Diese Kritik müssen sich aber auch andere Hersteller, die gar „virtuelle Instrumente“ anbieten, auch gefallen lassen. Funktional gibt es ansonsten an der Instrumentierung nichts auszusetzen. Die farbliche Anpassbarkeit ist eine Spielerei, die man allerdings kaum benötigt.

Gefallen hat das Infotainment des französischen SUV, das mit seiner einfachen Bedienung überzeugen konnte. Per Wisch- und Touchgeste scrollt man durch Menüs. Angenehm auch, dass man sich Bildschirme nach eigenen Präferenzen zusammenstellen kann. Und noch etwas: Renault hat sich zwar auf das Weglassen konzentriert was die Bedienung anbelangt, doch eines ist geblieben: Der Drehregler für die Lautstärke. Danke! Mancher Hersteller hat sich vollends von diesem Element verabschiedet – schade. Schließlich greift man hier blind hin und kann so die Augen auf der Straße lassen. Gleiches lässt sich über den Bedienungssatelliten hinter dem Lenkrad sagen, der für die Infotainmentsteuerung verantwortlich ist. Als alter Renault-Fahrer ist dieses Element natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Für Novizen wirkt er zunächst befremdlich, lässt sich aber schnell verstehen und verinnerlichen.

Fragwürdige Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung.

Eine Schrulligkeit – und das ist bei Renault schon lange ein Thema – ist die Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung. Sie befinden sich in der Mittelkonsole unter der Armlehne. Warum sie nicht mit der Klimaautomatik gruppiert werden? Ein Rätsel. Kommen wir aber zurück zum positiven Teil: Dem Platzangebot. Vier Erwachsene reisen entspannt im Renault Kadjar. Die Vordersitze bieten dabei jeder Statur eine angenehme Sitzposition, wenn auch nicht mit viel Seitenhalt. Gut nutzbar und mit einem cleveren Gimmick ausgerüstet zeigt sich auch der Laderaum des SUVs. Zwar bieten seine Konkurrenten mehr Basisvolumen als die 472 Liter des Renault Kadjar. Dennoch ist das Volumen alltagstauglich und verkraftet das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie. Reist man mit kleinem Gepäck – und hier kommt das Gimmick im Kofferraum zum Tragen – lässt sich der Ladeboden aufstellen und teilt das Gepäckabteil in zwei Bereiche. Verrutschen oder Herumfliegen von Ladegut gehört der Vergangenheit an.

Fahreindrücke – Zurück zu alten Tugenden

Der Renault Kadjar mag grimmig aussehen, fährt aber angenehm komfortabel. Eine Wohltat im Alltag.

Französische Autos? In der Vergangenheit verband man mit diesen vor allem weiche Reisemobile, die an Omas Sofa erinnerten. Zwar ist der Renault Kadjar weit entfernt von diesem „Schiffsschaukel“-Fahrverhalten, doch macht er einen großen Bogen um steife und vermeintlich sportliche Federn und Dämpfer. Stöße und Unzulänglichkeiten im Straßenbau absorbiert das SUV gekonnt, was vor allem auf langen Strecken besonders wohltuend wirkt. Bei niedrigen Tempi spürt man zwar den verhältnismäßig geringen Querschnitt der 19-Zoll-Bereifung, allerdings nicht in einem sonderlich störenden Rahmen.

Ein weiteres, entscheidendes Element, das für die lange Reise prädestiniert, ist der kräftige Motor des Renault Kadjar. Ausgerüstet mit dem 1.6 dCi und 130 PS wirkt der Franzose angenehm druckvoll. Reisetempi von 170 km/h stellen sich von selbst ein und wirken angenehm. Dabei liegt der Verbrauch bei rund acht Litern auf 100 km, was angesichts der Größe, dem  cW-Wert und der gebotenen Leistung als gut bewertet werden kann. Lässt man es gemütlicher angehen, liegen gut sechs Liter an.

Der 1.6 dCi gibt sich kräftig, sparsam und ist zudem ein kultivierter Zeitgenosse.

Ein Gebiet, das dem Renault Kadjar wenig liegt, ist die wilde Hatz über Landstraßen. Überraschung? Keineswegs. Die komfortable Ausrichtung des SUVs wirkt im Allgemeinen eher angenehm als störend und wird durch den Allradantrieb mit hoher Fahrsicherheit verbunden. Dennoch sollte man vor stärkeren Kurven wissen, dass sich der Kadjar etwas behäbig zur Seite neigt. Unterstützt wird dieser Eindruck von seiner leichtgängigen, etwas taub wirkenden Lenkung. Dafür gibt er sich in der Stadt recht wenig auffällig.

Fazit – Der Alltag ist stressig genug

Termine, die Kinder von der Schule abholen, die Wochenendeinkäufe erledigen und noch schnell zum Baumarkt. Bei diesem Stress braucht man kaum ein Fahrzeug, das mit Straffheit und übertriebener Sportlichkeit nervt. Ganz im Gegenteil, man sucht eher nach einem Kandidaten, der einen unbehelligt jeglicher Widrigkeiten unterstützt. Dieser Kandidat könnte der Renault Kadjar sein. Sein komfortabler Gesamteindruck ist sehr angenehm, der Antrieb druckvoll und effizient. Zwar hat das SUV seine Eigenheiten, wie etwa die Bedienung mancher Elemente. An diese gewöhnt man sich aber schnell. Vor allem, wenn man die geheimnisvolle Ausstrahlung des Renault Kadjar betrachtet, mit der man sich überall sehen lassen kann.