Im Fahrbericht: Nissan Juke 1.6 DIG-T 4×4 – Ein Juke kommt selten allein

Im Fahrbericht: Nissan Juke 1.6 DIG-T 4×4 – Ein Juke kommt selten allein

Der Nissan Juke polarisiert – und das ist ihm Segen und Fluch zugleich. Während die einen ihn für einen übermäßig aufgepumpten Kleinwagen halten und im Design für misslungen erachten, finden ihn andere Betrachter gerade wegen der unkonventionellen Form interessant und ansprechend.

Ich gehöre zu denen, dem der Nissan Juke gefällt. Sein Herausstechen aus dem alltäglichen automobilen Allerlei, Nissans mutiges Crossover-Design sagt mir sehr zu. Die Front mit den großen Glupschaugen gilt als Reminiszenz auf den Rallye-Sport, sein Rückleuchten-Design erinnert an den Nissan 370Z.

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Ist der Juke damit ein Querfeldein-Sportler im Kleinwagenformat? Womöglich war das die Intention der Japaner – und mit gewissen Kompromissen mag das auch stimmen.

Insbesondere in der größten Motorisierung, dem 1.6 DIG-T, kommen dem Juke sportliche Attribute zu. 190 PS entwickelt der kleine VierzylinderTurbo macht’s möglich. In Kombination mit dem anfangs gewöhnungsbedürftigen stufenlosen Automatikgetriebe (CVT) ist der kleine Bruder des Nissan Qashqai für sportliche Etappen auf der Landstraße durchaus zu gebrauchen. Besonders hilfreich, wenn es um eine solch sportive Gangart geht, ist NissansTorque Vectoring“, welches den kleinen Allradler hilft, stets genügend Drehmoment an den kurvenäußeren Rädern geliefert zu bekommen.

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Unter Volllast überrascht das CVT-Getriebe während erster Ausfahrten. Auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn mutiert der Juke bei Vollgas in seiner Klangkulisse zum durchstartenden Düsenjet. Die Nadel des Drehzahlmessers steht dabei still; permanent liegen 6.000 Umdrehungen an. Keine Schaltvorgänge oder Drehzahlabsacker unterbrechen den Durchzug. Ungewöhnlich, aber durchaus spaßig.

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Seinen Tribut muss der Juke-Fahrer dann an der Zapfsäule entrichten. Auf einer Autobahnetappe, die sowohl Vollgasanteile als auch gemütliche 130er-Abschnitte zu bieten hatte, stieg der Durchschnittsverbrauch auf über 14,5 Liter. Autsch. Insgesamt pendelte sich mein Durchschnittsverbrauch auf 11,9 Liter ein. Das ist deutlich zu viel.

Der Innenraum weiß mir durchaus zu gefallen – wenn auch mit Abstrichen. Auf dem Fahrersitz Platz genommen, fällt auf, dass der Raum völlig ausreichend, aber doch kleiner als erwartet ausfällt. Hier macht sich die B-Plattform von Renault-Nissan bemerkbar, auf welcher z. B. der Nissan Note und Micra sowie Renault Clio und Modus basieren.

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Mit japanischen Innenräumen vertraut, wirft auch der Juke keine Fragen auf. Das Lenkrad gefällt mir dabei besonders, gerade wegen der beiden unterschiedlichen Lederarten. Die Anzeigen im Kombiinstrument lassen sich ohne Einschränkungen ablesen. Allerdings ist die Bedienung des Bordcomputers eine Katastrophe, da der Fahrer durch das Lenkrad greifen muss, um an das kleine Knöpfchen heran zu kommen.

Klima- und Heizungsregler gehen von der Lage in Ordnung, sitzen noch nicht zu tief. Besonderes Merkmal des Juke ist die variable Bedieneinheit. Eben noch für die Lüftung in Verwendung, werden mit Druck auf den D-Mode-Schalter die Fahrzeug-Konfigurationen sichtbar. Hier kann ich u. a. die Fahr-Modi („Normal“, „Sport“ oder „Eco“) auswählen.

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Das verbaute und in der Ausstattungslinie Tekna serienmäßige Navigationsgerät tut seinen Dienst zuverlässig und in der Berechnung ausreichend zügig. Diese guten praktischen Eigenschaften trösten darüber hinweg, dass das Display für heutige Verhältnisse etwas klein und die Darstellungsgrafik ein wenig antiquiert daherkommen.

Ein weiterer Wermutstropfen ist die Innenraumverarbeitung. Ich habe nichts gegen Hartplastik-Armaturen, das stört mich nicht – zumal der Juke bereits über „weicheres“ Hartplastik verfügt als die Japaner in den 90ern. Problematisch ist leider die Verarbeitungsqualität – und das ist wirklich ärgerlich. Einbauteile haben teils Spiel, die Türinnenverkleidungen sind unsauber entgratet und damit scharfkantig. Das muss wirklich nicht sein und trübt das Bild vom sonst überaus sympathischen Japaner. Ein weiteres Ärgernis im Testwagen war das permanent quietschende Bremspedal.

Ein nicht weniger ärgerliches Manko ist das Licht. Abgesehen davon, dass keine Xenon-Scheinwerfer verfügbar sind, erweisen sich die Halogen-Leuchten als sehr schlecht, da die ab Werk montierten Birnen ein nur sehr unzureichendes Licht ausstrahlen. Zwar mag H4 nicht mehr besonders zeitgemäß sein, aber mit der richtigen Birne lässt sich durchaus eine brauchbare Ausleuchtung erzielen.

In seiner Summe verhagelt es sich der Nissan Juke 1.6 DIG-T 4×4 leider selbst. Mit seinem kräftigen Motor, dem lässigen Torque Vectoring und seinem CVT-Getriebe macht der Juke mächtig Boden gut und überzeugt mich obendrein mit seinem frechen Design. Für kinderlose Paare ist das Auto völlig ausreichend dimensioniert, selbst für Urlaube bietet sich genügend Raum. Zudem zeigt sich der Juke wider Erwarten weit weniger unübersichtlich als gedacht. Die ausgestellten Blechmuskeln sind im Spiegel gut zu sehen, nachvorn ist stets die Motorhaube im Blickfür alles weitere sorgt die Rückfahrkamera.

Auf der anderen Seite steht der unverhältnismäßige Verbrauch, die mäßige Innenraumverarbeitung und das schlechte Licht der Hauptscheinwerfer. Das scheinen mir für ein Facelift ideale Möglichkeiten, aus dem Nissan Juke ein noch besseres Auto zu machen.

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Mario von Berg – hat mal irgendwas mit Germanistik gemacht, liebt von Kindheit an das Automobil und lernte unfreiwillig Autokataloge auswendig. Mit Benzin im Blut und frühneuhochdeutschen Texten im Kopf fährt, schreibt und liebt er.