Test: Nissan Navara 2016

Test: Nissan Navara 2016

Lust auf Last

Nissan Navara – Pragmatiker und Arbeitstier in Personal-Union

Test des Nissan Navara mit 163 PS-Dieseltriebwerk

Sie mögen nicht allzu handlich sein, geht es aber um den Pragmatismus auf Rädern, sind sie unschlagbar. Pick-Up Trucks. In den USA Verkaufsschlager, bei uns eher Nischenmodelle. Aber, es gibt eine Fan-Base und Fahrzeuge wie der Navara von Nissan bedienen dieses Segment seit vielen Jahren sehr erfolgreich! Nutzfahrzeuge mit offener Pritsche und mit einer Zuladung von rund einer Tonne gelten als zu groß, zu unhandlich, zu unkomfortabel und zu durstig. Der neue, seit Januar 2016 erhältliche Nissan NP 300 Navara möchte mit diesen Vorurteilen aufräumen. Punkten will er zudem durch Sicherheit und ein neues Entertainment-System. Dabei dürfen die Ladekapazitäten und seine Offroad-Qualitäten jedoch nicht leiden. Der in den Versionen King-Cab (2+2-Sitzer) und Double-Cab (Fünfsitzer) angebotene Pick-up kostet mindestens 25.095 Euro. Wir hatten den Double-Cab im Test, ein eigentlich riesiger Kombi mit offener Ladefläche!

nissan-navara-testwagen-fahrbericht-008-jens-stratmann

Angeschaut

Auf den ersten Blick sieht der Navara so aus, wie man es von einem Pick-up erwartet: groß und imposant. Da nutzt es auch wenig, dass das Fahrzeug nun weniger klobig und eckig wirkt als sein Vorgänger. Kein Wunder, streckt sich die Version Doppelkabine – die mit Abstand beliebteste in Deutschland – auf stolze 5,33 Meter Länge. Dazu misst der Navara in dieser Variante in der Höhe gute 1,80 Meter und in der Breite – die Außenspiegel mit eingerechnet – fast 2,10 Meter.

Die Vorteile der Abmessungen zeigen sich zum einen im Innenraum, zum anderen hinten auf der Pritsche. Die Kabine bietet reichlich Platz für die Passagiere. Das Interieur orientiert sich zudem nun an Vorgaben, wie man sie aus dem Qashqai oder X-Trail kennt. So kommt zumindest in den höheren Ausstattungslinien kein Nutzfahrzeug-Blues auf. Hier gehören unter anderem Klimaautomatik, Leder, Lederlenkrad, Navigationssystem, Leichtmetallfelgen, LED-Scheinwerfer und ein elektrisches Schiebedach zum Serienumfang. Auch beim Thema Sicherheit hat Nissan aufgerüstet. Bergan- und Bergabfahrassistent sind bei den 4×4-Varianten Standard, ein autonomer Notbremsassistent ist optional erhältlich. Unser Test-Navara hatte die Halogen-Leuchten an der Front, die wenig glücklich machen konnten. Für ein Nutztier mag man das akzeptieren, als Lifestyle-Laster ist es nicht in Ordnung. Hier dann lieber gleich zur hochwertigen TEKNA-Ausstattung greifen!

nissan-navara-testwagen-fahrbericht-007-jens-stratmann

Aufgeladen

Trotz der großzügigen Kabine bleibt auf der Pritsche noch genügend Fläche für Ladung. Die Pritsche misst beim Double-Cab 1,58 Meter in der Länge (ein Plus von 6,7 Zentimetern). Für die einfachere Handhabung bietet Nissan zahlreiches Zubehör wie ausziehbare Ladefläche und Schienen an. Bis zu 1.062 Kilogramm dürfen zu geladen werden, bis zu 3,5 Tonnen beträgt die Anhängelast. Das reicht, um den Hausstand einer Klein-Familie umziehen zu lassen oder eben einfach jede Form von Hobby abzuhaken.

nissan-navara-testwagen-fahrbericht-002-jens-stratmann

Abgefahren

Damit es auch unter der Last einer ordentlichen Ladung Kies im Heck noch vorwärts geht, werkelt unter der Haube ein 2,3-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 163 PS oder 190 PS. Unser Testwagen kam mit dem 163 PS Diesel und da wir nicht einmal die volle Zuladung ausnutzen konnten, war der Motor zu jeder Zeit mehr als ausreichend.  Damit man die Leistung sinnvoll sortiert weitergeben kann, steht ein manuelles Sechsgang-Getriebe zur Verfügung. Es gäbe auch eine Automatik, die aber bleibt dem 190 PS-Motor vorbehalten.

Selbst das 163-PS-Triebwerk  arbeitet mehr als überzeugend. Die hohe Sitzposition, der Abrollkomfort, das satte Drehmoment des Diesels – der Pick-Up wird plötzlich zur idealen Reise-Kutsche! Dass da hinten eine Ladefläche dranhängt? Man sieht es im Spiegel. Aber gefühlt ist der Navara ein Cruiser für die Langstrecke. Selbst die Federung bleibt im unbeladenen Zustand weit von der knochigen Härte des klassischen Nutzfahrzeuges entfernt! Dass man mit einem 5,33-Meter-Schiff unterwegs ist, merkt man kaum. Weitere Neuerung für den Navara lernt man besonders auf schlechten und holperigen Wegstrecken schätzen. Bei der Doppelkabine kommt an der Hinterachse eine Einzelradaufhängung zum Einsatz. Anstatt dass beim Überfahren von Schlaglöchern die Amalgamfüllungen der Zähne in ihren Grundfesten erschüttert werden wie bei Modellen mit einer hinteren Starrachse, schaukelt man vergleichsweise sanft über alle Unebenheiten hinweg. Das freut nicht nur den Zahnarzt, auch die Bandscheibe bleibt gelassen.

Praktisches Hilfsmittel für ein leichteres Rangieren im unübersichtlichen Gelände ist bis Tempo 10 das Umfeld-Beobachtungssystem, das das Fahrzeug aus der Vogelperspektive und eine 360-Grad-Ansicht zeigt. So sieht man im Display, was vor, hinter und auch neben dem Fahrzeug liegt oder ob die Enge der Kurve mit dem Wendekreis (12,4 Meter) passen könnte.

nissan-navara-testwagen-fahrbericht-010-jens-stratmann

Angemessen

Fünf Jahre Garantie oder bis 160.000 Kilometer gibt Nissan auf den NAVARA. Das ist ein Zeichen der Zuversicht in die eigene Qualität.

[notification type=“notification_mark“ ]Das ideale Auto für:

Freiberufler, die ein Nutzfahrzeug suchen, das nicht jede Form von Komfort vermissen lässt. Ein kultiviertes Arbeitstier.
[/notification]

[notification type=“notification_info“ ]

Lust auf Last

Alternative zu: Mitsubishi L200, Ford Ranger, VW Amarok.
Passt zu: Handwerkern und Menschen mit komplizierten Hobbys.
Das überzeugt: Fahrgefühl und Alltagsnutzen. [/notification]

nissan-navara-testwagen-fahrbericht-013-jens-stratmann

Alle technischen Daten des Nissan NAVARA DoubleCab im Überblick:

Der Fahrzeugschein für den Nissan NAVARA DoubleCab 163 PS MT

Verkaufsstart:  erfolgt
Basispreis:  Ab 64.870 €
Motorleistung: 340 PS / 450 Nm
Antrieb und Getriebe:  8-Gang Automatik, Allradantrieb
Beschleunigung:  5,4  Sekunden für 0-100 km/h
Verbrauch – kombiniert:  8,6l / 100 km NEFZ-Norm
Höchstgeschwindigkeit:  250 km/h (el. begrenzt)
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.954, 1.880, 1.457, 2.960 mm

[notification type=“notification_info“ ]Stand vom 01.09.2016[/notification]

[divider] [/divider]

Große Galerie des Nissan Navara: nissan-navara-testwagen-fahrbericht-012-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-011-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-010-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-009-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-004-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-005-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-006-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-007-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-008-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-003-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-002-jens-stratmann nissan-navara-testwagen-fahrbericht-001-jens-stratmann

Aktuelle Suchanfragen:
Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Test: Nissan X-Trail

Seit 2014 fährt der Nissan X-Trail in der 3. Generation für den japanischen Autohersteller und dies als meistverkauftes Fahrzeug der Marke überhaupt. Zur Modellpflege 2017 bietet Nissan einen neuen Powerdiesel mit 2 Liter Hubraum zur Ergänzung des 1.6 Liter Diesel. Als zusätzliches Kaufargument soll darüber hinaus die Ausstattungslinie „N-Connecta“ dienen, um den SUV weiter auf Dauerbrennerkurs zu halten. Der X-Trail passt sich damit den Wünschen seiner Kunden an. Diese wollen außer einem geländefähigen SUV ein umfangreiches Sicherheitspaket und Komfortausstattung. Bestehen bleibt der seit 2014 auf den Markt gebrachte Mainstream Look, der die Ecken und Kanten der 2. Generation abgelöst hatte. Mit seinem Lifestyle-Charme und drei Motorisierungen startet er ins Modelljahr 2018 durch. Den Einstieg findet der X-Trail bei einem Preis von 24.990 Euro.

Testbericht: Nissan X-Trail 2.0 dCi N-Connecta Xtronic

On- und Off-Road-Mix aus Japan
Nissan X-Trail 2.0-Liter Diesel.

Die Front des sportlichen Kompakt SUVs prägen Stilelemente der aktuellen Murano und Qashqai Modelle. Damit findet Nissan eine Konzernsprache, die zumindest die Crossover Familie einheitlich auftreten lässt. Breit zu den Seiten hochgezogene Schürzen fassen den chrombesetzten Kühlergrill ein, der wiederum das Markenlogo prominent zur Schau trägt. Die seitlichen Enden der Frontscheinwerfer setzten sich in einer geschwungenen Sicke über die gesamte Fahrzeuglänge fort, bevor sie bogenförmig bei den Heckleuchten wieder aufsteigen. Am Heck sorgen die Scheinwerfer für einen dynamischen Auftritt. Die Dachreling ist fest mit dem Dach verbunden. Das verbessert die Aerodynamik. Der Wagen ist zudem mit knapp 1,82 Meter Breite und 1,73 Meter Höhe größer dimensioniert im Vergleich zu seinen Mitbewerbern. Die optimierte Windschlüpfrigkeit macht sich beim Kraftstoffverbrauch (5,8 Liter im Normtest mit 19’’ Rädern) und Abgasemission (152 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) trotz seines Xtronic-CVT-Automatikgetriebes positiv bemerkbar. Wir erreichen die angegebenen Werte nicht ganz, dafür haben wir gerade durch das Automatikgetriebe viel Spaß an der Performance des X-Trail. Selbst im Gelände macht das frontangetriebene Fahrzeug eine erstaunlich gute Figur und meistert den einen oder anderen unbefestigten Weg. Der ausschließlich als Fünf- und Siebensitzer erhältliche X-Trail ist in der Stadt gleichermaßen bequem unterwegs, obwohl sein Wendekreis sich manchmal als hinderlich erweist. Auf längeren Autobahnstrecken bietet der Japaner zwar einen guten Sitzkomfort, jedoch fallen uns die Innenraumgeräusche unangenehm auf.

Kann auch zur Jagd ausgeführt werden.

Cockpit einfach strukturiert

Das sich selbst erklärende Cockpit gefällt bereits beim ersten Einsteigen. Alle Instrumente, die das Fahrzeug betreffen, sowie das in der Mitte des Armaturenbretts sitzende Navigationssystem mit Smartphone-Anbindung bieten nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Information. Zudem leistet das Nissan Connect System Zugriff auf die Applikationen des jeweiligen benutzten Smartphones. Die sehr gut zugeschnittenen Vordersitze wirken nicht nur ergonomisch durchgestylt, sondern geben Halt in jeder Fahrsituation. In Sachen Flexibilität liegt der X-Trail deutlich über dem Trend seiner Mitbewerber. Durch den Klappmechanismus für die Rücksitzbank wächst das Laderaumvolumen von 565 Liter auf angemessene 1.996 Liter.

Schlicht, einfach und doch voller Informationen.

Kleiner Diesel mit viel Drehmoment

Eine gehörige Portion Fahrspaß vermittelt der von uns getestete neue 177-PS-Diesel. Denn mit einem maximalen Drehmoment von 380 Newtonmetern bei 2.000 Umdrehungen agiert das Aggregat durchzugsstark. Bei einer Beschleunigung ab 100 km/h indessen wirkt der X-Trail ein wenig schwerfällig. Kombiniert mit dem komfortabel abgestuften Xtronic-CVT-Automatikgetriebe lässt sich der SUV aus Japan effizient durch den Stadt- und urbanen Verkehr steuern. Seine Lenkung ist spursicher ausgelegt, so dass in der Stadt ein sehr entspanntes Einparken in Verbindung mit seiner Rückfahr- und 360-Grad-Kamera möglich ist.

2.0 Liter Diesel mal ganz überzeugend.

N-Connecta steht für Konnektivität

Die Fahrerassistenzsysteme, die wir bereits aus dem neuen Qashqai kennen, finden wir auch im X-Trail wieder. Die japanischen Ingenieure konfigurierten bereits ab dem Basismodell  „VISIA“ ein stark verbessertes ESP-System mit Berganfahrhilfe, das Fahrerassistenz-Paket bestehend aus autonomen Notbrems-Assistent, Spurhalte-Assistent und Verkehrszeichenerkennung, LED-Tagfahrlicht, einer elektronischen Parkbremse und Einparkhilfe vorn und hinten. Zum Einsatz kommen in der von Grund auf neu aufgelegten Version „N-CONNECTA“ unter anderem das NissanConnect System inkl. Round View Monitor für 360 Grad Rundumsicht. Lieferumfang ist hier das Navigationssystem mit Sieben-Zoll-Touch-Farbdisplay inkl. 3 Jahre kostenloser Kartenaktualisierung, USB-Schnittstelle, Rückfahrkamera und Smartphone Integration. Zusätzlich schnürt Nissan für die neue Ausstattungsline das Style-Paket, tertiär aus 19-Zoll-Leichtmetallfelgen und Bereifung, einer elektrisch öffnend und schliessenden Heckklappe und dem Intelligent Key mit Start-/Stopp-Knopf.

Dick bereift mit 19 Zoll Rädern.

SUV zu kleinen Preisen

Der X-Trail, den es sowohl als Fronttriebler als auch mit 4 x 4 Allradantrieb gibt, ist ab einem Preis von 24.990 Euro zu haben. Dafür bietet Nissan einen 1.6-Liter Benziner mit 163 PS. Die Dieselmotorisierung hingegen wartet mit dem 1.6 dCi sowohl als frontgetriebenes als auch 4 x 4 angetriebenes Aggregat mit der Leistungsstufe 96 kW (130 PS) und einem Sechsgang-Schaltgetriebe auf. Der Basispreis beträgt hier 32.630 Euro. Die Preisunterschiede zwischen den fünf Ausstattungslinien VISIA, ACENTA, N-CONNECTA, N-VISION und TEKNA sind moderat gehalten, dabei verführen sie in erster Linie immer zur nächst höheren Ausstattungslinie.

SUV mit viel Potential.

Fazit: Alles in allem trifft den X-Trail eher die Bezeichnung „geländegängiger SUV“, als „Kompakt-SUV“. Zusätzlich sind die Synergien zwischen Raumangebot, Fahrdynamik und nettem Lifestyle Look sehr gut gelungen.

Motor und Getriebe

Nissan

X-Trail 2.0 dCi N-Connecta

Motor Diesel
Hubraum 1.995 ccm³
Leistung 177 PS @ 3.750 U/min
Kraft 380 Nm @ 2.000 U/min
Getriebe Xtronic-CVT-Automatikgetriebe
Antriebsachse Frontantrieb

Abmessungen und Fahrleistungen

Länge, Breite, Höhe 4.690, 1.830, 1.730   mm
Radstand 2.705 mm
Leergewicht 1.823 kg
Wendekreis 11,2 m
Höchstgeschwindigkeit 199 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 9,6 sec
Normverbrauch 5.8 l/100 km

Verbrauch im Test

Alltagsfahrer 6.2 l / 100 km
Öko-Experte 5.9 l / 100 km
Außendienst-Modus 6.8 l / 100km

Text: Stefan Beckmann, Bild: Stefan Beckmann und Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH) – Beitragsbild: Hersteller (NISSAN CENTER EUROPE GmbH)

Testfahrt im Nissan Serena, in Tokyo

In Japan hat sich der Trend zu den SUVs noch nicht so übermächtig durchgesetzt wie im Rest der Welt, zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die Vielzahl an großen und kleinen Vans im Stadtbild von Tokyo sieht. Wobei es für die „kleinen Vans“ einen guten Grund gibt. Die so genannten Kei-Cars dürfen maximal 3,39 Meter lang und nur 1.48 Meter breit sein – und zudem maximal 0.67 Liter Hubraum haben. Dass man bei diesen Beschränkungen natürlich in die Höhe geht und auch die Fensterflächen maximal steil hält, ist logisch. Kei-Cars sind in Japan begünstigt in der Steuer und man muss, anders als bei anderen Fahrzeug-Kategorien, keinen Parkplatz für das Auto nachweisen, bevor man es zulassen kann. Doch neben den ganz speziellen Kei-Cars sieht man in Japan auch den klassischen Van im Straßenbild. Einen Vertreter dieser klassischen Spezies konnte ich während meiner Reise nach Tokyo testen.

NISSAN SERENA – Testfahrt in Tokyo

Von Handschuhen und freundlichen Maut-Kassierern

Der Nissan Serena ist in der Top-Ten Liste der am häufigsten in Japan verkauften Fahrzeuge auf Platz 6. Und nein, diese Liste ist nicht nur für Vans – alles PKWs in Japan sind darin gelistet. Alleine daran sieht man, welchen Stellenwert der VAN in Japan hat. Mit 4.75 Metern ist der Serena von überschaubarer Länge und ähnlich wie die KEI-CAR Klasse ist er vor allem recht hoch und eher schmal. Die knapp 1.90 Meter Höhe und die nicht einmal 1.75 Meter Breite lassen dem SERENA eine KEI-CAR ähnliche Optik angedeihen – die Vorteile kassieren die Insassen. Die lichte Höhe im Innenraum und der klassische -VAN-Aufbau passen gut zusammen. Der SERENA wird so zu einer fahrenden Lounge.

Den Nerz nach innen tragen

Bei den Motoren macht es Nissan seinen Kunden leicht. Es gibt nur einen Motor für den SERENA, einen 2.0 Liter Vierzylinder mit Direkt-Einspritzung. Bei einem allgemeinen Tempolimit von 100 km/h in Japan eine nachvollziehbare Entscheidung. Und auch beim Getriebe ist die Wahl eher eingeschränkt. Ein stufenloses Automatikgetriebe ist an Bord. Einzig bei der Frage nach Front- oder Allradantrieb lässt sich eine Entscheidung treffen. Viel größer ist die Wahl bei den Ausstattungslinien des SERENA. Von der Basis-Version für 2.435.400 Yen bis hin zum „Highway-Star“ mit angeschärfter Optik und loungiger Innenraumausstattung für 3.72 Millionen Yen ist vieles möglich. Diese Konzentration auf „Optik“ und innere Werte, abseits von Motoren und Getrieben, zeigt den Fokus des SERENA gut auf.

Der SERENA ist ein Reise-Van, oder ein Familien-Van, ein Auto mit komfortablem Platzangebot für bis zu sieben Personen – wobei 6 Personen durchaus sehr gemütlich Platz finden. Noch besser haben es nur Fahrer und Beifahrer, die in Reihe eins so richtig bequemes Lounge-Gestühl bekommen. Die Tour durch Tokyo startet ungewohnt. Rechts sitzend. Noch merkwürdiger, auch Blinkerhebel und Wischerhebel sind vertauscht – was dazu führt, bei einsetzendem Regen zu blinken und beim Abbiegen den Wischer einzuschalten.

Die Werbung für den Nissan Serena zeigt, für wen der Van gedacht ist.

Auto fahren in Tokyo

Was sich erst einmal nach einem Harakiri-Kommando anhört; Auto fahren in einer fremden Millionenmetropole, auf der falschen Seite, mit nicht lesbaren Verkehrsschildern, entpuppt sich schnell als Sonntagsausflug. Tokyo ist nicht nur unter den Top 10 der teuersten Städte der Welt, mit 15.000 Einwohnern je Quadrat-Kilometern gehört Toyko auch zu den am dicht besiedelsten Städten der Welt. Bevor jeder Amok läuft, bleibt man einfach höflich. Hält Abstand, ist freundlich und zurückhaltend. Und genau das spürt man auch im Verkehr. Niemand hupt. Niemand drängelt. Aggressives Auto fahren wie man es aus Städten wie Rom oder Barcelona kennt, ist dem Tokyoter fremd. Das hilft beim ersten Ausflug mit dem SERENA. Und selbst als der dt. Blogger am SERENA auf die mautpflichtige Schnellstraße auffahren will, an der Mautstation aber die Kreditkarte nicht schnell genug zücken kann, zudem in der falschen Spur steht, nämlich in der für Autofahrer mit kontaktlosem Bezahlsystem und nicht in der Spur für Autofahrer, die bezahlen müssen, sich hinter ihm schnell eine lange Schlange bildet, hupt niemand. Der Kassierer im Mautstellen-Häuschen deutet höflich auf das Schild mit den 1.300 Yen – und wartet bis Habby – im Schweiße gebadet – sein Bargeld gezückt hat.

Autos wie der SERENA passen perfekt zum ruhigen Wesen der Tokyoter. Seine CVT lässt den Benziner milde vor sich hin brummelnd im unteren Drehzahlbereich werkeln. Die Übersicht von der erhabenen Sitzposition im hohen Van ist ideal, um auch „Langnasen“ eine Chance zu geben, den Überblick nicht zu verlieren. Dank des „Nissan ProPilot“ Systems kann man zwischen 30 und 100 km/h auf einen Assistenten vertrauen, der Abstand und Fahrspur im Blick behält. Dieses Assistenzsystem war ja eigentlich der Grund für den Ausflug im Serena. Denn im neuen NISSAN LEAF wird dieses System 2018 auch nach Deutschland kommen.

Nicht nur in tristem Schwarz erhältlich.

Tokyo, der Serena und Habby

Eigentlich war es ja der Nissan Leaf 2018, der Habby nach Tokyo trieb. Und eigentlich war der SERENA ja nur dazu gedacht, das Nissan ProPilot System einmal zu testen, am Ende war aber gerade die Fahrt mit dem SERENA, durch Tokio genau das, was mich am meisten beeindruckt hat. Und dass man bei uns kaum noch Vans kauft? Nun – eigentlich ist es nicht zu verstehen – und nicht nur bei dem Thema „Gelassenheit“ im Straßenverkehr und im Umgang miteinander würde ich mir mal ein wenig mehr „Japan-Style“ für uns Europäer wünschen. Auch die Vans, Mensch, die waren praktisch und bequem – warum genau haben wir uns von diesen Vans verabschiedet?

Und was war nun mit den Handschuhen? 

Ich dachte, es wäre ein lustiger Gag, wenn ich Handschuhe zur Testfahrt mit dem Serena anziehe, denn am Vortag sind wir mit zwei Taxen in Tokio gefahren, und beide Taxifahrer hatten Handschuhe an. (Von den sonstigen kulturellen Unterschieden zu (z.Bsp. Berliner) Taxen will ich gar nicht erst anfangen.) Auf jeden Fall waren eigentlich diese Handschuhe dafür verantwortlich, dass es an der Maut-Station schon fast chaotisch zuging. Aber das wiederum demonstrierte mir die Ruhe und Höflichkeit der Japaner.