Porsche Cayenne GTS und Turbo S: Könige der Löwen

Porsche Cayenne GTS und Turbo S: Könige der Löwen

Dem Klang nach könnte der Ort durchaus in Griechenland zu finden sein. Tatsächlich jedoch ist kaum ein Plätzchen in Europa weiter von den Hellenen entfernt als die Stadt im Norden Schwedens, wo es einen Flugplatz und unzählige Seen gibt. Die im Winter naturgemäß zufrieren. Und hier tummeln sich zu dieser Jahreszeit nicht Elch und Bär sondern der König des Tierreichs höchstpersönlich. Zumindest wenn man dem Porsche Cayenne diesen Titel als Anführer der SUV-Riege zubilligen mag. In freier Wildbahn und jenseits des abgeschirmten Erprobungsgeländes treten hier erstmals die beiden neuen Chefs im Löwen-Clan auf, die stärksten Versionen der jüngst erneuerten Porsche-Baureihe. Der 324 kW/440 PS starke Cayenne GTS und der noch kräftigere Cayenne Turbo S mit 419 kW/570 PS. Die Preise: 98.152 für den GTS und 166.969 für den Turbo S.

Die beiden Spitzenmodelle folgen der jüngsten Auffrischung der SUV-Baureihe, die für Porsche wegen der immer weiter zunehmenden Beliebtheit dieser Fahrzeugkategorie immens wichtig geworden ist. 600.000 Einheiten hat die Sportwagenmarke seit der Einführung des Cayenne im Jahr 2002 verkauft. Optisch geben sich die beiden Luxus-SUV an der turbospezifischen Frontschürze und größeren Lufteinlässen oder den geschwärzten Scheinwerfermasken zu erkennen.

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Der GTS liegt außerdem 2,4 Zentimeter tiefer über dem Asphalt als der Cayenne S. Vor allem aber ist der niedrigere Verbrauch in vielen Märkten mehr als ein Feigenblatt, das bei Konsumwerten um und über zehn Liter auf 100 Kilometer das Gewissen beruhigen mag. Der GTS verlangt auf der Standarddistanz 0,9 Liter Treibstoff weniger als der Vorgänger, der noch von einer um 1,2 Liter Hubraum größeren V8-Maschine angetrieben wurde. Der neue 3,6-Liter-V6 liefert dennoch 20 PS mehr. Im Turbo S bleibt es beim V8-Aggregat, das ebenfalls um 20 PS erstarkt ist und 50 Newtonmeter mehr Drehmoment anbietet – in diesem Fall ohne Mehrverbrauch.

Die Fahrleistungen sind entsprechend gestiegen. Der Turbo S beschleunigt in 4,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h, das sind 0,4 Sekunden weniger als der Vorgänger schaffte. Der GTS erledigt den Sprint in 5,2 Sekunden, das sind 0,5 Sekunden weniger als bisher. Bei der optionalen Ausstattung mit dem Sport Chrono Paket, zu dem die automatische Maximalbeschleunigung über die sogenannte Launch Control gehört, gewinnt der GTS beim Sprint von 0 auf 100 km/h nochmals 0,1 Sekunden.

Beide Versionen erfreuen mit harmonischer Drehmomententfaltung, wenngleich die grundsätzlich serienmäßige achtstufige Automatik ohnehin eventuelle Lücken unkenntlich macht. Der GTS – ebenfalls mit zwei Turboladern bestückt – wirkt eine Spur präsenter, der Turbo S, bei dem die Lader für ein schnelleres Ansprechverhalten direkt in den beiden Auspuffkrümmern positioniert sind, beeindruck mit brachialer Gewalt. 800 Newtonmeter Drehmomentspitze sind eben nicht zu unterschätzen. Die Geräuschentwicklung ist schon bei normaler Fahrt dank der Sportauspuffanlage kraftvoll und souverän, dank der zusätzlichen Klappenschaltung im Abgasstrang lässt sich der Motorsound nochmals um eine für sportliche Fahrer sehr angenehme Nuance verbessern.

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Laut Porsche sollen die Topmodelle des Cayenne auch auf der Rennstrecke ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen können. Mit dem Turbo S gelang eine Runde auf der Nürburgring-Nordschleife unter 8 Minuten. Dennoch schafft der Cayenne mit einem Kofferraumvolumen von wenigsten 670 Liter ordentlich was weg, und beweist seine Alltagstauglichkeit, wenn er sich mühelos durch den Stadtverkehr dirigieren lässt, der Parkassistent hilft beim Rangieren auf dem Abstellplatz. Viele der Helfer müssen jedoch extra bezahlt werden. Zwar rührt der erhebliche Preisunterschied zwischen den beiden Versionen nicht allein von der Mehrleistung des Turbo S her, dieses Modell ist weitgehend komplett ausgestattet. Dennoch ist Raum für extravagante Extras. Der Preis des in Skelleftea gefahrenen Testwagens lag bei rund 188.000 Euro.

Gerade die beiden stärksten und jüngsten Cayenne-Versionen sind keine Hausmannskost und werden einem erlesenen Publikum vorbehalten bleiben. Ihre hohen Einstiegspreise mögen teilweise verhindern, dass allzu unerfahrene Chauffeure auf den Platz hinterm Lenkrad klettern. Denn um das Potenzial der Hochleistungs-SUV auch nur halbwegs zu beherrschen, braucht es schon einen routinierten Löwenbändiger. Und wer aufs Geld schaut und trotzdem ein kräftiges SUV von Porsche fahren will, der könnte mit dem Diesel bedient werden. Oder mit dem kleineren Macan. Denn der wird noch in diesem Sommer ebenfalls als GTS-Version debütieren.

Autor: Michael Kirchberger/SP-X

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