Erste Fahrt: Renault legt den Espace tiefer

Erste Fahrt: Renault legt den Espace tiefer

Neuer Espace als Crossover in einem neuen Segment zwischen SUV und VAN

Mit der 5. Generation des Espace will Renault das als Van positionierte Fahrzeug als Crossover auf den Markt bringen. Hierzu wurde ein eigens kreiertes Segment geschaffen. Zwischen SUV und VAN soll sich der neue Siebensitzer positionieren. Im Mai präsentierte Renault den luxuriösen Crossover seinen Kunden. Das 1984 als Großraumlimousine vorgestellte Fahrzeug verkaufte sich bis heute rund 1,2 Millionen mal und soll nun auch die Käuferschaft des klassischen SUV überzeugen.

Als Renault den Espace vor mehr als 30 Jahren einführte, kam die 1. Generation noch als Großraumlimousine daher. Erst im Laufe der Zeit, mit Einführung des VAN Segments und veränderten Kundenwünschen, wurde auch der Espace „erwachsen“.  Als Fahrzeug mit viel Platz im Innenraum und sieben Einzelsitzen bildete er stets die Spitze in diesem Segment. Wurde in der 2. Generation (ab 1991) noch die Karosserie für mehr Platz etwas verlängert, führte man erstmals mit der 3. Generation (ab 1996) eine Langversion „Grand Espace“ ein. Mit der 4. Generation seit 2003 hielt noch mehr Sicherheit verbunden mit zehn Airbags Einzug.

VAN mit Fahrspaß
VAN mit Fahrspaß

Ein hohes Maß an Sicherheit, Fahrspaß und Zuverlässigkeit wollten die Ingenieure aus Frankreich im Espace mit seinen flexiblen Fähigkeiten bieten. Dabei gaben sie sich auch zur Aufgabe, dass sich ein VAN nicht nur über die Vielzahl von Einsatzzwecken definiert, sondern seinen Benutzern generell ein stressfreies Fahren über große Distanzen sowie unter schwierigen Bedingungen offerieren sollte. Ob dies gelungen ist, konnten wir bei einer ersten Testfahrt rund um den Nürburgring mit dem Espace und seinen Motorisierungen erfahren. Er schaukelt zwar ein wenig in den Kurven, aber das ist seiner Größe geschuldet. Er ist auch kein Sportler, muss ja auch nicht, denn das lässige Laufenlassen steht dem Franzosen ohnehin viel besser.

Zur Motorenpalette gehören ein Benziner und zwei Dieselaggregate. Der von uns gefahrene 1.6 Liter Diesel stellt uns 118 kW (160 PS) zur Verfügung. Dies scheint zwar bei einem Leergewicht von rund 1.7 Tonnen etwas wenig, aber bei einem Drehmoment von 380 Newtonmeter bei 4.000 Umdrehungen werden wir schnell wieder entschädigt. Die Höchstgeschwindigkeit von ca. 202 km/h konnten wir leider nicht ausfahren, aber dafür kamen wir dem angegebenen Kombinationswert von 4,7 Litern sehr nahe. Das Sechs-Gang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet sehr präzise.

Mit drei Motorisierungen bleibt der Antrieb beim Espace übersichtlich. Zu einem weiteren 1.6 Liter Diesel mit 96 kW (130 PS) und Sechs-Gang-Schaltgetriebe reiht sich ein 2.0 Liter Benzinmotor mit Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Alle drei Motoren sind vierzylindrige Aggregate.

Beim neuen Espace steigen wir wie schon bei seinen Vorgängern in einen hellen und sehr freundlichen Innenraum. Die 2,8 Quadratmeter große Frontscheibe bringt viel Licht ins Fahrzeug. Sowohl Fahrer und Beifahrer als auch die Insassen im Fond haben mehr als ausreichend Platz. Mit breiten Kopfstützen ausgestattet, sind die Vordersitze in der Topausstattung 10-fach verstellbar, davon acht elektrisch mit Memory-Funktion und Massagefunktion in der Rückenlehne. In der zweiten Reihe finden sich drei komfortable Einzelsitze. Der Siebensitzer verfügt außerdem im Fond über zwei zusätzliche Einzelsitze. Die Funktion modulares „One-Touch-Folding“ erlaubt es, die Sitze der beiden hinteren Reihen einzeln oder zugleich vom Fahrerplatz aus mit dem serienmäßigen Renault R-Link 2 Online-Multimediasystem per Fingertipp im Boden zu versenken. Dennoch sind die beiden Sitze Notsitze und dienen allenfalls bei kurzen Wegen mit Freunden sehr gut als zusätzliche Möglichkeit der Unterbringung. Das Gepäckraumvolumen im Siebensitzer beträgt bis zu 680 Liter bei Beladung bis zur Fensterkante. Werden die Rücksitze im Boden versenkt, so steigt die Ladekapazität auf 2.035 Liter bei Beladung bis zum Dach.

Einen gewissen Hightech-Charakter kennzeichnet ein hochauflösendes TFT-Display, das den Fahrer über alle Fahrzeug- und Fahrtdaten informiert. Zusätzlich bietet der französische Autobauer ein Head-up-Display an, das fahrtbezogene Angaben wie die aktuelle Geschwindigkeit, Tempolimits und Navigationsempfehlungen direkt ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Außer bei der Basisausstattung bietet Renault serienmäßig eine eigenständige Mittelkonsole in futuristischem Design an. Auf ihr finden sich wichtige Bedien- und Kontrollelemente.

Erstmals kommt in der fünften Espace Generation das von Renault entwickelte Multi-Sense System zum Einsatz. Mit seiner Hilfe kann der Fahrer sowohl das Fahrerlebnis als auch das Ambiente im Espace individuell bestimmen. Das System verfügt hierfür über vier programmierte Einstellungen: „Eco“, „Comfort“, „Neutral“ und „Sport“. Hinzu kommt der frei konfigurierbare „Perso“-Modus. Neben dem Ansprechverhalten von Fahrpedal und Lenkung, der Geschwindigkeit der Gangwechsel und der Dämpferhärte lassen sich unter anderem die Interieur-Beleuchtung, Farbe und Darstellung der Instrumente, Motorsound und Klimatisierung programmieren.

Die 5. Generation des Espace
Die 5. Generation des Espace

Weiteres Highlight für den Crossover ist die dynamische Allradlenkung 4CONTROL des Espace. Ab 50 km/h Fahrgeschwindigkeit im Fahrprogramm „Comfort“ („Neutral“-Modus: 60 km/h; „Sport“-Modus: 70 km/h) steuern die Hinterräder mit einem Einschlagwinkel von bis zu zwei Grad in dieselbe Richtung wie die Vorderräder, was sich positiv auf die Fahrstabilität auswirkt. Unterhalb von 50 km/h schlagen die Hinterräder mit maximal 3,5 Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Hierdurch verringert sich der Wendekreis.

Ein breites Aufgebot an radar- und kamerabasierten Assistenzsystemen finden wir im Espace. Hierzu zählen ab der Ausstattung Intens der Sicherheitsabstand-Warner, Notbremsassistent und Toter-Winkel-Warner. Hinzu kommen Spurhalte-Warner, Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner und Fernlichtassistent. Optional ist eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage verfügbar.

Fazit:

Mit einem Einstiegspreis von € 33.550 setzt der Renault Espace ein klares Zeichen, dass Luxus und Komfort auch zu moderaten Preisen erhältlich sind.

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Renault Espace: Ein klares Zeichen, dass Luxus und Komfort auch mit moderaten Preisen erhältlich sind.

Renault Espace ENERGY dCi 160 EDC:

Verkaufsstart:  Mitte Juni 2015
Basispreis:  40.150 €
Motorleistung:  118 kW (160 PS)
Antrieb und Getriebe:  6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Beschleunigung:  9.9  Sekunden von 0-100 km/h
Verbrauch – kombiniert:  4.7 Liter auf 100 km
Höchstgeschwindigkeit:  202 km/h
Länge, Breite, Höhe, Radstand  4.857, 1.888, 1.675, 2.884 mm
Fotos im Artikel: Stefan Beckmann Titelbild:Stefan Beckmann
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Stefan Beckmann

Als Quereinsteiger kam ich in die Szene der Mobilität und bin nun seit nunmehr 16 Jahren total infiziert, was das bewerten von Autos und
alles was von einem Motor angetrieben wird. Im Laufe diesen Jahres habe ich nun die Möglichkeit bekommen, dies neutral und nicht
für einen Hersteller zu tun. Was soll ich sagen ? „Ein tolles Gefühl!“

Sie werden so schnell groß: 25 Jahre Renault Twingo

„Junge, wo ist bloß die Zeit geblieben? Eben warst Du noch ein Kind und nun bist Du schon 25!“ So oder so ähnlich wird es dem ein oder anderen ergehen, wenn er zu hören bekommt, dass der Renault Twingo nun sein 25. Jubiläum feiert. 1992 war es, als der kleine Franzose sein Debut auf dem Automobilsalon in Genf feierte und das Konzept eines Vans mit den Abmessungen eines Kleinstwagens verband. Heute blicken wir auf drei Generationen zurück, die sich bei einem Detail einig geblieben sind: Den Kulleraugen.

Vom Grundkonzept des Renault Twingo I ist nicht viel übriggeblieben: Die mittlerweile dritte Modellgeneration fährt mit einem Heckmotor vor und teilt sich die technische Basis mit dem Smart Fortwo bzw. Forfour. Das soll vor allem eine ausgeprägte Agilität bewirken. Dennoch geht dem aktuellen Modell das typisch-kultige Design der ersten Generation ab. Starten wir unseren kurzen Rückblick über die drei Generationen des Bestsellers.

Die erste Generation war von außen klein, bot aber viel Platz im Innenraum

Renault Twingo I – Wie alles begann

Gerade einmal 3,43 m misst ein Renault Twingo der ersten Generation. Doch dieses kurze Außenmaß lässt keine Rückschlüsse über die Platzverhältnisse im Innenraum zu, schließlich ist der Twingo ein Van im Mini-Format. Dank des One-Box-Designs und der cleveren, um 17 cm verschiebbaren Rücksitzbank reisten sogar vier durchschnittlich große Erwachsene gut im Twingo – kein Scherz.

Durch seinen cleveren Sitzmechanismus war der Renault Twingo höchst variabel

Aufgrund seines Designs mit den Kulleraugen-Scheinwerfern und – im schlimmsten Fall – Teddybär-Alufelgen – fand die erste Generation besonders bei Frauen viel Anklang. Rund zwei Drittel aller Verkäufe erfolgten an weibliche Interessenten. Innen ließen sich die Designer ebenfalls nicht lumpen und entwarfen ein symmetrisches Cockpit mit zentral platziertem Kombi-Instrument, das von allen Plätzen gleich gut gesehen werden kann. Davor platzierten sie einen kugelförmigen Schalter für die Warnblinkanlage, der nicht selten zu lustigen Buzzer-Raterunden animierte. Ich spreche aus Erfahrung, schließlich fuhr ich elf Jahre lang eines der Exemplare der ersten Generation.

Bei der Motorisierung viel die Wahl auf einen 1,2 Liter Vierzylinder mit 75 PS, der dem kleinen Franzosen bereits zu zügigen Fahrleistungen verhalf. Doch dieses Aggregat stand erst spät im Lebenszyklus zur Verfügung, weshalb die 1,2 Liter Maschine mit 55 und später 58 bzw. 60 PS am häufigsten auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden ist. Dieser lässt zudem wenig Wünsche offen: Dank klassenunüblicher Extras wie zum Beispiel einer Klimaanlage oder dem weit verbreiteten Faltdach sollte für alle Ansprüche etwas dabei sein. Zumal die Auswahl, bei allein in Deutschland verkauften 517.600 Exemplaren, groß sein dürfte.

Generation zwei gab sich etwas fad

Nochmal eins drauf legte die zweite Generation des Renault Twingo, wirkte von außen allerdings etwas beliebig und nicht mehr so außergewöhnlich. Dennoch war der Renault Twingo „N“, wie die Modellgeneration intern heißt, ein echter Bestseller. In 48 Ländern verkauften die Franzosen rund 911.000 Exemplare – beachtlich.

Glas- oder Faltdach: Sowohl der erste, wie auch der zweite Twingo ließen die Wahl

Verantwortlich für den Erfolg waren wohl auch das Wachstum um 16 cm sowie die nochmals gesteigerte Innenraumflexibilität. So bot der Renault Twingo, der auf dem Renault Clio der dritten Generation basiert, zwei verschiebbare Einzelsitze im Fond. Außerdem konnte man ihn erneut mit dem kultigen, großen Faltdach bestellen, das nun elektrisch betätigt wurde. Zur Wahl stand aber auch ein großes Panorama-Glasdach. Weitere Highlights zeigten sich bei der Motoren-Auswahl: So konnte man den Renault Twingo II nicht nur mit einem Diesel ordern, sondern sogar zwischen zwei besonders sportlichen Antrieben wählen. Zum einen stand ein Turbo-aufgeladener 1,2 Liter mit 102 PS bereit und zum anderen stellte Renault einen Twingo R.S. auf die Beine. Der frei atmende 1,6 Liter Vierzylinder generierte 133 PS und war so etwas wie der Geheimtipp, wenn es um besonders sportliche Kleinwagen ging.

Gemeinsame Sache – Der Renault Twingo III

Mit seinen beiden Vorgänger-Generationen hat die aktuelle Renault Twingo-Generation nicht mehr viel gemein. Einzig die Möglichkeit zur nahezu beliebigen Individualisierung übernahm die aktuelle von der zweiten Generation. Und so fährt die seit 2014 erhältliche Neuinterpretation des City-Flitzers nun mit einem Heckmotor sowie mit fünf Türen durch die Städte. Dabei möchte der Heckmotor, zusammen mit dem besonders großen Lenkeinschlag, den Renault Twingo äußerst wendig machen. Dieses Bestreben zeigt sich auch in der auf 3,59 m reduzierten Gesamtlänge, während der Radstand um 13 Zentimeter auf insgesamt 2,49 m wuchs. Das ermöglicht die Mitnahme von sperrigen Gegenständen, da man nicht nur die Rückbank, sondern auch den Beifahrersitz umklappen kann. Ergebnis: Bis zu 2,31 m langes Transportgut passt in den Kleinstwagen.

Als Twingo GT zeigt sich die dritte Generation überraschend dynamisch

Geblieben und neuinterpretiert wurden die großen Kulleraugen in Verbindung mit dem lächelnden Kühllufteinlass, die eine direkte Reminiszenz an den Ur-Twingo darstellen. Ergänzt werden sie von kreisrunden LED-Tagfahrleuchten sowie von einer Heckklappe, die nach Renault 5 Vorbild designt wurde. Damit differenziert sich der Twingo klar von seinem Plattform-Bruder, dem Smart Forfour.

Sportler: Das doppelte Endrohr zeigt klar, in welche Richtung der Twingo GT abzielt

Bei den Motoren stehen Dreizylinderaggregate mit 0,9 oder 1,0 Liter Hubraum bereit, die 69,71 oder 90 PS generieren. Der Renault Twingo GT schöpft sogar 109 PS aus dem kleinen Antrieb, macht mit seinen 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und breiteren Kotflügeln sogar einen dezent sportlichen Eindruck. Das zeigt sich auch in den Fahrleistungen: 9,6 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und 182 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für einen Kleinstwagen sehr passable Werte. Fragt sich nur, ob es die aktuelle Generation auch zum Kult-Status bringen wird…

Renault Kadjar – SUV à la francaise

SUV und Crossover sind zurzeit total angesagt: Kein Hersteller, der es schafft, ohne diese Fahrzeuge am Markt zu überleben. Selbst reine Sportwagen- und Luxus-Marken haben sie im Programm oder planen sie. Konkrete Beispiele? Gern! Bentley warf zuletzt mit dem Bentayga ein Luxus-SUV auf den Markt, Rolls Royce plant eines und selbst Lamborghini und Ferrari wollen ein solches in Planung haben. Von diesen Fahrzeugkategorien ist der Renault Kadjar zwar weit entfernt, macht aber vieles besser, als sein wenig beliebter Vorgänger, der Renault Koleos. Was der Franzose auf dem Kerbholz hat, haben wir uns genauer angesehen.

Design – Smokey Eyes für den nachhaltigen Eindruck

Aggressiv dreinschauende Voll-LED-Scheinwerfer mit selbstbewusst großem Markenlogo.

Bereits auf den ersten Blick bemerkt man den Renault Kadjar. Grund dafür ist sein ausdrucksstarker Blick aus den beiden optionalen Voll-LED Scheinwerfern. Serienmäßig kommt der Franzose allerdings bereits mit einem LED-Tagfahrlicht vorgefahren und sorgt auch im Basis-Trimm dafür, dass man ihm hinterherschaut. Und so erzeugt das SUV einen grimmig dynamischen Auftritt, der vom prominent gesetzten Markenzeichen (Rhombe) eine angenehme Spur Selbstbewusstsein eingeimpft bekommt. Gut so, wirkte der Vorgänger – der Renault Koleos – doch etwas buckelig und fand vermutlich aus diesem Grund wenig Abnehmer.

Den Kadjar hingegen lässt man sich gern gefallen: Mit seinen 4,45 m Außenlänge wirkt er stattlich, liegt aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz vom Schlage eines Kia Sportage oder Volkswagen Tiguan. Diese Stattlichkeit rührt von den wohlgeformten Rundungen her, wie sie etwa an den vorderen Kotflügeln oder am hinteren Hüftschwung zu finden sind. Die geschwungene, untere Fensterlinie, das sanft nach hinten abfallende Dach und die hübschen 19-Zoll-Räder sorgen für einen Spritzer Dynamik im SUV-Design-Cocktail. Das Heck wirkt hingegen unaufgeregt. Kein Wunder, war gerade diese Partie jene, die beim Koleos die Geister schied. Hier haben sich die Designer wohl bewusst zurückgenommen. Der Name „Renault Koleos“ besteht übrigens weiter, wurde aber an ein größeres SUV vergeben. Auch dieser ist sehr ansehnlich und lässt die Vergangenheit schnell vergessen.

Interieur – Der Renault Kadjar wirkt aufgeräumt

Übersichtliches Cockpit im Renault Kadjar. Einzig über die digitalen Instrumente lässt sich diskutieren.

Im Innenraum macht der Renault Kadjar fast schon einen nüchternen Eindruck. Eine Tastenflut sucht man ebenso vergeblich wie effektheischende Elemente. OK, die digitale Tachoeinheit ist nicht jedermanns Sache und lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal ablesen. Diese Kritik müssen sich aber auch andere Hersteller, die gar „virtuelle Instrumente“ anbieten, auch gefallen lassen. Funktional gibt es ansonsten an der Instrumentierung nichts auszusetzen. Die farbliche Anpassbarkeit ist eine Spielerei, die man allerdings kaum benötigt.

Gefallen hat das Infotainment des französischen SUV, das mit seiner einfachen Bedienung überzeugen konnte. Per Wisch- und Touchgeste scrollt man durch Menüs. Angenehm auch, dass man sich Bildschirme nach eigenen Präferenzen zusammenstellen kann. Und noch etwas: Renault hat sich zwar auf das Weglassen konzentriert was die Bedienung anbelangt, doch eines ist geblieben: Der Drehregler für die Lautstärke. Danke! Mancher Hersteller hat sich vollends von diesem Element verabschiedet – schade. Schließlich greift man hier blind hin und kann so die Augen auf der Straße lassen. Gleiches lässt sich über den Bedienungssatelliten hinter dem Lenkrad sagen, der für die Infotainmentsteuerung verantwortlich ist. Als alter Renault-Fahrer ist dieses Element natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Für Novizen wirkt er zunächst befremdlich, lässt sich aber schnell verstehen und verinnerlichen.

Fragwürdige Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung.

Eine Schrulligkeit – und das ist bei Renault schon lange ein Thema – ist die Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung. Sie befinden sich in der Mittelkonsole unter der Armlehne. Warum sie nicht mit der Klimaautomatik gruppiert werden? Ein Rätsel. Kommen wir aber zurück zum positiven Teil: Dem Platzangebot. Vier Erwachsene reisen entspannt im Renault Kadjar. Die Vordersitze bieten dabei jeder Statur eine angenehme Sitzposition, wenn auch nicht mit viel Seitenhalt. Gut nutzbar und mit einem cleveren Gimmick ausgerüstet zeigt sich auch der Laderaum des SUVs. Zwar bieten seine Konkurrenten mehr Basisvolumen als die 472 Liter des Renault Kadjar. Dennoch ist das Volumen alltagstauglich und verkraftet das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie. Reist man mit kleinem Gepäck – und hier kommt das Gimmick im Kofferraum zum Tragen – lässt sich der Ladeboden aufstellen und teilt das Gepäckabteil in zwei Bereiche. Verrutschen oder Herumfliegen von Ladegut gehört der Vergangenheit an.

Fahreindrücke – Zurück zu alten Tugenden

Der Renault Kadjar mag grimmig aussehen, fährt aber angenehm komfortabel. Eine Wohltat im Alltag.

Französische Autos? In der Vergangenheit verband man mit diesen vor allem weiche Reisemobile, die an Omas Sofa erinnerten. Zwar ist der Renault Kadjar weit entfernt von diesem „Schiffsschaukel“-Fahrverhalten, doch macht er einen großen Bogen um steife und vermeintlich sportliche Federn und Dämpfer. Stöße und Unzulänglichkeiten im Straßenbau absorbiert das SUV gekonnt, was vor allem auf langen Strecken besonders wohltuend wirkt. Bei niedrigen Tempi spürt man zwar den verhältnismäßig geringen Querschnitt der 19-Zoll-Bereifung, allerdings nicht in einem sonderlich störenden Rahmen.

Ein weiteres, entscheidendes Element, das für die lange Reise prädestiniert, ist der kräftige Motor des Renault Kadjar. Ausgerüstet mit dem 1.6 dCi und 130 PS wirkt der Franzose angenehm druckvoll. Reisetempi von 170 km/h stellen sich von selbst ein und wirken angenehm. Dabei liegt der Verbrauch bei rund acht Litern auf 100 km, was angesichts der Größe, dem  cW-Wert und der gebotenen Leistung als gut bewertet werden kann. Lässt man es gemütlicher angehen, liegen gut sechs Liter an.

Der 1.6 dCi gibt sich kräftig, sparsam und ist zudem ein kultivierter Zeitgenosse.

Ein Gebiet, das dem Renault Kadjar wenig liegt, ist die wilde Hatz über Landstraßen. Überraschung? Keineswegs. Die komfortable Ausrichtung des SUVs wirkt im Allgemeinen eher angenehm als störend und wird durch den Allradantrieb mit hoher Fahrsicherheit verbunden. Dennoch sollte man vor stärkeren Kurven wissen, dass sich der Kadjar etwas behäbig zur Seite neigt. Unterstützt wird dieser Eindruck von seiner leichtgängigen, etwas taub wirkenden Lenkung. Dafür gibt er sich in der Stadt recht wenig auffällig.

Fazit – Der Alltag ist stressig genug

Termine, die Kinder von der Schule abholen, die Wochenendeinkäufe erledigen und noch schnell zum Baumarkt. Bei diesem Stress braucht man kaum ein Fahrzeug, das mit Straffheit und übertriebener Sportlichkeit nervt. Ganz im Gegenteil, man sucht eher nach einem Kandidaten, der einen unbehelligt jeglicher Widrigkeiten unterstützt. Dieser Kandidat könnte der Renault Kadjar sein. Sein komfortabler Gesamteindruck ist sehr angenehm, der Antrieb druckvoll und effizient. Zwar hat das SUV seine Eigenheiten, wie etwa die Bedienung mancher Elemente. An diese gewöhnt man sich aber schnell. Vor allem, wenn man die geheimnisvolle Ausstrahlung des Renault Kadjar betrachtet, mit der man sich überall sehen lassen kann.