Renault Talisman – Zurück in der Mittelklasse

Renault Talisman – Zurück in der Mittelklasse

Neuer Name, neues Glück. Das Mittelklassemodell im Renault-Portfolio hört nun auf den Namen Talisman. Der komplett neu entwickelte Laguna-Nachfolger ist seit Februar in Verbindung mit dem 81 kW/110 PS starken Diesel zu Preisen ab 27.950 Euro erhältlich. Zur Serienausstattung gehören unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Zweizonen-Klimaautomatik, LED-Tagfahrlicht, Parksensoren hinten, Navigationssystem, Fahrmodusauswahl und eine Massagefunktion für den Fahrersitz.

An Selbstbewusstsein mangelt es der Limousine nicht. Ganz im Stil der aktuellen Renault-Formensprache gelingt ihr mit einer auffälligen Front samt großem Rhombus und einer langer Motorhaube ein markanter Auftritt. Besonders aus seitlicher Betrachtungsweise kann das Fahrzeug überzeugen. Der Heckabschluss dürfte jedoch Geschmackssache sein. Hier dürften die ab Juni verfügbaren Kombiversionen (Grandtour) wohl eher gefallen.

Mit 4,85 Metern Länge reiht sich die Limousine über den etablierten Mittelklässlern wie Audi A4 oder Mercedes C-Klasse ein
Mit 4,85 Metern Länge reiht sich die Limousine über den etablierten Mittelklässlern wie Audi A4 oder Mercedes C-Klasse ein

Mit einer Länge von 4,85 Metern gehört der Talisman zu den ganz großen im Segment und ist nur unwesentlich kürzer als der Van Espace. Mit diesem teilt sich die Mittelklasselimousine nicht nur die Plattform, sondern auch viele technische Komponenten. So dominiert ein 7 Zoll großer Touchscreen die Mittelkonsole. Mit seiner Hilfe lassen sich Radio, Navigation und die Fahrzeugeinstellungen steuern. Die Anzahl der Bedienknöpfe konnte so drastisch reduziert werden. Insgesamt wirkt der Talisman aufgeräumt und vermittelt eher ein sachliches Ambiente.

Der Kofferraum schluckt 608 Liter, klappt man die Lehnen der Rückbank um, steigert sich der Wert auf stolze 1.022 Liter. Es entsteht aber beim Umlegen eine Stufe. Die Limousine will aber nicht wie der Grandtour ein praktischer Lademeister sein, sondern durch Komfort punkten. Das Platzangebot für die Insassen ist recht ordentlich, allerdings konnten die Ingenieure nicht ganz die üppigen Abmessungen in Raumvorteil für die Passagiere umsetzen.

Die Limousine punktet mit üppigen Abmessungen
Die Limousine punktet mit üppigen Abmessungen

Für den Vortrieb stehen drei Diesel und zwei Benziner zur Wahl. Sie decken ein Leistungsspektrum von 81 kW/110 PS bis zu 147 kW/200 PS ab. Die sparsamste Variante ist der kleinste Selbstzünder mit 81 kW/110 PS. Dieser begnügt sich mit durchschnittlich 3,6 Litern und wird ausschließlich mit einer Sechsgang-Schaltung ausgeliefert. Das Gros der Käufer wird wohl ein wenig mehr Leistung goutieren und sich für den 96 kW/130 PS oder 118 kW/160 PS-Diesel entscheiden. Der stärkste Diesel ist an ein Sechsgang-DSG gekoppelt, für die mittlere Version ist es optional erhältlich.

Wenn es nicht unbedingt ein Diesel sein muss: Das Benziner-Topmodell mit 147 kW/200 PS ist eine sportliche Alternative. Der Standardspurt gelingt in 7,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 237 km/h angegeben. Dem Normwert von 5,8 Litern kann man nur mit sehr viel fahrerischer Zurückhaltung nahe kommen, lässt man es ein wenig krachen, zeigt der Bordcomputer eine 9 vor dem Komma an. Für das Fahrvergnügen werden mindestens 33.950 Euro fällig. Wählt man das höchste Komfortniveau sind es mindestens 39.750 Euro. Hier gehören aber unter anderem eine Akustik-Verglasung, ein Bose-Soundsystem, Head-up-Display – als ausfahrbare Scheibe aus dem Armaturenträger -, Abstandswarner, Verkehrsschilderkennung, LED-Scheinwerfen und Tot-Winkel-Warner zum Lieferprogramm.

Eingerichtet ist der Talisman ordentlich, die Materialien fassen sich gut an und sind sauber verarbeitet
Eingerichtet ist der Talisman ordentlich, die Materialien fassen sich gut an und sind sauber verarbeitet

Ebenfalls ab Werk kommt der Franzose in der höchsten Ausstattung mit einer Allradlenkung vorgefahren. Bei niedrigem Tempo lenken die Hinterräder entgegengesetzt zu den vorderen und reduzieren so den Wendekreis von 11,6 auf 10,8 Meter. Das erhöht besonders im Stadtverkehr die Wendigkeit. Bei höheren Geschwindigkeiten steuern die Hinterräder in die gleiche Richtung wie die Vorderräder. So bleibt das Fahrzeug zum Beispiel bei plötzlichen Ausweichmanövern besser beherrschbar.

Mit dem Talisman ist Renault zurück in der Mittelklasse. Diese wird in Deutschland von den Platzhirschen VW Passat, Mercedes C-Klasse oder 3er BMW dominiert. Um sich gegen die Wettbewerber wie Skoda Superb, Ford Mondeo oder Mazda6 besser positionieren zu können, gewährt Renault eine 5-Jahres-Garantie. Als wichtigsten Erfolgsgaranten bringen die Franzosen aber ab Juni den Grandtour auf den Markt. Der Kombi kostet 1.000 Euro mehr als die Limousine und bietet zwischen 572 und 1.700 Liter Kofferraumvolumen. Damit gehört der Talisman dann tatsächlich zu den Großen im Segment. (Elfriede Munsch/SP-X)

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Sie werden so schnell groß: 25 Jahre Renault Twingo

„Junge, wo ist bloß die Zeit geblieben? Eben warst Du noch ein Kind und nun bist Du schon 25!“ So oder so ähnlich wird es dem ein oder anderen ergehen, wenn er zu hören bekommt, dass der Renault Twingo nun sein 25. Jubiläum feiert. 1992 war es, als der kleine Franzose sein Debut auf dem Automobilsalon in Genf feierte und das Konzept eines Vans mit den Abmessungen eines Kleinstwagens verband. Heute blicken wir auf drei Generationen zurück, die sich bei einem Detail einig geblieben sind: Den Kulleraugen.

Vom Grundkonzept des Renault Twingo I ist nicht viel übriggeblieben: Die mittlerweile dritte Modellgeneration fährt mit einem Heckmotor vor und teilt sich die technische Basis mit dem Smart Fortwo bzw. Forfour. Das soll vor allem eine ausgeprägte Agilität bewirken. Dennoch geht dem aktuellen Modell das typisch-kultige Design der ersten Generation ab. Starten wir unseren kurzen Rückblick über die drei Generationen des Bestsellers.

Die erste Generation war von außen klein, bot aber viel Platz im Innenraum

Renault Twingo I – Wie alles begann

Gerade einmal 3,43 m misst ein Renault Twingo der ersten Generation. Doch dieses kurze Außenmaß lässt keine Rückschlüsse über die Platzverhältnisse im Innenraum zu, schließlich ist der Twingo ein Van im Mini-Format. Dank des One-Box-Designs und der cleveren, um 17 cm verschiebbaren Rücksitzbank reisten sogar vier durchschnittlich große Erwachsene gut im Twingo – kein Scherz.

Durch seinen cleveren Sitzmechanismus war der Renault Twingo höchst variabel

Aufgrund seines Designs mit den Kulleraugen-Scheinwerfern und – im schlimmsten Fall – Teddybär-Alufelgen – fand die erste Generation besonders bei Frauen viel Anklang. Rund zwei Drittel aller Verkäufe erfolgten an weibliche Interessenten. Innen ließen sich die Designer ebenfalls nicht lumpen und entwarfen ein symmetrisches Cockpit mit zentral platziertem Kombi-Instrument, das von allen Plätzen gleich gut gesehen werden kann. Davor platzierten sie einen kugelförmigen Schalter für die Warnblinkanlage, der nicht selten zu lustigen Buzzer-Raterunden animierte. Ich spreche aus Erfahrung, schließlich fuhr ich elf Jahre lang eines der Exemplare der ersten Generation.

Bei der Motorisierung viel die Wahl auf einen 1,2 Liter Vierzylinder mit 75 PS, der dem kleinen Franzosen bereits zu zügigen Fahrleistungen verhalf. Doch dieses Aggregat stand erst spät im Lebenszyklus zur Verfügung, weshalb die 1,2 Liter Maschine mit 55 und später 58 bzw. 60 PS am häufigsten auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu finden ist. Dieser lässt zudem wenig Wünsche offen: Dank klassenunüblicher Extras wie zum Beispiel einer Klimaanlage oder dem weit verbreiteten Faltdach sollte für alle Ansprüche etwas dabei sein. Zumal die Auswahl, bei allein in Deutschland verkauften 517.600 Exemplaren, groß sein dürfte.

Generation zwei gab sich etwas fad

Nochmal eins drauf legte die zweite Generation des Renault Twingo, wirkte von außen allerdings etwas beliebig und nicht mehr so außergewöhnlich. Dennoch war der Renault Twingo „N“, wie die Modellgeneration intern heißt, ein echter Bestseller. In 48 Ländern verkauften die Franzosen rund 911.000 Exemplare – beachtlich.

Glas- oder Faltdach: Sowohl der erste, wie auch der zweite Twingo ließen die Wahl

Verantwortlich für den Erfolg waren wohl auch das Wachstum um 16 cm sowie die nochmals gesteigerte Innenraumflexibilität. So bot der Renault Twingo, der auf dem Renault Clio der dritten Generation basiert, zwei verschiebbare Einzelsitze im Fond. Außerdem konnte man ihn erneut mit dem kultigen, großen Faltdach bestellen, das nun elektrisch betätigt wurde. Zur Wahl stand aber auch ein großes Panorama-Glasdach. Weitere Highlights zeigten sich bei der Motoren-Auswahl: So konnte man den Renault Twingo II nicht nur mit einem Diesel ordern, sondern sogar zwischen zwei besonders sportlichen Antrieben wählen. Zum einen stand ein Turbo-aufgeladener 1,2 Liter mit 102 PS bereit und zum anderen stellte Renault einen Twingo R.S. auf die Beine. Der frei atmende 1,6 Liter Vierzylinder generierte 133 PS und war so etwas wie der Geheimtipp, wenn es um besonders sportliche Kleinwagen ging.

Gemeinsame Sache – Der Renault Twingo III

Mit seinen beiden Vorgänger-Generationen hat die aktuelle Renault Twingo-Generation nicht mehr viel gemein. Einzig die Möglichkeit zur nahezu beliebigen Individualisierung übernahm die aktuelle von der zweiten Generation. Und so fährt die seit 2014 erhältliche Neuinterpretation des City-Flitzers nun mit einem Heckmotor sowie mit fünf Türen durch die Städte. Dabei möchte der Heckmotor, zusammen mit dem besonders großen Lenkeinschlag, den Renault Twingo äußerst wendig machen. Dieses Bestreben zeigt sich auch in der auf 3,59 m reduzierten Gesamtlänge, während der Radstand um 13 Zentimeter auf insgesamt 2,49 m wuchs. Das ermöglicht die Mitnahme von sperrigen Gegenständen, da man nicht nur die Rückbank, sondern auch den Beifahrersitz umklappen kann. Ergebnis: Bis zu 2,31 m langes Transportgut passt in den Kleinstwagen.

Als Twingo GT zeigt sich die dritte Generation überraschend dynamisch

Geblieben und neuinterpretiert wurden die großen Kulleraugen in Verbindung mit dem lächelnden Kühllufteinlass, die eine direkte Reminiszenz an den Ur-Twingo darstellen. Ergänzt werden sie von kreisrunden LED-Tagfahrleuchten sowie von einer Heckklappe, die nach Renault 5 Vorbild designt wurde. Damit differenziert sich der Twingo klar von seinem Plattform-Bruder, dem Smart Forfour.

Sportler: Das doppelte Endrohr zeigt klar, in welche Richtung der Twingo GT abzielt

Bei den Motoren stehen Dreizylinderaggregate mit 0,9 oder 1,0 Liter Hubraum bereit, die 69,71 oder 90 PS generieren. Der Renault Twingo GT schöpft sogar 109 PS aus dem kleinen Antrieb, macht mit seinen 17-Zoll-Leichtmetallfelgen und breiteren Kotflügeln sogar einen dezent sportlichen Eindruck. Das zeigt sich auch in den Fahrleistungen: 9,6 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und 182 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für einen Kleinstwagen sehr passable Werte. Fragt sich nur, ob es die aktuelle Generation auch zum Kult-Status bringen wird…

Renault Kadjar – SUV à la francaise

SUV und Crossover sind zurzeit total angesagt: Kein Hersteller, der es schafft, ohne diese Fahrzeuge am Markt zu überleben. Selbst reine Sportwagen- und Luxus-Marken haben sie im Programm oder planen sie. Konkrete Beispiele? Gern! Bentley warf zuletzt mit dem Bentayga ein Luxus-SUV auf den Markt, Rolls Royce plant eines und selbst Lamborghini und Ferrari wollen ein solches in Planung haben. Von diesen Fahrzeugkategorien ist der Renault Kadjar zwar weit entfernt, macht aber vieles besser, als sein wenig beliebter Vorgänger, der Renault Koleos. Was der Franzose auf dem Kerbholz hat, haben wir uns genauer angesehen.

Design – Smokey Eyes für den nachhaltigen Eindruck

Aggressiv dreinschauende Voll-LED-Scheinwerfer mit selbstbewusst großem Markenlogo.

Bereits auf den ersten Blick bemerkt man den Renault Kadjar. Grund dafür ist sein ausdrucksstarker Blick aus den beiden optionalen Voll-LED Scheinwerfern. Serienmäßig kommt der Franzose allerdings bereits mit einem LED-Tagfahrlicht vorgefahren und sorgt auch im Basis-Trimm dafür, dass man ihm hinterherschaut. Und so erzeugt das SUV einen grimmig dynamischen Auftritt, der vom prominent gesetzten Markenzeichen (Rhombe) eine angenehme Spur Selbstbewusstsein eingeimpft bekommt. Gut so, wirkte der Vorgänger – der Renault Koleos – doch etwas buckelig und fand vermutlich aus diesem Grund wenig Abnehmer.

Den Kadjar hingegen lässt man sich gern gefallen: Mit seinen 4,45 m Außenlänge wirkt er stattlich, liegt aber auf Augenhöhe mit der Konkurrenz vom Schlage eines Kia Sportage oder Volkswagen Tiguan. Diese Stattlichkeit rührt von den wohlgeformten Rundungen her, wie sie etwa an den vorderen Kotflügeln oder am hinteren Hüftschwung zu finden sind. Die geschwungene, untere Fensterlinie, das sanft nach hinten abfallende Dach und die hübschen 19-Zoll-Räder sorgen für einen Spritzer Dynamik im SUV-Design-Cocktail. Das Heck wirkt hingegen unaufgeregt. Kein Wunder, war gerade diese Partie jene, die beim Koleos die Geister schied. Hier haben sich die Designer wohl bewusst zurückgenommen. Der Name „Renault Koleos“ besteht übrigens weiter, wurde aber an ein größeres SUV vergeben. Auch dieser ist sehr ansehnlich und lässt die Vergangenheit schnell vergessen.

Interieur – Der Renault Kadjar wirkt aufgeräumt

Übersichtliches Cockpit im Renault Kadjar. Einzig über die digitalen Instrumente lässt sich diskutieren.

Im Innenraum macht der Renault Kadjar fast schon einen nüchternen Eindruck. Eine Tastenflut sucht man ebenso vergeblich wie effektheischende Elemente. OK, die digitale Tachoeinheit ist nicht jedermanns Sache und lässt sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht optimal ablesen. Diese Kritik müssen sich aber auch andere Hersteller, die gar „virtuelle Instrumente“ anbieten, auch gefallen lassen. Funktional gibt es ansonsten an der Instrumentierung nichts auszusetzen. Die farbliche Anpassbarkeit ist eine Spielerei, die man allerdings kaum benötigt.

Gefallen hat das Infotainment des französischen SUV, das mit seiner einfachen Bedienung überzeugen konnte. Per Wisch- und Touchgeste scrollt man durch Menüs. Angenehm auch, dass man sich Bildschirme nach eigenen Präferenzen zusammenstellen kann. Und noch etwas: Renault hat sich zwar auf das Weglassen konzentriert was die Bedienung anbelangt, doch eines ist geblieben: Der Drehregler für die Lautstärke. Danke! Mancher Hersteller hat sich vollends von diesem Element verabschiedet – schade. Schließlich greift man hier blind hin und kann so die Augen auf der Straße lassen. Gleiches lässt sich über den Bedienungssatelliten hinter dem Lenkrad sagen, der für die Infotainmentsteuerung verantwortlich ist. Als alter Renault-Fahrer ist dieses Element natürlich in Fleisch und Blut übergegangen. Für Novizen wirkt er zunächst befremdlich, lässt sich aber schnell verstehen und verinnerlichen.

Fragwürdige Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung.

Eine Schrulligkeit – und das ist bei Renault schon lange ein Thema – ist die Unterbringung der Tasten für die Sitzheizung. Sie befinden sich in der Mittelkonsole unter der Armlehne. Warum sie nicht mit der Klimaautomatik gruppiert werden? Ein Rätsel. Kommen wir aber zurück zum positiven Teil: Dem Platzangebot. Vier Erwachsene reisen entspannt im Renault Kadjar. Die Vordersitze bieten dabei jeder Statur eine angenehme Sitzposition, wenn auch nicht mit viel Seitenhalt. Gut nutzbar und mit einem cleveren Gimmick ausgerüstet zeigt sich auch der Laderaum des SUVs. Zwar bieten seine Konkurrenten mehr Basisvolumen als die 472 Liter des Renault Kadjar. Dennoch ist das Volumen alltagstauglich und verkraftet das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie. Reist man mit kleinem Gepäck – und hier kommt das Gimmick im Kofferraum zum Tragen – lässt sich der Ladeboden aufstellen und teilt das Gepäckabteil in zwei Bereiche. Verrutschen oder Herumfliegen von Ladegut gehört der Vergangenheit an.

Fahreindrücke – Zurück zu alten Tugenden

Der Renault Kadjar mag grimmig aussehen, fährt aber angenehm komfortabel. Eine Wohltat im Alltag.

Französische Autos? In der Vergangenheit verband man mit diesen vor allem weiche Reisemobile, die an Omas Sofa erinnerten. Zwar ist der Renault Kadjar weit entfernt von diesem „Schiffsschaukel“-Fahrverhalten, doch macht er einen großen Bogen um steife und vermeintlich sportliche Federn und Dämpfer. Stöße und Unzulänglichkeiten im Straßenbau absorbiert das SUV gekonnt, was vor allem auf langen Strecken besonders wohltuend wirkt. Bei niedrigen Tempi spürt man zwar den verhältnismäßig geringen Querschnitt der 19-Zoll-Bereifung, allerdings nicht in einem sonderlich störenden Rahmen.

Ein weiteres, entscheidendes Element, das für die lange Reise prädestiniert, ist der kräftige Motor des Renault Kadjar. Ausgerüstet mit dem 1.6 dCi und 130 PS wirkt der Franzose angenehm druckvoll. Reisetempi von 170 km/h stellen sich von selbst ein und wirken angenehm. Dabei liegt der Verbrauch bei rund acht Litern auf 100 km, was angesichts der Größe, dem  cW-Wert und der gebotenen Leistung als gut bewertet werden kann. Lässt man es gemütlicher angehen, liegen gut sechs Liter an.

Der 1.6 dCi gibt sich kräftig, sparsam und ist zudem ein kultivierter Zeitgenosse.

Ein Gebiet, das dem Renault Kadjar wenig liegt, ist die wilde Hatz über Landstraßen. Überraschung? Keineswegs. Die komfortable Ausrichtung des SUVs wirkt im Allgemeinen eher angenehm als störend und wird durch den Allradantrieb mit hoher Fahrsicherheit verbunden. Dennoch sollte man vor stärkeren Kurven wissen, dass sich der Kadjar etwas behäbig zur Seite neigt. Unterstützt wird dieser Eindruck von seiner leichtgängigen, etwas taub wirkenden Lenkung. Dafür gibt er sich in der Stadt recht wenig auffällig.

Fazit – Der Alltag ist stressig genug

Termine, die Kinder von der Schule abholen, die Wochenendeinkäufe erledigen und noch schnell zum Baumarkt. Bei diesem Stress braucht man kaum ein Fahrzeug, das mit Straffheit und übertriebener Sportlichkeit nervt. Ganz im Gegenteil, man sucht eher nach einem Kandidaten, der einen unbehelligt jeglicher Widrigkeiten unterstützt. Dieser Kandidat könnte der Renault Kadjar sein. Sein komfortabler Gesamteindruck ist sehr angenehm, der Antrieb druckvoll und effizient. Zwar hat das SUV seine Eigenheiten, wie etwa die Bedienung mancher Elemente. An diese gewöhnt man sich aber schnell. Vor allem, wenn man die geheimnisvolle Ausstrahlung des Renault Kadjar betrachtet, mit der man sich überall sehen lassen kann.