On Tour im Audi RS 3 Sportback

On Tour im Audi RS 3 Sportback

Deutsche – und nicht nur die Italienfans unter ihnen – lieben den Gardasee. Palmen, Pizza und die Promenade am Wasser sind zum Greifen nah. Jetzt im Winter bietet sich die Gelegenheit, auch mal die stille Seite des größten Sees Italiens zu erkunden. Freie Fahrt auf der Gardesana, einer der Traumstraßen Europas. Ohne schleichende Autoschlangen mit Wohnmobilen kann man es mit dem Audi RS3 Sportback hier mal so richtig krachen lassen. Kurz hinter Riva öffnet sich auf dem Weg zur Südspitze des Sees der erste steinerne schwarze Schlund. Ein Tritt auf das Gaspedal und die geballte Kraft von 367 PS drückt einen in den Sitz und hinein ins Dunkel. Das Grollen des Ingolstädter Fünfzylinder-Turbobenziners mit 2,5 Litern Hubraum fängt sich in den Wänden des ersten der 78 Tunnel und dringt zurück durch die einen Spalt weit geöffnete Seitenscheibe. In gerade mal 4,3 Sekunden spurtet der Hochleistungssportler unter den Audis von Null auf 100 km/h. Das Drehmoment von 465 Newtonmeter liegt bereits bei 1625 Umdrehungen pro Minute an, was den RS 3 in den Leistungsbereich eines Porsche Carrera bringt. Doch erlaubt sind jetzt lediglich 80 km/h und hinten schimmert schon wieder das Tageslicht. Bei Bedarf und natürlich ganz anderen Orts beschleunigt der RS 3 bis auf abgeregelte 250 km/h, wer dann noch Geld locker macht, dem öffnet Audi den Fünftürer auch bis 280 km/h. Die Frage, ob es Sinn oder Unsinn ist, ein kompaktes Fahrzeug mit soviel PS auszustatten, lässt sich am ehesten auf einer Strecke wie dieser beantworten.

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Bei wenig Verkehr kann man auch mal der Ideallinie folgen.
Interior
Im Innenraum sind Lenkrad,Wählhebel, Einstiegsleisten und das Fahrerinfosystem mit RS3-Enblemen bestückt.
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In einem Tunnel um den anderen feuert der Fünfzylinder seinen heißeren Sound den steinernen Wänden entgegen.

Stoisch klebt der RS3 auf dem Asphaltband

Im Kurvengeschlängel der Gardesana Occidentale, wie die Straße entlang des Westufers des Gardasees auch genannt wird, bleibt das Kraftpaket beim Bremsen vor der Kehre, beim Einlenken und beim Beschleunigen unaufgeregt. Das Heck bleibt dabei wie auf Schienen, nichts bricht aus. Stoisch und sicher lassen Fahrwerk und Allrad den Fünfender auf dem Asphaltband kleben. Unebenheiten in der Fahrbahn werden allerdings ohne Wenn und Aber direkt nach innen weitergegeben. Der Nachteil der 25 Millimeter Tiefgang gegenüber dem „normalen“ A 3. Selbst in der Stellung Comfort bleibt der RS 3 einer der straff abgestimmten Audis. Wie straff, zeigt sich dann, wenn über das Drive Select System der Dynamic-Modus aufgerufen wird, bei dem Lenkung, Motorsteuerung und der passende Sound wirklich spitz ausgerichtet sind. Nichts für alle Tage, aber für besondere wie diesen und Straßen, auf denen der RS 3 jetzt unterwegs ist. Sie hat alles, was einen Quattro stark macht: Hier und da Split, mal feucht, mal nass und wieder trocken. Im Grunde jederzeit gut für eine böse Überraschung, aber nichts, was unseren Audi groß aus der Ruhe bringt. Man kann die Lust der Maschine förmlich heraushören, wenn nach dem Spurt auf einer kurzen Geraden heisere Zwischengasstöße das Bremsen und die Gangwechsel der Siebengang S-tronic untermalen. Eine Handschaltung gibt es übrigens für den RS 3 weder für Geld noch für gute Worte. Dafür optional Keramikbremsen, die sich im Dauereinsatz als absolut standfest und jederzeit bissig erweisen.

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Typisch Audi: der Waben-Kühlergrill.

Bella Macchina : Italiener haben ein Auge für schöne Autos

Am Ostufer des Sees weitet sich jetzt das Land. Im Comfortmodus reagieren Lenkung und Gaspedal wieder gelassener auf die Befehle, Drehzahl- und Dezibel-Level haben sich beruhigt. Auch die fahrerische Drehzahl fällt damit ab in Richtung Ruhepuls. Am Kiesstrand von Torbole quittiert das Publikum in Pelz und Daunenjacke die Vorfahrt des Autos mit dem Waben-Kühlergrill mit Quattro-Schriftzug, den aussagekräftigen beiden Endtöpfen und der Spoilerlippe oberhalb der Heckscheibe mit wohlwollenden Blicken auf die „ bella macchina“. Italiener haben ein Auge für schöne Autos. Der Audi RS 3 kostet mindestens 53 500 Euro. Ein Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe gehört zur Serienausstattung.

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Am Kiesstrand von Torbole quittiert man den Auftritt des sportlichen Ingolstädters mit „Bella Macchina“ .

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Technische Daten und Verbrauch im Alltag

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Audi

RS 3 Sportback 2,5 TFSI quattro S tronic

Motor Fünfzylinder,Benziner mit Direkteinspritzung
Hubraum 2.480 cm³
Leistung 270 PS @ 5550 -6800 U/min
Kraft 465 Nm @ 1525-5550 U/min
Getriebe 7-Gang Direktschaltgetriebe S-tronic
Permanenter Allradantrieb quattro mit elektronisch geregelter Lamellenkupplung, elektronische Differentialsperre EDS
Länge, Breite, Höhe 4.343, 1.800, 1.411  mm
Radstand 2.635 mm
Leergewicht 1.520 kg
 Wendekreis  10,90 m
Höchstgeschwindigkeit 280 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,3 sec
Normverbrauch 8,2 l/100km
Alltagsfahrer  8,8 /100km

Text: Solveig Grewe, Photos: Jacopo Salvi, Innenaufnahme: Audi

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Passo dello Stelvio – Stilfserjoch

Sich dem Joch zu unterwerfen fällt nicht schwer. Das liegt nicht nur daran, dass es anspruchsvoll zu fahren ist, sondern vielmehr an seiner Attraktivität. Es ist einfach sehr viel los auf dem Stelvio. Radfahrer, Motorradausflügler, Wohnmobile, ja sogar Wanderer.

Seine technischen Daten lesen sich eindrucksvoll, so ist das Stilfserjoch mit einer Passhöhe von 2757m der höchste befahrbare Gebirgspass der Ostalpen und der zweithöchste in den Alpen. Wer es genau wissen will: 1937 verlor das Stilfserjoch seinen Status als höchster Alpenpass an den Col de l’Iseran, dessen Scheitel sieben Meter Höher liegt.

Nur 200 Meter von der Schweizer Grenze entfernt, führt die Strasse von der Schweiz zum Stilfserjoch über den Umbrailpass, dem höchsten Pass der Schweiz (2501 m).

Geschichte des Stilfser Jochs

Die ursprüngliche Straße wurde 1820-25 unter Franz I., Kaiser von Österreich, erbaut. Als das Habsburgerreich die Kontrolle über die Lombardei erlangte (nach der Niederlage Napoleons und dem Wiener Kongress 1815), verband das Stilfserjoch Südtirol mit dem Veltlin in der Lombardei in Italien. Der Ingenieur Carlo Donegani baute sich mit der heutigen Passstraße sein persönliches Meisterwerk.

Fahren auf dem Stilfserjoch

Die Serpentinen im Nordosten des Stilfserjochs machen ihn zu einem der berüchtigsten und berühmtesten Anstiege in den Alpen. Die 48 Haarnadelkurven decken einen Höhenunterschied von mehr als 1800 Metern ab. Die durchschnittliche Steigung liegt bei ca. 8%, aber die zweite Hälfte des Anstiegs ist steiler als die erste. Der Aufstieg von Bormio im Südwesten hat immer noch mehr als 1500 Höhenmeter. Der steilste Anstieg ist dabei fast 15%, im Schnitt sind es immer noch fordernde 8%.

Dazu kommt das Wetter. Im Mai, wenn der Stelvio geöffnet, liegt oft Schnee auf dem Pass. Die eisigen Temperaturen machen besonders die Abfahrt interessant – und stellen die Reifen nicht selten vor große Aufgaben. Überhaupt ist das Stilfserjoch ein technisch sehr anspruchsvoller Pass. Eng, nur sehr kurze Wege auf den Rampen zwischen den Haarnadelkurven – um hier in den Fluss zu kommen, bedarf es eines wirklich agilen Fahrzeuges mit passender Getriebeabstufung.

Doch auch wenn das Auto vielleicht nicht für den Sieg in der Bergwertung taugt, oder der Verkehr den Spaß verhagelt: allein die Kulisse und der Ausblick auf der Passhöhe sind die Fahrt jederzeit wert.

Land Rover Experience 2017 Peru – Über Stock und über Stein

Die Land Rover Experience Tour 2017 hat sich mit Peru sicherlich eines der interessantesten und vielfältigsten Länder dieser Erde für ein Abenteuer ausgesucht. Rund 1800 Kilometer Straßen und Pisten, entlang des Pazifiks, durch die Wüste, in die Höhe der Anden und in den Dschungel. Alle Teilnehmer können bei ihrem Abenteuertrip durch das Land im Osten Südamerikas auf den Discovery bauen, der, mittlerweile in seiner fünften Generation, Menschen und Material zuverlässig zum Ziel bringt. Mein auto blog Autorin Solveig Grewe war ein Stück weit dabei in dem Land voller Kontraste, extremer Höhenunterschiede und den gastfreundlichsten Menschen überhaupt.    

  

Mit Hingabe poliert Ciro die halbhohen dunkelbraunen Schnürschuhe, die er zuvor mit einer geheimnisvollen Creme behandelt hat. Der ausgehandelte, wohlwollende Preis für die Aktion liegt bei vier US Dollar. Das ist eine Menge Geld für den peruanischen Schuhputzer, in dessen Heimat der Durchschnittsverdienst pro Tag bei gerade mal einem Viertel davon liegt. In dem pittoresken Andenort Cusco sind Touristen die beste Kundschaft für Ciro. Nach getaner Arbeit gibt er breit grinsend noch vier Tage Garantie auf den Hochglanz, der sich jetzt eingestellt hat. Was er nicht ahnt, ist, dass die Schuhe schon einen Tag später einer harten Bewährungsprobe unterzogen werden. Cusco ist der erste Programmpunkt der zwölften Land Rover Experience Tour, die in diesem Jahr zum zweiten Mal nach Südamerika führt und aus einem Tross von 16 Land Rover Discovery und drei begleitenden Range Rover Sport besteht. Der erste Höhepunkt der Tour ist die für jeden Peru Touristen obligatorische Ruinenstadt Machu Picchu – Zeugnis der lange untergegangenen Inka-Kultur. Mach Picchu zeigt sich gerade wolkenverhangen und dadurch besonders mystisch. Die Anfahrt bleibt Bahn und Bus vorbehalten, Autos ist sie untersagt.

Am nächsten Tag geht es mit dem Flugzeug ins 500 Kilometer östlich und am Pazifik gelegene Pisco. Die heiße sandverhangene Luft flirrt, als der Tross bei Ica in eine der trockensten Wüsten der Erde abbiegt. Ein kurzer Stopp noch, um den Reifendruck der hier unerlässlichen Offroad-Reifen (Goodyear Wrangler DuraTrac) von knapp drei bar Druck auf 1,8 bar abzusenken. Das vergrößert die Auflagefläche und verbessert die Traktion im Sand. Dann heißt es, das  Fahrwerk hochstellen und im Offroad-Programm den passenden Modus für den Allradantrieb zu wählen. Es ist früher Nachmittag, die Sonne senkt sich langsam über die mit Reserverädern und Benzinkanistern auf dem Dach schwer bepackten „kings oft the hills“ inmitten der bizarr geformten mächtigen Dünen. Der Verlauf des Tracks wird wegen der Schatten langsam unübersichtlich. Ohne viel Wenn und Aber treibt der Sechszylinder Kompressor Benziner mit 340 PS und 450 Nm die weit mehr als 2 Tonnen schweren Fahrzeuge durch den Sand. Doch Achtung, wer der Spur nicht präzise folgt, der landet schnell im Abseits, was hier mit tiefem Sand gleichzusetzen ist. Eine tückische Linkskurve hinunter und gleich wieder ein steiler Hang nach rechts hoch, da ist es auch schon passiert. Gleich zwei Fahrzeuge bohren sich mit ihrer Front in den Sand. Eine erste Gelegenheit und in einem Fall eine wahre Herausforderung für die Mechaniker, die die Kolonne begleiten und deren hauptsächliche Aufgabe bisher nur daraus bestand, durchdrehende Räder mit Sand zu unterfüttern. Jetzt hängen gleich drei von ihnen über und unter dem aufgerissenen Kühler des einen Disco, um ihn mit Hilfe mitgeführter Ersatzteile, Kabelbinder und Klebeband wieder fahrbereit zu machen.

Über den so fein gewienerten Schuhen liegt längst die gleiche Patina wie über dem Lack eines jeden Discovery. Am nächsten Tag geht es von nur wenigen Metern über NN über asphaltierte Straßen, die diesen Namen eigentlich nicht verdient haben, immer wieder abgelöst von noch schlechter zu befahrenen scharfkantigen Geröllstrecken, hinauf auf 4500 Meter in den Zentralanden. Schlaglöcher ohne Ende und der gefährlichsten Art, weil man ihre Tiefe nur erahnen kann. Die schnellen Entscheidungen, welche umfahren werden müssen und welche durchfahren werden können, fordern den Fahrern volle Konzentration ab. Die Allradler machen dabei dank Luftfederung weitestgehend gute Miene zum bösen Spiel. Doch versehentlich übersehene „schlafende Polizisten“, wie sie in Deutschland gerne genannt werden und die hierzulande in besiedelten Gegenden oder Gefahrenstellen über die gesamte Fahrbahnbreite zu schnelle Fahrt abbremsen, nimmt selbst das komfortabelst eingestellte Fahrwerk krumm. Den Atem raubt das alleine noch keinem der Fahrer, wohl aber die Höhenluft bei einigen. Auf über 4000 Meter Höhe fällt der Sauerstoffgehalt so gering aus, dass selbst wenige Schritte draußen bei den unvermeidlichen Zwischenstopps zur vorher unvorstellbaren körperlichen Anstrengungen werden.

Den Einwohnern macht diese Höhe nichts aus. Stoisch treiben sie ihre Kuhherden an den Autos vorbei, winken aus ihren Häusern oder Hütten, obwohl ihre frisch gewaschene Wäsche auf der Leine unter dem von dutzenden von Rädern aufgewirbelten Staub erkennbar leidet. Sie lachen, freuen sich, dass in der Einsamkeit der Bergwelt endlich mal etwas passiert. Dann windet sich die Straße wieder höher hinauf, wird enger. Links die Felswand, rechts der Abgrund. Mehr als zwei Meter Breite bringt der Disco auf die Straße, das Verkehrsschild weist nicht mehr als 3,20 Breite der Straße auf. Entgegenkommen sollte jetzt besser niemand. Wer den Berg hinauf fährt, muss warten. An diese Regel halten sich ausnahmslos alle, Ausweichbuchten gibt es genug. Die warnenden Hupsignale vor jeder Kehre sind über Stunden die dominierende Geräuschkulisse der Fahrt.

Am nächsten Tag setzt Nieselregen ein. Die Straßen bleiben schmal, die Geröllstrecken werden glitschig. Steinbrocken, die sich irgendwann vorher gelöst haben, und jetzt auf der Straße liegen, machen die Fahrt zum Slalom. Zur rechten sucht sich ein Wasserfall Hunderte von Metern über den Autodächern seinen Weg, seine Ausläufer münden in einem ausgewaschenen Bachbett. 28 Zentimeter Bodenfreiheit beim Disco und Achsverschränkungen von 50 Zentimeter helfen, den Weg zum anderen Ufer mit Bedacht zu erreichen. Dort wird der rotbraune Weg immer mehr zum Schlammgemenge. Nur langsam schiebt sich die Kolonne vorwärts, die grüne Wand des Dschungels rückt immer näher und scheint den Tross verschlucken und auf ewig in sich aufnehmen zu wollen.

Als Tagesziel steht Huancayo auf dem Programm, eine Stadt mit über 300 000 Einwohnern auf etwa 3200 Metern Höhe. Welch ein Kontrast zu der Urform alles Lebens im Dschungel. Auf zwei Spuren strebt alles miteinander, aber eigentlich immer durcheinander in Richtung Innenstadt. Immer wieder sind es die kleinen Taxis, die hier wie wohl überall auf der Welt wegen ihres Motorengeräusches liebevoll TucTucs genannt, die einem gerne schon mal den Weg abschneiden. Doch immer wieder ist es dieses  entwaffnende Lächeln der Peruaner, das erst gar keinen Ärger aufkommen lässt und einen schnell die Strapazen der vergangenen Tage vergessen lässt. Leider führt der Weg nicht mehr nach Cusco, so dass die Garantie für den Glanz der braunen Schnürschuhe  leider verfallen wird.

Text und Bilder: Solveig Grewe