SEAT Leon Cupra ST: Lade und freue dich!

SEAT Leon Cupra ST: Lade und freue dich!

Nachdem Ford schon lange mit dem Focus ST Turnier einen attraktiven Power-Kombi im Köcher hat, zog auch der Wettbewerb nach. Der jüngste Vertreter der sportlichen Kombis kommt aus Spanien. Für den Leon Cupra ST verlangt Seat 32.560 Euro. Sein zwei Liter großer Turbo-Vierzylinder leistet mindestens 195 kW/265 PS – damit vernascht der sportive Laster sogar ernstzunehmende Sportler auf Autobahn und Landstraße. Etwa 90 Prozent der Kunden werden sich allerdings für die stärkere Version mit 206 kW/280 PS (ab 33.860 Euro) entscheiden, glaubt die Marketing-Abteilung der VW-Tochter. Gegen 1.700 Euro Aufpreis rollt der Cupra mit sechsstufigem Doppelkupplungsgetriebe an. Technik-Vorstand Dr. Matthias Rabe schwärmt von den sportlichen Werten des Kombis – bereits die Limousine glänzte mit Bestzeiten auf dem Kurs (unter acht Minuten für eine Nordschleifen-Runde) – warum soll es die praktische Version wesentlich schlechter machen?

Erste Ausfahrten mit dem starken ST zeigen, was bereits zu ahnen war: Wer es maximal komfortabel mag, ist mit dem spanischen Heißblut an der falschen Adresse. Dass der straff abgestimmte Kombi in der Kurve Spaß machen soll, war natürlich erklärtes Ziel. Zusammen mit den schick aussehenden 18-Zöllern sorgt diese Absicht aber für deutlich wahrnehmbares Aufspüren von Kanaldeckeln und anderen kurzwelligen Verwerfungen. Was die Straße an Unebenheiten bietet, wird von dem Südländer erwartungsgemäß trocken genommen.

Aber er kann auch Langstrecke. Auf der Autobahn mimt er den sportiven Gentlemen und belästigt seine Passagiere trotz drahtiger Ausrichtung nicht über Gebühr mit Schüttelorgien – bei Richtiggeschwindigkeit und aktivem Tempomat wird der schnellste Leon zum entspannten Kilometerfresser. Wer es mal krachen lassen will – kein Thema, zielstrebig rennt der Cupra in die 250 km/h-Abregelung.

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Wer auf Klänge von elektronischen Speichermedien oder Radio verzichten mag, kommt dennoch auf seine Kosten. Die Sounddesigner kreierten ein feines Timbre, und so schnaubt der hochgezüchtete Zweiliter je nach Drehzahl von zart bis wild – demnach lässt er auch akustisch keinerlei Zweifel daran, dass die Bezeichnung „Cupra“ (Abkürzung für Cup Racing) für die Athleten im Hause Seat steht – das klingt richtig gut, auch wenn Fans alter Schule den Griff zum Lautsprecher als Hilfsmittel womöglich schmähen werden.

Lediglich 6,2 Sekunden (280 PS-Version glatte sechs Sekunden) nennt das Werk für den Sprint von 0 auf 100 Sachen. Dass der im Gegensatz zum Golf-Pendant mit nur einer Achse angetriebene Seat vor allem im unteren Geschwindigkeitsbereich gerne mit den vorderen Pneus scharrt, liegt auf der Hand – da nützt auch die mit einer Lamellenkupplung arbeitende Quersperre wenig. Doch sobald die Gummis Grip gefunden haben, schnalzt der Turbo los und drückt die Insassen kräftig in die ordentlich dimensionierten Sportsitze. Ausgeprägte Wangen sorgen auch bei forcierter Kurvenhatz für guten Seitenhalt, so soll es sein.

Bei einer ruhigen Minute im Stadtverkehr schweift der Blick über die solide verarbeiteten Konsolen. Man findet die Merkmale der Volkswagen-Zugehörigkeit. Die Machart des multifunktionalen Bildschirms samt Annäherungssensor beispielsweise gibt es auch bei Golf und Octavia. Gleitet die Hand in die Nähe des Monitors, erscheint ein erweitertes Bedienfeld. Dass der Leon ebenso mit den aus dem Mutterkonzern bekannten Assistenzsystemen lieferbar ist, zu denen nicht zuletzt ein autonomes Bremssystem und aktiver Spurhalte-Warner gehören, war zu erwarten. Doch abgesehen von einer vermuteten Verwandtschaft mancher Tasten haben die Bemühungen der Innenarchitekten um Eigenständigkeit Früchte getragen – der unbedarfte Käufer merkt nicht unbedingt, dass die Wolfsburger auch bei Seat ihre Finger im Spiel haben.

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Dafür machen die Gestalter keinen Hehl aus dem Cupra-Dasein und hinterlassen entsprechende Duftmarken in Form von weißen Zahlen auf schwarzen Zifferblättern sowie die Cupra-Fahnen. Cupra-Schriftzüge auf den Polstern erzeugen zumindest Neugierde bei Ahnungslosen. Potente Endrohre samt Diffusor dürfen getrost als Warnung an andere ambitionierte Verkehrsteilnehmer verstanden wissen.

Wer tatsächlich im Sinn hat, mit dem rasanten Transporter an Rennfahrer Jordi Genes Runden-Bestzeit zu kommen, sollte unbedingt das Performance-Pack ordern. Dann gibt es spezielle Brembo-Bremsen, gewichtsoptimierte Felgen sowie High-Performance-Reifen. In dieser Verbindung sind auch die lieferbaren Schalensitze sinnvoll. Kostenpunkt: zusammen knapp 4.000 Euro je nach Basisausführung.

Autor: Patrick Broich/SP-X

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