Erster Test des neuen Skoda Kodiaq

Erster Test des neuen Skoda Kodiaq

Kuschelbär am Ballermann

Ist der Skoda Kodiaq „mein“ Auto und passt er zu mir? Zu wem passt der Skoda Kodiaq und was muss man beim Kauf beachten? Welche Stellen sollte man sich anschauen, vor allem auch auf der Optionalitäten-Liste? Fragen über Fragen! Die Antworten gibt es in diesem Skoda Kodiaq Fahrbericht.

[notification type=“notification_info“ ]Zunächst zu meiner Person: Baujahr 1979, glücklicher Familienvater, zwei Kinder, ein Hund – also ein 4-Personen Haushalt mit Anhang. Wir brauchen im Auto also viel Platz. Dazu kommt noch, dass unser einziges Hobby ebenfalls viel Platz in Anspruch nimmt, denn meine Frau und ich fahren – wenn es die Zeit zulässt – gerne mit dem Mountainbike durch den Wald. Den Kopf frei machen, auf neue Gedanken kommen, ausspannen und sich auspowern.[/notification]

Im Winter trainiert man dafür in der Regel in der Sonne und so habe ich mich während der ersten Ausfahrt mit dem Skoda Kodiaq auf der Sonneninsel Mallorca sehr über die zahlreichen Radfahrer, Rennradfahrer und Mountainbiker auf der Insel gefreut. Nein, die darf man nicht über einen Kamm scheren. Das geht bei den Autos ja auch nicht, nicht einmal alle SUVs sind gleich.

Mallorca ist „die größere Insel“, der Skoda Kodiaq der größere SUV! Länger als der aktuelle VW Tiguan. Zur Not Platz für 7 Personen. Nutzt man die hinteren beiden Sitzplätze nicht, bietet er einen richtig großen Kofferraum und vier Personen mehr als nur ausreichend Platz. Wer sich für die genauen Fakten und Abmessungen interessiert, der darf etwas weiter nach unten scrollen, dort gibt es die Tabelle mit den technischen Daten vom Skoda Kodiaq.

Jetzt im Test: Der Skoda Kodiaq

Mit dem großen SUV von Skoda ging es fast über die komplette Insel. An der Hauptstadt Palma vorbei bis zum nördlichsten Punkt, dem Cap Formentor. Immer wieder vorbei an wunderschönen Pflanzen, über tolle kurvige Straßen, deren Fahrbahnbelag ich allerdings als leicht kariös bezeichnen würde. Das bügelte das Fahrwerk vom Skoda Kodiaq locker weg. Doch kommen wir nun endlich zum Fahreindruck, den wir uns nach knapp 500 km gut verschaffen konnten.

Solider Bär

Der Skoda Kodiaq bietet solide Technik, gepaart mit einem meiner Meinung nach zeitlosem Design und wirklich viel Platz. Die Länge kommt vor allem den Passagieren, aber auch dem Gepäckabteil zu Gute. Doch was treibt den Kodiaq überhaupt an? Wir sind die 190 PS Version gefahren, den Selbstzünder. Einen Diesel und ja, die Leistung braucht der SUV schon, vor allem, wenn man das S noch einmal unterstreichen möchte, denn das steht ja für sportlich.

Der Innenraum präsentiert sich aufgeräumt und klar strukturiert. „Typisch Skoda!“, war mein erster Gedanke, mit zahlreichen Ablagen versehen und gut verarbeitet. Das Infotainmentsystem verfügt über die akuellsten Konnektivitätsmöglichkeiten. Ohne Probleme verbindet man die gängigen Smartphones dank Apple Carplay, Android Auto oder Mirror Link.

Die Sitze vorne lassen sich sehr gut verstellen, mit meiner Größe von 1,75 m hatte ich schnell eine ideale Sitzposition gefunden und die Passagiere in der zweiten Reihe hätten hinter meinem Sitz noch Tango tanzen können. Loungefeeling in der zweiten Reihe durch viel Beinfreiheit.

Ideal für Kinder? Nicht nur der Einklemmschutz der elektrischen Fensterheber, sondern nun auch die Türkanten-Schoner. Diese fahren jautomatisch an allen Türen aus. Das kennen wir bereits von Ford, aber warum sollte man gute Ideen nicht einfach auch mal übernehmen?

Auf den Plätzen 6 und 7 fühlen sich vermutlich nur Kinder wohl, die sind nichts für die lange Strecke. Aber kauft man sich sein Fahrzeug nicht sowieso nur für Eventualitäten: Wenn man vielleicht mal zwei weitere Personen mitnehmen muss, dann geht das im Kodiaq und man hat dahinter sogar noch mehr Platz als im VW Caddy.

Die Rücksitzlehnen lassen sich in der Neigung verstellen, die komplette Rücksitzbank sich um 18 cm in der Länge verschieben. Mehr Platz im Kofferraum oder mehr Beinfreiheit, die Besitzer haben die Wahlmöglichkeit.

Die Lenkung vom Skoda Kodiaq zeigt sich leichtgängig und sogar ansatzweise direkt. Das in unserem Testfahrzeug verbaute DSG (Doppelkupplungs-Getriebe) übernahm die Schaltaufgaben hervorragend und auch die Bremsanlage zeigte sich ausreichend groß dimensioniert. Die aufzuwendende Kraft beim Lenken und Bremsen ist minimal, man muss also nicht mit einem Braunbären ringen, um mit dem Skoda Kodiaq die Berge zu bezwingen.

Die 190 Pferdestärken reichen. Das maximale Drehmoment von 400 Nm lässt auch den ein oder anderen Überholvorgang zu. Gefreut habe ich mich über den adaptiven Tempomaten mit dem aktiven Spurhaltesystem. Ich persönlich hasse nichts mehr als das Autofahren im Stau. Da kann einem die moderne Technik ruhig mal die Arbeit abnehmen. Das kann der neue Skoda Kodiaq.
Er kommt zunächst übrigens in drei Ausstattungslinien. Da lohnt es sich nachzurechnen. Ich empfehle die LED Scheinwerfer, auch wenn diese über kein adaptives Fernlichtsystem verfügen. Für mich ist die LED Technologie in den Scheinwerfern State of the Art und ein Sicherheitsgewinn.

Baukasten-Brummer

Die anderen Assistenzsysteme stammen aus dem VW-Technologie-Baukasten. Auch wenn Skoda aus Konzern politischen Gründen noch nicht alle Bauteile benutzen darf, fährt der Kodiaq im Notfall automatisch seine Krallen aus, verfügt über einen Tot-Winkel-Warner und kommt auch mit einer 360° Kamera. Optional gibt es auch den Trailer-Assist. Wer das alles nicht mag, kann die Systeme auch passiv schalten, hier wird man nicht bevormundet.

Laut NEFZ laufen hier kombiniert 5,7 Liter durch die Brennkammern, auf 100 km versteht sich. Den Wert konnten wir auf Mallorca nicht erreichen, zu weit hatten wir uns vom Prüfstand-Fahrzyklus entfernt. Über den Verbrauch möchte ich nichts sagen, dafür muss man das Fahrzeug hier mal über mehrere Tage in Deutschland im Alltag bewegen.

Kommen wir zum Fazit: Äußerlich besticht der Kodiaq durch seine scharfen Linien, im Innenraum durch das sehr großzügige Platzangebot und die gute Verarbeitung. Der Skoda Kodiaq hält, was er verspricht. Viel Platz für Kind und Kegel und dann natürlich auch noch für das Gepäck. Je nach dem, wie man misst, hat man hier ein Volumen von 270 – ja, dann mit 7 Sitzplätzen – bis hin zu 2065 Liter zur Verfügung. Die Sitze 6 und 7 sind optional, wer diese nicht wählt, hat ein Fahrzeug mit einem richtig großen Kofferraum und viel Platz im Fond. Dachte ich bis dato,  der Skoda Superb wäre hier führend, wird dieser nun gefühlt vom Kodiaq abgelöst.

Dank dem optionalen Allradantrieb und dem Snow- bzw. Offroad-Modus dürfte es kaum Traktionsprobleme geben, aber immer dran denken: Wer zügig unterwegs ist, darf den Bremsweg nicht außer acht lassen. Wer mag, darf mit dem Skoda Kodiaq bis zu 2,5 Tonnen ziehen. Somit empfiehlt sich der Skoda Kodiaq auch als Zugfahrzeug. Preislich geht es ab 25.490 Euro los, dafür bekommt man dann allerdings nur einen kleinen 1.4 Liter TSI unter die Haube.

Das Revier des Bären

Für den derzeitig stärksten Kodiaq, sprich den 2.0 Liter TDI mit 190 PS, muss man mindestens 39.440 Euro auf den Verkaufstresen legen. Inkl. Allradantrieb, zzgl. Spesen. Denn natürlich findet sich auch in der höchsten Ausstattungslinie „Style“ noch etwas in der Aufpreisliste. Gegen Aufpreis gibt es den proaktiven Sicherheitsschutz für die Insassen, die Seitenairbags für die zweite Reihe, die technischen Assistenzsysteme, die Fahrprofilauswahl, und ,und, und schnell landet man bei 45.000 Euro.
Dennoch: Der Skoda Kodiaq wird sich verkaufen wie geschnitten Brot, eine Bereicherung für den SUV-Markt und das Skoda Portfolio und bis der VW Tiguan XL auf den Markt kommt, wird dieser Braunbär in dem Revier schon gewildert haben.

Kritikpunkte: Ein paar Bauteile aus dem VW-Konzern bleiben dann doch dem VW Tiguan vorbehalten, so das digitale Cockpit, die Progressiv-Lenkung, der 220 PS Benziner oder aber auch der 240 PS starke Diesel. Gerade die großen Motoren vermisse ich im Portfolio von Skoda, weil ein untermotorisiertes Fahrzeug mit einem Leergewicht von knapp zwei Tonnen halt einfach kein Sinn macht, schon gar nicht, wenn man es auch als Zugmaschine einsetzen möchte.

Ich hatte eingangs die Frage gestellt, ob der Skoda Kodiaq zu mir und meinem Anforderungsprofil passt. Ja, das tut er, der Skoda Kodiaq könnte zum Familienfreund werden und wie viele weitere SUVs auch demnächst die Einfahrten von Kindergärten und Schulen dominieren. Er ist, wie jeder Kuschelbär, ein Familienfreund. Ein Ballermann ist er leider nicht, dafür ist er zu groß, zu schwer und zu unsportlich

Technische Daten Skoda Kodiaq 2.0 TDI 140 kW 4×4 DSG
Anzahl der Zylinder/Hubraum (cm3) 4/1.968
Max. Leistung/bei Drehzahl (kW/min–1) 140/3.500–4.000
Max. Drehmoment/bei Drehzahl (Nm/min–1) 400/1.750–3.250
Schadstoffklasse EU6
Kraftstoff Diesel, Cetanzahl mind. 51
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 210 (209 als 7-Sitzer)
Beschleunigung 0–100 km/h (s) 8,9 (9,1 als 7-Sitzer)
Kraftstoffverbrauch nach VO (EG) Nr. 715/20072) 6,6
> Innerorts (l/100 km) 5,3
> Außerorts (l/100 km) 5,7
> Kombiniert (l/100 km) CO2-Emissionen kombiniert (g/km)2) 150 (151 als 7-Sitzer)
CO2-Effizienzklasse2) B
Wendekreis (m) 12,2
Art Permanenter Allradantrieb
Kupplung 2 elektrohydraulische Koaxial-Lamellenkupplungen
Getriebe 7-Gang-Automatikgetriebe DSG
Leergewicht (kg)2) inkl. Fahrer (75 kg) 1.752–1.952 (1.795–1.980)
Zuladung (kg)2) inkl. Fahrer (75 kg) 475–675 (608–767)
Zul. Gesamtgewicht (kg) 2.352 (2.472–2.510)
Anhängelast, ungebremst (max. kg) 750
Anhängelast, gebremst bei 12 % Steigung (max. kg) 2.300 (2.000)
Max. Dachlast/Stützlast (kg) 75/100 (75/80)
Tankinhalt (l) 60
Luftwiderstandsbeiwert C 0,334 (0,338
Vorderachse Hinterachse McPherson-Federbeine mit Dreiecksquerlenkern und Torsionsstabilisator Mehrlenker-Hinterachse mit Längs- und Querlenkern, Torsionsstabilisator
Bremsen Hydraulik-Zweikreisbremssystem, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent
> Bremsen vorn Innenbelüftete Scheibenbremsen mit Einkolben-Schwimmsattel
> Bremsen hinten Scheibenbremsen
Lenkung Direkte Zahnstangenlenkung mit elektromechanischer Lenkunterstützung
Räder Active, Ambition 7,0J x 17″, Style 7,0J x 18″
Reifen Active, Ambition 215/65 R17, Style 235/55 R18
Länge (mm) 4.697
Breite (mm) 1.882
Höhe max./min. (mm) 1.676 / 1.655 (1.673 / 1.655)
Radstand unbeladen/beladen (mm) 2.791 / 2.788
Spurweite vorn/hinten (mm) 1.586 / 1.576
Bodenfreiheit (mm)3) 187 (188)
Ellenbogenfreiheit vorn (mm) 1.527
Effektiver Kopfraum vorn (mm) 1.022
Ellenbogenfreiheit hinten/Kofferraum 2./3. Sitzreihe (mm) 1.510 (1.511/1.270)
Effektiver Kopfraum hinten 2./3. Sitzreihe (mm) 1.014 (1.015/905)
Kofferraumvolumen > Bis zur Hutablage (l), ohne Reserverad 650–835 (560–765) 2.065 (2.005)
Kofferraumvolumen > Bei umgeklappten Rücksitzen 5-Sitzer (l), ohne Reserverad > Bis zur Hutablage bei 7-Sitzer (l) 270
Herstellerangaben

 

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Jens Stratmann – Erstzulassung: 28.06.1979 – H-Kennzeichen! Die Haare zeigen es! Inzwischen hat etwas Patina angesetzt und der Lack ist etwas stumpfer geworden. Nach einer Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Mechaniker wechselte ich in den Vertrieb und dann? Dann folgte ich der Passion: Automobil-Journalismus. Online & Video! Da bin ich hier doch richtig, oder?

3 Comments

  1. Lieber Jens,

    ich kann nicht anders – Dein Beitrag ist ein Gedicht, richtig gut und emotional geschrieben. Kompliment! Bis auf eine winzige Kleinigkeit, die mit dem von Dir erwähnten Kofferraumvolumen zusammen hängen, mit dem ich erst dann zufrieden wäre, wenn aus den erwähnten 270 Liter die maximale Zahl von bis zu 2065 Litern wird. Aber das ist sicher schnell korrigiert, oder? Danach kriegst Du dann den 5. Stern für gute Arbeit!

    LG: mv

Fahrbericht: Skoda Karoq – Wer zuletzt lacht…

„Heute kommst Du zuerst, morgen bin ich dann dran“. Man mag über Konzernstrategien denken, was man möchte, klar ist aber, dass der neue Skoda Karoq der Nachrücker im Feld der Kompakt-SUV im Volkswagen-Geflecht darstellt. So entwickelte Skoda nämlich den Seat Ateca, der dem Karoq nicht nur stark ähnelt, sondern auch lange vor ihm die Straßen dieser Welt erkunden durfte und ebenfalls auf dem MQB aufbaut. An anderer Stelle, mit dem Kodiaq, war Skoda wiederum zuerst dran: VW Tiguan Allspace und ein erwartetes, großes SUV aus Spanien ziehen nach. Fahrbericht des neuen Kompakt-SUVs der Tschechen.

Design – Der Skoda Karoq trägt das Familiengesicht

An vier Augen sollt Ihr ihn erkennen: Der Skoda Karoq trägt das neue Skoda-Familiengesicht

Vier Augen – was einst nahezu jede Mercedes-Benz-Baureihe charakterisierte – sind nun ein Stilelement von Skoda. Wobei sich die Frage auftut, was mit „nun“ gemeint ist. Skoda spricht davon, dass die SUVs der Modellpalette nicht nur einen ähnlichen Namen haben, die Rede ist von Karoq und Kodiaq, sondern auch optische Erkennungsmerkmale teilen. Eines davon soll das Vier-Augen-Gesicht sein. Nächste Frage: Das ist doch nicht neu?

Genau! Die erste Version des Skoda Yeti, den der Skoda Karoq beerbt, fuhr bereits mit einem ausdrucksstark-eigenständigen Vier-Augen-Gesicht vor. Zum Facelift legte das kleine SUV dieses jedoch ab, bis zunächst der Skoda Kodiaq wieder mit diesem Stilmittel aufwartete. Nach dem aufgefrischten Skoda Octavia trägt nun also auch der Karoq vier voneinander getrennte „Augen“. Dennoch wirkt das Design zurückhaltend und stößt nicht so auf, wie es 1996 bei der Mercedes E-Klasse W210 der Fall war. So hip und kultig, wie einst der erste Yeti ist die Gestaltung aber auch nicht.

Den „Don“ habe ich nicht gesehen. Bevor er kam, habe ich „Corleone“ dank 150 PS aber flugs verlassen

Dafür wirkt er angenehm geradlinig, ernst und damit zeitlos – ein Merkmal, das aktuell jedem Skoda zugeschrieben werden kann. Das zeigt sich im Falle des Skoda Karoq in seinen gestreckten Proportionen und findet durch die langgezogene Sicke unterhalb der Fensterlinie besondere Betonung. Außerdem verfügt das SUV über eine Kunststoffbeplankung rundum, die seinen vermeintlich robusten Charakter unterstützt. Wie robust der Karoq wirklich sein kann, zeigt sich an späterer Stelle.

Wie ähnlich er seinem Bruder, dem Seat Ateca ist, sieht man vor allem an seinen Flanken: Die Dachpartie, die schräg abfallende Heckklappe, der Verlauf der Dachsäulen – hier könnte auch ein spanisches SUV stehen. Dafür unterscheidet er sich an der Front durch seinen Markengrill und vor allem am Heck. Hier finden sich Skoda-typische LED-Rückleichten in C-Form sowie ein leicht geänderter Kennzeichenausschnitt.

Interieur – In allen Belangen ein Skoda

Hier sitzt alles an Ort und Stelle: Das Skoda Karoq Interieur ist aufgeräumt

Mittlerweile zieht sich ja so etwas wie ein roter Faden durch das Skoda-Programm: Gutes Aussehen, viele clevere Details und ein brauchbares Platzangebot – in allen Baureihen. Diesen Faden durchtrennt auch der neue Skoda Karoq nicht, besonders, was die Platzverhältnisse anbelangt. Hier fühlen sich vier Erwachsene wohl, wenn vorn nicht gerade Zwei-Meter-Männer sitzen. Dann wird es hinten eng – aber in welchem Fahrzeug ist das nicht so? Reisen also vier durchschnittlich große Passagiere, steht für alle genügend Bewegungsfreiheit parat. Das war auch schon im Yeti so, nur musste man sich bei ihm mit dem Gepäck einschränken. 405 Liter bot er nur, was sogar manch Kompakter schafft.

Hinten kann man es sich dank gutem Platzangebot, Klapptischen und Ablagen bequem machen

Der Skoda Karoq legt hier eine ordentliche Schippe drauf und lässt einem sogar die Wahl. Und zwar zwischen der Größe des Laderaums. Ordert man die VarioFlex-Rückbank stehen zwischen 479 und 1.810 Liter parat, die sich recht frei einteilen lassen. Zu verdanken ist dies der verschiebbaren und in der Lehnenneigung variablen Rückbank. Verzichtet man auf dieses Detail, bietet der Skoda Karoq mit 521 Liter zwar ein größeres Volumen mit voller Bestuhlung, ist mit 1.630 Litern im Maximalangebot aber etwas eingeschränkter.

Einschränkungen muss man bei der Bedienung hingegen kaum hinnehmen. Es stehen vier Systeme zur Wahl, von denen das größte bekanntermaßen auf den Namen Columbus hört und mit einem 9,2-Zoll-Display ausgestattet ist. Wie die anderen Geräte auch, lässt es sich gut bedienen und ist angenehm hoch installiert. Doch einen Punkt gibt es tatsächlich, der das 8-Zoll-Navigationssystem, das unter dem Columbus angesiedelt ist, empfehlenswert macht: Die Drehregler. Ja, es wird ewig auf diesem Thema rumgeritten, aber die Tasten für die Lautstärkeregelung sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Das 8-Zoll-System, das auf den Namen Amundsen hört, bringt zwei Drehregler mit, die sich blind bedienen lassen. Und genau darum geht es doch: Der Fokus des Fahrers liegt auf der Fahraufgabe und nicht beim Suchen der Lautstärkeregler.

Fahreindrücke – Wie auf Schienen

Wir sind beim Thema: Die Fahraufgabe. Wenn der Skoda Karoq – und der dazugehörige Geldbeutel – könnte, dann würde er ganz allein seines Weges ziehen. Ordert man allerlei Assistenten hinzu, kann der Karoq nahezu autonom fahren. Der Spurhalteassistent verrichtet seine Aufgabe ebenso gewissenhaft, wie der Stauassistent – sogar bis zum Stillstand. Natürlich ist es noch nicht so weit, dass man die Hände in den Schoss legen und das SUV einfach machen lassen kann. Daran erinnert der Tscheche auch gerne, sobald er bemerkt, dass man das Lenkrad zu lange nicht berührt hat. Nicht nur im Stadtverkehr unterstützt zudem der Front-Assist mit City-Notbremsfunktion während der Tote-Winkel-Warner stets weiß, was schräg hinter einem passiert.

Nicht nur auf der Straße, sondern auch abseits macht der Tscheche eine gute Figur

Alles schön und gut, aber wie fährt sich der Skoda Karoq denn? Völlig Problemlos! War gerade das Vor-Facelift-Modell des Skoda Yeti etwas steifbeinig unterwegs, hat sich der Karoq dieser Attitüde entledigt. Selbst mit den optionalen 18-Zoll-Felgen rollte das SUV gefühlvoll ab. Die Federn und Dämpfer arbeiten dabei angenehm nachgiebig, ohne es aber an Direktheit missen zu lassen – ein guter Kompromiss. Zusammen mit der gut abgestimmten Lenkung kann man Kurven zügig und präzise durchfahren, ohne gleich das Gefühl eines Sportwagens oder gar Nervosität zu verspüren.

Bei den Motoren standen sowohl die Selbstzünder, wie auch die Otto-Motoren zur Wahl. Letztere dienten als Testgerät und überzeugten durchweg. Zunächst zeigte sich der 1.5 TSI mit 150 PS und Frontantrieb von seiner besten Seite. Das Vierzylinder-Aggregat gefällt mit nachdrücklichen Fahrleistungen und beschleunigt in 8,7 Sekunden auf 100 km/h. Schluss mit dem Vortrieb ist bei 206 km/h – was für ein Kompakt-SUV allemal genügen dürfte. Dabei gibt sich der Turbo-Motor sehr homogen, lässt kaum ein systembedingtes Leistungsloch erkennen. Etwas Zeit lässt sich hingegen das 7-Gang-DSG, dass etwas verzögert auf spontane Gaspedal-Kommandos reagiert. Ist der Wunsch nach Vortrieb erst einmal angenommen, verrichtet es Dienst nach Vorschrift: Die Schaltvorgänge erfolgen ohne Zugkraftunterbrechung und unmerklich.

Üble Pfade sind indes nichts für den Skoda Karoq – erst recht nicht, wenn man mit reinem Frontantrieb fährt

Neben dem aktuellen Top-Benziner stand aber auch das Einstiegsaggregat bereit. Der 1.0 TSI greift auf gerade einmal 999 ccm aus drei Brennräumen zurück. Das Output ist mit 115 PS auf dem Papier zwar recht bescheiden, in der Realität reicht der Basismotor aber vollkommen aus. Man muss sich nur auf ihn einlassen: Turbo-untypisch mag der 1.0 TSI Drehzahl und kann dann richtig Spaß machen. Optional steht er ebenfalls mit einem 7-Gang-DSG bereit, die gefahrene 6-Gang-Handschaltung bereitet aber Spaß, lässt sie sich angenehm knackig bedienen. Zudem passen die Anschlüsse gut zum hubraum-schwachen Aggregat. Außerdem sind die Fahrleistungen völlig befriedigend: Auf 100 km/h geht es in 10,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 187 Stundenkilometer. Natürlich geht es immer besser, braucht man im Alltag aber mehr? Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Yeti mit seinem 1.4 TSI – und einem Zylinder mehr – dieselben Fahrleistungen hervorgebracht hat.

Und abseits befestigter Wege? Jemand, der häufig durch grobes Gelände fährt, sollte sich vielleicht anderweitig umsehen. Für den milden Einsatz bringt der Skoda Karoq aber genügend Potential mit – sogar mit reinem Frontantrieb. Auf den sandig-felsigen Nebenstraßen Siziliens, über Olivenhaine und Weinberge gefahren, stieß der Frontantrieb zwar ab und an an seine Grenzen, schaffte es aber dennoch durch fiese Furchen. Mit dem optionalen Allradantrieb wäre man hier dennoch – zumindest psychologisch – besser beraten. Dennoch: Primär für den Betrieb auf der Straße ausgerichtet, muss der Skoda Karoq auf Feldwegen kaum federn lassen.

Spiel, Satz und Sieg für den Skoda Karoq

Einer, für alle Gelegenheiten: Der Skoda Karoq überzeugt rundum

Wer – wie ich – Yeti-Fahrer ist, wird beim Skoda Karoq vielleicht etwas gestutzt haben. Der Wegfall des „coolen“ Namens, der Größenzuwachs, das wenig mutige Design? Und was kommt am Ende dabei heraus? Ein sehr erwachsenes SUV, das mit seinem klaren Design lieber die Zeitlosigkeit zitiert, als zu polarisieren. Zumal der Größenzuwachs gegenüber dem Yeti viele Vorteile mit sich bringt. Und auch beim Fahren ist der Skoda Karoq ein echter Skoda: Ruhig, dynamisch, leise. So siegt der Karoq natürlich überlegen gegen seinen Vorgänger. Nur preislich legt das neue Familienmitglied eine gute Hausnummer zu. Begann der Yeti bei rund 19.000 Euro, muss man für den Skoda Karoq mindestens 24.290 Euro berappen. Dann bekommt man allerdings die sehr empfehlenswerte Ambition-Ausstattung. Im kommenden Jahr wird das neue SUV um eine günstigere Basis ergänzt.

 

Skoda Karoq – Der Yeti-Nachfolger

Der Skoda Yeti ist tot, lang lebe der Skoda Karoq. Das Wortspiel funktioniert zwar eigentlich anders, doch haben die Tschechen den Namen ihres Kompakt-SUVs geändert und ihn der aktuellen Familien-Nomenklatur angepasst. „Karoq“ stammt von der Insel Kodiak in Alaska und steht – aus der Sprache der Ureinwohner übersetzt – für eine Kombination aus Auto und Pfeil. Letzterer passt damit also bestens zum Firmenlogo. Wir waren live mit dabei, als der Skoda Karoq der Weltöffentlichkeit zum ersten Mal gezeigt wurde und haben die detaillierten Informationen zum neuen, tschechischen Kompakt-SUV.

Willkommen in der Moderne

Der kastige Skoda Yeti ist also passé. Schade, war er im Segment der Kompakt-SUV schließlich ein Charakter-Darsteller, der nicht im Design-Einheitsbrei unterging. Dafür fährt der nun wesentlich adrettere Skoda Karoq vor und macht das Duo, bestehend aus dem Volkswagen Tiguan und dem Seat Ateca, nun zum Trio. Zwar sagen die Tschechen, dass der neue Karoq ein komplett neu entwickeltes Kompakt-SUV sei, doch die Ähnlichkeit zum spanischen Bruder ist bestechend. Dafür passt sein Design zur gegenwärtigen Skoda-Familie, die bei den SUV vier „Augen“ trägt. Zudem sollen Elemente der tschechischen Kristall-Kunst einfließen, was etwa an den Rückleuchten zu erkennen ist. Kombiniert wird dies mit einem großzügigen Platzangebot, neuen Fahrerassistenzsystemen, Voll-LED-Scheinwerfern und – zum ersten Mal – mit einem frei programmierbaren, digitalen Instrumentenpanel.

Auf großem Fuß: Der Skoda Karoq wuchs in allen Dimensionen

Gegenüber dem Skoda Yeti legte der Karoq in allen Dimensionen zu. Aber das dürfte auch kein Wunder sein, galt sein Vorgänger nicht gerade als Riese – trotz des urigen Namens. So misst der Karoq 4,38 Meter in der Länge, 1,84 Meter in der Breite und 1,60 in der Höhe bei einem Radstand von beachtlichen 2,64 Metern. Den Zugewinn an Raum spüren nicht nur die Fond-Passagiere, sondern auch derjenige, der den Laderaum belädt: Das Kofferraumvolumen liegt nun bei 521 bis 1.630 Litern, während der Yeti in der Basis lediglich 405 Liter bot. Wählt man für den Skoda Karoq die optionale VarioFlex-Rückbank, erhält man einen variablen Stauraum und kann beim Basis-Volumen zwischen 488 bis 588 Litern variieren – je nach Position der Rückbank. Zudem kann man die drei separaten Sitze einzeln verstellen oder ausbauen – der Yeti lässt grüßen. Sind die drei Sitze komplett entfernt, stehen sogar bis zu 1.810 Liter Kofferraumvolumen parat.

Aktuellste Konnektivität im Skoda Karoq

Tschechische Kristall-Kunst am Skoda Karoq

Skoda hat sich dem Anspruch verschrieben, mit dem Infotainment des neuen Karoq an der Spitze des Segments zu stehen. Dafür findet nun die zweite Generation des modularen Infotainment-Baukastens Verwendung im SUV und bietet zahlreiche Schnittstellen sowie kapazitive Touch-Displays. Je nach Version stehen ein WLAN-Hotspot und LTE-Modul bereit. Drüber hinaus bietet das System, das bereits im Facelift des Skoda Octavia erhältlich ist, die mobilen Online-Dienste „Skoda Connect“. Sie können in zwei Kategorien einsortiert werden. Zum einen wären da die Infotainment-Online-Dienste für Information und Navigation. Zum anderen kommen die Care-Connect-Dienste hinzu, die beispielsweise Assistenz bei Pannen und Notfällen bieten. Weitergehende Dienste können über die Skoda Connect-App hinzugefügt werden, sodass man etwa aus der Ferne den Tankinhalt prüfen kann, um nur eine Funktion zu nennen.

In Sachen der Konnektivität steht die Plattform SmartLink+ bereit, die Apple CarPlay, Android Auto und MirrorLink bietet. Das Smartphone lädt indes – sofern unterstützt – induktiv in der Phonebox. Bei den Assistenzsystemen stehen der Park-, Lane- oder Stauassistent parat und werden durch die Blind Spot Detection, den Front Assist für den Fußgängerschutz sowie den Emergency Assist ergänzt. Zudem gibt es nun einen Abstandsregel-Tempomaten, eine Verkehrszeichenerkennung und weitere, sicherheitsfördernde Systeme. Kompetenzen, die der Yeti bislang nicht oder nur eingeschränkt bieten konnte. Gleiches gilt für die Voll-LED-Scheinwerfer, die für den neuen SUV erhältlich sind: Das Xenon-Licht des Yeti war zwar alles andere als schlecht, doch überzeugen die neuen LED-Scheinwerfer durch eine nochmals bessere Ausleuchtung einem feineren Design.

Gänzlich neu ist das frei programmierbare, digitale Instrumentenpanel im neuen Skoda Karoq. Kennt man digitale Anzeigen anstatt der gewöhnlichen, analogen Uhren bislang schon aus Konzern-Geschwistern, können die Anzeigen nun nach eigenen Wünschen zusammengestellt werden.

Motoren – bekannte Diesel und Benziner

Gerade von hinten erinnert der Karoq an seinen Bruder Seat Ateca

Bereits zum Marktstart wird der neue Skoda Karoq in fünf Varianten beim Händler stehen. Als Basis-Aggregat hält der 1.0 TSI mit 115 PS und 175 Nm Einzug unter der charakteristisch ausgeformten Motorhaube. Sein Verbrauch soll bei 5,2 Litern im Drittelmix liegen. Empfehlenswerter scheint der ungleich kräftigere 1.5 TSI mit 150 PS, 250 Nm Drehmoment und einem noch geringeren Durst von lediglich 5,1 Litern auf 100 km.

Bei den Selbstzündern markiert der 1.6 TDI mit 115 PS und 250 Nm den Einstieg. Sein Verbrauch soll bei überschaubaren 4,5 Litern im Mix liegen. Gleiches gilt für den 2.0 TDI mit 150 PS und 340 Nm. Der ebenfalls mit 2.0 Hubraum gesegnete Dieselmotor mit 190 PS generiert indes 400 Nm und konsumiert im Durchschnitt 5,3 Standard-Milchtüten auf 100 km.

Wie Phoenix aus der Asche tauchte der neue Karoq auf der Bühne auf

Ja nach Ausstattung ist der Skoda Karoq überdies mit einer Fahrprofil-Auswahl erhältlich, die die Wahl zwischen Normal, Sport, Eco, Individual und Snow bietet. Letztere schaltet automatisch den Allradantrieb, sofern vorhanden, hinzu. Wie es mit vier angetriebenen Rädern in der Zukunft aussehen wird, ist nicht klar, schließlich geht der Trend zu SUV ohne zusätzlich angetriebene Räder. Andererseits ist Skoda eine Allrad-Marke – wie die Tschechen selbst über sich Auskunft geben. Klar ist hingegen, dass man bis 2025 seine SUV-Palette ausweiten wolle. Zunächst startet im Herbst diesen Jahres aber der neue Skoda Karoq und lässt den berühmten Schnee-Menschen vom Himalaya wieder zur Legende werden.

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