Der Motortausch beim Smart – Standardeingriff?

Der Motortausch beim Smart – Standardeingriff?

Der Smart: Die einen lieben den Bonsai-Flitzer, die anderen …naja, eben nicht. Dabei kann er durchaus seine Vorteile haben, schließlich braucht der kleine Hecktriebler wenig Platz und macht die Parkplatzsuche in den Innenstädten angenehm. Das zumindest galt noch bis zur zweiten Modellgeneration, mit der man auch quer in Parklücken fahren konnte und damit niemanden behinderte. Die aktuelle, dritte Generation verzeichnet einen Längenzuwachs zu ihren Vorgängern und muss auf gewöhnliche Art und Weise parken – vor allem als Viertürer. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein beim Knubblbenz: Gerade von der ersten Generation hört man nicht selten von Motorschäden, die zum Tausch zwingen. Grund genug für uns, einmal genauer hinzusehen.

Gespräche unter eingefleischten Smart-Fans, vor allem der ersten Generation,  beginnen nicht selten folgendermaßen: „Ich hab den dritten. Und Du?“ – „Ich erst meinen zweiten, aber der Dritte wird nicht lange auf sich warten lassen“. Die Rede ist nicht etwa vom Fahrzeug selbst, sondern vom Antrieb. Foren sind voll von Unglücklichen, die ihr Leid über den kleinen Heckmotor schildern.

Beim aktuellen Smart, besonders beim hier gezeigten „electric drive“ sind Motorenprobleme noch nicht bekannt.

Dabei sind die Zeichen des kleinen Motörchens oftmals gut zu erkennen – auch für den Laien. Eines der stärksten Indizien, auch bei anderen Fahrzeugen, ist ein hoher Ölverlust. Beim Smart sollte man zudem darauf achten, ob die Zugkraft nachlässt. So ist es schließlich nicht selten, dass Ventile und Zündkerzen verbrennen und die Kolbenringe zerstört werden, was zu einem kapitalen Motorschaden führen kann. Um das jedoch zu vermeiden, sollte man direkt nach dem Bemerken des erhöhten Ölverbrauchs einen Experten aufzusuchen. Zudem kann es hilfreich sein den Schlauch zum Ventildeckels checken zu lassen und im Ernstfall auszutauschen.

Emissionsfrei durch die Stadt: Im Juli 2006 startet in London ein Pilotprojekt der Marke smart. Der fortwo ed (electric drive) bietet eine Leistung von 30 kW (41 PS) und damit adäquate Fahrleistungen. Die Reichweite beträgt rund 100 Kilometer. ; Zero-emission motoring in the city: In July 2006, the smart brand launched a pilot project in London. The fortwo ed (electric drive) generates an output of 30 kW (41 hp) for adequate performance and has a range of some 100 kilometers (62 miles).;
Probleme machen vorwiegend die Motoren der ersten Generation

Immer schön geschmeidig bleiben

Ist der Schaden dennoch zu groß, bleiben nur noch die Motorüberholung oder der Motortausch. Deshalb ist es mehr als nur ratsam, die Ölstandkontroll-Leuchte immer im Auge zu behalten. Am besten lässt man es gar nicht erst soweit kommen und kontrolliert den Ölstand bereits davor und in regelmäßigen Abständen. Für Smart-Motoren ist es sehr wichtig, auf das Öl zu achten und die Wechselintervalle von, in der Regel, 15.000 km streng einzuhalten. Experten wechseln ihren Motorenschmierstoff oftmals sogar nach der Hälfte des vorgeschriebenen Intervalls.

Nicht nur in der Politik ist es wichtig, was hinten raus kommt. So sollte man auch bei seinem Bonsai-Benz stets darauf achten, was aus seinen Endtöpfen strömt. Ist der Rauch grau-blau, kann das einen Turbolader-Schaden bedeuten. Eine andere Alternative – und ebenso häufig – ist ein Defekt der Zylinder-Kopfdichtung. Stellt man also verfärbte Abgase fest, sollte man seinen Smart am besten nicht mehr Starten, da man nur noch größeren Schaden anrichten kann.

smart fortwo Benzinmotor ; smart fortwo petrol engine;
Sorgenkind: Der Dreizylinder ist nicht frei von Mängeln…

Die Essenz des Lebens: Wasser!

Wichtig ist es auch auf den Wasserhaushalt des Cityflitzers zu achten. Unter uns: Wer macht das schon in aller Regelmäßigkeit? Ist der Verbrauch des Kühlwassers aber hoch, liegt ein Problem vor. Lassen sich bei laufendem Motor zudem starke Geräusche wahrnehmen, lässt das auf eine defekte Wasserpumpe schließen. Bleibt die Behebung dieses Schadens aus, folgt unweigerlich das Ende des Dreizylinders.

Ist dies tatsächlich der Fall, führt – abgesehen vom Umweg über den Verwerter – kein Weg an einem Austauschmotor vorbei. Das Problem beim Tausch bzw. bei der Generalüberholung ist aber, dass das Fahrzeug selbst geradezu winzig ist. Dadurch hervorgerufen ist der Raum für den Motor ebenfalls sehr eng, sodass man als Laie schlecht an die entsprechenden Schrauben und Punkte herankommt. So müssen für eine Inspektion oder einen Teiletausch in der Regel einige Teile der Karosserie entfernt werden. Sogar der Ölwechsel will gekonnt sein, da eine Ölablassschraube bei nicht wenigen Smart-Motoren schlicht nicht vorhanden ist. Dementsprechend muss das Öl abgesaugt werden, was wiederum eine Fachwerkstatt auf den Plan ruft. Legt man gerne selbst Hand an und wechselt den Schmierstoff alle 7.000 bis 8.000 km, empfiehlt sich der Wechsel der Ölwanne auf ein Pendant mit Ablassschraube. Zumal hier der Ölwechsel wesentlich gründlicher ist, als es das Absaugen je sein kann.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Was kann man also tun, um einen kapitalen Schaden vorzubeugen. Wie bereits geschildert, sollte man das Kühlwasser stets kontrollieren. Wann habt Ihr das zum letzten Mal gemacht? Es ist nur eine kleine Fingerübung, die aber einen Haufen Bares sparen kann. Außerdem sollte immer genügend Frostschutzmittel im Kühlwasser enthalten sein. Es verhindert nicht nur das Einfrieren des Motors, sondern schützt ihn außerdem vor Korrosion. Auf dem Beachten der Ölwechsel-Intervalle und des korrekten Stands will ich nicht erneut herumreiten – das Thema sollte in aller Breite geklärt sein?

smart fortwo cdi Dieselmotor ; smart fortwo cdi diesel engine;
…aber auch der Dreizylinder-Diesel kann Ärger machen. Obwohl er wenig verkauft wurde

Motortausch: Aus Alt mach Neu

Sollte es schließlich so weit sein, dass der kleine Flitzer nicht mehr weiter mag, kommt man an einem Motortausch in der Regel nicht vorbei. Der Pool mit Anbietern ist nicht klein und wirft verschiedenste Preise auf. Los geht es bei rund 889 Euro. Dann muss man allerdings selbst Hand anlegen und den kleinen Dreizylindermotor selbst in das Heck des Zweisitzers verfrachten. Ein Kompletteinbau kostet etwa 1.300 Euro. Angesichts von Preisen für die Motorrevision bzw. für Austauschmotoren bei anderen (und auch größeren) Fahrzeugen, sind die Kosten verhältnismäßig überschaubar. Zumal oftmals eine Garantie inbegriffen ist.

Ein seriöser Anbieter (zum Beispiel die Firma CDM GmbH (www.smart-motor.net) aus Niestetal) verbaut generalüberholte Maschinen ins Heck. Und gibt hieraus eine Garantie von 48 Monaten oder 50.000 Kilometern, je nachdem was zuerst eintritt.

Der neue smart fortwo 2014: smart fortwo und forfour Dreizylindermotor ; The new smart fortwo 2014: smart fortwo and forfour engine;
Beim aktuellen Motor (hier im Bild) stand Renault Pate

Beim entsprechenden Profi für Smart-Aggregate sind zudem alle gängigen Antriebe erhältlich. Instandgesetzt werden also nahezu alle Motorisierungen: Von 600 über 700 bis 1.000 cm³ ist alles möglich. Sogar der wenig verkaufte Diesel ist von der Problematik betroffen und findet sich auf den Listen der Austauschmotoren. So kommt der Motorentausch bei Smart-Fahrern finanziell dem gleich, was manch anderer für einen Satz Bremsscheiben ausgibt. Das muss zur Aufheiterung bei diesem mehr oder weniger traurigen Thema auch einmal gesagt sein.

 

Aktuelle Suchanfragen:
Previous ArticleNext Article
Adam Meyer
Ich bin vernarrt in Autos, seit ich denken kann. Bereits im Alter von vier konnte ich alle Autos mit Marke und Typ benennen. Eine Krankheit, die mich begeistert und meine Umwelt auch mal zu Tode nerven kann... :) So hat es sich schließlich entwickelt, dass ich zum Schreiben über die blechgewordenen Träume gekommen bin. Von SUV bis zum Kleinwagen, vom Supersportler bis zum Vernunftsdiesel – ich halte Euch mit News und Fahrberichten auf dem Laufenden und freue mich über Eure Anregungen, Wünsche und Kritik! Lebensmotto: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Hurbaum!

Tinder auf Rädern – eine smarte Vision

Wer die Welt verändern will, der benötigt Visionen. Und nein, nicht immer ist man damit ein Fall für den Arzt. Auch als 1993 ein gewisser Nicolas Hayek eine Vision hatte, war er damit eher ein Fall für ein Automobilunternehmen mit Historie und nicht für den Onkel Doktor. „reduce to the max“ war geboren und damit auch ein für viele Jahre aktiver claim für die Marke smart.

Der smart feiert 2018 sein 20-Jähriges Jubiläum, er ist also längst schon volljährig. Ein guter Zeitpunkt, um noch ein wenig weiter in die Zukunft zu schauen. Innerhalb des Konzerns Daimler gibt es eine Mobilitätsvision 2030+ und hier hat nun auch die Marke smart einen Platz gefunden. Wichtig: Vieles davon ist schlicht eine Vision. Und um das noch einmal zu erklären: Eine Vision ist schlicht ein Bild, bezogen auf die Zukunft. Manchmal wird daraus eine Fata Morgana, manchmal wird es zur Offenbarung. Auf jeden Fall aber kann man mal darüber diskutieren. Und genau dazu lädt smart mit seiner „smart vision EQ fortwo“ ein.

Autonom, emissionsfrei, vernetzt und ein wenig Tinder für Automobilisten

smart vision EQ fortwo

Die Marke smart hat zusammen mit der Konzernmutter Daimler, dank Car-2-Go, eine enorme Erfahrung im Bereich „Flotten-Management“ und „free-floating“ Carsharing. Und das macht Sinn. Sind sich die Experten doch einig, gerade drei Themen werden die individuelle Mobilität der Zukunft beeinflussen: „Vernetzung, autonomes Fahren und sharing“. Diese Schwerpunkte hat der Daimler-Konzern unter dem Begriff „CASE“ zusammengefasst und zeigt mit der Studie für die IAA 2017 den nächsten logischen Schritt. Denn während man bereits zu den Top-Playern beim Carsharing gehört, sind die kommenden Veränderungen noch ein wenig Neuland. Für alle Hersteller.

Eine Einschätzung von Car-2-Go Verantwortlichen zeigt aber auch, welche Potentiale gerade das Thema „autonomes Fahren“ für Carsharing-Projekte bietet. Nach Experten-Meinung würde das Integrieren von autonom fahrenden Fahrzeuge eine Effizienz-Steigerung von 50% bringen. Oder anders ausgedrückt, eine 50% kleinere Fahrzeugflotte könnte genau das gleiche leisten, was man mit dem aktuellen Status Quo erreicht. Und dabei muss man berücksichtigen, in Städten wie Madrid erreicht Car-2-go bereits eine Auslastung von 16 Mieten pro Tag, pro Fahrzeug! 16!!

Vorhang auf für den smart vision EQ fortwo

Passionierte Autofahrer müssen jetzt ganz tapfer sein. Die smart-Vision für die urbane Mobilität 2030+ ist nichts, womit man Petrolheads mitreißt. So. Genau so haben sich vermutlich auch die Geeks bei google eine selbstfahrende Kapsel vorgestellt.

Noch immer 2.69m groß, Platz für 2 Personen und elektrisch angetrieben. Und selbstfahrend. So die kurzen Fakten hinter der Idee. Wie es bei „Visionen“ und Konzeptfahrzeugen üblich ist, muss nicht jede Idee, jede Umsetzung direkt zur Realität werden. smart träumt von einer individuellen Mobilität, die umweltfreundlich ist. Sympathisch wirkt und autonom von Einsatz zu Einsatz pendelt. Für smart ist damit aber auch klar, wenn wir Level 5 der Autonomie im PKW erreichen, dann braucht ein Angebot für individuelle Mobilität in der Stadt kein Lenkrad mehr. Und kein Gaspedale. Dafür eine breite Sitzbank, ein großes Display und – aufgepasst – neue Freunde.

Kommen wir zum Tinder-Punkt

Scheinbar führen das Zusammenleben in Großstädten und moderne Technik in Verbindung mit Ur-Bedürfnissen der Menschen zu Entwicklungen wie TINDER. Einer Plattform, auf der sich Menschen treffen – oder erst einmal gegenseitig aussuchen – um danach in eine soziale Interaktion zu treten. (Der Autor dieser Zeilen ist 42, verheiratet und lebt auf dem Land. Hier hat man noch gelernt, auf dem Dorffest das mitzunehmen, was angeboten wurde … egal, wir schweifen ab ..).  Vermutlich hatten die Visionäre bei smart eher den Grundgedanken der Effizienz im Hinterkopf, als sie die Idee formulierten – der „smart vision EQ fortwo“ könnte ja, dank seiner Vernetzung und der Großstadt-Bewohner-Bedürfnisse, nach urbaner Mobilität auch als „Kontaktplattform“ dienen. Man mag es als moderne Lösung einer Fahrgemeinschaft verstehen – oder als eine neue Dating-Plattform. Ganz nach eigener Phantasie. Die Idee an sich ist erst einmal schön. Man bucht sich sein Shuttle, stellt die Fahrtroute ein und bietet dann anderen an, an der Fahrt im ganzen oder in Teilen teilzunehmen. Natürlich ist das löblich und sicher auch sinnvoll, einzig die Mechanik, wie man heute digitale Plattformen nutzt, bringt einen auf den Gedanken, die smart vision EQ-Macher hätten auch bei den großen Schwenktüren mit Display-Funktionen an einen privaten Rückzugsraum gedacht.

Und genau das macht ja den Erfolg von Car-2-Go aus. Urbane Mobilität, ohne auf den Bus zu warten, sich um Sitzplätze zu prügeln oder mit der Rotzfahne der anderen in Berührung zu kommen.

Dass man dann lieber von einem „Zurückgeben an die Community“ spricht und die Glasflächen der Türen als Displays für News oder Wetter nutzt, ist nur nachvollziehbar. Vermutlich wird es sich jedoch eher als Werbefläche herausstellen und ein Nutzungs-Szenario wird sein: Die Route zum halben Preis fahren zu dürfen, wenn man den smart vision EQ fortwo als Litfaßsäule fahren lässt. Natürlich nur, wenn der Ad-Pricing Algorithmus gerade für die benötigte Route das passende Werbemittel einbuchen kann.

Visionen sind Diskussions-Grundlagen

Das Konzeptfahrzeug ist noch weit weg von einer Serie. Diskussionen über die Details erübrigen sich daher. Was sich nicht erübrigt, im Gegenteil, was viele Fragen aufwerfen wird, ist der Umbruch, vor dem die Automobil-Industrie steht. E-Fahrzeuge, autonome Fahrzeuge und Sharing-Konzepte sowie eine intelligente Vernetzung sind Grund genug, um über Ideen zu diskutieren. smart hat bereits bekannte Ideen aus dem Daimler-Konzern in den Zweisitzer der Zukunft übernommen. Die Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren, per Schriftzeichen, per digitalem Augenzwinkern oder über farblicher Hinweise – das sind Basisfunktionen, die so entwickelt werden müssen, dass man damit eine Gesellschaft auch mitnimmt. Der Gedanken hinter dem smart vision EQ  fortwo ist richtig. Dass Carsharing auf eine neue Stufe gehoben wird, wenn man nicht mehr zum Auto gehen muss, sondern das Auto zu einem kommt – natürlich sinnvoll. Dass man eventuell den Wunsch verspürt, dem „rolling smart device“ eine Persönlichkeit zu verpassen, wie man es heute mit Handyhüllen tut, auch mehr als verständlich. Dass es Sinn macht, in der digitalen Vernetzung nach Lösungen zu suchen, wie man die Effizienz steigert und Fahrgemeinschaften bildet – absolut logisch. Ob man einen integrierten Desinfektions-Spender und einen Teddy-Bär Halter braucht ;)? Vermutlich nicht.

 

Aktuelle Suchanfragen:

Testfahrt: smart electric drive Cabriolet: Frischluft im Quadrat

Die Idee ist so simpel wie verführerisch: Wenn man sich schon selbst an die frische Luft setzt, sollte man dann die Luft nicht auch „rein halten“? Was liegt da näher, als einem Cabriolet einen Elektroantrieb zu verpassen? Stimmt. Für mein-auto-blog bin ich deswegen das neue smart Cabriolet mit E-Antrieb gefahren.

Test: SMART ELECTRIC DRIVE Cabriolet

Frischluft im Quadrat

Mit nur drei Modellen im Portfolio fällt es smart derzeit leicht, auch „alle Modelle“ mit E-Antrieb anbieten zu können. Was aber wirklich verlockend klingt. E-Antrieb oder Benziner, der Kunde hat sowohl beim Zweisitzer ForTwo als auch beim 4+1 Viersitzer „ForFour“ die ökologische Wahl. Wobei es eigentlich gar keine echte Wahl ist. Denn der smart gewinnt als „Elektroauto“ in allen Bereichen. Und das war bereits beim Vorgänger so.

Lautlos schnurrend zieht er tapfer beschleunigend von der Ampel los. Sein 60 kW-Motor drückt mit überzeugenden 160 Nm auf die Hinterachse, für die Stadt ist das mehr als ausreichend. Warum für die Präsentation des feschen „Elektro-oben-offen-Zweisitzers-mit-Grinse-Garantie“ jedoch ausgerechnet Genf ausgewählt wurde – man kann es nicht einmal erahnen. Genf ist die Hölle der individuellen Mobilität. Fies-kurze Grün-Phasen an der Ampel, rüpelige Diplomaten-Limousinen, laut dröhnende Supersize-SUVs, Amok fahrende Roller und Motorradfahrer und ein ewiger Verkehrsstau. Die Verkehrsplaner von Genf scheinen Autofahrer schlicht zu hassen. Und mitten drin das neue smart Cabriolet, dessen E-Variante ab 25.200 € erhältlich ist. Und ich.

Und weil das Chaos auf den Straßen von Genf nicht frustrierend genug erscheint, muss man sich auch noch mit dem Navigationssystem des smart ärgern. Seine französischen Wurzeln scheinen dem gesamten Info- und Entertainmentsystem dauerhaft die Deutsch-Französische Freundschaft ausreden zu wollen. Wie kann man als Automobil-Hersteller so eine fiese Kombination aus unterirdischer Hard- und unausgegorener Software als Serienstand verkaufen? Ernsthaft. Während sich das Navi ständig in der Straßenschlucht von Genf verrechnet, mag man als Fahrer einfach nur noch am Jet D’Eau aussteigen und sich vom nächsten Rollerfahrer erlösen lassen.

Also raus aus der Stadt. Dem angeblich idealen Lebensraum des smart electric drive. Dass sich das Dach binnen Sekunden öffnet, kann man vor der Eisdiele erleben – wer bei gut über 30° im Schatten jedoch seinen Scheitel in die Sonne hält, der findet vermutlich auch das Navigationssystem ganz „okay“. Ich nicht. Also – die dank Glas-Rückscheibe für alle Jahreszeiten sinnvolle Dachlösung wieder fix geschlossen, sich ärgern, nicht per App die Innenraumkühlung bereits vor Ort gestartet zu haben – und dem Rauschen der frischen und kühlen Luft zugehört. Denn das ist so eine Erkenntnis: Wenn man den Motor nicht mehr hört, erscheint alles andere plötzlich viel präsenter.

Auf Landstraßen zoomt sich der E-Smart locker über die 100 km/h-Marke, theoretisch wären 130 km/h machbar, doch ausgerechnet der kleine smart verkörpert die Form der genußvollen Entschleunigung. Dass der E-Zwerg binnen 4.9  aus dem Stand auf Tempo 60 sprintet, dient dem Ego am Stammtisch mindestens so gut wie dem innerstädtischen Dauerduell mit dem Amok-Zweiradfahrern.

Von den gut über 1.1 Tonnen Leergewicht des E-Smart merkt man nichts. Die Lenkung bleibt indirekt, die Federung ganz passabel, verglichen mit vorherigen Generationen jedoch geradezu fantastisch. Es ist eben immer eine Frage des Maßstabs. Dass der Kofferraum wirklich winzig ist, mag man verkraften – etwas anderes hatte ich erst gar nicht erwartet. Dass man jedoch nach Papieren gerade mal 205 Kilogramm Zuladung offeriert, verunsichert den „nicht mageren Habby“ dann doch.

Mit dem 17.6 kWh leistenden Akku soll das putzige Elektro-Cabriolet bis zu 160 km weit kommen. Realistisch erscheinen 90 bis 120 km. Und das wiederum domestiziert den lautlosen Elektro-Floh eben nicht für die Großstadt alleine. Denn nicht nur Genf ist an sich eine – doofe – Großstadt. Von daher, ganz wichtig die Anmerkung vom Autor dieser Zeilen: „Mit 90 Kilometern fährt man auch als Landbewohner locker eine Woche durch“. Und wir auf dem Land, wir haben zumindest einen Parkplatz mit Steckdose und so sind die 3.5 Stunden Ladezeit für uns kein Schrecken. Noch nicht einmal die 6-Stunden an der 230Volt-Haushaltssteckdose.

Nein – der smart als electric drive sollte nicht als Stadtbewohner alleine verstanden werden – er ist der liebenswerte Null-Emissionen-Floh, der die persönliche Mobilität mit einem guten Gewissen verbindet. Dass man dabei am besten eine profunde Ortskenntnis besitzen sollte und man das vom Kooperationspartner gelieferte Martyrium (aka Navi-, Multimediasystem) am besten ignoriert – darf man nicht vergessen. Ebenso wie die Idee: Wenn man sich schon an die frische Luft setzt, sollte man diese auch „rein halten“.

[tabgroup]
[tab title=“Technik“]Hersteller: Smart
Typ: Elektroauto
Motor: Fremderregter Drehstrom-Synchronmotor
Leistung: 60 kW (82 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
Getriebe: Stufenlos
Antrieb: Heckantrieb
Akkutyp: Lithium-Ionen
Akkukapazität: 17,6
Reichweite elektrisch: 155 km
Verbrauch: 13 kWh/100 km laut NEFZ
Lademöglichkeit an Haushaltssteckdose: Ja
Lademöglichkeiten und Steckerarten: Haushaltssteckdose (Schuko); Typ 2-Stecker (Wallbox oder Ladesäule); Schnellladung (ab Frühjahr 2018)
Ladezeit: Haushaltssteckodse: Ca. 6 Stunden; Wallbox: Ca. 3,5 Stunden
Kaufpreis: 25.200 Euro
Batterie im Preis enthalten: Ja[/tab]
[/tabgroup]