News: Smart Fortwo – Der teure Stadt-Spaß

News: Smart Fortwo – Der teure Stadt-Spaß

Wer am Samstag in einer größeren Stadt bummeln geht, ist happige Preise gewöhnt: Die Kugel Eis 1,50 Euro, das kleine Mineralwasser im Café 2,50 Euro und die Spaghetti Carbonara – die bei uns im Dorf 9 Euro kostet – schlägt mal eben mit 12 Euro zu Buche. Da ist es doch nur logisch, dass auch der einzig wahre Stadtwagen mit den zu seinem Revier passenden Preisen vorfährt.

Wir sprechen natürlich über den neuen Smart Fortwo. Mit der derzeit stärksten Motorisierung von 66 kW/90 PS kostet er ab 11.790 Euro. Und dann steht er noch relativ nackt da. Unser – natürlich – mit jeder Menge Extras ausgerüsteter Testwagen knackte locker die 15.000-Euro-Grenze. Dafür, das muss man klar sehen, gibt es auch schon Basismodelle in der Kompaktklasse. Zumal der Smart-Händler in Sachen Rabatt kaum mit sich reden lässt, der – sagen wir mal – Kia- oder Peugeot-Händler allerdings schon.

Gut, er kostet also. Aber für das viele Geld erhält man auch ein wirklich einmaliges Auto. Der Smart, seit einigen Monaten bei uns in der dritten Generation am Start, fährt mit seiner Länge von 2,70 Metern in seinem eigenen Segment. Nachdem Toyota den (30 Zentimeter längeren) iQ vom Markt genommen hat, gibt es gar keine Alternativen mehr.

Mit knapp 7 Metern verfügt das Micro-Auto über einen - und hier ist das inflationär gebrauchte Wort mal wirklich angebracht – unfassbar kleinen Wendekreis.
Mit knapp 7 Metern verfügt das Micro-Auto über einen – und hier ist das inflationär gebrauchte Wort mal wirklich angebracht – unfassbar kleinen Wendekreis.

Der Smart Fortwo ist als Stadtwagen einfach unschlagbar. Dies kann man am besten an zwei Beispielen verdeutlichen: Mit knapp 7 Metern verfügt das Micro-Auto über einen – und hier ist das inflationär gebrauchte Wort mal wirklich angebracht – unfassbar kleinen Wendekreis. Unfassbar, weil man es als Fahrer manchmal selbst nicht glauben kann, in welch engen Straßen man den Smart problemlos in einem Zug wenden kann. Und dann natürlich das Thema Parken: Der Smart ist so lang geblieben wie sein Vorgänger. Auch mit dem durfte man ja eigentlich schon nicht mehr quer einparken, weil ein Stück der 2,70 Meter dann doch auf die Straße ragt. Aber in vielen Fällen wird es knöllchenfrei toleriert. Und selbst wenn nicht, mit dem Fortwo rangiert man in Lücken, an denen alle Nicht-Smart-Fahrer achselzuckend vorbeifahren müssen.

Diese Vorteile des Konzepts hat sich der Smart in der dritten Generation also bewahrt. Genauso wichtig ist jedoch, dass er einige Nachteile der alten nicht mehr hat. Da wäre in erster Linie die lahme Halbautomatik zu nennen, die durch ein aufpreispflichtiges Doppelkupplungsgetriebe ersetzt wurde. Unser Testwagen hatte die serienmäßige Fünfgang-Handschaltung an Bord. Und über die gibt es nichts zu meckern. Zudem verfügt der Smart jetzt über so etwas wie Fahrkomfort. Vorbei die Zeiten, wo seine Fahrer hilflos hoppelnd jeder Straßenrille ausgeliefert waren.

Wobei dieser Fortschritt relativ ist. Der gleichgebliebene Radstand von 1,87 Meter und die allein schon aus Gründen der Sicherheit eher knackige Gesamtauslegung dürfen keinen Komfort wie etwa bei Klein- oder Kompaktwagen erwarten lassen. Trotzdem, ist die Straße einigermaßen in Ordnung, gibt es im Smart keine Rückenprobleme, übrigens auch deshalb nicht, weil die Sitze sehr gut sind.

Parken und in engen Straßen wenden machen in jedem Fortwo Spaß. Freude am Fahren kommt jedoch derzeit nur mit der stärksten Motorisierung auf. Der winzige 0,9-Liter-Motor arbeitet mit Turbounterstützung und leistet glatte 90 PS, die ein Leergewicht von rund 900 Kilo antreiben müssen. Kein Wunder, dass der Kleine den Großen am Ampelstart locker das Heck zeigt. Man kommt sich fast wie in einem Elektroauto vor, das bauartbedingt ja ebenfalls für Schnellstarts bekannt ist. Der Smart erreicht nach 3,5 Sekunden Tempo 50 und auch bis 100 km/h vergehen nur 10,4 Sekunden. So bewegt, kommt man naturgemäß nicht mit dem Normverbrauch von 4,2 Litern aus. 5,8 waren es in unserem Fall.

Arbeitsplatz eines Smart Fortwo-Fahrers.
Arbeitsplatz eines Smart Fortwo-Fahrers.

Erst auf der Autobahn wird der Zweisitzer eingebremst, und zwar elektronisch bei 155 km/h. Aus Sicherheitsgründen, denn der Motor gibt einem das Gefühl, dass es auch noch einige km/h schneller gegangen wäre. Aber was soll´s, mehr Tempo braucht man nicht und der Zweisitzer ist ja ein Stadtauto. Im Übrigen macht sich außerhalb der City die nervöse Lenkung des Smart negativ bemerkbar. Sie reagiert gefühlt zu schnell und zu stark auf kleinste Bewegungen. Was in der Stadt sinnvoll ist, erfordert außerhalb derselben Konzentration, damit man nicht überzieht.

Platz ist natürlich in einem kleinen Fahrzeug immer ein Thema. Seinem Namen macht der Fortwo hier alle Ehre, zwei Personen sitzen ausgezeichnet, selbst wenn sie über 1,90 Meter messen. Im Vergleich zum Vorgänger machen sich die satten zehn Zentimeter mehr Breite positiv bemerkbar, man kommt sich mit den Ellenbogen nicht mehr in die Quere. Der Kofferraum packt zwischen 260 und 350 Liter, was sich erstmal richtig viel anhört. In der Praxis ist allerdings mehr als ein normaler Einkauf nicht drin. Kein Problem: Baumärkte liegen meist ja sowieso nicht in der Stadt. Praktisch ist das einzeln zu öffnende, hochklappbare Heckfenster für ein oder zwei Einkaufstüten. Wer mehr einpacken will, muss den unteren Teil extra entriegeln und nach unten wegklappen.

Der Smart Fortwo hat die Vorzüge der Vorgänger-Generation bewahrt, ist also weiterhin kurz und wendig. Dazu kommen die erheblich bessere Schaltung, mehr Fahrkomfort und mehr Bewegungsfreiheit im Innenraum. Und der Turbomotor ist eine Wucht. Auf der Minusseite stehen der hohe Preis sowie die teilweise billig wirkenden und nicht an jeder Stelle souverän verarbeiteten Materialien. Trotzdem: Wer einen echten Stadtwagen sucht, für den gibt es eigentlich keine Alternative.

Autor: Peter Eck/SP-X

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Tinder auf Rädern – eine smarte Vision

Wer die Welt verändern will, der benötigt Visionen. Und nein, nicht immer ist man damit ein Fall für den Arzt. Auch als 1993 ein gewisser Nicolas Hayek eine Vision hatte, war er damit eher ein Fall für ein Automobilunternehmen mit Historie und nicht für den Onkel Doktor. „reduce to the max“ war geboren und damit auch ein für viele Jahre aktiver claim für die Marke smart.

Der smart feiert 2018 sein 20-Jähriges Jubiläum, er ist also längst schon volljährig. Ein guter Zeitpunkt, um noch ein wenig weiter in die Zukunft zu schauen. Innerhalb des Konzerns Daimler gibt es eine Mobilitätsvision 2030+ und hier hat nun auch die Marke smart einen Platz gefunden. Wichtig: Vieles davon ist schlicht eine Vision. Und um das noch einmal zu erklären: Eine Vision ist schlicht ein Bild, bezogen auf die Zukunft. Manchmal wird daraus eine Fata Morgana, manchmal wird es zur Offenbarung. Auf jeden Fall aber kann man mal darüber diskutieren. Und genau dazu lädt smart mit seiner „smart vision EQ fortwo“ ein.

Autonom, emissionsfrei, vernetzt und ein wenig Tinder für Automobilisten

smart vision EQ fortwo

Die Marke smart hat zusammen mit der Konzernmutter Daimler, dank Car-2-Go, eine enorme Erfahrung im Bereich „Flotten-Management“ und „free-floating“ Carsharing. Und das macht Sinn. Sind sich die Experten doch einig, gerade drei Themen werden die individuelle Mobilität der Zukunft beeinflussen: „Vernetzung, autonomes Fahren und sharing“. Diese Schwerpunkte hat der Daimler-Konzern unter dem Begriff „CASE“ zusammengefasst und zeigt mit der Studie für die IAA 2017 den nächsten logischen Schritt. Denn während man bereits zu den Top-Playern beim Carsharing gehört, sind die kommenden Veränderungen noch ein wenig Neuland. Für alle Hersteller.

Eine Einschätzung von Car-2-Go Verantwortlichen zeigt aber auch, welche Potentiale gerade das Thema „autonomes Fahren“ für Carsharing-Projekte bietet. Nach Experten-Meinung würde das Integrieren von autonom fahrenden Fahrzeuge eine Effizienz-Steigerung von 50% bringen. Oder anders ausgedrückt, eine 50% kleinere Fahrzeugflotte könnte genau das gleiche leisten, was man mit dem aktuellen Status Quo erreicht. Und dabei muss man berücksichtigen, in Städten wie Madrid erreicht Car-2-go bereits eine Auslastung von 16 Mieten pro Tag, pro Fahrzeug! 16!!

Vorhang auf für den smart vision EQ fortwo

Passionierte Autofahrer müssen jetzt ganz tapfer sein. Die smart-Vision für die urbane Mobilität 2030+ ist nichts, womit man Petrolheads mitreißt. So. Genau so haben sich vermutlich auch die Geeks bei google eine selbstfahrende Kapsel vorgestellt.

Noch immer 2.69m groß, Platz für 2 Personen und elektrisch angetrieben. Und selbstfahrend. So die kurzen Fakten hinter der Idee. Wie es bei „Visionen“ und Konzeptfahrzeugen üblich ist, muss nicht jede Idee, jede Umsetzung direkt zur Realität werden. smart träumt von einer individuellen Mobilität, die umweltfreundlich ist. Sympathisch wirkt und autonom von Einsatz zu Einsatz pendelt. Für smart ist damit aber auch klar, wenn wir Level 5 der Autonomie im PKW erreichen, dann braucht ein Angebot für individuelle Mobilität in der Stadt kein Lenkrad mehr. Und kein Gaspedale. Dafür eine breite Sitzbank, ein großes Display und – aufgepasst – neue Freunde.

Kommen wir zum Tinder-Punkt

Scheinbar führen das Zusammenleben in Großstädten und moderne Technik in Verbindung mit Ur-Bedürfnissen der Menschen zu Entwicklungen wie TINDER. Einer Plattform, auf der sich Menschen treffen – oder erst einmal gegenseitig aussuchen – um danach in eine soziale Interaktion zu treten. (Der Autor dieser Zeilen ist 42, verheiratet und lebt auf dem Land. Hier hat man noch gelernt, auf dem Dorffest das mitzunehmen, was angeboten wurde … egal, wir schweifen ab ..).  Vermutlich hatten die Visionäre bei smart eher den Grundgedanken der Effizienz im Hinterkopf, als sie die Idee formulierten – der „smart vision EQ fortwo“ könnte ja, dank seiner Vernetzung und der Großstadt-Bewohner-Bedürfnisse, nach urbaner Mobilität auch als „Kontaktplattform“ dienen. Man mag es als moderne Lösung einer Fahrgemeinschaft verstehen – oder als eine neue Dating-Plattform. Ganz nach eigener Phantasie. Die Idee an sich ist erst einmal schön. Man bucht sich sein Shuttle, stellt die Fahrtroute ein und bietet dann anderen an, an der Fahrt im ganzen oder in Teilen teilzunehmen. Natürlich ist das löblich und sicher auch sinnvoll, einzig die Mechanik, wie man heute digitale Plattformen nutzt, bringt einen auf den Gedanken, die smart vision EQ-Macher hätten auch bei den großen Schwenktüren mit Display-Funktionen an einen privaten Rückzugsraum gedacht.

Und genau das macht ja den Erfolg von Car-2-Go aus. Urbane Mobilität, ohne auf den Bus zu warten, sich um Sitzplätze zu prügeln oder mit der Rotzfahne der anderen in Berührung zu kommen.

Dass man dann lieber von einem „Zurückgeben an die Community“ spricht und die Glasflächen der Türen als Displays für News oder Wetter nutzt, ist nur nachvollziehbar. Vermutlich wird es sich jedoch eher als Werbefläche herausstellen und ein Nutzungs-Szenario wird sein: Die Route zum halben Preis fahren zu dürfen, wenn man den smart vision EQ fortwo als Litfaßsäule fahren lässt. Natürlich nur, wenn der Ad-Pricing Algorithmus gerade für die benötigte Route das passende Werbemittel einbuchen kann.

Visionen sind Diskussions-Grundlagen

Das Konzeptfahrzeug ist noch weit weg von einer Serie. Diskussionen über die Details erübrigen sich daher. Was sich nicht erübrigt, im Gegenteil, was viele Fragen aufwerfen wird, ist der Umbruch, vor dem die Automobil-Industrie steht. E-Fahrzeuge, autonome Fahrzeuge und Sharing-Konzepte sowie eine intelligente Vernetzung sind Grund genug, um über Ideen zu diskutieren. smart hat bereits bekannte Ideen aus dem Daimler-Konzern in den Zweisitzer der Zukunft übernommen. Die Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren, per Schriftzeichen, per digitalem Augenzwinkern oder über farblicher Hinweise – das sind Basisfunktionen, die so entwickelt werden müssen, dass man damit eine Gesellschaft auch mitnimmt. Der Gedanken hinter dem smart vision EQ  fortwo ist richtig. Dass Carsharing auf eine neue Stufe gehoben wird, wenn man nicht mehr zum Auto gehen muss, sondern das Auto zu einem kommt – natürlich sinnvoll. Dass man eventuell den Wunsch verspürt, dem „rolling smart device“ eine Persönlichkeit zu verpassen, wie man es heute mit Handyhüllen tut, auch mehr als verständlich. Dass es Sinn macht, in der digitalen Vernetzung nach Lösungen zu suchen, wie man die Effizienz steigert und Fahrgemeinschaften bildet – absolut logisch. Ob man einen integrierten Desinfektions-Spender und einen Teddy-Bär Halter braucht ;)? Vermutlich nicht.

 

Aktuelle Suchanfragen:

Testfahrt: smart electric drive Cabriolet: Frischluft im Quadrat

Die Idee ist so simpel wie verführerisch: Wenn man sich schon selbst an die frische Luft setzt, sollte man dann die Luft nicht auch „rein halten“? Was liegt da näher, als einem Cabriolet einen Elektroantrieb zu verpassen? Stimmt. Für mein-auto-blog bin ich deswegen das neue smart Cabriolet mit E-Antrieb gefahren.

Test: SMART ELECTRIC DRIVE Cabriolet

Frischluft im Quadrat

Mit nur drei Modellen im Portfolio fällt es smart derzeit leicht, auch „alle Modelle“ mit E-Antrieb anbieten zu können. Was aber wirklich verlockend klingt. E-Antrieb oder Benziner, der Kunde hat sowohl beim Zweisitzer ForTwo als auch beim 4+1 Viersitzer „ForFour“ die ökologische Wahl. Wobei es eigentlich gar keine echte Wahl ist. Denn der smart gewinnt als „Elektroauto“ in allen Bereichen. Und das war bereits beim Vorgänger so.

Lautlos schnurrend zieht er tapfer beschleunigend von der Ampel los. Sein 60 kW-Motor drückt mit überzeugenden 160 Nm auf die Hinterachse, für die Stadt ist das mehr als ausreichend. Warum für die Präsentation des feschen „Elektro-oben-offen-Zweisitzers-mit-Grinse-Garantie“ jedoch ausgerechnet Genf ausgewählt wurde – man kann es nicht einmal erahnen. Genf ist die Hölle der individuellen Mobilität. Fies-kurze Grün-Phasen an der Ampel, rüpelige Diplomaten-Limousinen, laut dröhnende Supersize-SUVs, Amok fahrende Roller und Motorradfahrer und ein ewiger Verkehrsstau. Die Verkehrsplaner von Genf scheinen Autofahrer schlicht zu hassen. Und mitten drin das neue smart Cabriolet, dessen E-Variante ab 25.200 € erhältlich ist. Und ich.

Und weil das Chaos auf den Straßen von Genf nicht frustrierend genug erscheint, muss man sich auch noch mit dem Navigationssystem des smart ärgern. Seine französischen Wurzeln scheinen dem gesamten Info- und Entertainmentsystem dauerhaft die Deutsch-Französische Freundschaft ausreden zu wollen. Wie kann man als Automobil-Hersteller so eine fiese Kombination aus unterirdischer Hard- und unausgegorener Software als Serienstand verkaufen? Ernsthaft. Während sich das Navi ständig in der Straßenschlucht von Genf verrechnet, mag man als Fahrer einfach nur noch am Jet D’Eau aussteigen und sich vom nächsten Rollerfahrer erlösen lassen.

Also raus aus der Stadt. Dem angeblich idealen Lebensraum des smart electric drive. Dass sich das Dach binnen Sekunden öffnet, kann man vor der Eisdiele erleben – wer bei gut über 30° im Schatten jedoch seinen Scheitel in die Sonne hält, der findet vermutlich auch das Navigationssystem ganz „okay“. Ich nicht. Also – die dank Glas-Rückscheibe für alle Jahreszeiten sinnvolle Dachlösung wieder fix geschlossen, sich ärgern, nicht per App die Innenraumkühlung bereits vor Ort gestartet zu haben – und dem Rauschen der frischen und kühlen Luft zugehört. Denn das ist so eine Erkenntnis: Wenn man den Motor nicht mehr hört, erscheint alles andere plötzlich viel präsenter.

Auf Landstraßen zoomt sich der E-Smart locker über die 100 km/h-Marke, theoretisch wären 130 km/h machbar, doch ausgerechnet der kleine smart verkörpert die Form der genußvollen Entschleunigung. Dass der E-Zwerg binnen 4.9  aus dem Stand auf Tempo 60 sprintet, dient dem Ego am Stammtisch mindestens so gut wie dem innerstädtischen Dauerduell mit dem Amok-Zweiradfahrern.

Von den gut über 1.1 Tonnen Leergewicht des E-Smart merkt man nichts. Die Lenkung bleibt indirekt, die Federung ganz passabel, verglichen mit vorherigen Generationen jedoch geradezu fantastisch. Es ist eben immer eine Frage des Maßstabs. Dass der Kofferraum wirklich winzig ist, mag man verkraften – etwas anderes hatte ich erst gar nicht erwartet. Dass man jedoch nach Papieren gerade mal 205 Kilogramm Zuladung offeriert, verunsichert den „nicht mageren Habby“ dann doch.

Mit dem 17.6 kWh leistenden Akku soll das putzige Elektro-Cabriolet bis zu 160 km weit kommen. Realistisch erscheinen 90 bis 120 km. Und das wiederum domestiziert den lautlosen Elektro-Floh eben nicht für die Großstadt alleine. Denn nicht nur Genf ist an sich eine – doofe – Großstadt. Von daher, ganz wichtig die Anmerkung vom Autor dieser Zeilen: „Mit 90 Kilometern fährt man auch als Landbewohner locker eine Woche durch“. Und wir auf dem Land, wir haben zumindest einen Parkplatz mit Steckdose und so sind die 3.5 Stunden Ladezeit für uns kein Schrecken. Noch nicht einmal die 6-Stunden an der 230Volt-Haushaltssteckdose.

Nein – der smart als electric drive sollte nicht als Stadtbewohner alleine verstanden werden – er ist der liebenswerte Null-Emissionen-Floh, der die persönliche Mobilität mit einem guten Gewissen verbindet. Dass man dabei am besten eine profunde Ortskenntnis besitzen sollte und man das vom Kooperationspartner gelieferte Martyrium (aka Navi-, Multimediasystem) am besten ignoriert – darf man nicht vergessen. Ebenso wie die Idee: Wenn man sich schon an die frische Luft setzt, sollte man diese auch „rein halten“.

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[tab title=“Technik“]Hersteller: Smart
Typ: Elektroauto
Motor: Fremderregter Drehstrom-Synchronmotor
Leistung: 60 kW (82 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
Getriebe: Stufenlos
Antrieb: Heckantrieb
Akkutyp: Lithium-Ionen
Akkukapazität: 17,6
Reichweite elektrisch: 155 km
Verbrauch: 13 kWh/100 km laut NEFZ
Lademöglichkeit an Haushaltssteckdose: Ja
Lademöglichkeiten und Steckerarten: Haushaltssteckdose (Schuko); Typ 2-Stecker (Wallbox oder Ladesäule); Schnellladung (ab Frühjahr 2018)
Ladezeit: Haushaltssteckodse: Ca. 6 Stunden; Wallbox: Ca. 3,5 Stunden
Kaufpreis: 25.200 Euro
Batterie im Preis enthalten: Ja[/tab]
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