Suzuki Ignis 1.2 Allgrip – Grüße aus der SUV-Krabbelgruppe

Suzuki Ignis 1.2 Allgrip – Grüße aus der SUV-Krabbelgruppe

Er ist klein, um nicht zusagen ziemlich kurz, und verfügt über Allradantrieb: Der Suzuki Ignis Allgrip ist fast ein Unikat auf dem deutschen Automarkt. Mit dem Fiat Panda teilt sich der nur 3,70 Meter lange Japaner in der automobilen Krabbelgruppe die 4×4-Ecke. Mindestens 15.990 Euro werden für ihn fällig. Wir baten den seit Januar erhältlichen Kraxel-Winzling zum Alltagstest.

Suzuki bezeichnet sein jüngstes Fahrzeug als „Micro-SUV“. Mit dieser Einordnung ist klar, der Kleine musste erst einmal in die Karosserie-Muckibude zwecks Muskelaufbau. Schließlich haben SUV-Käufer gewisse Erwartungen an ihr Fahrzeug. Dazu zählen zum Beispiel beim Ignis die bullige Front, die auffällige Dachreling oder die ausgestellte Radläufe. In der von uns gefahrenen höchsten Ausstattungslinie Comfort + dürfen hier immerhin 16 Zoll große Alufelgen die Kotflügel zur Geltung bringen. Betrachtet man den Fünftürer nur von vorne und aus der Seitenperspektive geht er durchaus als Bonsai-SUV durch. Allerdings sind Konnotationen nicht martialisch, sondern als Adjektive zur Beschreibung fallen eher Begriffe wie putzig oder niedlich. Das etwas pummelig wirkende Heck müsste dagegen noch ein paar Extra-Stunden am Crosstrainer für eine Gesäßstraffung absolvieren, um zum Gesamtbild zu passen.

Einzig mit dem Fiat Panda teilt sich der nur 3,70 Meter lange Japaner in der automobilen Krabbelgruppe die 4×4-Ecke

Immerhin: Es bleibt nicht bei SUV-Design-Anleihen. Auf Wunsch wird der Ignis auch mit Allrad ausgeliefert. Bei Schlupf an der Vorderachse leitete das Allradsystem über eine Visko-Kupplung automatisch Drehmoment an die Hinterachse. Bei winterlichen Fahrbahnbedingungen vermittelt der 4×4-Antrieb ein gutes Gefühl. In Kombination mit einer Bodenfreiheit von 18 Zentimeter mutiert der Ignis zur wendigen Kletterziege auf Feldwegen oder befestigten Waldwegen, wo er rutschigen und matschigen Untergrund oder größere Schlaglöcher „trittsicher“ meistert. Ein klassischer Offroader fürs Gelände ist er natürlich nicht.

Um optisch als SUV zu überzeugen, braucht es Muckies. Die zeigt der Ignis mit seiner bulligen Front und ausgestellten Radläufe

Apropos Schlaglöcher: Mit dem Ignis wird man zum Schlaglochfinder – ob man will oder nicht. Der kurze Radstand sowie das straffe Fahrwerk sorgen dafür, dass man den Straßenzustand während der Fahrt darüber hoppelnd genau beschreiben kann. Jede Unebenheit lässt einen an das Märchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ denken und schafft Empathie für die Heldin. Bodenwellen und Querfugen kommen ebenfalls ziemlich ungefiltert und -gefedert bei den Insassen an.

Die Entscheidung, welchen Motor man wählt, fällt leicht: Es gibt nur einen 1,2-Liter-Vierzylinder – egal ob mit oder ohne Allrad. Der Sauger leistet 66 kW/90 PS. Da der Kleinstwagen trotz Allradantriebs nur 945 Kilogramm auf die Waage bringt, gelingt der Standardspurt in immerhin 11,9 Sekunden. Will man ein wenig Spritzigkeit erfahren, muss die Fünfgang-Schaltung eifrig genutzt werden, um das Drehmomentmaximum von 120 Nm abzurufen. Bei Tempo 165 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Verblüfft man auf der Autobahn andere Verkehrsteilnehmer durch flotte Fahrweise, geht die Tanknadel gleichzeitig schnell nach unten. Bei hohen Tempi fließen 7,5 Liter durch die Leitungen. Im Schnitt verbrauchten wir 6,5 Liter und lagen damit 1,5 Liter über dem Normwert.

Die Ignis kann mit Klimaautomatik, Tempomat, Audiosystem mit Navigation, Rückfahrkamera und beheizbaren Außenspiegel bestellt werden

Wenn auch der Federungskomfort noch verbesserungsfähig ist, beim Ausstattungskomfort gibt sich der kurze Japaner ziemlich erwachsen. Zumindest bei Comfort + (ab 17.740 Euro mit Allrad, ab 16.240 Euro ohne Allrad) ist fast alles drin, was Suzuki für den Ignis offeriert. Klimaautomatik, Tempomat, Audiosystem mit Navigation, Rückfahrkamera, beheizbare Außenspiegel und LED-Scheinwerfer zählen u.a. zum Serienumfang. Außerdem sind Müdigkeits-, Spurhalte- und aktiver Bremsassistent Teil der Ausstattungslinie. Die serienmäßigen hinteren zwei Einzelsitze lassen sich Längsrichtung zugunsten für mehr Beinfreiheit oder Gepäckvolumen um 16,5 Zentimeter verschieben. Das Kofferraumvolumen ist klassentypisch recht überschaubau (204 bis 1.086 Liter), leider entsteht beim Umklappen der Rücksitzlehne eine große Stufe. Das Platzangebot für die Insassen geht für die Größe des Fahrzeugs aber in Ordnung. Das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe, aber nicht in der Tiefe verstellen.

Das Navi-Infotainmentsystem wird über den großen Touchscreen bedient

Mit gut 17.700 Euro für einen Kleinstwagen spricht Suzuki natürlich nicht die Sparfüchse unter den Autokäufern an. Diese dürften eher zur Basisversion des Ignis (ab 11.900 Euro, ohne Allrad) tendieren. Wer so viel Geld ausgibt, legt Wert auf Komfort und Sicherheit – auch bei Fahrzeugen aus der SUV-Krabbelgruppe. Ach ja: Ein bisschen mehr beim Geldausgeben geht noch: Eine Metallic-Lackierung kostet 450 Euro Aufpreis, außerdem gibt es noch auf Wunsch bunte Applikationen für außen und innen, um das Fahrzeug aufzupeppen. (Elfriede Munsch/SP-X)