#BAA15 – Wenn Auto-Blogger mit der Zeit gehen

2012 haben wir den ersten Auto-Blogger Award verliehen. Das war eine tolle Idee damals. Damals haben die beteiligten Auto-Blogger die Onlinewelt überrascht. Wir haben uns ein Vorbild an der auto, motor und sport genommen und haben unseren eigenen Award verliehen. Okay, ohne Preisverleihung, ohne Pokal. Ohne Pomp. Als Bits und Bytes in den elektronischen Weiten des Webs. Toll! Ja, es war wirklich toll. Damals.

Wenn Auto-Blogger mit der Zeit gehen …

2012 waren es 27 Blogger, die sich zur „Jury“ getroffen haben. 27 Auto-Blogs, die damals noch mit Pathos, mit Leidenschaft, aber auch mit einer ganz besonderen Einstellung an dieses Thema gegangen sind.  Jan Gleitsmann von auto-geil.de hat diese Aktion damals initiiert und das Ziel war klar: Wir wollten in der Automobil-Industrie wahrgenommen werden. Wir wollten auch einen Preis verleihen. Wir wollten …

2013 war ich auch wieder dabei. Und aus den 27 Blogs wurden 31 Blogs. Es dürfte das Jahr der Auto-Blogger gewesen sein. Eine Menge frische, neue, junge Blogs und deren ebenso gut motivierte Blogger kamen hinzu. Ein paar Blogger aus dem ersten Jahr fehlten da jedoch bereits. Erste Anzeichen für die Fluktuation in der Szene. 2013 war generell ein Jahr des Umbruchs in der Blog-Szene.

2014 haben sich 28 Auto-Blogger gefunden und erneut die Awards verliehen. 

Ich war zum ersten Mal nicht mehr bei der Wahl der „Blogger Auto Awards“ beteiligt. Im Laufe des Jahres 2014 hat sich die Szene der Auto-Blogs weiter von einander entfernt als man dies je für möglich hielt. Trage ich eine Mitschuld? Sicherlich. Für mich waren viele Entwicklungen in der Auto-Blogszene unhaltbar.  Zugleich trug ich die Verantwortung für Teile dieser Entwicklung.  Meinen ersten Presse-Testwagen habe ich im Herbst 2010 von HONDA erhalten. Mit dem Start der ersten Blogs habe ich mich massiv dafür eingesetzt, die Blog-Szene zu etablieren. Mit Presse-Abteilungen viele böse, viele sinnlose eMails ausgetauscht. Im Hinterkopf immer der Gedanke: Automobil-Blogs werden im Bereich der Motorpresse so wichtig wie die großen Webseiten. Nicht wegen der Reichweite, sondern wegen dem Engagement, der Glaubwürdigkeit, wegen unserer Leidenschaft.

Auto-Blogs, quo vadis (wieder ein Katzenbaby gestorben?)

Doch was sich über die letzten 5 Jahre da entwickelt hat, das war oft nur mit Fremdschämen zu ertragen. Führerschein-Neulinge ohne technische Vorbildung wollten plötzlich die Aufgabe von gestandenen Motor-Journalisten übernehmen. Beurteilen und bewerten. Dazu eine katastrophale Außendarstellung. Sätze, die nur mit viel Mühe den Inhalt verrieten.

Nein – 2014 machte ich keinen Hehl mehr daraus, dass ich selbst nicht mehr gerne sage, was ich bin. Ein Auto-Blogger. Die Szene hat sich verwandelt. Da werden Luxus-Limousinen angefordert, Testwagen völlig verdreckt und zusammengeritten abgegeben und alles unter dem Deckmantel der „Auto-Blogs“. Danke auch.

Habe ich mich getäuscht?

Ja. Auto-Blogs sind nicht die Lösung. Nicht im allgemeinen. Viel mehr haben sich die Perlen herausgestellt. Die, die viel Arbeit in ihren Blog stecken, die mit einer guten Schreibe, die Blogs, die von „Bloggern“ geführt werden, die sich mit der Materie auskennen. Beispiele gefällig? Gerne!

Fabian von autophorie.de / Mag sein, dass er immer mal wieder mit technischen Details hadert, aber er hat eine tolle Entwicklung über die Jahre hingelegt.

Sebastian von passiondriving.de / Ein echter Petrolhead, einer, der sich mit dem Auto im Grenzbereich bewegen kann, der versteht, was im Differential vor sich geht und das dann auch noch in Worte packen kann.

Axel vom bigblogg.de / Wieder jemand, der hart am Gas bleibt, der die Technik kennt, der Benzin schnüffelt und dann nach einem Nachschlag verlangt. Ein ganz Großer.

Fabian – natürlich Fabian. Fing an mit seinem Blog asphaltfrage, landete bei Evocars, sprang in die Schweiz zum radical-mag, nach Österreich zur ehrwürdigen Autorevue und tippt nun für das neue PS-Magazin der Welt. Alles, was auf Seb und Agsl zutrifft, trifft auch auf Fabian zu. Und vermutlich noch ein wenig mehr.

Es gibt noch ein paar. Eventuell eine Handvoll. Darunter sind tolle Texter, tolle Fotografen, tolle Blogger. Oder Petrolheads mit echter Ahnung von der Materie. Aber nur selten kann einer alles gleich gut. Das gilt im übrigen auch für mich.

Über die letzten Jahre habe ich meine ganze Energie nur in diesen Blog gesteckt. Taktiken verändert, Bildsprachen ausprobiert und mittlerweile einen Weg eingeschlagen, der immer weniger mit dem „bloggen“ an sich zu tun hat. Mit Ausnahme von diesem Text. Das ist mal wieder ein „Blog-Artikel“. Frei weg, frei raus.

Vor kurzem hörte ich von einem, von mir hochgeschätzten Chef-Redakteur, die Zeit der Auto-Blogs ist vorbei. 

Beobachtet man die Szene, dann könnte man das Gefühl bekommen. Oder man schaut ein wenig tiefer und stellt fest, auch in dieser Szene findet eine Professionalisierung statt. Die einen schaffen die Refinanzierung, die anderen rutschen zurück in das Hobby-Milieu. Ist das eine davon besser als das andere? Nein. Aber es wird die Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bloggern weiter verkomplizieren. Hatte man sich gerade daran gewöhnt, auch diese „Blogger“ auf die Events einzuladen, muss man in der Zukunft wieder mehr Energie investieren. Man muss überlegen, welcher Blog ist für das Tagesgeschäft der Branche wichtig, wie eine Auto-Zeitung, wie eine Tages-Zeitung, wie ein Online-Magazin. Und welcher Blogger will nur Schnittchen und schafft Zeilen für Meilen heran. Beides kann die Industrie verwerten. Das habe ich in den letzten 5 Jahren oft genug beobachtet.

mein-auto-blog.de und die Zukunft

Ich habe gerne gebloggt. Und wenn ich diesen Beitrag hier so lese, nochmal darüber fliege, ja dann habe ich dieses Gefühl auch so ein wenig vermisst. Aber mein-auto-blog.de soll kein „Blog“ mehr sein. Ich frage mich jedes Mal, welchen Wert hat dieser und jene Artikel von mir. Ich frage mich immer wieder, für wen habe ich das geschrieben? Und wird er, der Leser, danach sagen: Jetzt bin ich schlauer? Das hat dazu geführt, weniger Gossip zu bringen. Mehr fachliche Tiefe. Das hat zu Co-Autoren geführt. Und das hat dazu geführt, dass ich die Teilnahme an den #baa15 ausgeschlagen hätte. Denn auch hier muss man sich fragen: Wofür?

Um der Industrie lieb zu spielen? Oh, bitte. 

Weil man doch nur sagen will, was man selbst toll findet? Gut, mag ein Grund sein – kommt im #baa15 aber nicht raus.

Ich vermisse die Innovationen, ich vermisse die Meinungen. Aus den Blogger-Auto-Awards von 2012 hat sich nichts entwickelt. Ohne Sinn – ohne Wert. Das ist schade.

 

 

 

 

P.S.: Und jeder der nun fragt, was bringt dieser Text dem „geneigten aber unbefleckten“ Autoblog-Leser, der auf der Suche nach Ausstattung, Fahrgefühl, Kritik und Lob hier angeschwemmt wurde?

Faire Frage. Vermutlich und im besten Fall  ein Gefühl, ein Blick „behind the scenes“ … ansonsten ist es nur ein Blog-Artikel. Und noch, ja noch, noch ist es ja „mein-auto-blog.de“ …

P.P.S.: Das Titelbild läuft unter „grumpy old man talks“ … 😉

 

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