Highlights vom Automobil-Salon in Genf

Schnelldurchlauf

Wenn du mit der Rolltreppe hinauffährst, dann hast du locker ab der Hälfte diesen typischen Messegeruch in der Nase. Es riecht nach unlängst gesägtem Holz, frisch verlegtem Teppich und überall legt sich sanft die süßliche, mal nach Kokos, mal nach exotischen Früchten duftende Note der ganzen Lackreinigungsmittel ab, mit denen eifrig die Fettpatscher von den edlen Karossen gewischt werden.

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Oben dann biegst du gleich rechts ab und wunderst dich, warum McLaren plötzlich nicht mehr da ist, stattdessen hat sich Chevrolet mächtig breit gemacht, um den neuen Camaro und vor allem die Corvette Grand Sport vorzustellen. Der Zweisitzer ist dann auch gleich so etwas wie der heimliche Gewinner des Auto Salons, denn er verpackt das, was wir eigentlich alle wollen: mächtiger Saugmotordampf unter der Haube (6.2 Liter V8, 466PS), ein absolutes Mörderfahrwerk (Z06-Teile, gegen Aufpreis Z07-Paket mit Carbonbremserei und Semislicks), dazu manuelle Schalterei. Einen Preis konnten wir ihnen noch nicht entlocken, aber er wird sicher relativ angepasst sein, vor allem im Hinblick auf die Konkurrenz. Man sollte die großsportliche Vette also im Auge behalten.

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Weiter geht es hinüber zu Hyundai. Natürlich mussten wir kurz im WRC-Simulator Platz nehmen und zeigen, dass wir eigentlich am Steuer des i20 auf den Schotterpisten dieser Welt sitzen sollten, sind dann aber vom Pedal abgerutscht und haben den Platz am Stockerl haarscharf verpasst. Traurig blieb nur ein kurzer Blick zum Ioniq. Der spacige Energiesparer bildet eine Art Plattform, bei der man wählen kann, ob man einen elektrischen, einen hybriden oder einen Stecker-hybriden Ioniq möchte. Wird seine Käufer finden.

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Gefunden hat sie bereits der Lamborghini Centenario. Das Geburtstagsgeschenk zum 100-jährigen von Ferrucio ist auch der letzte Streich vom scheidenden Chef Winkelmann. Und es ist ein Lamborghini, wie er besser nicht sein könnte. Ein Traum aus Carbon, wild gezeichnet, Felgen, auf die ein Thermomix stolz wäre, könnte er sie als Messer verwenden und natürlich: saftige Leistung. 770PS zwirbeln sie aus dem Aventador-V12. Der Preis: jenseitig, über zwei Millionen Euro. Aber die 40 Exemplare sind allesamt ausverkauft. Es hatten wohl auch andere Glückliche Geburtstag.

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Nach dem Lambo-Stand musst du dich entscheiden. Beginnst du mit dem Kleinteiligen, also die schrägen Tuner, Carrossiers oder die Megawatt-Boliden von Koenigsegg, Pagani, Rimac, Arash, Techrules und Co? Nein, lieber erst kurz beim neuen Bugatti Chiron vorbei. Zwar sieht man kaum etwas, er ist wohl wirklich die Hauptattraktion auf dem Salon, aber es reicht um, die 1500PS-Flunder kurz zu begutachten. Einsteigen würden wir eh nicht wollen, man haut sich bei diesem Dachbogen über der Tür bloß immer nur den Kopf an.

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Also rüber zu Porsche. Sie haben dort brav einen wunderbaren 718 RS60 Spyder auf dem Podest montiert, um den ewig Gestrigen ein bisschen über den Verlust zweier Zylinder im neuen Boxster zu helfen. Doch eigentlich sind sie doch eh alle bloß für den 911 R da. Vierliter aus dem GT3 RS sowieso das ganze Fahrwerk aus dem Rennjuwel und das alles diskret ohne Spoiler und mit einem Getriebe-Taktstock, den du ganz selbstbestimmt schwingen darfst. Schräg ist nur, dass der Streifen-Elfer noch mit der alten Optik daherkommt. Haben sie die anderen 911 brav vor einem halben Jahr renoviert, ist der R noch ganz der Altbackene mit breiten LED-Augenbrauen und den Schalen im Türgriff. Es sei aber schon das Serienmodell und kein Fehler des Standpersonals, die einen falschen Aussteller im Rampenlicht geparkt haben. Wir haben extra gefragt. Den Kunden ist es egal, die handverlesenen Exemplare haben wohl eh die 918-Kunden unter sich aufgeteilt.

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Über den breiten Gang geht es weiter zu Audi. Dort wartet jung, schrill und total cool der neue Q2. Wir dachten erst, dass wir uns verlaufen hätten und wähnten uns am VW Polo, doch die Ähnlichkeit am Heck soll wohl so sein. Auf jeden Fall gibt es jede Menge #hashtags, grelle Videos und stampfende Beats am Stand. Der Q2 soll gerade das junge connectivity-süchtige-urbane-Gutverdiener-Publikum ansprechen, dem ein Q3 hinten zuviel Kopffreiheit hat. So haben wir das zumindest verstanden. Er kommt übrigens auch elektrisch, Stecker-hybrid und normal hybrid. Wann das allerdings sein wird, dass wissen sie so noch nicht. Reicht eh die Versprechung, weil alle bloß die saftigen TDIs kaufen werden.

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So auch bei Bentley. Zwar gibt es da (noch) keine TDIs, aber reichlich Saftiges. Den Bentayga haben sie in einem Hinterzimmer versteckt, die Bühne sollte dem neuen Mulsanne mit seinem wahnsinnigen Kühlergrill und noch wahnsinnigeren Fußraum im Fond gehören. Wir sind mit den Zehenspitzen dennoch aus Versehen am Vordersitz hängengeblieben und wurden prompt des Feldes verwiesen. Aber nur, um in ein noch hinteres Hinterzimmer geführt zu werden, in dem der Mulsanne Mulliner auf uns gewartet hat. Endlich ein Bentley von Format. Sechs Plätze, hinten schön in Skat-Anordnung mit zusätzlichem Platz für einen Barkeeper. Wer genau war noch einmal dieser Maybach?

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Mehr im echten Leben spielt Skoda mit seiner SUV-ision. Sie werden auf Basis des MQB einen größeren Tiguan bauen, sieben Plätze montieren und mit ihm eine neue Designsprache im Interieur beginnen. Alles wunderbar, doch wir konnten uns nicht mehr recht konzentrieren, als wir diesen Spoiler an der Stoßstange gefunden hatten: Kristallglas. Echtes tschechisches Kristallglas. Chefzeichner Kaban schwärmte in den höchsten Tönen von der Brillanz, dem tollen Farbenspiel der Lichtbrechung und anderen Wunderdingen. Wir haben uns mehr darüber Gedanken gemacht, wie du zu Hause erklärst, dass du am Billa-Parkplatz leider ein bisserl zu weit vorgefahren bist und schon wieder die Scherben zusammenkehren musstest. Ob das auch mit smart-repair günstig zu ersetzen ist? Wohl kaum.

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Günstig ist dafür der neue Volkswagen up!. So neu ist zwar nicht viel, aber die Stoßstangen und Lampen haben sie geändert, das Lenkrad aus dem Golf montiert und statt eines Navigationsgeräts brauchst jetzt bloß eine App für dein Handy kaufen und montierst das Ganze oben am Armaturenbrett. VW spart eine Menge Geld, der Kunde eher nicht. Dafür gibt es endlich einen soliden Motor im up!, der 1.0 TSI mit 90PS soll die Fahrleistungen des seligen Golf I GTI erreichen. Wir sind gespannt! Auch auf den T-Cross Breeze, eine Art Polo-SUV-Cabrio und damit einem direkten Verwandten des, ähm, Polo. Und natürlich des Q2.

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Wer nun Seat, Subaru und Opel nicht links liegen lassen will, der muss schnell noch einmal quer durch die Halle, bevor er die Treppen in den unteren Teil des Salon hinabsteigt. Doch es geht schnell. Den Ateca haben wir jetzt schon oft genug gesehen, Subaru hat die Modellpalette hier und dort gestrafft und Opel feiert augenscheinlich bloß den Gewinn des „car of the year“-Awards für den neuen Astra. Die kleine GT-Studie dreht sich auch brav im Kreis, nur: auch die kennen wir schon.

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Im Untergeschoss dann erwartet uns Toyota mit einem etwas skurrilen Vehikel. So ein bisschen sind wir an den Mond-Rover erinnert, das soll wohl aber nicht das Ziel sein. Wir waren eh abgelenkt, schließlich haben wir die neue Alpine von Renault gesucht. Nur haben die Franzosen uns leider nicht den Wunsch erfüllt und unser Traumauto mit nach Genf gebracht. Stattdessen sechsundzwanzig Scenic. Ein nettes Auto, ein bisschen Van, ein bisschen SUV, aber eindeutig zu wenig Alpine. Schade.

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Honda hingegen hatte einiges an Sport zu bieten. Nicht nur den wunderschönen historischen F1, sondern auch den Civic in einer Art Type-R Stufenheck-Variante. Mit neongelben Bremssätteln. Nebenan stand der NSX. Irgendwie merkwürdig allerdings, dass sich niemand recht für ihn zu interessieren schien. Haben sie den Bogen mit den Ankündigungen vielleicht überspannt oder liegt es einfach am Preis? Über 180.000 Euro soll der wohl kosten und damit teurer als ein 911 turbo sein.

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Mehr für die Masse da schon eher die Mazda RX Vision. Weil sie den Wankel wohl einfach nicht sterben lassen wollen, haben sie uns den Mund wieder wässrig gemacht mit einer Studie, die so herrlich nach RX7 aussieht, dass wir sofort die Umfragen mit „haben wollen“ ausgefüllt haben. Daneben in uniformem rot brav aufgereiht: CX3, CX5, 2, 3, 5 und MX5. War eh eine gute Möglichkeit, sich die feinen Unterschiede mal wirklich zu merken, um dann später am Stammtisch punkten zu können, weil man der große Auskenner ist.

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Hinter Mazda dann: Ford. Voll Vorfreude auf dem Drift-Mode waren wir ein bisschen aus dem Häuschen, auch wegen der Ankündigung eines neuen, schärferen Fiesta ST. Bloß: am ersten Pressetag standen dort nur Vignale. In alle Formen und Größen. Wir waren empört, fragen nach Gummiqualm und Ladedruck, bekamen stattdessen Massagetipps, Lederpflege und einen Waschstraßen-Gutschein. Ärgerlich.

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Deshalb gleich weiter zu den Italienern. Maserati haben wir ausgeklammert, das Levante-SUV will einfach nicht so recht gefallen. Diesel, Allrad, Technik aus den USA und darauf das feinste Logo der italienischen Automobilindustrie montieren? Nein, das ignorieren wir einfach und erinnern uns daran, wie Fangio mit Lederkapperl wild driftend im 250F die Rundenrekorde auf der Nordschleife brach.

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Ferrari stand ganz im Zeichen der GTC4Lusso, sie hatten gleich zwei der FF-Faceliftmodelle dabei, um die Massen der Schaulustigen zufriedenzustellen. Wirklich spannend war das Ganze allerdings nicht, vor allem die vier Rückleuchten sind wohl eher Geschmackssache. Und nicht unbedingt unserer.

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Mehr schon der Fiat 124 Spider. Besonders als Abarth-Rallyemodell mit guten 300PS. Ein Traum, wirklich, feinstes Rennmaterial aus der Box vom Händler. Die Serien-124er sind auch voll okay, bekommen wie erwartet den 1.4 T-Jet Motor montiert und lassen so zukünftig wohl noch ordentlich Potential nach oben offen. Wir schwer für den MX5 – wenn wir auch den Japaner etwas glücklicher gezeichnet finden, der Fiat ist – gerade von hinten – doch ein wenig massiv stellenweise. Nebenan gab es dann noch die Alfa Giulia in Versionen, die man auch in Österreich auf der Straße sehen wird und nicht bloß die 500PS+ Variante mit Carbonzierrat. Doch sie ist auch als braver Diesel schön. Zum Glück.

Ebenfalls sehr schön: McLaren. Sie sind von ihrem kleinen Standplatz im oberen Bereich dorthin gezogen, wo die letzten Jahre der chinesische Shooting-Star Qoros seinen Platz hatte. Doch beim Hoffnungsträger ist es wohl bloß mehr träge, als Hoffnung und so haben sie sich gar nicht in Genf blicken lassen. Die Engländer haben dankend übernommen, anders hätte sie ihre Produktvielfalt auch gar nicht ausstellen können. Da standen also: P1 MSO, 675 LT Spider, 650S, 570S, 540C und 570GT. Von letzterem gleich mehrere. Ein schönes Bild. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bis auf den P1 eigentlich alles identische Autos sind. Doch die Zielgruppe ist alles und du bekommst bei McLaren wirklich genau das, was du willst. Oder was sie meinen, dass du brauchst.

So ist es auch bei Aston Martin. Nach gefühlten Jahrzehnten haben sie mit dem DB11 wirklich mal ein neues Auto auf die Räder gestellt. Auf den ersten Blick fremdelt man deshalb ein wenig. Man war eben an die Linien von V8 Vantage und DB9/S/Vanquish so gewöhnt. Doch die Zukunft wird gut, allein weil der neue V12-Biturbo immer noch herrlich gut klingt.

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Jaguar und Land Rover haben sich hingegen ein wenig versteckt. Man zeigt die SVR-Varianten der Geländebolzen und den erstarkten F-Type. Der F-Pace hingegen wird etwas versteckt, auch die Evoque-Cabrioletnummer ist ein wenig erkaltet. Und: den Defender hat es jetzt ja auch nimmer. Man reiche uns Taschentücher.

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Volvo nimmt uns deshalb dankend auf. Die neuen 90er-Modelle sind ein Traum. Feinstes schwedisches Design, Innenräume und Materialien, dass die deutschen Drei ganz blass um die Kühlergrills werden und dann das Ganze auch noch ohne großes Getöse. Keine laute Musik, kein grelles Licht, stattdessen einfach: Gelassenheit. Wir wären am liebsten mit dem V90 direkt vom Stand gefahren, man wollte uns aber partout den Schlüssel nicht aushändigen.

So mussten wir weiter zu Rolls-Royce, wo der Abgesang auf den Phantom gesungen wurde. Auch hier kein Schlüssel für uns. Vielleicht hätten wir unsere Schuhe besser putzen sollen?

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Egal, Citroën – oder besser: DS – halfen uns aus. Zumindest halfen sie uns rein. Wir durften im mattgoldenen DS3 Performance BRM Platz nehmen und von dort aus die e-Tense bestaunen. Dieser 500PS-Elektrosportwagen soll so etwas wie das Leitbild für die Premium-Marke der Franzosen werden. Man wird weniger göttlich, mehr sportlich in Zukunft. Aus Angst vor der Alpine? Dabei war die doch gar nicht da…

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Infiniti hatte ein komplett renoviertes Programm ausgestellt und stolz von den wachsenden Verkaufszahlen berichtet, bloß will davon auch nach Jahren der größten Anstrengung in Europa einfach nichts von zu sehen sein. Ein bisschen schade ist das schon. Findet Infiniti.

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Kia hatte in Genf den Optima als Kombi im Gepäck. Der große Passat-Konkurrent ist ein wirklich schönes Auto geworden, elegant gezeichnet, gescheit motorisiert und voll ausgestattet. Das wird funktionieren, vielleicht hätten wir das Standpersonal von Infiniti einfach mit herübernehmen sollen?

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Weiter geht es mit dem Daimler. Stolz haben sie erst ein paar bunte Smarties verstreut, um dann mit dem intelligenten Meisterwerk, was sich nach eingehendem Studium als E-Klasse entpuppte, zu werben. Daneben: das neue C-Klasse Cabrio, dass sich prima dazu eignet, die kurzsichtigen Nachbaren zu empören, die die neue Fetzendach-Variation nämlich nicht vom sündig teuren S-Klasse Cabriolet unterscheiden können. Weiter gab es den SLC und sehr große Erklärungen, warum die gestern noch Mercedes-Benz 450 AMG Sport genannten Modelle jetzt plötzlich Mercedes-AMG 43 heißen. Wir haben es nicht direkt verstanden und sind hinüber zu BMW gewechselt.

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Die Münchner feiern in diesen Tagen das 100-jährige Firmenjubiläum und schenken sich selbst einen roten i8. Augenscheinlich auch einen alten 750iL. Der zumindest stand prominent inmitten des Standes und zog unsere volle Aufmerksamkeit auf sich. Es war wirklich ein Prachtexemplar, letzte Serie, tolle Farbkombination, Neuwagenzustand. Und so ein bisschen verlegen machte der schöne E32 – deshalb, weil er der ganz eigenen Meinung nach der mit Abstand schönste BMW des Salons war.

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Doch bevor es jemand bemerken konnte, sind wir schnell zum Hinterausgang geflohen.

 

 

 

 

Alle Fotos: Tobias Heil | rennstall.info

 

 

 

 

 

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PS-Orgie in Genf

Es geht immer noch ein wenig höher, schneller und weiter!

Nach dem ersten Rundgang über den Salon kann man ihn hören: den Ölpreis. In einer Zeit, in der nicht mehr bloß einige Freaks von Disruption, Dieselgate und dem generellen Niedergang der Industrie sprechen, rollen die Fässer fröhlich scheppernd billiger denn je in den Keller.  Demut, Besserungswille, Neuausrichtung? Pah. Es wird geklotzt. Nicht so ein bisschen, sondern: richtig. Denn es zählt nicht, was irgendwer für irgendwie irgendwann zukunftsfähig hält. Es zählt einzig, was Kohle bringt. Viel Kohle. Und so war der Salon in diesem Jahr wirklich arg.

Die Lamborghini-PS-Invasion in Keilform
Centenario: Die Lamborghini-PS-Invasion in Keilform.

Fangen wir mit dem Lamborghini an. Centenario heißt das Ding, ein Geschenk zum eigenen Geburtstag, mehr aber wohl das Taschentuch, in das der scheidende Chef weinen darf, bevor er in Neckarsulm die Ingenieure zum Hoseneinkürzen bestellt. 770PS, ein beinahe lächerlicher Wert, um drei Sekunden auf hundert, mehr als 350km/h in der Spitze. Wichtiger aber: 1.900.000 Euro. Denn, wenn man schon mit so einem schwachbrüstigen Motor auskommen muss, dann muss wenigstens das Preisschild trumpffähig sein. 40 Stück werden kommen, 20 offen, 20 verklebt. Angeblich alle verkauft. Hoffentlich nicht mit diesen gelben Stickern.

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Weiter: Zenvo TS1. Wir haben uns nicht vertippt, die Dänen machen es sich bei der Namensgebung einfach etwas leichter als beispielsweise: Mercedes-Benz C 450 AMG Sport Mercedes-AMG C43, und so wird aus dem ST1 eben der TS1. Optisch hat sich nichts getan, unter der Haube allerdings. Aus dem 6.8 Liter V8, dem sie wegen des kleinen Hubraums damals mit zwei Turboladern und einem Kompressor aus dem Drehmomentloch verhalfen, wurde ein 5.9 Liter V8. Dieser dreht allerdings freier, weil sie eine flatplane-Kurbelwelle montieren, wie man sie etwa aus dem 458 Speciale kennt. Damit der alte Schraubenlader bei diesen Orgien nicht zerplatzt, spendierten sie zwei Radialverdichter. Die Leistung: je nach Größe der Fahrerunterhose. In jedem Falle aber „deutlich vierstellig“. Das halten wir zwar für übertrieben, 1300PS dürften es aber gerne sein.

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Auch nett ist der Apollo Arrow. Nachdem Gumpert erst fröhlich pleite ging, hat er mit frischem Geld einfach das Programm zum Namen gemacht und die alte Bastelbude ApolloN getauft. Um etwas mehr Aufmerksamkeit zu erwirken, brauchte es jedoch ein bisschen mehr Ladedruck. Deshalb: Arrow. Wildes Design, beste Supercar-Manier und tief im Chassis der Audi RS6-Motor ohne Zügel. 1000PS, 1000Nm, 0-200 in 8.8 und 360 ausgewunden. Das alles sicher einmal, vielleicht zweimal. Danach macht es dann irgendwo „Kubang“ (Maserati-Fahrer kennen das Geräusch) und man muss die Teile bei Audi nachbestellen, weil ApolloN in der Zwischenzeit schon wieder das Licht ausgeknipst wurde.

86. Geneva International Motor Show, 02.03.2016, Palexpo - Guido ten Brink / SB-Medien
86. Geneva International Motor Show, 02.03.2016, Palexpo – Guido ten Brink / SB-Medien

Weiter: Rimac Concept S. Es ist die scharfe Variante des Concept One. Eine Kleinigkeit über 1 Megawatt stellen vier Elektromotoren bereit. Je nach Lust und Laune der Akkus sind es genau 1380PS und 1800Nm, die den vollelektrischen Rimac torque-vectorend mit 1.4g beschleunigen können. 0-100 locker unter drei Sekunden, zweihundert nach 5.6 Sekunden (!) und in der Spitze 355km/h. Dies vielleicht aber nur theoretisch, je nach Gasfuss und Mut des Fahrers ist der 82kWh-Akku beim Hochgeschwindigkeitsversuch vielleicht schon vorher leer. Aber: man wäre schneller als Regera und Chiron. Und das trumpft.

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Eigentlich ebenfalls wie der Lamborghini mehr so eine kleine Luftpumpe: der Pagani BC. 800PS und 1100Nm sind nicht der Rede wert. Auch ihn holt der Preis zurück. 2.300.000 Euro sind fällig. Praktisch sind aber alle 20 Exemplare vergriffen. Muss man eben auf den BC Spider warten. Er wird kommen und er wird teurer. Was natürlich am Stammtisch wichtige Punkte bringt und das Leistungsloch ausbügelt.

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Solider ist da schon der neue Bugatti. Man mag vom Namen und etwas gar runden Gestaltungselementen halten, was man mag, doch: der bekannte 8.0 W16 wurde leicht überarbeitet. Vier Turbolader wie bislang, nur nicht mehr parallel, sondern je zwei zu zwei, klein und groß. Das belüftet die Brennräume besser und sorgt für etwas Drall im Kraftstoffstrudel. 1500PS und limitierte 1600Nm reißen die Sichel in 2.5 auf Hundert. 420km/h Spitze sind es dann, wenn man die richtigen Schlüssel in der Tasche und den korrekten Luftdruck justiert hat. Der Preis: irgendwo um 2.400.000 Euro.

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Darüber kann der Koenigsegg Regera aber nur Lachen. Zwar muss er sich ein bisschen von zwei Elektromotoren unter die Arme greifen lassen, verliert auch dank des Heckantriebkonzepts von der Linie ein bisschen Zeit, am Ende bügeln es die ebenfalls „gut“ 1500PS und vor allem die kombinierten 2000Nm aus: bis auf 300km/h hat der Regera den Chiron bereits wieder geschnupft (10.9 Sekunden von null auf dreihundert. Ich brauche länger zur Kaffeemaschine!). Preislich wird das Ganze trotz fehlendem Getriebe sicher auch deutlich in der zwo-Mille-Liga spielen. Alleine schon wegen der Lackierung – das wirklich sagenhaft satte Bonbonrot soll sechs Lackierern zum Meisterbrief verholfen haben.

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Das Top-Ass bringt aber Arash: den AF10 mit Warp-Antrieb. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. 2080PS, verwaltet von einer offenen Schaltkulisse und sechs manuell zu sortierenden Gängen. Die Kupplung sagt dann sicher auch artig guten Tag, wenn der aus der alten Corvette ZR1 geklaute 6.2-Liter V8-Kompressor mit seinen 900PS richtig zulangt und die vier Elektromotoren dann die fehlenden 1180PS in den Kraftschluss werfen. Die 1200Nm wirken in Summe und Konkurrenz fast schon bescheiden, aber man muss wohl wirklich auf das arme dritte Pedal aufpassen. Dafür ist der Preis ein Schnapper: bloß 1.500.000 Euro stehen auf dem Schild. Da gehen sich ein paar frische Reibscheiben aus.

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Nettester Gag, mal wieder: von den Chinesen. Der Techrules AT96 TREV. 1080 voll-E-PS. 2000 Kilometer Reichweite und 0,18 l/100km im NEFZ. Das Ganze eiskalt unterstützt von einer Strahlturbine und 80 Litern Kerosin. Das Beste daran ist, dass wir selten eine ehrlichere Pressemeldung gelesen haben. Die Technik, die in der Reichweitenverlängernden Turbine steckt ist, mehr als interessant (vor allem aber: wirklich serienfähig!), hochgescheit, keine Zukunftsmusik und das Konzept wirkt stimmig. Gut, vielleicht nicht was die Spoiler angeht, aber wir haben schon einen heißen Draht in die Entwicklungsabteilung nach Peking. Weil: tech rules!

 

Wer an dieser Stelle die McLarens, 911 Rs, Corvetten und anderes Knallwerk vermisst: sorry, die kamen mit ihren „weniger 600PS“ einfach nicht die Auffahrrampen an der Toreinfahrt hoch. Klingt komisch, ist 2016 aber so.

 

 

 

Alle Fotos: Tobias Heil | rennstall.info

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