Schweiß und Tränen, die Hamburg-Berlin-Klassik 2015

Zugegeben, die Idee war für mich erst einmal ein wenig schräg. In einem echten Rallye-Fahrzeug die Hamburg-Berlin-Klassik mitfahren. Wo sonst Youngtimer und Oldis, automobile Schätze mit mehr oder weniger Patina on Tour gehen, soll man in einem Auto, dessen Ziel in der Erreichung von Bestzeiten unter möglichst üblen Bedingungen ist, einfach so mitschwimmen? Und dann auch noch so ein „klassisches Gefährt“? Die Idee klingt nach einer Petrolhead-Idee. Eine Sache für Auto-Fanatiker mit erhöhter Leidensfähigkeit. Genau richtig für mich!

Und, es ist nicht das erste Mal. Škoda Auto Deutschland setzt den 1976 gebauten Rallye 130 RS nicht zum ersten Mal auf dieser Strecke ein. Es muss also gehen – wo sollte das Problem sein? Und was sollte schon schief gehen?

Schweiß und Tränen – im Škoda 130 RS von Berlin nach Hamburg #HBK2015

Oder: On Tour mit sieben Rallye-Meisterschaftstiteln im Gepäck!

Der erste von Hand geschriebene Eintrag im Roadbook kam nach 2.99 Kilometern, hinter dem Chinesenzeichen mit der Ampel und der Kreuzung habe ich die Notiz: “ Der Arsch tut weh“ hinterlassen. Da waren wir keine 15 Minuten unterwegs und es sollten an diesem Tag noch gut 2.5 Stunden folgen. Dabei war mir das Problem schon am Vortag, lange vor der Abfahrt zur ersten Etappe bewusst. Škoda hatte einen Rallye 130 RS mitgebracht, den Porsche des Ostblocks. Als Rallye-Fahrzeug. Mein Pilot und Teamkollege für diese Rallye, der siebenfache Deutsche-Meister Matthias Kahle, fährt mit diesem Gerät hin und wieder noch „richtige“ Rallyes. Also keine Schau- und Spazierfahrten, bei denen man die Stopp-Uhr braucht, um im Durchschnitt 16 km/h zu messen, sondern diese Dinger, bei denen Mensch und Maschine eine Einheit bilden müssen. Eng geht es daher zu. Die Sitze sind Schraubstöcke, wer da nicht mit der Hüfte einer Baby-Gazelle anreist, der bekommt ein Problem. Und dieses Problem hatte ich jetzt. Dabei hatte ich die Sitzkuhle des Schalensitzes am Vortag noch mit Styroporplatten aus dem Baumarkt aufgefüllt. Half alles nichts. Da musste ich durch.

HBK 2015 022 skoda matthias kahle klassikrallye

Was soll schon schief gehen?

Ernsthaft, diese Rallye konnte doch nur einen Sieger haben. Matthias Kahle. Und wer auch immer auf dem Beifahrersitz den Ballast mimt, segelt locker im Windschatten des Profis mit auf das Podest. Dachte ich mir so. Doch diesen Zahn zog mir Matthias frühzeitig. Er „lenke nur“ den 136 PS starken Ostblock-Porsche, für den Sieg, dafür ist vor allem der Beifahrer verantwortlich. Damit lag die Last meines eigenen Ehrgeizes auf meinen Schulter. Aber hey – 2013 habe ich die HBK bereits mit Frau und Hund gemeistert. Gut, im Gesamtergebnis dreistellig, aber wir kamen immerhin an.

Mit dem Rallye-Champ und dem Škoda 130 auf Sympathie-Tour

733 Kilometer von der Hauptstadt, über Wolfsburg, den Harz bis nach Hamburg. Eine Route, die man ruhig des öfteren fahren könnte. Eine Route mit viel Landschaft. Wenig Verkehr. Aber viel Begeisterung. Die Menschen freuten sich über das alte Blech. Vor allem im Osten der Republik konnte der Rallye 130 RS die Erinnerungen der Zuschauer beleben. Handy-Kameras wurden gezückt, gewunken, gegrüßt, gejubelt. Kinder feierten den Oldtimer. Motorsport-Fans wollten Matthias Kahle sehen. Wer diese drei Tage nicht schwitzend in einem Rallye 130 RS saß, wird nicht verstehen, welche Begeisterung ein altes Auto bei Wildfremden auslösen kann.

Schweiß und Tränen

Der Start am Olympia-Stadion führte eine Runde um diese Monumental-Stätte herum. Eine erste Wertungsprüfung inklusive. Und noch bevor es nach dieser Runde auf die Strecke gehen sollte, hatte der Rallye-Škoda sein heißes Talent bewiesen. Unfassbar viel Wärme kann der 1.3 Liter Vierzylinder im Heck produzieren. Das von jeglicher Dämmung befreite Rallyefahrzeug lässt die Insassen am Prinzip der „Verbrennung“ nicht im unklaren. 136 PS Leistung und 100 kW davon kommen als Hitze bei Pilot und Co-Pilot an. Gefühlt. 

Wann immer es der Verkehr zuließ, öffneten wir die Türen des Ostblock-Porsche. Das kam auch bei Tempo 100 auf der Landstraße vor. Schraubstock-Passung im Schalensitz und der Überrollkäfig, der mit seinen breiten Rohren den Zugang verkleinerte, sorgten für das notwendige Sicherheitsgefühl. Schnell kamen bei Ortsdurchfahrten die Fragen: „Na, keine Klimaanlage?“ Nein – der Rallye 130 RS hat nicht einmal eine Lüftung. Dafür den Kühler vorne, den Motor hinten und dazwischen heiße Wasserrohre. Das führte dazu, dass wir am Ende  öfter die Tür geöffnet haben, als die Gänge durchgeschaltet.

Hamburg Berlin Klassik Rallye Freitag
Hamburg Berlin Klassik Rallye
Freitag

Eine Klassik-Rallye dient nicht der Erzielung von V-Max-Rekorden. Reisen statt rasen ist die Devise. Und das ist gut so. Denn der Škoda Rallye 130 RS macht schon bei Tempo 106 einen Krawall, als würde eine Sojus-Rakete im Heck starten. Unfassbar. 1.3 Liter-Rabauke @work!

Am zweiten Tag ließ die Hitze die Konzentration schmelzen. Aus einer 28 wurde eine 23 und aus einer Top-Wertungsprüfung ein Totalversagen. Als Beifahrer trägt man für diese Pannen die Verantwortung. Das Handbuch gibt die Zeit und die Strecke vor, mal direkt, mal per Rechenkniff. Der Fahrer fährt – und wenn am Steuer ein siebenfacher Rallye-Meister lenkt, dann schiebt der Renn-Tscheche seine Nase genau nach 23 Sekunden durch die Lichtschranke. Dumm nur, es hätten 28 Sekunden sein müssen. Der erste Fehler schmerzt sehr. Wie oft hat man einen Rallye-Champ am Steuer? Wie oft die größte Chance auf den Gesamtsieg. Nach einem tollen 15. Platz am ersten Tag war der Ehrgeiz noch gewachsen.

Und dann dieser Schlag in die Magengrube. Kein Fahrfehler. Kein Orientierungsfehler. Schlicht die Brille nicht aufgesetzt und sich verlesen. Unfassbar.

HBK 2015 Hamburg Berlin Klassik Rallye Freitag
HBK 2015
Hamburg Berlin Klassik Rallye
Freitag

Der wunderbare Ritt auf den Emotionen

Tag 3 der Rallye, Samstag in der Früh. Trotz Fehler am Vortag auf Platz 9 vorgefahren. Jetzt galt es. Volle Konzentration. Keine Fehler. Ein Platz auf dem Podium musste am Ende das Ziel sein. Okay, wenigstens Top5. Die Vorbereitungen am Morgen zum Rallye-Samstag waren akribisch. Und falsch. Aber das wussten wir nicht, als wir zur ersten Prüfung des Tages starteten. Und gleich nach dem Start, auf dem VW-Werksgelände der erste Fehler. Das iPad, mit dem wir die Zeiten stoppten, war vom Test beim Frühstück noch auf lautlos gestellt. Irritierung mitten in einer 10-Sekunden Prüfung. Doch Rallye-Kahle Profi mit der Ruhe, die einem nur sieben Rallye-Titel einbringen und Hangover-Bjoern (ich) rissen das Ding locker runter. Prüfung eins des letzten Tages lief trotz dieser Panne gut! Ich sah uns bereits bei der Pokal-Übergabe. So lief es weiter. Routiniert sprachen wir im Auto über unsere Hobbys. Hörbücher. Weltpolitik. Das Navigieren liefe mittlerweile so nebenbei. Einen Kahle machst du mit einer Klassik-Rallye nicht verrückt. Unser Škoda 130 RS brütete uns derweil aus, wie eine liebevolle Glucke ihre Küken. Die Türen auf, wann immer es ging. Hitze und Lärm, der Rallye-Skoda kann beides. Hoch motiviert haben wir die Mehrfach-Prüfung im Heidepark in Angriff genommen. „Ein gutes Gefühl“ beim Rallye-Crack. Zuversicht beim Beifahrer. Dieses Mal würde die Autobild einem Blogger den Pokal überreichen. Klar!

Hamburg Berlin Klassik Rallye Freitag
Hamburg Berlin Klassik Rallye
Freitag

Lass uns sterben gehen..

Als wir im Hamburger-Containerhafen, Vredestein-Gelände, die letzte Prüfung des Tages hinter uns hatten, war es dann soweit. Eine Hiobs-Botschaft knallte uns zurück auf den harten Asphalt des Rallye-Lebens. Hangover-Habby und Slowhand-Kahle hatten auch am Rallye-Samstag den gleichen Fehler eingebaut wie am Vortag. Doch dieses Mal reichte ein Streichresultat nicht, der Fehler verursachte einen Doppelfehler. Maximale Strafpunkte. 5 Kilometer vor dem Ziel wollte ich einfach nur aus diesem Rallye-Dingsbums aussteigen. Mich weinend an den Hafen setzen. Das Meer suchen gehen. Sterben!

… an einem anderen Tag!

Bis wir das Ziel erreichten. Fischtown-Hamburg zeigte sich von seiner sonnigen Seite. Der Platz vor der Fisch-Auktionshalle voll mit Menschen. Nicht einmal mehr die Chance, die Türen des Rallye 130 RS zu öffen. Schwitzend, darunter verbergend die Tränen der Enttäuschung fuhren wir durch das Ziel. Emotionen geschwängert beendeten wir über 700 km. 700 km voller Emotionen, großartiger Gespräche, fantastischer Erlebnisse. Vom Himmel zur Hölle, und zurück. Schweiß gebadet vom Rallye-Skoda. Trunken voller Freude über die erfolgreichen Wertungsprüfungen. Ermattet vom Lärm des Rallye-Skodas. Am Ende kam ein Platz … ach, wen interessiert das schon?

Was sind schnöde Platzierungen, wenn du auf drei Tage mit einem siebenfachen Rallye-Meister zurückschauen kannst? Wenn du über 700 km in einem Rallye-Klassiker ausgehalten hast? Da ist Platz 27 nur eine Zahl …

Preview Hamburg-Berlin Klassik im Mini Cooper S

Erst 14 Tage liegt die Erfahrung meiner ersten Oldtimerrallye zurück und die Eindrücke sind noch gar nicht alle verarbeitet, da geht es schon bald wieder die Startrampe hinauf.
Die zum achten Mal ausgetragene Hamburg-Berlin Klassik Oldtimerrallye, kurz HBK, startet am Donnerstag den 27. August vor dem Berliner Olympiastadion zur ersten Etappe in Richtung Zielort Hamburg, wo sie am Samstag, den 29. August, nachmittags bei der Fischauktionshalle eintreffen wird.

Über die schönsten Nebenstraßen Norddeutschlands windet sich der aus gut 180 Old- & Youngtimer bestehende starke Tross, bei dem alle teilnehmenden Fahrzeuge vor 1995 gebaut sein müssen, über drei Tage und rund 700 Kilometer in die Stadt mit dem Tor zur Welt.
Ursprünglich verlief die Rallye nach ihrem Namen, also von Hamburg nach Berlin, aber da am Wochenende die Straßen in Richtung zur Hauptstadt oft verstopft sind, hat man vor einiger Zeit kurzerhand den Streckenverlauf um 180 Grad gedreht.

In diesem Jahr führen die Routen zuerst wieder von Berlin über Tangermünde nach Wolfsburg und in der zweiten Hälfte erstmals durch den Harz mit seinen malerischen Landschaften nach Hamburg. In der Autostadt gastiert das rollende Museum der Automobilwerke und Privatfahrer für zwei Nächte.

Mit dabei sind wie immer bei der Hamburg-Berlin Klassik zahlreiche Prominente aus Sport, Film und Musik, die auf historischen Fahrzeugen der Automobilhersteller an der Rallye teilnehmen. So sind erneut die ehemalige Eiskunstläuferin Katharina Witt auf einem wunderschönen BMW 328 dabei, die Boxweltmeisterin Nikki Adler in dem 70er Jahre Traumwagen BMW 3.0 CSL und Schauspieler Armin Rohde auf einem majestätischen Rolls Royce Silvercloud I DHC.

Ich selbst werde auf einem von der BMW Group Classic zur Verfügung gestellten Austin Mini Works Rallye Replica von 1968 mit der Startnummer 100 auf die dreitägige Reise gehen. Mit britischem Understatement lasse ich es auch eher gemütlich angehen und möchte einfach die Fahrt genießen. Mein Kollege Bjoern Habegger von mein-auto-blog.de steigt direkt sportlicher ein. Er sitzt auf dem Hot Seat eines Skoda 130 RS (#155) mit Vorjahressieger Matthias Kahle am Steuer. Der 7-fache Rallyemeister ist auch bei historischen Veranstaltungen meist in den Top Ten zu finden. Ich drücke die Daumen, dass Bjoern ihm aus dem Gebetbuch genannten Roadbook den richtigen Weg weisen kann und sie auch wieder im vorderen Feld landen werden.

Tagesaktuell gibt es wieder erste Eindrücke und Bilder des Tages von uns.

 

HBK2015 – Wir starten mit Matthias Kahle!

HBK2015Es ist die 8.Auflage der Hamburg-Berlin-Klassik und wieder einmal ist mein-auto-blog.de mit vor Ort und auf Achse. Hamburg-Berlin-Klassik, kurz HBK. Wir freuen uns auf eine klasse Zeit, zusammen  mit Škoda Auto Deutschland starten wir auf einem Škoda Rallye 130 RS - unser Pilot? Niemand geringeres als der siebenfache Deutsche Rallyemeister Matthias Kahle

mein-auto-blog.de wird auf der HBK2015 gleich doppelt mit von der Partie sein. Bernd Schweickard, der Lifestyle-Experte auf „mab“ und Gründer des AWR-Magazins wird auf einem „Mini“ an den Start rollen und Bjoern Habegger als Gründer von mein-auto-blog.de darf die spannende Rallye zusammen mit dem Deutschen Rallyemeister Matthias Kahle angehen! 

„Rallye-Fahrer haben doch alle einen Nagel im Kopp!“

Ein berühmtes Zitat mit unbekannten Ursprung – aber das es so ist, das habe ich bereits selbst erlebt. Im letzten Jahr hat mich Sepp Wiegand in einem Škoda Fabia Super 2000 mitgenommen, eine Erfahrung die ganz klar gezeigt hat: Rallye-Fahrer ticken einfach anders.

In diesem Jahr also Matthias Kahle. Im März geboren, wie ich. Ein paar Jahre älter und mit ein paar mehr Rallye-Meisterschafts-Titeln. Ich? Null. Matthias Kahle? Sieben!  Und weil das eh nicht zur Diskussion stand, wird wohl auch Matthias Kahle unseren Škoda 130 RS bewegen. Eventuell kann ich Matthias Kahle ja am Vorabend an der Bar genug bequatschen, damit ich auch mal in das Steuer greifen kann. Ansonsten bleibt mir die Aufgabe über, das Gebetsbuch zu lesen und die bloß nicht die Orientierung zu verlieren.

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Unser Rallye-Škoda ist im übrigen ein astreines Heckmotor-Sportgerät. Unter 900 kg leicht, und mit mehr als 140 PS aus einem 1.3 Liter Vierzylinder wird der „Ostblock-Porsche“ auf die wunderbare Klassik-Tour von Berlin nach Hamburg gehen. Das der 130 RS bis zu 220 km/h schnell sein soll, glaube ich sofort – seine klassische Coupé-Linie hat auch nach 40 Jahren nichts von seinen Reizen eingebüßt.

Wir freuen uns auf unseren Start am 27.8.2015 vor dem Berliner Olympia-Stadion!  Und Sie können mit uns „live“ dabei sein! Folgen Sie unserem Twitter-Account und unserem Instagram-Account, liken Sie uns auf Facebook und schauen Sie in den Blog!

 

 

Foto: obs/Skoda Auto Deutschland GmbH - Das Titelbild zeigt rechts Matthias Kahle, links Peter Göbel. Peter Göbel ist zugleich der Leiter der HBK-Rallye!
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Die Hamburg-Berlin-Klassik 2013 – Stars, Sternchen und Diamanten

Es war dieser eine, besondere, Augenblick der für mich fast die ganze Hamburg-Berlin-Klassik ausgemacht hätte. Im Rückspiegel sah ich einen roten Punkt. Als er näher kam wurden die kantigen Umrisse eines VW Golf 1 sichtbar. Dieses Auto würde ich immer und überall wieder erkennen. Ein Golf 1 GTI – mein erstes Auto –  doch in diesem besonderen Fahrzeug saß Hans-Joachim Stuck.

Stars, Sternchen und Diamanten

HBK Tweety der Diamant unter den Sternen

Vor mir eine schmale Holperpiste irgendwo im Nationalpark Müritz. Hinter mir, mittlerweile gut sichtbar im Rückspiegel, der rote Einser Golf GTI mit Strietzel-Stuck am Steuer. Mein Auto, ein von Mitsubishi gestellter Lancer aus dem Baujahr 1978 hatte nur 1.4 Liter Hubraum und magere 54 PS. Der GTI von Strietzel kam mit, damals sagenhaften, 112 PS immer näher. Heckantrieb im Lancer, Frontantrieb im Golf. Meine Hände umfassten das Spindeldürre Lenkrad des frühen Japaners und mit dem rechten Fuß drückte ich heftig am Vergaserzug.

Meine Frau schaute verdutzt als der Tacho des Lancer über die 100 km/h Marke sprang, während sich der kleine Vierzylinder im Bug dröhnen in unbekannten Drehzahlhöhen erhob.  Das war doch hier keine Rennstrecke, oder doch?  Unser Hund hob seinen Kopf von der Rücksitzbank und lies mir über den Innenspiegel mit mürrischen Blick ausrichten, was er davon hielt, mit dem klassischen Japaner in diesem Tempo über den besseren Ackerpfad zu holpern. Zwischenzeitlich berührte die Blatt gefederte Starrachse den Untergrund nur noch, wenn aufgrund von zu langen Luftsprüngen das Tempo abrupt einbrach. Während ich im Wahnwitz an die Interviews von Rallye-Legenden zurückdachte, der Tacho zeigt mittlerweile eine unangebrachte Geschwindigkeit an – wurde mein Tagtraum von einem gällenden: „BJÖÖÖRNN!!“ unterbrochen. Die Stimme meiner Frau.

„Das ist keine echte Rallye – und unser Hund will gleich aussteigen“.

Sie hat ja recht. Der gute Stritzel-Stuck wird von meiner Fahrweise nichts mitbekommen haben, hätte er mitspielen wollen, er wäre vermutlich mit seinem GTI einen Kreis um mich gefahren, während ich mich im Kampf mit dem verschnupften Vergaser und der Starrachse befand. Aber so ist das eben. Auto fahren kann ich nur mit Leidenschaft. Und wann hat man schon einmal einen H.J.-Stuck im Rückspiegel. Meine Frau lies mir meinen Tagtraum, während sich unser Hund wieder auf der Rücksitzbank lang machte und ich das Tempo auf angebrachte 80 km/h schrumpfen lies.

HBK 2013 Team Tweety Mitsubishi

Hamburg-Berlin-Klassik

Reisen, statt rasen. So waren die Worte von Rallye-Legende Peter Göbel zwei Tage zuvor. Es geht nicht um die Erreichung von Höchstgeschwindigkeiten. Eine Klassiker-Rallye wie die sechste Auflage der HBK dreht sich um den Spaß an der Ausfahrt. Geschicklichkeit und gemeine Sonderprüfungen.

Und natürlich:  Sehen und gesehen werden.

So nehmen auf Einladung der Hersteller auch viele Promis an dieser etablierten Oldtimer-Tour teil. Der TV-Koch Horst Lichter zum Beispiel, oder die Eis-Prinzession Kathi Witt. Und im Wagen mit der Startnummer 158, meine Frau, mein Hund und ich. Unseren Zitronen gelben Lancer aus dem Jahre 1978 haben wir am Abend zuvor auf den Namen Tweety getauft. Tweety auf großer Tour. 3 Tage zwischen Hamburg und Berlin unterwegs in einer wundervollen Region rund um den Nationalpark Müritz und der Mecklenburgischen Seenplatte.

HBK 2013 ankunft in Schwerin

Rallye-Lehrstunde

Das der Erfolg bei einer derartigen Klassik-Rallye nur wenig mit der Artistik hinter dem Volant zu tuen hat, musste das Team Mitsubishi 2 im gelben Tweety schon am ersten Tag erfahren. Anstatt möglichst flink um die Hecke zu rutschten und die Fahrbahn nur noch für grobe Richtungsänderungen zu berühren, sind Geschick, Zeitgefühl und Kopfrechnen angesagt.

Doch zuerst musste eine Fremdsprache gelernt werden: Die Chinesen-Zeichensprache. Diese sparsam gemalten Hieroglyphen sagte uns, wo wir lang mussten und wer meinte, er könne ja einfach den Zielort im Handy-Navi einprogrammieren, der würde Strafpunkte im Abo sammeln. Denn nicht nur die Wertungsprüfungen mussten nach Rallye-Plan gefunden und gefahren werden, auch Durchfahrts-Stationen im hintersten Winkel von Mecklenburg-Vorpommern warteten auf die Rallye-Karawane.

Und hier sammelten meine Frau, der Hund und ich dann doch noch mehr Emotionen, als beim Treffen mit Strietzel. Ganze Schulklassen warteten auf die muntere Karawane und in jedem Ort wurden die Campingstühle an die Straße gestellt. In einem Ort fuhren wir einen 30 Meter langen Spalier von Kinderhänden ab, die durchgestreckt durch den Pausenhof-Zaun, abgeklatscht werden wollten.

HBK Team Tweety

Einmal Pop-Star – my five minutes of fame – Team Mitsubishi

Die Organisatoren haben auch bei der sechsten Hamburg-Berlin-Klassik ganze Arbeit geleistet.  Das meine Frau, der Hund und ich teilnehmen konnten, haben wir Mitsubishi-Motors Deutschland zu verdanken. Zum Glück hatte Mitsubishi nicht nur den „Tweety-Lancer“ mitgebracht. Mit der Startnummer 155 dabei, das Team „Buck“ auf einem silbernen Galant, ebenfalls aus dem Jahre 1978. Am Steuer Bettina Buck und mit dem Gebetsbuch und der Stopp-Uhr in der Hand auf dem Beifahrersitz: Ingo Buck. Beide gehören nebenbei zu den Köpfen hinter der „Nord-Europäischen E-Mobil Rallye„. Gleichwohl meine Frau und ich (und unser Hund) bereits nach dem ersten Tag mit sportlichem Ehrgeiz bis zur Oberkante der Unterlippe angefüllt waren – gelang es uns nicht, der schon fast gespenstischen Erfolgsspur der beiden Nordlichter zu folgen.

Am Ende landete das Team 155 („Brave Bucks in a Mitsubishi„) sogar auf dem Gesamtrang: 19! Tweety und meine Crew – wir hakten die Rallye bei der Feier am Samstagabend in der Fischmarkthalle ab. Der Platz 129 kann nur als eine wenig erfolgreiche „Übung“ angesehen werden.  Auf der anderen Seite – wir wurden nicht „Letzter“. Dieses Privileg fiel einem Star der Rallye zuteil: Horst Lichter auf seinem Bentley Petersen Speed Six – powered by Dunlop.

Horst Lichter kam deswegen auch zuerst zu Wort, als ich O-Töne einsammelte:

Das sagen die Promis

„Eigentlich hätten wir ja gewinnen müssen, denn zum ersten Mal hatte ich auf meinem Bentley einen völlig neuen Reifen von meinem Partner Dunlop. Wir hatten damit Grip ohne Ende, vor allem im nassen und ganz unter uns: Wenn der Reifen scheiße gewesen wäre, dann hätte ich das jetzt auch gesagt. So aber bleibt nur zu sagen: Diese Hamburg-Berlin-Klassik führte uns durch eine wunderschöne Landschaft.“

Horst Lichter | TV-Koch | Unterwegs mit der Startnummer 120

HBK 2013 Horst Lichter Bentley Klassik

Deutlich besser platziert, Ex-DTM Pilot „Jockel“ Winkelhock:

Das waren drei geile Tage „pures Auto fahren“ in einer der schönsten Landschaften Deutschlands. Ein Auto zu fahren, das völlig ohne elektrische Helferlein auskommt, das ist einfach die pure Lust. Da muss man am Anfang umdenken, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, genießt man es einfach nur noch!

Joachim Winkelhock | Rennfahrer | Unterwegs mit der Startnummer 97

Gewinner der HBK 2013:

Gewonnen hat die sechste Hamburg-Berlin-Klassik im übrigen Matthias Kahle auf einem Škoda 130 RS mit der Startnummer 153 und nur 539 Strafpunkten. Um das entsprechend würdigen zu können, muss man wissen, dass das Team Tweety an nur einem Rallye-Tag doppelt so viele Strafpunkte kassierte – es bleibt also viel Platz für Verbesserungen.

Oder lag es eventuell an unseren Vorbereitungen, wie ich bei der Schlussfeier erfuhr, war das Team mit der Startnummer 153 nur selten vor 4 Uhr in der früh aus der Bar verschwunden …

 Wer alle Ergebnisse im Überblick sehen will, folge bitte diesem Link.

Dunlop Reifen

 

 

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Volkswagen Klassiker bei der 6. Hamburg-Berlin Klassik

180 Teams in historischen Fahrzeugen bis Baujahr 1993 gehen bei der diesjährigen Hamburg-Berlin Klassik an den Start. Darunter sind – neben anderen Modellen des Volkswagen Konzerns – auch drei Fahrzeuge aus dem „Rollenden Museum“ von Volkswagen Classic und zwei Bullis aus Hannover.

  • Volkswagen Klassiker bei der 6. Hamburg-Berlin Klassik

  • Großes Klassikerevent mit zahlreichen Fahrzeugen der Volkswagen Konzern-Marken 

  • Hans-Joachim Stuck startet in seinem VW Golf GTI von 1983

Volkswagen Klassiker bei der 6. Hamburg-Berlin Volkswagen Klassiker bei der 6. Hamburg-Berlin Klassik 02 hbk 2013

Zum inzwischen sechsten Mal startet die Hamburg-Berlin Klassik. Erstmals führt die Strecke „andersherum“ – von der Hauptstadt Berlin über die Mecklenburgische Seenplatte bis in die Hansestadt. Der Startschuss fällt am 19. September am Berliner Olympiastadion. Das erste Tagesziel der dreitägigen Rallye ist Göhren-Lebbin im „Land Fleesensee“ – Deutschlands größte Ferien- und Freizeitanlage. Am zweiten Rallyetag fahren die Teilnehmer entlang der landschaftlich reizvollen Region rund um die Müritz. Und am letzten Tag, dem 21. September, führt der Weg über Schwerin nach Hamburg. Dort werden die Teilnehmer am Nachmittag an der historischen Fischauktionshalle erwartet.

Aus dem „Rollenden Museum“ von Volkswagen Classic nehmen an der Hamburg-Berlin Klassik drei Fahrzeuge mit luftgekühlten Motoren teil. Neben einem 1968er Karmann Ghia Cabriolet aus brasilianischer Fertigung startet ein 1974 in Osnabrück gebautes Typ 14 Coupé aus der Werkssammlung. Mit deutlich mehr Power nehmen zudem ein 1956 gebauter Mille Miglia Käfer mit 75 PS und ein marsroter VW Golf GTI mit 112 PS teil, der von seinem Besitzer Hans- Joachim Stuck pilotiert wird. Aus dem Bestand von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer gehen ein 1963er T1 Samba und ein 1972er T2 an den Start. Dazu kommen sechs klassische Käfer aus der Sammlung der Autostadt, die erneut als Hauptsponsor der Hamburg-Berlin Klassik auftritt.

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HBK 2013- Die Strecke

Hamburg-Berlin Klassik 2013 - Mit mitsubishi

Von Hamburg nach Berlin ging es fünf Jahre lang. Im sechsten Jahr der Hamburg-Berlin Klassik hat der Veranstalter die Route auf den Kopf gestellt. In diesem Jahr startet die Klassiker- und Youngtimer-Rallye in Berlin und das Ziel ist in Hamburg die Fischauktionshalle.

Am Donnerstag den 19.09.2013 geht es am Olympiastadion in Berlin los, das Ziel lautet „Nationalpark Müritz“. Der Freitag (20.09.2013) wird rund um den Nationalpark verbracht und erst am Samstag in der früh geht es auf die letzte Etappe nach Hamburg.

Die Route:

hamburg berlin klassik route strecke

 

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183 gemeldete Fahrzeuge für die HBK 2013

Schaut man sich die Teilnehmerliste für die 6. Hamburg-Berlin Klassik an, dann beeindruckt zuerst einmal die pure Menge der gemeldeten Fahrzeugen.

183 Fahrzeuge wurden gemeldet, jeweils besetzt mit einem Zweier-Team. Die Hamburg-Berlin Klassik ist keine Rallye bei der man unter Feuerfesten Overalls schwitzend von Bestzeit zu Bestzeit hechelt. Die Teilnehmer erwartet eine unterhaltsame Streckenführung mit Wertungsprüfungen bei denen die Besatzungen der Fahrzeuge als Teams zusammen spielen müssen. Über die einzelnen Prüfungen und den Ablauf werde ich während der Rallye noch ein paar Worte schreiben.

Hamburg-Berlin Klassik 2013 - Mit mitsubishi

Startnummer 158 – Mitsubishi Lancer

Zwei von 366 teilnehmenden Rallye-Piloten tragen den Namen „Habegger“.  Auf einem Mitsubishi Lancer des Jahres 1978 (drei Jahre jünger als der Pilot) werden wir die Rallye von Berlin nach Hamburg bestreiten.

Wer und was fährt sonst noch mit?

Bei einem so großen und bunten Starterfeld ist es nicht ganz einfach, alle Teilnehmer vorzustellen, ein paar herausragende will ich dennoch erwähnen.

Mit der Startnummer 1 auf einem Hudson Great Eight Coach, Heidi Hetzner mit ihrem Rallye erprobten Beifahrer Reinhard Hainbach. Bernd Wieland von der Autobild wird sich auf einem VW Käfer mit der Startnummer 38 beweisen. Christian Geistdörfer war lange Zeit der Co-Pilot von Rallye-Legende Walter Röhrl, bei der HBK 2013 wird er auf der Startnummer 39 einen 1302 Rallye-Käfer fahren.

Ex-Tourenwagenpilot Jockel Winkelhock ist mit der 97 auf einem Opel GT gemeldet und Lina van de Mars fährt auf dem Volvo PV544 mit der Startnummer 71 mit.

Und auf einem Golf GTI 1 wird Hans-Joachim Stuck in das Lenkrad des Fahrzeug mit der Startnummer 173 greifen.

Eine bunte Mischung aus interessanten Fahrzeugen und bekannten Persönlichkeiten. 

Mehr über unseren Mitsubishi Lancer, die Rallye und Fotos live vom Event, wird es natürlich zeitnah im Blog geben, auf eine spannende Rallye!

Und Danke an Mitsubishi-Motors Deutschland und Dunlop, die meiner Frau und mir die Teilnahme an der HBK 2013 ermöglicht haben.

 

Hinweis zum Titelbild: By Charles01 (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons