Sportwagen statt Erbe – Wenn Auto-Liebe zu weit geht

Sportwagen statt Erbe – Wenn Auto-Liebe zu weit geht

Ein emotionaler Sportwagen kann einem schon mal die Sinne vernebeln. Ein Zahnarztsohn aus Westfalen hatte aber das Glück, dass das Oberlandesgericht Hamm seiner Auto-Vernarrtheit Grenzen gesetzt hat.

Der gerade 18-Jährige hatte sich in den frisch erworbenen Nissan GT-R seines Vaters verguckt. Dieser nutzte offenbar die Gelegenheit und versprach dem Sohn den Wagen als Geschenk zum 25. Geburtstag, wenn dieser im Gegenzug auf sein Erbe verzichte. Als zusätzliche Bedingung stellte der Zahnarzt, dass sein Sohn seine Ausbildung mit Bestnote abschließen solle. Der junge Erwachsene ging zunächst auf den Vorschlag ein, woraufhin ein notariell beglaubigter Vertrag abgeschlossen wurde.

Kurze Zeit später bereute der Sohn den Handel und klagte auf Aufhebung des Vertrags. Das Oberlandesgericht gab ihm nun in zweiter Instanz recht. Die Abmachung sei sittenwidrig und daher nichtig. Die Richter sahen bei ihr ein erhebliches Ungleichgewicht zu Lasten des Klägers. So sei etwa der Erbverzicht sofort wirksam, während die Gegenleistung nur unter der Erfüllung mehrere Bedingungen eintrete, so dass der Vater den Erbverzicht unter Umständen unentgeltlich erlange. Zudem sei zu berücksichtigen, dass das zum Neupreis von rund 100.000 Euro gekaufte Fahrzeuge enorm an Wert verloren haben werde, wenn es schließlich in den Besitz des Sohnes übergehe.

Das Gericht befand auch, die Umstände des Vertragsabschlusses zeigten, dass der geschäftsgewandte Vater die jugendliche Unerfahrenheit seines Sohnes zu seinem Vorteil ausgenutzt habe. So habe er sich die Begeisterung des Klägers für den Sportwagen zu Nutze gemacht und durch die Anschaffung des Fahrzeugs im Vorfeld des Vertrages noch gefördert. (Az.: 10 U 36/15) (Holger Holzer/SP-X)

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SP-X Redaktion | Holger Holzer
Dieser Artikel stammt aus der SP-X Redaktion von Holger Holzer