Volvo und der Klubb90 – Kleine Tour statt IAA

Volvo und der Klubb90 – Kleine Tour statt IAA

Volvo geht neue Wege. Das gilt nicht nur für die technische Neuausrichtung in der Oberklasse, sondern auch für die Vermarktung der Premium-Produkte. Begnügten die Schweden sich bei der Einführung des XC90 noch mit einem Sneak Preview für aktuelle Volvo-Besitzer, so werden die S90-Limousine und der dazugehörige Kombi-Ableger V90 gerade in einer Klubb90 genannten Tour mit neuartigem Konzept präsentiert. Und zwar lange vor dem Verkaufsstart Ende Juli (S90) beziehungsweise Ende September (V90).

„Die Resonanz ist großartig“, zieht Marketing-Manager Patrick Wendt nach sechs von zehn Veranstaltungen in deutschen Städten eine überaus zufriedene Zwischenbilanz. „Ohne spezielle Werbemaßnahmen rechnen wir insgesamt mit mehr als 5.000 Gästen bei den zehn Events.“ Neben geladenen Volvo-Kunden konnten sich diesmal auch markenfremde Neugierige über die Volvo-Website anmelden. Bis zu zwei Dritteln der rund 500 abendlichen Besucher hätten dabei angegeben, ein Fahrzeug „einer Premium-Marke aus dem Süden Deutschlands zu fahren“, wie es Wendt formuliert.

Genau das sei schließlich Sinn und Zweck der aufwendigen Aktion. Um mit dem S90 und V90 die geplanten Stückzahlen zu erreichen, müsse Volvo zwingend auf Eroberungstour gehen. Die bisherige Kundschaft zu überzeugen, sei kein Problem. Allerdings wurde ein S80 zuletzt eher in homöopathischen Dosen abgesetzt, und viele Interessenten müsse man noch immer überzeugen, dass die schwedische Marke keine kantigen Kastenwagen mehr baut. „Und da passt dieses Konzept hervorragend“, ist Wendt überzeugt. „Das Geld, das wir einsparen, weil wir nicht mehr auf jeder Automesse antreten, können wir hier viel sinnvoller einsetzen.“ Dass die Schweden auf der vergangenen IAA als einzige große Automarke nicht vertreten waren, dürfte ihnen immerhin geschätzte Kosten in Höhe von mindestens 10 Millionen Euro erspart haben.

Bei Drinks und Schnittchen lässt sich hervorragend über den nächsten Neuwagen nachdenken
Bei Drinks und Schnittchen lässt sich hervorragend über den nächsten Neuwagen nachdenken

Clou der neuartigen Event-Präsentation ist neben einem ersten Probesitzen in den neuen Autos und den vier Erlebnisinseln zu den Themen Design, Plug-in-Hybridantrieb im T8-Modell, Infotainment sowie die Intelli-Safe-Sicherheitssysteme vor allem der erstmalige Einsatz der „Augmented-Reality-Brille“ (erweiterte Realität) in Deutschland. Die 2015 beschlossene Kooperation mit Microsoft, die auch die Entwicklung neuer Automobiltechniken beinhaltet sowie autonome Fahrsysteme und die Nutzung von Daten vernetzter Fahrzeuge voran bringen soll, macht’s möglich.

Diese „HoloLens“ genannte Brille vermischt Animationen mit der Realität. Sie hilft dem Träger, ein Fahrzeug exakt nach den eigenen Vorstellungen zusammenzustel-len und es virtuell in einem „realen Umfeld“ zu betrachten, Farben und Felgen zu vergleichen sowie besondere Eigenschaften, Services und Optionen kennenzuler-nen. Auch wie Assistenzsysteme funktionieren oder wie später einmal vernetzte Fahrzeuge miteinander kommunizieren werden, gewährt der Blick auf den virtuellen Volvo S90. Eine Testfahrt in der digitalen Kunstwelt hinter dem Steuer der Limousine war im Klubb90 allerdings noch nicht möglich. Das hätte auch zeitlich den Rahmen gesprengt und die Geduld der anstehenden Gäste in den Warteschlangen noch mehr strapaziert. (Michael Lennartz)

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SP-X Redaktion

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Volvo XC60 – Das kostet das Schweden-SUV

Noch im April 2017 startet Volvo die Produktion des neuen XC60. Die zweite Generation des SUVs rollt im Volvo-Stammwerk im schwedischen Torslanda vom Band. Der Marktstart des mit vielen neuen Assistenz-Systemen ausgerüsteten XC60 – unter anderem geht es teilautonom bis auf 130 km/h – ist für den Sommer geplant. Los geht es bei 48.050 Euro. Immer an Bord: Allradantrieb und Achtgangautomatik. Das alte Modell gab es bereits ab 36.400 Euro, allerdings nur mit Frontantrieb.

Der neue XC60 teilt sich die Basis mit dem größeren XC90, es kommen ausschließlich Vierzylinder-Motoren zum Einsatz. Der Einstiegs-Diesel leistet 190 PS, der kleinste Benziner 235 PS. Der T8-Pug-in-Hybrid schafft es dank 407 PS in 5,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. (Max Friedhoff/SP-X)

Volvo XC60 – Von wegen alter Schwede

Zwar war der Volvo XC60 bislang klar als Volvo zu erkennen und auch immer noch attraktiv, doch sah man ihm mittlerweile an, dass er nicht mehr recht ins Design passt. Die mittlerweile typischen Proportionen und Design-Elemente fehlten ihm. Doch nun zeigen die Schweden die zweite Generation des Bestsellers in Genf und schlagen damit voll ein. Wir schauen uns an, ob der neue Volvo XC60 auch das Potential hat, zum Bestseller zu werden, wie es die erste Generation vorgemacht hat.

Neun Jahre war der Volvo XC60 ohne großartige Veränderungen im Programm. Zwar wurde der Mittelklasse-SUV stetig Modellpflegen und Detailverbesserungen unterzogen, doch die Produktionsdauer von neun Jahren ist nicht gerade kurz im Automobil-Business. Das ändert trotzdem nichts daran, dass der XC60 das bestverkaufte Modell der Schweden ist – im letzen Jahr sogar mit einem neuen Verkaufsrekord.

Auch der Volvo XC60 trägt Scheinwerfer im Thors Hammer Design.

Bislang der Besteller um Hause: Der Volvo XC60

An diese Erfolge möchte Volvo natürlich anknüpfen und präsentiert auf dem Genfer Automobilsalon die zweite Generation des Bestsellers. Und die kann sich sehen lassen. Zwar wirkt der Volvo XC60 wie ein geschrumpfter Volvo XC90, doch hat man es nicht versäumt, die Proportionen etwas zu schärfen und so für einen gewissen Grad an Eigenständigkeit zu sorgen. Natürlich fährt der SUV mit dem klassischen Kühlergrill und den mittlerweile dazugehörenden Scheinwerfern in Thors Hammer Design vor. Ihr LED-Tagfahrlicht wirkt nicht nur prägnant, sondern ahmt die eiserne Keule der nordischen Gottheit nach.

Das alles wirkt so vertraut wie die aus den Brüdern S90/V90 und XC90 bekannte Sicherheitsausstattung. Doch hier kann der Volvo XC60 noch mehr punkten und legt nach. So fährt er zusätzlich mit der „Oncoming Lane Mitigration“ vor, die einen Zusammenstoß mit entgegenkommenden Fahrzeugen unterbinden soll. Hinzu gesellt sich eine neue Ausbaustufe des Toter-Winkel-Warners: Das System wird um einen Lenkeingriff erweitert und damit zum aktiven Assistenzsystem. Unter diesen Begriff lässt sich auch das „Pilot Assist“ fassen. So ausgerüstet, kann der Volvo XC60 – optional – bis 130 km/h nahezu autonom fahren.

Motoren von 190 bis 407 PS Leistung

Typisches Volvo-Heck mit L-förmigen Rückleuchten.

Gewöhnt haben wir uns daran, dass in allen Volvo-Baureihen nur noch Vierzylindermotoren mit 2.0 Litern Hubraum und Aufladung zum Zuge kommen. Eine kleine Träne weinen wir den alten Fünfzylinder-Motoren aber dennoch nach. Aber bleiben wir in der Gegenwart: Alle Aggregate des neuen Volvo XC60 werden mit einer 8-Stufen-Automatik und Allradantrieb vorfahren. Den Start bildet auf der Seite der Diesel der D4 mit 190 PS und wird vom D5 mit 235 PS und Powerpulse-Technologie getoppt. Bei den Benziner geht es mit dem T5 und 254 PS los. Darüber rangieren der T6 mit Turbo-Kompressor-Aufladung und 320 PS sowie der T8 TwinEngine. Der Plug-In Hybrid leistet 407 PS und soll den Schweden in 5,3 Sekunden auf 100 km/h wuchten.

Cool, aber wohnlich: Der feine Innenraum des Volvo XC60.

Klassische Werte zeigt der Volvo XC60 hingegen im Innenraum. Hier punktet die zweite Generation mit einer unaufgeregten Gestaltung ebenso wie mit einer tollen Verarbeitung und einem großen, vertikalen Touchscreen. Günstig ist das Vergnügen hingegen nicht: Los geht es bei rund 48.000 Euro. Doch ist die anvisierte Konkurrenz vom Schlage eines Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes-Benz GLC kaum günstiger.

Straffe Proportionen mit Hang zum XC90: Der neue Volvo XC60.