News: Volvo XC90 – Der Fürsorgliche aus dem Norden

News: Volvo XC90 – Der Fürsorgliche aus dem Norden

Leicht gemacht haben es sich die Schweden nicht bei der Neuauflage ihres großen SUV. Die zweite Generation des XC90 hat mit der ersten außer dem Namen nichts gemein. Erstmals wurde nicht nur das Auto, sondern auch Motoren, Getriebe und die gesamt elektronische Infrastruktur neu erstellt. Das Design ist erfreulich sachlich und dürfte auch so manchem Audi-Fan gefallen. Überhaupt scheint der große Schwede in Sachen Wettbewerb mehr auf den Ingolstädter Q7 denn auf BMW X5 oder Mercedes GLE zu zielen. Mit 4,95 Metern in der Länge übertrifft er jedenfalls alle außer dem Audi. Mit einem Basispreis von 53.400 Euro in der mittleren Ausstattung liegt er auf Wettbewerbsniveau oder leicht darunter.

Wer so viel Auto kauft, will vor allem eines: Platz. Und den bietet der bislang größte Volvo reichlich. Auf allen fünf Plätzen (zwei weitere im Kofferraum sind optional buchbar) sitzen Erwachsene gut, mit den üblichen Einschränkungen für den Mittelplatz hinten. Dort möchte man – wie in allen Autos – keine langen Reisen absitzen. Für den Hausgebrauch und kleinere Touren taugt aber auch dieser Sitz. Vorne sitzt man hervorragend auf vielfach elektrisch verstellbarem Gestühl. Für uns könnten die Wangen auf der Sitzfläche allerdings etwas flacher sein.

Auf allen fünf Plätzen (zwei weitere im Kofferraum sind optional buchbar) sitzen Erwachsene gut
Auf allen fünf Plätzen (zwei weitere im Kofferraum sind optional buchbar) sitzen Erwachsene gut

Platz ist auch im Kofferraum das große Thema. Zwischen 721 und 1.886 Liter fasst das Gepäckabteil. Damit übertrifft er die meisten Wettbewerber locker. Reist man als Paar für wenige Tage, dürften die dazu nötigen Koffer hinten latent vereinsamen.

Reisen ist überhaupt das Thema mit dem SUV. Vor allem auf Autobahnen glänzt der XC90, wenn er nicht gerade durch Baustellen muss. Für die Stadt oder auch kleine Landsträßchen ist er nicht vorgesehen. Urbane Parkhäuser, auch neuere, passen nicht zu einem Auto, das über zwei Meter breit ist. Nach vorne ist die Sicht noch ok, das Heck verliert sich indes in den Weiten des Kofferraums. Beim Rangieren, nicht nur in engen Parkhäusern, hilft das optionale Rund-um-Kamera-Paket (1.100 Euro), das wir unbedingt empfehlen würden.

Dass Volvo in Zukunft nur noch relativ kleine Vier- oder weniger-Zylindermotoren anbieten wird, ist schon hinreichend bekannt. Im Fast-Fünfmeter-Auto XC90 arbeiten jedenfalls ausschließlich aufgeladene Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum. Im Falle unseres Testwagens mit Verbrennung im Dieselprinzip, 165 kW/225 PS und 470 Newtonmetern Drehmoment.

Das Design ist erfreulich sachlich und dürfte auch so manchem Audi-Fan gefallen
Das Design ist erfreulich sachlich und dürfte auch so manchem Audi-Fan gefallen

Wir sind zwar im Bereich der Reise-SUV schon mit höheren Werten konfrontiert worden, aber der schwedische Vierender macht seine Sache gut. Da es Volvo geschafft hat, das Gewicht des XC90 um zwei Tonnen zu halten und zugleich die acht Stufen des Automatikgetriebes so abzustimmen, dass sie einerseits für hinreichende Spritzigkeit kurz- und für niedrige Drehzahlen auf Reisen lang genug übersetzt sind, entpuppte sich das optische Schwergewicht als erstaunlich leichtfüßig auf der Straße.

Zur Not sprintet der XC90 in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo und rennt auf der Autobahn 220 km/h, nach Tacho sogar etwas mehr. Dabei klingt der Vierzylinder zurückhaltend kernig, aber nie störend. Was nicht zuletzt daran liegt, dass bei Geschwindigkeiten um 180 km/h noch lange keine 3.000 Umdrehungen anliegen. Womit wir wieder beim Thema Reisen wären. Mit dieser Motor-Getriebe-Kombination legt man lange Strecken schnell, entspannt und relativ sparsam zurück. Im Mittel flossen 8,6 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen, was absolut in Ordnung ist, da wir die möglichen Fahrleistungen immer wieder ausnutzten. Legt man es darauf an besonders sparsam unterwegs zu sein, schafft man dem Bordcomputer zu Folge auch eine niedrige Sechs vor dem Komma, was nicht weit weg ist vom Normverbrauch 5,8 Liter.

Nicht ganz so überzeugend beim Thema Reisen agierte das Navigationssystem. Gleich zweimal auf einer Tour verlor es uns gewissermaßen aus den Augen und wähnte den XC90 deutlich abseits der Straße. Ein Bug, der mit dem nächsten (Online)-Update zu beheben sein wird. Diesbezüglich muss man sich ohnehin bei modernen Autos daran gewöhnen, dass sie jetzt und in Zukunft immer mehr zu rollenden Computern werden und entsprechende Anlauf- und Updatezeiten brauchen.

Volvo legt in Sachen Menüführung schon mal vor und hat alle wesentlichen Bedienelemente des Fahrzeugs – sieht man von allem, was mit dem unmittelbaren Fahren zu tun hat ab – in einer Art iPad gebündelt. Dessen Menüstruktur mit Hin- und Her- oder Rauf- und Runter-Wischen ist zwar nicht so intuitiv bedienbar wie es die Schweden gerne hätten, aber man kommt immerhin ohne langes Nachlesen damit zurecht und findet auch die gut versteckten Verstell-Optionen für das sehr empfehlenswerte Head-Up-Display. Dort werden zuverlässig auch die Verkehrszeichen eingeblendet, an deren Einhaltung uns auch das eine oder andere Assistenzsystem immer wieder gerne erinnerte.

Volvo legt in Sachen Menüführung schon mal vor und hat alle wesentlichen Bedienelemente des Fahrzeugs – sieht man von allem, was mit dem unmittelbaren Fahren zu tun hat ab – in einer Art iPad gebündelt
Volvo legt in Sachen Menüführung schon mal vor und hat alle wesentlichen Bedienelemente des Fahrzeugs – sieht man von allem, was mit dem unmittelbaren Fahren zu tun hat ab – in einer Art iPad gebündelt

Ist man zu schnell, blinkt die Anzeige, will man in einer langen Baustelle, um kein Hindernis für die Lkw zu sein, statt der erlaubten 80 km/h deren 85 in den automatischen Abstandregler eingeben, weist einen der fürsorgliche Schwede gerne wiederholt auf diesen Fauxpas hin und unterlässt selbstverständlich die Befehlsannahme. Ein wenig zu ängstlich agierten auch hin und wieder die Kollisionswarner, die vor Gefahren in Form von vor uns fahrenden Fahrzeugen warnten, die gerade abbogen. Autonome Autos werden sicherlich noch viel defensiver unterwegs sein. Für die Verkehrssicherheit ist das gut. Als Fahrer fühlt man sich ein wenig bevormundend, aber man gewöhnt sich dran.

An den XC90 gewöhnt man sich insgesamt schnell. Für Menschen, die viel Platz um sich mögen, schwedisches Design goutieren und eine gewisse Fürsorglichkeit abkönnen, ist er auf jeden Fall eine Alternative zu den deutschen Platzhirschen.

Autor: Günter Weigel/SP-X

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Volvo XC60 – Das kostet das Schweden-SUV

Noch im April 2017 startet Volvo die Produktion des neuen XC60. Die zweite Generation des SUVs rollt im Volvo-Stammwerk im schwedischen Torslanda vom Band. Der Marktstart des mit vielen neuen Assistenz-Systemen ausgerüsteten XC60 – unter anderem geht es teilautonom bis auf 130 km/h – ist für den Sommer geplant. Los geht es bei 48.050 Euro. Immer an Bord: Allradantrieb und Achtgangautomatik. Das alte Modell gab es bereits ab 36.400 Euro, allerdings nur mit Frontantrieb.

Der neue XC60 teilt sich die Basis mit dem größeren XC90, es kommen ausschließlich Vierzylinder-Motoren zum Einsatz. Der Einstiegs-Diesel leistet 190 PS, der kleinste Benziner 235 PS. Der T8-Pug-in-Hybrid schafft es dank 407 PS in 5,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. (Max Friedhoff/SP-X)

Volvo XC60 – Von wegen alter Schwede

Zwar war der Volvo XC60 bislang klar als Volvo zu erkennen und auch immer noch attraktiv, doch sah man ihm mittlerweile an, dass er nicht mehr recht ins Design passt. Die mittlerweile typischen Proportionen und Design-Elemente fehlten ihm. Doch nun zeigen die Schweden die zweite Generation des Bestsellers in Genf und schlagen damit voll ein. Wir schauen uns an, ob der neue Volvo XC60 auch das Potential hat, zum Bestseller zu werden, wie es die erste Generation vorgemacht hat.

Neun Jahre war der Volvo XC60 ohne großartige Veränderungen im Programm. Zwar wurde der Mittelklasse-SUV stetig Modellpflegen und Detailverbesserungen unterzogen, doch die Produktionsdauer von neun Jahren ist nicht gerade kurz im Automobil-Business. Das ändert trotzdem nichts daran, dass der XC60 das bestverkaufte Modell der Schweden ist – im letzen Jahr sogar mit einem neuen Verkaufsrekord.

Auch der Volvo XC60 trägt Scheinwerfer im Thors Hammer Design.

Bislang der Besteller um Hause: Der Volvo XC60

An diese Erfolge möchte Volvo natürlich anknüpfen und präsentiert auf dem Genfer Automobilsalon die zweite Generation des Bestsellers. Und die kann sich sehen lassen. Zwar wirkt der Volvo XC60 wie ein geschrumpfter Volvo XC90, doch hat man es nicht versäumt, die Proportionen etwas zu schärfen und so für einen gewissen Grad an Eigenständigkeit zu sorgen. Natürlich fährt der SUV mit dem klassischen Kühlergrill und den mittlerweile dazugehörenden Scheinwerfern in Thors Hammer Design vor. Ihr LED-Tagfahrlicht wirkt nicht nur prägnant, sondern ahmt die eiserne Keule der nordischen Gottheit nach.

Das alles wirkt so vertraut wie die aus den Brüdern S90/V90 und XC90 bekannte Sicherheitsausstattung. Doch hier kann der Volvo XC60 noch mehr punkten und legt nach. So fährt er zusätzlich mit der „Oncoming Lane Mitigration“ vor, die einen Zusammenstoß mit entgegenkommenden Fahrzeugen unterbinden soll. Hinzu gesellt sich eine neue Ausbaustufe des Toter-Winkel-Warners: Das System wird um einen Lenkeingriff erweitert und damit zum aktiven Assistenzsystem. Unter diesen Begriff lässt sich auch das „Pilot Assist“ fassen. So ausgerüstet, kann der Volvo XC60 – optional – bis 130 km/h nahezu autonom fahren.

Motoren von 190 bis 407 PS Leistung

Typisches Volvo-Heck mit L-förmigen Rückleuchten.

Gewöhnt haben wir uns daran, dass in allen Volvo-Baureihen nur noch Vierzylindermotoren mit 2.0 Litern Hubraum und Aufladung zum Zuge kommen. Eine kleine Träne weinen wir den alten Fünfzylinder-Motoren aber dennoch nach. Aber bleiben wir in der Gegenwart: Alle Aggregate des neuen Volvo XC60 werden mit einer 8-Stufen-Automatik und Allradantrieb vorfahren. Den Start bildet auf der Seite der Diesel der D4 mit 190 PS und wird vom D5 mit 235 PS und Powerpulse-Technologie getoppt. Bei den Benziner geht es mit dem T5 und 254 PS los. Darüber rangieren der T6 mit Turbo-Kompressor-Aufladung und 320 PS sowie der T8 TwinEngine. Der Plug-In Hybrid leistet 407 PS und soll den Schweden in 5,3 Sekunden auf 100 km/h wuchten.

Cool, aber wohnlich: Der feine Innenraum des Volvo XC60.

Klassische Werte zeigt der Volvo XC60 hingegen im Innenraum. Hier punktet die zweite Generation mit einer unaufgeregten Gestaltung ebenso wie mit einer tollen Verarbeitung und einem großen, vertikalen Touchscreen. Günstig ist das Vergnügen hingegen nicht: Los geht es bei rund 48.000 Euro. Doch ist die anvisierte Konkurrenz vom Schlage eines Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes-Benz GLC kaum günstiger.

Straffe Proportionen mit Hang zum XC90: Der neue Volvo XC60.